Martyrium. Bekenntnis oder Egoismus?


Unterrichtsentwurf, 2013

19 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhalt

1. Thema
1.1 Thema der Stunde
1.2 Lehrplanbezug
1.3 Sachanalyse

2. Pädagogisch-psychologische Überlegungen
2.1 Situation der Klasse
2.2 Bedeutung des Themas für die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler

3. Planung der Unterrichtsstunde
3.1 Stellung der Stunde in der Stundensequenz
3.2 Lernziele
3.3 Methodisch-didaktische Überlegungen und geplanter Verlauf

4. Verlaufsskizze

5. Quellenverzeichnis

6. Anlagen

1. Thema

1.1 Thema der Stunde

Das Thema der Lehrprobenstunde „Martyrium – Bekenntnis oder Egoismus?“ führt die Schülerinnen und Schüler zur Auseinandersetzung mit dem Thema der Christenverfolgungen. Die Schülerinnen und Schüler lernen die Vorwürfe kennen, die es gegenüber Christen im Römischen Reich anfangs 3. Jahrhunderts gibt, sie reflektieren, aus welchen Gründen Christen zum Kaiseropfer genötigt werden und wie die Rechtslage bei den Prozessen aussieht. Indem die Schülerinnen und Schüler die Sicht eines gleichaltrigen Jungen einnehmen, der sich auf die Suche nach Informationen über seine Mutter begibt, wird die Auseinandersetzung mit diesem Thema persönlicher, sodass die Schülerinnen und Schüler eine eigene Stellung zu der Frage nehmen, ob Märtyrer ein Vorbild sind oder v.a. aus egoistischen Motiven handeln.

1.2 Lehrplanbezug

Die Schülerinnen und Schüler sollten laut des Lehrplans das Leben der „Christen im rö-mischen Kaiserreich bis ins 4. Jahrhundert“[1] kennenlernen. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf den Christenverfolgungen. Diese zeigen beispielhaft, „wie Christen die Entstehung und das Leben der ersten Gemeinden als Wirkung des Heiligen Geistes verstanden haben“[2], indem sie ihr Schicksal dieser anvertraut haben und nicht einmal vor dem Tod zurückgeschreckt sind.

Es finden einige pädagogische Aspekte des Lehrplans Eingang in die Lehrprobenstunde. Zunächst werden Schülerinnen und Schüler dazu angeregt, „Bewusstsein für entwicklungsbedingte Veränderungen [zu] schaffen“[3], indem sie eine „eigene Rolle“[4] finden. Hierbei ist die Perspektive eines Jungen hilfreich, der auf der Suche nach Informationen über seine Mutter auf ihren Märtyrertod stößt und sich entscheiden muss, wie er mit dieser Information umgeht. Soll die Mutter ein Vorbild für ihn sein oder möchte er sie lieber vergessen, da sie mehr auf ihr Seelenheil als auf ihren Sohn Rücksicht nahm? „Ein Anliegen des Religionsunterrichts ist es allerdings, den Schülerinnen und Schülern plausibel zu machen, dass die Geschichte für unser Mensch-Sein heute relevant und für die Zukunft wesentlich ist.“[5] Dies gelingt durch die Diskussion über das Martyrium als mögliches Vorbild. Denn die Frage, ob die Nächstenliebe oder die Nachfolge Christi ein Grundprinzip christlichen Verhaltens sein soll, ist immer noch aktuell. Aber auch „die Fähigkeit zu konstruktiver Kritik und deren angemessene Äußerung“[6] wird durch die abschließende Beurteilung der Tat Perpetuas gefördert. Schließlich werden die Schülerinnen und Schüler „zum Strukturieren und Referieren einfacher Sachverhalte und Vorgänge“[7] angeleitet, indem sie die Informationen über Perpetua für andere vorbereiten und sie diesen präsentieren.

1.3 Sachanalyse

Die Frage nach den Gründen der Christenverfolgungen im Römischen Reich wurde lange mit dem Konflikt zwischen dem exklusiven Monotheismus des Christentums und dem römischen Pantheon der Koexistenz verschiedener Götter beantwortet, basierend auf der Literatur des zweiten und dritten Jahrhunderts[8], die das Ausmaß der Christenverfolgungen überzog, da ein Blutzeugentod in der Regel ein lokal oder regional begrenzter Ausnahmefall war[9]. Denn wenn die Christen in ganzem Reich auf Ablehnung gestoßen wären, wären die eher spärlichen Zeugnisse zu Christenprozessen und die schnelle Ausbreitung des Christentums nur schwer zu erklären. Auch gab es keine Anzeigepflicht für römische Bürger in Bezug auf Christen. Ausschlaggebend für die Christenverfolgungen war eher die Haltung der jeweiligen lokalen Eliten, die Interesse an der Wahrung des inneren Friedens hatten[10].

