Zur Geschichte der höheren Bildung im Nationalsozialismus


Hausarbeit, 2010

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Zielsetzung

2. Einflüsse aus der Vergangenheit – Die Nachwirkungen der Weimarer Republik

3. Hitlers Ideologie im Bezug auf Erziehung und ihre Widersprüche

4. Die Zielvorstellungen speziell in der höheren Bildung

5. Umsetzung und Maßnahmen in der höheren Bildung

6. Kritische Schlussbetrachtung

7. Quellen

1. Einleitung und Zielsetzung

Pfeiffer mit einem f oder zwei f?“ – „Mit drei f!“; diesen Satz konnte ich bereits als kleines Kind genau zuordnen. Deeser oonverschämte Lömmel erinnerte mich an vergnügliche Abende mit meinen Eltern, die mir bei diesem Film ausnahmsweise langes Fernsehen erlaubten. Erst im Zusammenhang mit dieser Hausarbeit wurde mir nun schließlich bewusst, dass Die Feuerzangenbowle ein Film aus dem Jahr 1944 ist und somit während eines grausamen Krieges und menschenverachtenden Regimes gedreht wurde. Selbst die ungenauste Recherche ergibt sofort, dass dieser lustige Rühmann-Film keineswegs die historische Realität und damalige Erziehungsprämissen widerspiegelt.

Allerdings, kann man sofort alles verurteilen, was dieses Schulsystem und speziell die höheren Schulen darstellten? Ein entschiedenes „Nein“ würde ich wohl von einem Bewohner meines Hauses hören: Gerade umgezogen, wurde mir von einem netten, jungen Mann Hilfe beim Kisten tragen angeboten und bei einem nachbarschaftlichen Treffen stellte sich heraus, dass er ein absolut überzeugter Nazi ist. Mein erster Schock war zwar groß, jedoch sollte man nicht in dieser Position verharren oder die ‚Vergangenheit Vergangenheit sein lassen‘, sondern sich noch immer intensiv mit dem Thema befassen, nicht um herauszustellen, was sich ‚Gutes‘ im nationalsozialistischen Erziehungsgedankengut finden lässt, sondern um zu erkennen, warum es einerseits so schnell so großen Anklang finden konnte und dadurch andererseits auch so gefährlich war und ist.

Ein letzter ebenfalls persönlicher Grund für meine Auseinandersetzung mit diesem Thema ist mein sehr geschätzter Großvater, der als Neulehrer und Direktor am Schiller-Gymnasium Bautzen tätig war. Sein Vorbild hat wohl ebenso zu meiner Berufswahl beigetragen, wie der Wunsch seit meiner Kindheit ‚Gutes tun‘ zu wollen; aber wollten das die Lehrer zwischen 1933 und 1945 nicht vielleicht auch? Oder haben einige die ihnen durch den Bildungsauftrag verliehene Autorität verantwortungslos und absichtlich missbraucht? Wie groß ist der Schritt bis ein Lehrer seine eigentliche Objektivität aufgibt und sich in den Dienst einer Politik stellt, wohingegen er eigentlich frei denkende Jugendliche erziehen sollte?

Mir ist daher daran gelegen, keine beschreibende Abhandlung in Jahreszahlen abzuliefern, sondern exemplarisch zu zeigen, wie humanistische Bildungsgedanken so sehr außer Kraft gesetzt werden konnten, dass die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Begriff der reeducation verfügten, dass neue Lehrer das deutsche Bildungssystem wieder auf einen von nationalsozialistischen Ideen freien Weg bringen sollten.

2. Einflüsse aus der Vergangenheit – Die Nachwirkungen der Weimarer Republik

Will man nach den Ursachen für die Veränderungen im deutschen Bildungssystem vor und nach 1933 forschen, muss man selbstverständlich die Probleme und Fehler der Vergangenheit sehen, aber auch die Gemeinsamkeiten und Grundlagen als Fundament der nationalsozialistischen Erziehungsideen. Als Aufgabe der Schule wurde es stets angesehen, die Gesellschaft zu bilden, bzw. - mit Fokus auf die höhere Bildung - die zukünftige Elite der Gesellschaft, wobei der Unterschied zwischen deren und der Massenbildung jedoch bestehen bleiben sollte.

