Das metaphorische Verhandeln der Welt: Konzept, Metapher, Begriff


Hausarbeit, 2013

20 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Vorbemerkung

Das durch das Seminar „Konzept, Metapher, Begriff“ entstandene Thema dieser Arbeit war im ersten Augenblick sehr griffig und ich dachte, es ließe sich durchaus gut auch mit einer überschaubaren Anzahl von Literatur unterfüttern. Bei einer ersten Recherche musste ich dann aber feststellen, dass mein Eindruck der Übersichtlichkeit schnell schwinden müsste. Autoren wie Heidegger, Husserl oder Wittgenstein müssten wohl einfließen, da Blumenberg und Autoren, die über Blumenberg schreiben, einfach die Fülle des Themas nicht zu bewerkstelligen gereichen. So ist nun eine etwas aufgeblähte Liste an Texten zusammengekommen, die sicherlich nicht alle in ihrer vollen Gänze in diese Arbeit einfließen konnten, da ich mit dieser Arbeit auch versuchen möchte, anhand des eigenen, schlüssigen Arguments dem Thema des Verhandelns der Welt mittels Metapher näher zu kommen. Herauskristallisiert haben sich dabei drei Kapitel: Die Welt und der Mensch, Die Welt und die Metapher und Die Metaphern zwischen den Menschen. Im ersten Kapitel möchte ich auf den Begriff Welt zu sprechen kommen, was ist Welt und wie wird sie dargestellt? Darauf baut dann das zweite Kapitel auf, das den Schwerpunkt dieser Abhandlung bildet. Darin wird der Weltbegriff als Metapher beschrieben und warum die Welt nur metaphorisch verstanden und verhandelt werden kann? Abschließend möchte ich im dritten Kapitel den Abschluss bilden, indem ich die Verhandlung der Welt als die Metaphern zwischen den Menschen genauer beleuchten möchte. Welche Funktion hat die Metapher in der Kommunikation und warum verstehen wir sie, wie wir sie verstehen? Sicherlich kann diese Abhandlung keine Darstellung leisten, wie es für dieses philosophische und linguistische Problem des Verständnisses der Wirklichkeit von Nöten wäre, dennoch denke ich, dass es zumindest einen guten Überblick über das Verständnis der Metapher geben wird, auch wenn an der einen oder anderen Stelle die getroffenen Thesen genauer und schärfer erklärt werden müssten, auch wenn dies nun keine voreilige und vorab getroffene Entschuldigung für die „Oberflächlichkeit“ an manchen Punkten sein soll. Im besten Sinne sei diese Oberfläche als Möglichkeit zu verstehen, das Material dahinter zu erschließen.

Das metaphorische Verhandeln der Welt

I. Die Welt und der Mensch.

Die Welt, was ist das? Sicherlich ist die [Welt] als Begriff mehr als die bloße Umwelt, mehr als der Ort an dem wir sind, mehr als das Land indem wir leben, mehr als die Erde auf der wir weilen, mehr als der Kosmos in dem wir existieren[1]. Nicht nur das, was existiert definiert die Welt, sondern auch alles, was die Beziehungen unter diesem Existenten ausmacht: Macht, Anziehungskraft, Gravitation, Bewegung, Licht, Liebe, Hoffnung, Glaube, Vernunft, usf. Heidegger definiert die Welt unter anderem „als ontisch [zu verwendenden] Begriff und [dieser] bedeutet dann das All des Seienden, das innerhalb der Welt vorhanden sein kann.“[2] Also alleine die Möglichkeit, dass etwas existieren könnte gehört bereits zur Welt und definiert diese als eine Art metaphysischen Raum, wobei alles Existierende nur einen Teil – nämlich den physischen – der Welt darzustellen vermag.

Dabei könnte man nun annehmen, dass der Mensch als sowohl physische als auch metaphysische Gestalt ebenfalls in dieser Welt sei. Doch ist dies wirklich so? Ist der Mensch tatsächlich als sein Ganzes in der Welt oder doch vielmehr nur als Teil? Man kann bezweifeln, dass wir die Welt so „sehen“[3], wie sie wirklich ist. Alleine aus der Tatsache abgeleitet, dass man nie alles um sich herum in der vollen Wahrnehmung zu sich hat und immer selektiv auf einen bestimmten Ausschnitt der Welt „sieht“, kann man darauf zurückschließen, dass der Mensch zumindest nicht komplett in der Welt sein kann. Ansonsten müsste er ständig das All des Seienden in seiner Gänze erfassen und verarbeiten können. Der Mensch bewegt sich vielmehr in einer Zwischenzone aus Welt und Nicht-Welt. Er „betrachtet“ die Oberfläche der Welt, „wo das Sein sich bekunden will oder sich verstecken will“[4]. Da die Welt aber nichts festes, nichts statisches ist, sie ständig in Bewegung und Veränderung zu sein „scheint“, kann der Mensch, wenn überhaupt, nur als „das halboffenstehende Sein“[5] bezeichnet werden. Durch seine physische Gestalt ist er auf jeden Fall Teil der Welt, da er von den anderen Teilen der Welt als existent „gesehen“ werden kann. Der Mensch ist nicht einfach nur eine Ausdehnung im Raume, die keinen Widerstand erzeugen würde. Doch kann der Mensch die Welt nicht als komplette Ganzheit erfassen, da seine Sinne, sein „Sehen“ und „Gesehen werden“, sein „Blick“ auf die Welt eben nicht die Welt als Welt „abbildet“, sondern nur einen Ausschnitt, ein Stück der Oberfläche zu präsentieren vermag.