Dennoch ist es nur schwer zu begreifen, aus welchen Gründen Statthalter und andere hohe Amtsträger auf Anzeige hin einen Reichsbewohner wegen seines bloßen Bekenntnisses zum Tode verurteilen konnten, ohne dass ein konkretes Delikt vorzuweisen gewesen wäre. Die naheliegende Erklärung beruht auf dem Aberglauben seitens der Römer[11]. Einerseits wurden die Christen durch den hingerichteten Stifter des Christentums von Anfang an kriminalisiert, andererseits haftete an ihnen fest ein Bild von der Störung der öffentlichen Ordnung, man bedenke beispielsweise den Aufstand der Silberschmiede in Korinth. Man warf den Christen Misanthropie vor, d.h. Loslösung aus der Lebensgemeinschaft des Römischen Reiches. Denn sie verehrten die staatlichen Gottheiten und Kaiserbilder nicht, sie blieben von öffentlichen Festen und Schauspielen fern und beteiligten sich nicht an gemeinsamen Opfermahlzeiten.

Tertullian schreibt Ende des 2. Jahrhunderts in seiner Schrift „Ad nationes“ von einem institutum Neronianum[12], das jedoch nicht meint, Nero habe ein Sondergesetz oder Ähnliches erlassen, das bereits das Bekenntnis zum Christentum unter Strafe stellte, vielmehr ist ein Befehl seinerseits gemeint[13]. Nero ordnete als erster Kaiser an, die Christen zu verfolgen[14], was auch nach seinem Tod weiterhin praktiziert wurde. Während seine Gesetzte und Erlasse der Ächtung seines Andenkens verfielen, konnte dieses Vorgehen umso leichter fortbestehen, wenn er es weder mit einem Gesetz noch mit einem Erlass eingeführt hatte.

Trajan jedenfalls kannte weder ein kaiserliches Gesetz noch eine kaiserliche Weisung, die festgelegt hätte, wie Christen strafrechtlich zu behandeln seien. Daher erklärt sich sein Antwortschreiben[15] an Plinius den Jüngeren aus dem Herbst 110, 111 oder 112. Trajan billigte zwar, dass Plinius Bewohner seiner Provinz, die als Christen angezeigt waren und sich weigerten, ihren Glauben zu verleugnen, hinrichten ließ; er schränkte jedoch für die Zukunft die statthalterliche Willkür ein. Denn er wies Plinius an, nicht nach ihnen zu fahnden. Wenn sie aber angezeigt und überführt wurden, so Trajan, wurden sie bestraft, mit der Einschränkung jedoch, dass, wer leugnete, Christ zu sein und den römischen Göttern huldigte, aufgrund seiner Reue Nachsicht erlangte.

Somit wurde die strafrechtliche Verfolgung der Christen erschwert. Sobald ein Christ angezeigt worden war, musste der Ankläger künftig seine Anklage verantworten. Aber nach wie vor wurden Christen, die sich unter wiederholter Androhung der Todesstrafe weigerten, ihrem Glauben abzusagen, hingerichtet[16].

So auch im Falle der Vivia Perpetua aus Karthago im Jahre 203. Das besondere an diesem Fall ist die Aufzeichnung der Erlebnisse und Empfindungen, die Perpetua verfasste, und zu denen die Gemeinde den Verlauf ihres Todes hinzufügte. Diese Märtyrerakten[17] wurden in Afrika jahrzehntelang als Vorbild vorgelesen[18]. Perpetua wurde zusammen mit ihrer Sklavin Felicitas verhaftet[19], als sie sich auf die Taufe vorbereitet hatten. Sie kamen in den Kerker, Perpetua nahm ihren Sohn mit, der noch ein Säugling war und gestillt wurde. Daraufhin soll ihr Vater versucht haben, sie davon zu überzeugen, dem Kaiser ein Opfer zu bringen, um dem Tode zu entkommen, indem er sie auf ihre Familie und vor allem ihren Sohn hinwies. Perpetua ließ sich jedoch nicht überzeugen. Sie ließ sich im Kerker taufen und vertraute lediglich ihren Sohn dem Vater an.

Am Geburtstag des Sohnes von Kaiser Septimius Severus wurde sie einer wilden Kuh vorgeworfen, die sie schwer verletzte. Da sie noch am Leben war, wurde sie von einem Gladiatoren getötet. Die Legende schmückt diese Tatsachen mit dem Hinweis auf Perpetuas stetige Standhaftigkeit, indem diese beispielsweise bei der Verletzung durch die Kuh weniger Schmerzen als Scham über ihre zerrissene Kleider empfindet.

