Was in den frühen Jahren der Mainframe-Computer einmal als Application-Outsourcing startete und in den neunziger Jahren als ASP (Application Service Provider) eher schleppend in Gang kam, ist mittlerweile unter dem Begriff Software-as-a-Service, kurz SaaS, zu einem der wichtigsten Trends in der IT-Branche geworden. Dies zeigt nicht zuletzt die Marktentwicklung sehr deutlich.
In einer Analyse aus dem Jahr 2012 sagt das Marktforschungsunternehmen Gartner ein weltweites Marktvolumen für SaaS-Lösungen von 26,5 Milliarden Dollar für das Jahr 2016 voraus. Dies entspricht einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 17,4 Prozent und liegt damit deutlich über dem Wachstum des Gesamtmarkts für IT.
Dabei verändert sich das Machtverhältnis zwischen Softwareherstellern und Unternehmenskunden grundlegend. Hersteller können nicht mehr länger alleine bestimmen, zu welchen Konditionen und Preisen sie ihre Produkte verkaufen. Sie müssen sich auf eine neue Art von Kunden einstellen, die den Einsatz von Software ständig überwacht und danach beurteilt, wie viel Nutzen sie im Unternehmen stiftet. Dieser Paradigmenwechsel hat einen wesentlichen Einfluss auf die Preispolitik von Softwareherstellern.
Die Auswirkungen des technologischen Fortschritts in der Entwicklung und Bereitstellung von Unternehmenssoftware zwingt Softwarehersteller ihr Geschäftsmodell anzupassen und wesentliche Unternehmensfunktionen neu auszurichten. Die Implikationen für Softwarehersteller und die damit damit verbundenen Herausforderungen haben weitreichende Implikationen auf die Preispolitik von Softwareanbietern.
Der Erkenntnisstand aus der empirischen Forschung zu den Auswirkungen dieser Implikationen in der Praxis ist noch lückenhaft. Die vorliegende Arbeit leistet einen Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücke, unterliegt aber gleichzeitig Restriktionen, aus denen sich weiterer Forschungsbedarf ergibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Software-as-a-Service das neue Geschäftsmodell für Softwarehersteller
1.1 Besonderheiten der Preispolitik im Software-as-a-Service-Markt
1.2 Abgrenzung relevanter Begriffe
1.3 Ziel und Gang der Untersuchung
1.3.1 Ziele dieser Arbeit
1.3.2 Die Inhaltsanalyse als methodische Grundlage
1.3.3 Aufbau und Struktur der Arbeit
2 Definition und Auswahl der Untersuchungsobjekte
2.1 Auswahlverfahren in der empirischen Sozialforschung
2.1.1 Grundgesamtheit
2.1.2 Stichprobe
2.2 Definition des Untersuchungsobjekts
2.2.1 Teilbereiche des Cloud-Computing
2.2.2 Klassifizierung von SaaS-Anbietern
2.3 Auswahl der Untersuchungsobjekte
2.3.1 Definition der Grundgesamtheit
2.3.2 Ziehung der Stichprobe
3 Entwicklung des Erhebungsinstruments
3.1 Gestaltungsdimensionen der Preispolitik
3.1.1 Preisbildung
3.1.2 Bemessungsgrundlage
3.1.3 Preisdifferenzierung
3.1.4 Preisbündelung
3.1.5 Konditionenbezogene Strategien
3.1.6 Preiswahrnehmung und Preisbeurteilung
3.1.7 Dynamische Preisstrategien
3.1.8 Zusammenfassung
3.2 Konzeptspezifikation, Operationalisierung und Messung
3.2.1 Konzeptspezifikation
3.2.2 Operationalisierung
3.2.3 Messung
3.3 Das Kategoriesystem (Codebuch)
4 Durchführung der Inhaltsanalyse
4.1 Datenerhebung
4.2 Prüfung und Kontrolle
4.3 Datenaufbereitung und -analyse
5 Beschreibung und Bewertung der Ergebnisse
5.1 Systematische Beschreibung der Ergebnisse
5.1.1 Dimension der Bemessungsgrundlage
5.1.2 Dimension der Preisdifferenzierung
5.1.3 Dimension der konditionenbezogenen Strategien
5.1.4 Dimension der Preiswahrnehmung und Preisbeurteilung
5.1.5 Dimension der dynamischen Preisstrategien
5.2 Bewertung der Ergebnisse
5.2.1 Die dominante preispolitische Strategie
5.2.2 Die Freemium-Strategie als Erfolgsfaktor?
5.2.3 Nutzungsabhängig vs. Nutzungsunabhängig
5.2.4 Preisdifferenzierung – die Königsdisziplin?
5.2.5 Value Based Pricing – der neue Trend im SaaS-Markt?
6 Schlussbetrachtung und Implikationen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Master Thesis analysiert deskriptiv die Preismodelle von Software-as-a-Service (SaaS)-Anbietern im B2B-Markt, um herauszufinden, ob eine dominante preispolitische Strategie existiert und wie diese ausgestaltet ist.
- Analyse des Paradigmenwechsels vom Lizenzmodell zum SaaS-Geschäftsmodell.
- Identifikation und Kategorisierung von SaaS-Anbietern für den B2B-Sektor.
- Entwicklung eines Kategoriesystems zur Untersuchung preispolitischer Gestaltungsdimensionen.
