Die Geheim- und Nachrichtendienste sorgen seit einiger Zeit für große Aufregung in der Politik und in der Öffentlichkeit. Es begann mit dem Versagen dieser Dienste zu den Aktivitäten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), setzte sich fort mit dem Ausspähen von Handydaten der Bundeskanzlerin durch US-Geheimdienste, wobei auch britische Geheimdienste in die Schusslinie geraten sind. Jetzt ist das „No Spy“-Abkommen in Gefahr. Kein Wunder, dass die Arbeit der in- und ausländischen Geheim- und Nachrichtendienste zunehmend hinterfragt wird: Weil diese Dienste mehr oder weniger versagen oder weil sie ihre Kompetenzen überziehen und dadurch den Datenschutz missachten. Klar, dass von vielen Seiten Kritik auf diese Dienste einprasselt. In Deutschland sollen die Dienste auf den Prüfstand, weil sie – was die NSU-Pannen gezeigt haben – nicht effektiv genug arbeiten (Ermittlungspannen) oder sonst kritisch bewertet werden. Hierzu besteht Reformbedarf: Die Bandbreite geht von „besser zusammenarbeiten“ über „besser kontrollieren“ bis „ganz weg“. Reformen sind sicherlich angesagt, das Abschaffen dieser Dienste ist aber völlig abwegig! Deutschland ohne Geheimdienste, aber umgeben von ausländischen Geheimdiensten? Eine absurde Idee. Durch das „No Spy“-Abkommen sollen die Geheim- und Nachrichtendienste gezügelt werden. Die Bundesregierung verhandelt, so die Medien, bereits seit Monaten mit den anderen EU-Staaten und den USA über ein Anti-Spionageabkommen. Die Staaten sollen sich verpflichten, auf gegenseitige Spionage weitgehend zu verzichten. Demnach sollen nur noch Abhörmaßnahmen für zuvor verabredete Zwecke erlaubt sein, etwa zur Bekämpfung des Terrorismus oder gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Die entsprechenden Verhandlungen mit den USA und den Briten sind allerdings ins Stocken geraten. Bleibt abzuwarten, wie sich die Dienste im In- und Ausland entwickeln. Die innere sowie die äußere Sicherheit einerseits und der Datenschutz anderseits haben jeweils hohe Stellenwerte und dürfen sich nicht gegenseitig aushebeln. Es bleibt viel zu tun.
Inhaltsverzeichnis
1. Aktualität und Definitionen
1.1 Aktualität
1.1.1 NSA-Ausspähungen – Aufdeckung durch Edward Snowden
1.1.2 Überwachung von Bundeskanzlerin Angela Merkel
1.1.3 Lausch-Vorwurf auch gegen Briten
1.1.4 Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)
1.2 Definitionen
1.2.1 Geheimnis
1.2.2 Geheim- und Nachrichtendienste
2. Geheim- und Nachrichtendienste im engeren und weiteren Sinne
2.1 Deutschland
2.2 Ausland (Auswahl)
3. Recht & Gesetz in Deutschland
4. Diskussion: Reform oder gar Auflösung der Geheim und Nachrichtendienste
4.1 Wolfgang Bosbach, CDU
4.2 SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann
4.3 Hans-Peter Uhl, CSU
4.4 Gisela Piltz, FDP
4.5 Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen im Fachgespräch
4.6 Jürgen Trittin, Bündnis 90/Die Grünen
4.7 Linksfraktionen aus Bund und Ländern
4.8 Bundesregierung: „No-Spy“-Abkommen
4.9 Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM)
4.10 Konferenz der Datenschutzbeauftragten
4.11 US-Präsident Barack Obama und verschiedene Stellungnahmen zur NSA-Affäre
4.12 Rechtswidrige Speicherung von personenbezogenen Daten in Niedersachsen beim Verfassungsschutz
4.13 Thüringer Verfassungsschutz im NSU-Skandal
5. Beifall aus den Reihen der Opposition für Innenminister Boris Pistorius
Zielsetzung & Themen
Das Buch analysiert die aktuelle Kritik an in- und ausländischen Geheim- und Nachrichtendiensten, insbesondere vor dem Hintergrund von Skandalen wie den NSU-Morden und der NSA-Spähaffäre, und diskutiert den notwendigen Reformbedarf unter Berücksichtigung von Recht, Gesetz und politischer Verantwortung.
- Aktuelle Entwicklungen und Aufdeckung von Spionageaffären (NSA, Snowden).
- Strukturen und Aufgaben verschiedener Nachrichtendienste in Deutschland und international.
- Rechtliche Rahmenbedingungen und parlamentarische Kontrolle von Geheimdiensten.