Der Märtyrertitel[20], den Perpetua von der Kirche erhielt, bezeugt die Vollkommenheit ihres Zeugnisses. Den Hintergrund bildet der Glaube[21], dass der Gläubige die Wahrheit seines Zeugnisses erst durch den Tod wahrhaftig besiegelt, wie auch durch Jesu Tod sein Zeugnis einen neuen Sinn gewann. Die Qualen des Todes spüren die Märtyrer nicht, da ihnen der Heilige Geist überirdische Kräfte verleiht[22].

2. Pädagogisch-psychologische Überlegungen

2.1 Situation der Klasse

Die Lehrprobenklasse setzt sich aus 14 Schülerinnen und Schülern der Klasse 7a und aus 11 Schülerinnen und Schülern der Klasse 7b zusammen, wobei insgesamt 12 Jungen und 13 Mädchen am Unterricht teilnehmen.

Es besteht immer noch die häufige Unterstufentrennung zwischen Jungen und Mädchen, sodass man beispielsweise beim Umsetzen sehr vorsichtig sein muss. Denn sitzen ein Junge und ein Mädchen nebeneinander, werden sie von der Klasse verspottet.

Die Klasse war anfangs sehr laut, kam in den ersten Stunden zu spät in den Unterricht und war es nicht gewohnt, Hefteinträge sorgfältig zu gestalten oder das Buch mitzunehmen. Ich stellte daraufhin klare Regeln auf, die ich mit der gelben und der roten Karte verfolge. Die gelbe rote dient als Warnung. Bekommt ein Schüler die rote Karte, meistens weil er den Unterricht erheblich stört oder sich weigert zu arbeiten, wird er einzeln an einen Tisch gesetzt und schreibt einen Text ab, der zum Nachdenken anregen soll. Anschließend erhält er den verpassten Unterricht als Hausaufgabe, indem er einen Kurzvortrag vorbereitet und diesen in der nächsten Stunde der Klasse präsentiert. Dadurch holt er seine Lücken auf und die Klasse kann den Stoff letzter Stunde wiederholen. Auch das Umsetzen einiger Schülerinnen und Schüler erwies sich als hilfreich.

Die anfängliche Unruhe wirkte sich auch auf die Mitarbeit im Unterricht aus. Diesem wirke ich entgegen, indem ich die kirchengeschichtlichen Themen elementarisiere und versuche, diese mit den lebensnahen Themen zu verknüpfen. So besuchte ich mit der Klasse das Filmfestival der Menschenrechte in Nürnberg, wo wir den Film „Wadjda“ sahen. In diesem geht es darum, wie ein Mädchen in Saudi-Arabien danach strebt, ihren Traum nach einem Fahrrad erfüllen zu können. Ich verband diese Thematik mit der Lebensgeschichte des Paulus unter dem Oberbegriff „Seinen Weg gehen“ und besprach mit den Schülerinnen und Schülern ebenfalls, was ihre Träume sind und was diesen im Wege steht.

[...]


[1] Vgl. Lehrplanebene III, Evangelische Religionslehre, Lehrplanthema 7.1 Grundlage und Gestaltung der Kirche unter Link Nr. 1.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. Lehrplanebene III, Jahrgangsstufe 7 unter Link Nr. 2.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. Link-Ebene des Lehrplans, Evangelische Religionslehre, Jahrgangsstufe 7, Kirchengeschichte im RU unter Link Nr. 3.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Vor allem durch die Werke des Kirchenvaters Tertullian.

[9] Vgl. Lietzmann, S. 158.

[10] Vgl. Vittinghoff, S. 333.

[11] Vgl. in Folgendem ebd., S. 346.

[12] Vgl. T ertullian, Ad nationes I 7.

[13] Vgl. Flach, S. 452.

[14] Sein Vorgänger Claudius hatte sie lediglich aus der Hauptstadt ausweisen lassen.

[15] Vgl. Börger, S. 17.

[16] Vgl. Flach, S. 460.

[17] Vgl. Akten der heiligen Perpetua unter Link Nr. 3.

[18] Vgl. Lietzmann, S. 161.

[19] Vgl. in Folgendem Das Ökumenische Heiligenlexikon unter Link Nr. 4.

[20] Märtyrer werden zu „Zeugen Gottes“, vgl. Lietzmann, S. 160.

[21] Vgl. Lietzmann, S. 160f.

[22] Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Martyrium. Bekenntnis oder Egoismus?
Note
1,00
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V268138
ISBN (eBook)
9783656585718
ISBN (Buch)
9783656585695
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
martyrium, bekenntnis, egoismus
Arbeit zitieren
Pavla Hecht (Autor), 2013, Martyrium. Bekenntnis oder Egoismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268138

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