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"Von der Liebe will ich erzählen"

Liebe und Sexualität im Erzählwerk von Adolf Muschg

Titre: "Von der Liebe will ich erzählen"

Thèse de Doctorat , 2007 , 176 Pages , Note: sehr gut

Autor:in: Dr. Anne Meinberg (Auteur)

Lettres - Littérature comparée
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Résumé Extrait Résumé des informations

Diese Dissertation erforscht das gesamte Erzählwerk des Autors in Bezug auf den Liebesdiskurs und ist das bisher umfangreichste Forschungsprojekt über Adolf Muschg. In die Forschung mit einbezogen wurden psychoanalytische und philosophische Aspekte seines Schaffens sowie ein Teil der Essays des Autors. Die Arbeit wurde aktuell vollkommen neu überarbeitet und stellt in dieser Fassung einen soliden wissenschaftlichen Text dar, der jedoch auch für interessierte Laien gut lesbar ist.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Vorüberlegungen

II. Diskursanalyse

1. Liebessemantik

2. Die Liebenden im Erzählwerk von Adolf Muschg

2.1 Die Figuren

2.2 Poetologische Prämissen des Autors Muschg

2.3 Vom Oedipus-Komplex zum Mythos des Orpheus

III. Die Liebesverweigerer

1. Zuschauer des Glücks

1.1 "Der ungetreue Prokurist" (1972)

1.2 "Der blaue Mann" (1972)

1.2.1 Stigma: Armut

1.2.2 Ein Schuldspruch

1.3. "Noch ein Wunsch" (1979)

1.3.1 Formale Kriterien

1.3.2 Unerfüllte Wünsche

2. Gefangene des Ichs: Hypochonder und Narzissten

2.1 "Rumpelstilz. Ein kleinbürgerliches Trauerspiel" (1968)

2.1.1 Forschungskritik

2.1.2 Verfehlte Kommunikation

2.1.3 Liebesspuren?

2.2 "Orka, der Geograf" (1987)

2.2.1 Mensch und Umwelt

2.2.2 Isolation

2.2.3 Liebe und Ehe

IV. Obsessive Liebesbeziehungen

1. Der Fetisch als Liebesersatz

1.1 "Keine Mädchen" (1968)

1.1.1 Vorgeschichte eines Suizids

1.1.2 Sexuelle Verdrängung

1.1.3 Kritik

1.2 "Der Wiedergutmacher" (1972)

1.2.1 Der Leichenfledderer - eine autoritäre Charakterstruktur?

1.2.2 Die Rolle des Erzählers

1.2.3 Rache auf Lebenszeit

2. Die Welt der Väter

2.1 "Der Zusenn oder das Heimat" (1972)

2.1.1 Das Motiv und seine Bearbeitung

2.1.2 Tabubruch und Schuld

2.2 "Duende" (2003)

2.2.1 'Ars longa, vita brevis'

2.2.2 Die weibliche Erzählfigur

2.2.3 Sexualität und Abhängigkeit oder: Annemarie - ein Frauenschicksal?

2.2.4 Liebesschulden

3. Der zerstörte Frauenkörper

3.1 "Ein Glockenspiel" (1982)

3.1.1 Dialektik von Vernunft und Sinnlichkeit

3.1.2 Innenwelten

3.1.3 Agape

3.2 "Der Turmhahn" (1987)

3.2.1 Stillstand

3.2.2 Die Wunde der Natur

3.2.3 Das Fremde und das Eigene

3.3 "Abschiedsbrief an einen Lebensretter" (2003)