Hermann Nohl beschreibt den historischen Rahmen, der eine Erklärung dafür bilden könnte, warum durch unterschiedliche Umstände und Intentionen zwei unterschiedliche bildungspolitische Richtungen eingeschlagen wurden: Seiner Meinung nach gibt es drei immer wiederkehrende Phasen in der Pädagogik, wobei in den ersten beiden Phasen zunächst die Bildung der eigenen Persönlichkeit (auch im Gesamtzusammenhang mit der Gesellschaft) und dann die der Gesellschaft im Vordergrund stehen. Während dieser Zeit – und er sieht dies als eine gegebene Gesetzmäßigkeit – werden ideologische Kräfte und Bildungspotential geweckt. In der dritten und entscheidenden Phase bündeln sich diese und müssen in eine sinnstiftende

Richtung gelenkt werden. Ebenso wie es heute sein sollte, haben wohl auch damals viele den Beruf gewählt, weil sie Innovationspläne hatten und den Willen in der Gesellschaft etwas zu bewegen. Der Nationalsozialismus schien nun hierfür nach einer von vielen als unstrukturiert erlebten Zeit endlich eine erstrebenswerte Richtung zu bieten.

Welche Ursachen konnten aber dazu führen, dass viele der Intellektuellen (der damaligen Lehrkräfte) ihre humanistischen Werte und Werke nicht nur vergaßen, sondern sie absichtlich zerstörten, in dem sie am 10. Mai 1933 Bücher des Staates der Dichter und Denker verbrannten?[1] Oder führte der falsche Umgang mit den Bürden der Nachkriegszeit, vorrangig dem Versailler Friedensvertrag, sowie Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit zu derartiger Perspektivlosigkeit bei den Pädagogen?

Adolf Hitler jedenfalls war davon überzeugt, dass der größte Fehler darin bestand, erzieherische Ziele und Inhalte sowie deren Organisation unabhängig von der Politik bestehen zu lassen und dass die Schule mit ihren humanistischen und rationalen Grundgedanken ohnehin nur ein „Relikt des bürgerlichen Leistungssystems“ war. Pädagogische Zielstellungen wie Selbstfindung, Individualismus und eine breite Allgemeinbildung durch Heranführen, Zeigen und Belehrung zu vermitteln, hielt er für schwach und ineffizient.

Tatsächlich sah sich die „Republik ohne Republikaner“ mit überfüllten Akademien und höheren Schulen sowie überqualifizierten Arbeits- und unzufriedenen Lehrkräften konfrontiert[2]: bei einigen mochte zwar Reformbestreben vorhanden gewesen sein, jedoch fehlte vor allem an den Volksschulen die finanzielle Unterstützung; auf der anderen Seite war bei vielen Lehrern die Verbundenheit zum Kaiserreich, dem romantischen Patriotismus und Nationalismus, die seit Napoleon und den preußischen Reformen stets gewachsen waren, stärker als zur Vernunft. Bildungspolitische

Maßnahmen versuchten daher die Mittelschule zu stärken sowie durch erschwerte Zugänge und weniger Stipendien Hochschulzugänge zu reduzieren, was dann ab 1933 radikalisiert und zu Ungunsten des Intellekts, der Juden und der Emanzipation weitergeführt wurde.

[...]


[1] Alfred Bäumler, der eigentlich als Professor an der Berliner Universität tätig war, hielt hier eine Rede und wurde später auch zum Beauftragten des Führers für die Überwachung der geistigen Schulen der NSDAP ernannt

[2] Zu den Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, siehe Schlussbetrachtung

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zur Geschichte der höheren Bildung im Nationalsozialismus
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für allgemeine Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Geschichte des Gymnasiums
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V267556
ISBN (eBook)
9783656583202
ISBN (Buch)
9783656583196
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichte, bildung, nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Cordula Zwanzig (Autor), 2010, Zur Geschichte der höheren Bildung im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267556

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