- Empirische Untersuchung mittels Inhaltsanalyse von Online-Preismodellen.
- Bewertung der Preisstrategien, einschließlich Freemium-Modellen und Value Based Pricing.
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Preisdifferenzierung
Anbieter offerieren in vielen Fällen annähernd gleiche Dienstleistungen zu verschiedenen Preisen. In diesem Zusammenhang spricht man von Preisdifferenzierung.60
Laut Fassnacht (1996) liegt dann eine „Preisdifferenzierung liegt vor,
wenn ein Anbieter ein Produkt, das hinsichtlich der räumlichen, zeitlichen, leistungs- und mengenbezogenen Dimensionen identisch ist, zu unterschiedlichen Preisen verkauft oder wenn
ein Anbieter Varianten eines Produkts, die sich zumindest in einer der vier Dimensionen unterscheiden, ohne dass dabei andere Produkte entstehen, zu unterschiedlichen Preisen verkauft.“61
Preisdifferenzierung kann somit auch als eine auf die Preispolitik fokussierte Marktsegmentierung verstanden werden.62
„Eine preispolitische Marktsegmentierung ist häufig nötig, da ein Gesamtmarkt aus Nachfragern besteht, die sich hinsichtlich des wahrgenommenen Nutzens, der Kaufkraft für ein Sachgut oder eine Dienstleistung und damit bezüglich ihres Maximalpreises [...] und ihrer Preiselastizität unterscheiden. Diese Verschiedenheit der Nachfrager kann der Anbieter nutzen, in dem er Preisdifferenzierung anwendet.“63
Das Ziel der Segmentierung ist also die maximale Abschöpfung von Konsumentenrente und der damit verbundenen Erhöhung des Gewinns. Im Idealfall liegt der Preis dabei für jeden Kunden an seiner individuellen Preisobergrenze.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Software-as-a-Service das neue Geschäftsmodell für Softwarehersteller: Das Kapitel erläutert den Markttrend zu SaaS-Modellen und die daraus resultierenden Herausforderungen für die Preispolitik von Softwareanbietern.
2 Definition und Auswahl der Untersuchungsobjekte: Hier werden die theoretischen Grundlagen der empirischen Stichprobenziehung sowie die Klassifizierung der untersuchten SaaS-Anbieter dargelegt.
3 Entwicklung des Erhebungsinstruments: Dieses Kapitel definiert die Gestaltungsdimensionen der Preispolitik und entwickelt ein Kategoriesystem für die anschließende Inhaltsanalyse.
4 Durchführung der Inhaltsanalyse: Beschreibung des Prozesses der Datenerhebung, der Prüfung der Gütekriterien und der Analyseverfahren für die vorliegenden Daten.
5 Beschreibung und Bewertung der Ergebnisse: Detaillierte Darstellung der empirischen Ergebnisse sowie eine kritische Bewertung der dominanten Preisstrategien im SaaS-Markt.
6 Schlussbetrachtung und Implikationen: Abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse und Ableitung von Implikationen für die Forschung sowie die unternehmerische Praxis.
Schlüsselwörter
Software-as-a-Service, Preispolitik, SaaS, Preisdifferenzierung, Inhaltsanalyse, Preismodell, B2B-Markt, Wertorientierte Preisbildung, Freemium-Strategie, Preiswahrnehmung, Preisbeurteilung, Bemessungsgrundlage, Preisbündelung, Cloud-Computing, Preisstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Software-as-a-Service-Anbieter im B2B-Bereich ihre Preismodelle gestalten und ob es branchenweite Best-Practices gibt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Preisdifferenzierung, die Festlegung von Bemessungsgrundlagen, verhaltenswissenschaftliche Aspekte der Preiswahrnehmung sowie dynamische Preisstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine Bestandsaufnahme der Preismodelle von SaaS-Anbietern, um zu prüfen, ob sich eine dominante Preisstrategie identifizieren lässt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine empirische Inhaltsanalyse von öffentlich zugänglichen Webseiten der SaaS-Anbieter durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Preisgestaltungsdimensionen, die Operationalisierung dieser Variablen und die anschließende Durchführung sowie Auswertung der Inhaltsanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind SaaS, Preismanagement, Preisdifferenzierung, Inhaltsanalyse und Wertorientierte Preisbildung.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung hinsichtlich der Freemium-Strategie?
Die Arbeit zeigt, dass die Freemium-Strategie derzeit nicht dominant ist und ihr Einsatz stark von der jeweiligen Produktkategorie abhängt.
Wie bewertet der Autor das "Value Based Pricing"?
Obwohl Value Based Pricing als dem kostenbasierten Pricing überlegen gilt, findet es in der Praxis bisher nur selten konsequente Implementierung; es bietet jedoch ein großes Optimierungspotenzial.
Was macht das Beispiel Asana laut der Untersuchung so besonders?
Das Preismodell von Asana ist bemerkenswert, da die Preise bei steigender Abnahmemenge nicht sinken, sondern aufgrund bewusster preisstrategischer Entscheidungen steigen.
- Citation du texte
- MBA Johannes Ellenberg (Auteur), 2013, Deskriptive Analyse und Bewertung der Preispolitik von Software-as-a-Service-Anbietern im B2B-Markt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267269