3.3.1 Freiheit und Knechtschaft

3.3.2 Liebe bis über den Tod?

V. Ein Roman: "Eikan, du bist spät" (2005)

1. Zur Textstruktur

2. Rollenspiele

3. Choreografie einer Liebe

3.1 Das Versprechen

3.2 Liebe als Kunst

3.3 Verfehlungen

3.4 Katharsis und Neubeginn

4. Ein Resümee

VI. Befund

1. Chronologische Anamnese

1.1 Die siebziger Jahre

1.2 Die achtziger Jahre

1.3 Das Spätwerk

2. Invariante Motive und Figurenkonstellationen

3. Kryptogramme

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Erzählwerk von Adolf Muschg zwischen 1968 und 2005 mit dem Ziel, den Liebesdiskurs sowie die wiederkehrenden Ursachen für das Scheitern zwischenmenschlicher Beziehungen bei seinen Figuren aufzudecken. Dabei steht die These im Mittelpunkt, dass Liebes- und Beziehungsunfähigkeit eng mit der Unfähigkeit zum Leben verknüpft sind, was den Autor dazu veranlasst, traditionelle Mythen wie das Ödipus-Modell kritisch zu hinterfragen und neue ästhetische Ausdrucksformen für die Postmoderne zu finden.

  • Analyse der Liebessemantik und pathologischer Beziehungsformen (Inzest, Obsessionen).
  • Untersuchung des Paradigmenwechsels vom Ödipus-Mythos zum Mythos des Orpheus.
  • Herausarbeitung der "Liebesverweigerer" und ihrer psychischen Verankerung (Hypochondrie, Narzissmus).
  • Kritische Beleuchtung von Wissenschaft, Zivilisation und Umweltzerstörung im Kontext menschlicher Beziehungen.
  • Parodistische Auseinandersetzung mit bürgerlichen Routinen und gesellschaftlichen Konventionen.

Auszug aus dem Buch

1.1 "Der ungetreue Prokurist", 1972 (In: "Liebesgeschichten", 1974)

Bereits die unverbindliche Allgemeinheit im Titel der Erzählung deutet darauf hin: Hier geht es nicht um die Gestaltung eines individuellen Schicksals, sondern um einen Befund von gesellschaftlicher Relevanz. Dieser Meinung ist auch Baumgart, der in der Erzählung eine Fallstudie sieht, übertragbar auf „beliebig viele andere Bürgerpersonen", exakt beobachtet aus der Position eines kritischen Zuschauers. Die Protagonisten dieser Liebesgeschichte führen keine Namen, sondern werden mit ihren Berufen und den Personalpronomina bezeichnet. Auffällig vor der Folie institutionalisierter Literatur ist auch die Verwendung der Alltagssprache, zugeschnitten auf den engen Fokus eines Büroangestellten in einem mittelständischen Unternehmen. Er, Prokurist für Saftpressen, verrechnet sein Leben mit buchhalterischer Genauigkeit nach den Kriterien von Soll und Haben:

„Aber wenn man leben wollte, musste man auch bereit sein, hier vielleicht etwas zuzulegen, dort etwas abzubuchen“ (S. 9).

Er lebt in geregelten Verhältnissen, hat alles, was zu einem geordneten Leben dazu gehört: Familie, Haus und Garten, in seiner Firma stellt er etwas dar -

„Er brauchte kaum zu betonen, dass er in seinem Saftladen etwas Gehobenes sei“ (S. 10).

Dennoch „hatte [er] sich manchmal eine Geliebte gewünscht [...], weil er auch gern einmal ein Mensch gewesen wäre mit allem, was dazugehört“ (S. 9). Dieser Mangel wird von dem Prokuristen als Defizit auf der Sollseite seines inneren Kontenplans verbucht. Nicht Liebe sucht er, sondern eine Geliebte, deren Funktion es sein soll, seinem Leben eine Komponente hinzuzufügen, die nur ihm persönlich gilt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Vorüberlegungen: Die Arbeit identifiziert die bisherige Forschungslücke hinsichtlich der Liebesthematik im Werk von Adolf Muschg und formuliert die zentralen Forschungsfragen zu Beziehungsformen und Scheiternsursachen.

II. Diskursanalyse: Dieses Kapitel verortet das Liebeskonzept bei Muschg im soziologischen Kontext und diskutiert den Wandel der Liebessemantik sowie die poetologischen Auffassungen des Autors.

III. Die Liebesverweigerer: Eine Analyse von Charakteren, die aus Angst vor dem Leben und dem Tod unfähig sind, sich auf zwischenmenschliche Bindungen einzulassen, und in ihr eigenes Ich flüchten.

IV. Obsessive Liebesbeziehungen: Untersuchung von pathologischen oder gesellschaftlich inkompatiblen Liebesformen, die häufig durch Traumata oder gesellschaftliche Zwänge geprägt sind.

