Als meine Großmutter vor zwei Jahren starb, hatte sie trotz ihrer Schmerzen, einen sehr zufriedenen Gesichtsausdruck. Grund war zum einen sicher die gute Schmerztherapie und zum anderen ihr langjähriger, jugendlicher Liebhaber, der ihre Schmerzen ein wenig vergessen ließ. Bis ins hohe Alter hat sie sich ihre sexuelle Lust behalten und durch ihren Liebhaber ihr Verlangen nach sexueller Befriedigung gestillt. Damals war es für uns Geschwister zum Teil äußerst verwerflich, als sie uns von ihrem Wunsch nach einem Vibrator erzählte. Sie war immerhin schon über 80 Jahre alt, da hat man keinen Sex mehr – oder doch?
Heute danke ich ihr für ihre Offenheit und wie sie mit ihrer sexuellen Lust umgegangen ist. Und auch ihrem Liebhaber Erwin gilt mein Dank. Ohne ihn hätte sie ihre Lust vielleicht nicht so ausgelebt, wie sie es dann getan hat. Heute weiß ich, dass durch die Befriedigung auch ein wenig ihre Schmerzen nachgelassen haben. Ein Dank auch an meine Familie und meine Freunde, die mich immer unterstützt haben und mich zu diesem Thema ermutigt haben. Heute kann ich mit dem Thema Sexualität in der Pflege weitaus besser umgehen als noch vor einem Jahr.
Aber wie wichtig ist Sexualität im Alter? Heißt Sexualität auch immer gleich Beischlaf? Warum nimmt die Befriedigung dem Menschen etwas von ihrem Schmerz? Warum tut sich die Pflege mit der Sexualität der Alten so schwer? Das möchte ich Ihnen gerne in dieser Hausarbeit ein wenig näher bringen. Viel Spaß beim Lesen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Themenfindung – Warum ist dieses Thema so wichtig?
1.2 Sexuelle Lust im Alter – Was bedeutet das eigentlich?
2. Hauptteil
2.1 Relevanz in der Pflege – Sexualität, ein Tabuthema?
2.2 Sexualität im Pflegeheim – Ist das überhaupt vorstellbar?
2.3 Der Umgang mit Sexualität in der Pflege – die asexuelle Wesen?
2.4 Krankheit und Sexualität – geht das?
2.4.1 Körperliche Ursachen
2.4.1.1 Altersrheuma
2.4.1.2 Herz-Kreislauferkrankungen
2.4.1.3 Krebserkrankungen
2.4.1.4 Neurologische Erkrankungen
2.4.1.5 Psychische Erkrankungen
2.4.1.6 Abhängigkeitserkrankungen
2.4.2.1 Psychosoziale Ursachen
2.5 Privatsphäre in Pflegeeinrichtungen – gibt es sowas?
2.6 Prostitution im Pflegeheim – so ein Schweinkram, oder?
3. Fazit
3.1 Die Aufgabe der Pflege
3.1.1 Einfühlsame Pflege
3.1.2 Beratende Pflege
3.1.3 Enttabuisierende Gespräche
Zielsetzung und Thematik
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Tabuisierung von Sexualität bei pflegebedürftigen Menschen auseinander und zielt darauf ab, ein Umdenken in Pflegeeinrichtungen anzustoßen, um die sexuelle Selbstbestimmung und Lebensqualität älterer Menschen zu fördern.
- Sexualität als Grundbedürfnis im Alter
- Barrieren in der stationären Altenpflege
- Auswirkungen von Krankheiten auf das sexuelle Erleben
- Rolle des Pflegepersonals und professioneller Umgang
Auszug aus dem Buch
2.1 Relevanz in der Pflege – Sexualität, ein Tabuthema?
Immer wieder lesen wir Zeitungsausschnitte wie den links abgebildeten. Das Thema Sexualität in der Pflege ist leider immer noch mit viel Scham und Ängsten belegt und es wird ungerne darüber gesprochen. Doch unsere Jugend ist aufgeklärter als jemals zuvor und auch viel Senioren gehen bereits viel offener mit dem Thema um. Allerdings verhindert leider viel zu häufig der Gedanke zu alt für Sex zu sein das man miteinander schläft. Aber gerade ein erfülltes Sexleben erhält die Lebensgeister und fördert die Gesundheit. Und außerdem ist Sexualität ja auch nicht nur auf den Geschlechtsakt reduziert. Umso wichtiger scheint nun eine gute Aufklärung für Pflegekräfte und auch pflegende Angehörige zu sein, damit das Thema Sexualität endlich nicht mehr tabuisiert wird. Für viele Pflegeverrichtungen gibt es mittlerweile Standards. Warum nicht auch für den Umgang mit sexuellen Verlangen? Gut, das geht vielleicht ein bisschen zu weit. ;-)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Autorin, die durch persönliche Erlebnisse und Beobachtungen in der Pflegeeinrichtung dazu angeregt wurde, die oft ignorierte Sexualität alter Menschen zu thematisieren.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert die vielfältigen Hindernisse für ein erfülltes Sexualleben im Alter, beleuchtet den Einfluss körperlicher sowie psychosozialer Faktoren und kritisiert die bestehenden Rahmenbedingungen in Pflegeheimen.
3. Fazit: Das Fazit fordert ein umfassendes Umdenken bei Angehörigen und Pflegekräften und unterstreicht die Notwendigkeit, Sexualität als einen integralen Bestandteil der menschlichen Identität bis ins hohe Alter zu wahren.
Schlüsselwörter
Sexualität, Altenpflege, Tabuthema, Pflegeheim, Selbstbestimmung, Intimsphäre, Demenz, Sexualassoziation, Lebensqualität, Bedürfnis, Alter, Sexualbegleitung, Aufklärung, Pflegeethik, Beziehungsfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung und den Umgang mit Sexualität im Kontext der stationären Altenpflege und fordert eine Abkehr von der Tabuisierung alter Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die sexuelle Biografie von Senioren, die Auswirkungen von Alterserkrankungen auf das Lustempfinden sowie die institutionellen Barrieren der Privatsphäre.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, ein Umdenken in der Pflege zu erreichen, damit die sexuelle Selbstbestimmung und die Bedürfnisse der Bewohner sensibler und professioneller respektiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachliche Ausarbeitung, die auf Literaturrecherche, der Analyse rechtlicher Grundlagen und praktischen Beobachtungen aus dem Pflegealltag basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von körperlichen Ursachen wie Erkrankungen, psychosoziale Aspekte, Fragen der Privatsphäre und die kontroverse Diskussion über Prostitution im Pflegeheim.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sexualität, Altenpflege, Tabuisierung, Selbstbestimmung, Intimsphäre und Lebensqualität.
Wie gehen Pflegekräfte laut Arbeit am besten mit den Bedürfnissen von Bewohnern um?
Die Autorin empfiehlt einfühlsame Gespräche, die Berücksichtigung der sexuellen Biografie und die Akzeptanz von Intimität als legitimes Bedürfnis, statt diese medikamentös zu unterdrücken.
Welche Rolle spielt die Privatsphäre in Pflegeheimen?
Die Privatsphäre wird oft durch Zeitdruck, personelle Engpässe und die räumliche Situation (z.B. Mehrbettzimmer) stark eingeschränkt, was die Entfaltung sexueller Bedürfnisse massiv erschwert.
- Citation du texte
- Petra Loth (Auteur), 2013, Sexualität im Alter. Ist das noch normal?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267110