Selbst wenn man davon ausgehen müsste oder möchte, dass es nicht einmal das Existierende gibt und damit dieser Teil der Welt gar nicht vorhanden ist, dass selbst dieses Existente nur eine Art Einbildung des Menschen ist, so muss doch auch der Mensch in sich existent sein, da nur das Existierende von anderer Existenz ausgehen kann und andere Existenzen erzeugt. Mit einem Gedankenexperiment möchte ich kurz zeigen, wie ich das verstehe: Man stelle sich die Liebe als an und für sich existierend da. Die Liebe als Gefühl oder Regung kann nicht ohne das Existente erlebbar sein, da die Liebe als Projektion[6] und Reflexion[7] verstanden werden muss. Selbst wenn der Liebende seine Liebe auf etwas Nicht-Existentes richtet, sagen wir Gott, wird es für ihn existent. Für den Gott-Liebenden existiert Gott wirklich. Doch liebt der Liebende nur die Liebe, so fehlt die Projektion und Reflexion, weswegen die Liebe nicht weiter mit Bewegung – was immanent sein dürfte – gespeist werden kann. Und doch, so die Liebe des Liebenden für die Liebe wiederum die Liebe als existent betrachtet werden muss. Die Liebe gibt es deswegen, weil die Liebe existiert. Damit muss man sagen, dass es keine Projektion und Reflexion ohne Existenz gibt und nur die Existenz die Möglichkeit besitzt, Projektionen und Reflexionen zu erzeugen, die wieder nur auf Existenzen gerichtet werden können oder auf dadurch erzeugte Existenzen. Von daher mag es zwar intellektuell ein Spielchen sein, davon auszugehen, dass es die Welt gar nicht gibt, beziehungsweise der ontische, physische Teil nicht existiert, letztlich wird man sich aber wohl in einer Sackgasse verrennen. Zudem wäre es schwierig das Nichts als existent zu beschreiben, wenn wie soll etwas existent sein, obwohl es doch die Nicht-Existenz ist? Für den weiteren Fortgang der Arbeit sei damit angenommen, dass es die Welt wirklich gibt und damit auch eine gewisse Wirklichkeit wirklich ist[8].

Doch warum muss der Mensch auch als metaphysisches Wesen gesehen werden, wo ich doch gerade versucht habe zu zeigen, dass selbst die Liebe als eine Art Existenz gesehen werden muss und damit ontisch und physisch geworden ist? Wie im Gedankenexperiment eben beschrieben, spielt die Projektion und Reflexion hier eine entscheidende Rolle. Der Begriff [Projektion] kann dabei als ein aus sich heraus erfolgende „Abbildung“ verstanden werden, die das eigene Selbst zum anderen Selbst „sieht“. Der Begriff [Reflexion] kann als Umkehrung der Projektion verstanden werden. Das eigene Selbst versucht durch das andere Selbst sein Eigenes zu „sehen“ und damit zu verstehen. Dabei darf die Bewegung der Projektion und Reflexion jedoch nicht nacheinander stattfindend „gesehen“ werden, sondern als ein unzeitliches Geschehen. Diesen räumlichen „Bewegungen“ auf die Spur zu kommen kann als metaphysisches Tun verstanden werden. Der Mensch „sieht“ sich selbst immer in Bezug zu anderen und die anderen in Bezug zu sich. Oder um hier andere Worte zu finden: das „Sehen“ und „Gesehen werden“ als nicht-literale Bezeichnungen. Jedoch darf dieses „Sehen“ nicht als reines „Sehen“ der Wirklichkeit verstanden werden. Denn der Mensch „sieht“ auch immer seine eigene Projektion, aus der er wieder die Reflexion abzuleiten versucht. Seine Wirklichkeit ist damit in gewisser Weise doch auch durch den Menschen selbst konstruiert, indem er das Existente durch seine projizierende und reflektierte Sichtweise dahingehend anders „sieht“, als die wirkliche Wirklichkeit ist.[9] Mit dieser Definition kann man auch Bachelards Satz , dass der Mensch nur ein „halboffenstehendes Sein“ ist, besser verstehen. Zwar hat der Mensch als Teil und in der Welt physisch seiend alle grundsätzlichen Voraussetzungen, um die Welt als Wirklichkeit zu „sehen“ und damit womöglich auch zu verstehen, doch durch seine Projektion und Reflexion als metaphysisch die Welt „betrachtendes und betrachtetes“ Sein, versperrt sich ihm die Welt als Wirklichkeit.

[...]


[1] Vgl. Lyre, a.a.O.

[2] Heidegger, S. 64.

[3] Da der Mensch als hauptsächlich visuelles Wesen agiert und auch wahrnimmt sowie wahrgenommen wird, möchte ich das Wort „sehen“ anstelle von „wahrnehmen“ benutzen, da ich davon ausgehe, dass es sich besser dafür eignet, den Menschen zur Welt zu verorten, als dies über die Verwendung des Begriffs [wahrnehmen] tatsächlich erfolgen kann.

[4] Günzel, Barchelard. S. 175.

[5] Günzel, Bachelard. S. 175.

[6] Vgl. Blumenberg, Paradigmen. S. 155.

[7] Vgl. Merker, S. 164-180.

[8] Vgl. hierzu Hürter/Vašek.

[9] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das metaphorische Verhandeln der Welt: Konzept, Metapher, Begriff
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Fakultät für Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Konzept, Metapher, Begriff
Note
1.3
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V267276
ISBN (eBook)
9783656579120
ISBN (Buch)
9783656579113
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache, Welt, Wittgenstein, Hegel, Blumenberg, Metapher, Begriff, Konzept, Verstehen
Arbeit zitieren
Michael Krieger (Autor), 2013, Das metaphorische Verhandeln der Welt: Konzept, Metapher, Begriff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267276

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