V. Ein Roman: "Eikan, du bist spät" (2005): Eine umfassende Analyse des Romans als Entwicklungsgeschichte eines Künstlers, der über seine Versäumnisse zur Erkenntnis und einer neuen Form von Lebenskunst gelangt.

VI. Befund: Fazit über die Entwicklung der Liebesthematik in vierzig Jahren Werkgeschichte, von der resignativen frühen Prosa hin zur lebensbejahenden und humorvollen Haltung im Spätwerk.

Schlüsselwörter

Adolf Muschg, Liebesdiskurs, Sexualität, Prosa, Psychologie, Postmoderne, Ödipus-Mythos, Orpheus, Entfremdung, Identität, Geschlechterrollen, Körperlichkeit, Soziokritik, Narzissmus, Hypochondrie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Dissertation im Kern?

Die Arbeit analysiert das gesamte Erzählwerk von Adolf Muschg unter der Perspektive des Liebesdiskurses und der Beziehungsdynamik, wobei sie die Ursachen für das Scheitern seiner Protagonisten aufdeckt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten zählen die Semantik der Liebe, die Analyse pathologischer Liebesbeziehungen (wie Inzest oder Obsessionen), der Paradigmenwechsel von Ödipus zu Orpheus sowie die gesellschaftskritische Dimension des menschlichen Handelns.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Forschungs lücken zur bisher fehlenden Kategorisierung des Werkes nach Motiven zu schließen und die These zu erhärten, dass das Scheitern der Muschg-Figuren in Liebe und Leben untrennbar miteinander verwoben ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt vergleichende Textanalysen und bindet dabei sowohl essayistische Äußerungen des Autors als auch soziologische und psychoanalytische Konzepte (z.B. von Niklas Luhmann, Freud oder Adorno) zur Kontextualisierung ein.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Kategorien von Liebesformen, wie die der "Liebesverweigerer" (Zuschauer des Glücks, Hypochonder), obsessive Beziehungen (der Fetisch als Liebesersatz) und die Entwicklung der männlichen Protagonisten über mehrere Jahrzehnte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie "Liebesdiskurs", "Identität", "Psychologie", "Körperlichkeit" sowie die kritische Reflexion von "Zivilisation" und "Gesellschaftsstrukturen" aus.

Welche Rolle spielt die Metapher der Krankheit in Muschgs Werken?

Krankheit dient bei Muschg als Metapher für den ungelebten, entfremdeten Zustand des Menschen. Sie fungiert als Signal des Körpers gegen eine Gesellschaft, die den Einzelnen auf Leistung und Funktionieren reduziert.

Wie bewertet die Dissertation die Bedeutung des Mythos für Muschg?

Die Arbeit zeigt auf, dass Muschg einen Paradigmenwechsel vom belasteten Ödipus-Modell zum "leibfreundlichen" Orpheus-Mythos vollzieht, der die Bedeutung von Kunst und schöpferischer Lebensgestaltung in der Postmoderne hervorhebt.

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Résumé des informations

Titre
"Von der Liebe will ich erzählen"
Sous-titre
Liebe und Sexualität im Erzählwerk von Adolf Muschg
Université
Bielefeld University  (Linguistik und Literaturwissenschaft)
Cours
Moderne Literatur
Note
sehr gut
Auteur
Dr. Anne Meinberg (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
176
N° de catalogue
V267128
ISBN (ebook)
9783656576105
ISBN (Livre)
9783656576082
Langue
allemand
mots-clé
Moderne Literatur Liebesdiskurs Liebe und Leid Adolf Muschg Erzählwerk Muschg Liebe und Sexualität in modernen Erzählungen Das Fremde und das Eigene Der Fremde im Anderen Fremdheit in der Beziehung Versäumtes Leben Pathologische Liebesbeziehungen Obsessive Liebesbeziehungen Isolation und Liebe Psychoanalyse und Literatur Eikan du bist spät
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Dr. Anne Meinberg (Auteur), 2007, "Von der Liebe will ich erzählen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267128
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Extrait de  176  pages
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