- Diskurs über Reformen, Transparenz und die Vereinbarkeit von Sicherheit mit Datenschutz.
Auszug aus dem Buch
NSA-Spähaffäre
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele hat den NSA Whistleblower Edward Snowden getroffen. Bei der Zusammenkunft ging es um die Frage, unter welchen Bedingungen Snowden bei einer deutschen Staatsanwaltschaft oder einem Untersuchungsausschuss des Bundestages aussagen würde. Ströbele schilderte Snowden die Möglichkeiten, etwa mit freiem Geleit nach Berlin kommen zu können. Snowden zeigte prinzipielles Interesse, verwies aber auf seine komplizierte juristische Situation. Ströbele sagte dem ARD-Magazin „Panorama“: „Er ist grundsätzlich bereit, bei der Aufklärung zu helfen. Die Voraussetzungen dafür müssen geschaffen werden. Dazu haben wir lange hin und her diskutiert.“ Ströbele bot Snowden an, dass der Ex-NSA-Agent auch in Moskau gehört werden könnte. Ströbele sagte „Panorama“, er werde von Details des Gesprächs in einer Sondersitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums berichten. Christian Ströbele sagte, Snowden habe „klar zu erkennen gegeben, dass er sehr viel weiß.“
Treffen unter strenger Geheimhaltung
Ströbele wurde auf seiner Reise nach Russland begleitet von „Panorama“-Reporter John Goetz und dem unabhängig von der ARD reisenden Journalisten Georg Mascolo. Das dreistündige Treffen mit Snowden fand am Nachmittag unter größter Geheimhaltung statt. Die Gruppe wurde aus dem Hotel mitten in Moskau von Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes abgeholt. Diese brachten Ströbele und die Journalisten in einem grauen Kleinbus mit getönten Scheiben an einen geheimen Ort.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aktualität und Definitionen: Dieses Kapitel erläutert aktuelle Spionagefälle, darunter Edward Snowden und die NSU-Affäre, und definiert grundlegende Begriffe der Geheimdienstarbeit.
2. Geheim- und Nachrichtendienste im engeren und weiteren Sinne: Es erfolgt eine detaillierte Auflistung und Beschreibung verschiedener Inlands- und Auslandsnachrichtendienste in Deutschland sowie eine Auswahl internationaler Dienste.
3. Recht & Gesetz in Deutschland: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen und die rechtliche Einordnung der Tätigkeit von Nachrichtendiensten und Sicherheitsbehörden in der Bundesrepublik dargestellt.
4. Diskussion: Reform oder gar Auflösung der Geheim und Nachrichtendienste: Dieses Kapitel dokumentiert die politische Debatte über Reformnotwendigkeiten, die parlamentarische Kontrolle und verschiedene Reformvorschläge von Parteien und Institutionen.
5. Beifall aus den Reihen der Opposition für Innenminister Boris Pistorius: Das Abschlusskapitel thematisiert spezifische politische Positionen und Zustimmung innerhalb der Opposition zu aktuellen innenpolitischen Ansätzen.
Schlüsselwörter
Geheimdienste, Nachrichtendienste, NSA, Edward Snowden, NSU, Spionage, Überwachung, Verfassungsschutz, BND, Datensicherheit, Datenschutz, Geheimdienstrecht, Parlamentarische Kontrolle, Reform, Sicherheitspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Buch grundlegend?
Das Werk befasst sich mit der aktuellen Kritik an Geheim- und Nachrichtendiensten und deren Rolle in der modernen Sicherheitsarchitektur.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die NSA-Affäre, den NSU-Komplex, rechtliche Grundlagen der Nachrichtendienste und die politische Debatte über deren Reform.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Fakten, Stellungnahmen und Bewertungen zur aktuellen Arbeit von Nachrichtendiensten zusammenzufassen und den Reformbedarf kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Erhebung und Zusammenstellung von Dokumenten, Berichten und öffentlichen Debatten.
Was wird im Hauptteil ausführlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Nachrichtendienste, eine Analyse der rechtlichen Grundlagen und eine detaillierte Dokumentation der politischen Diskussion über Reformen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen den Inhalt?
Wichtige Begriffe sind Nachrichtendienste, Spionage, Datenschutz, Reform, parlamentarische Kontrolle und Sicherheit.
Welche spezifische Rolle spielte der NSU-Skandal für das Buch?
Der NSU-Skandal dient als ein zentraler Ausgangspunkt für die Frage nach dem Versagen der Nachrichtendienste und der Notwendigkeit einer umfassenden Reform.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Geheimdienste in der Demokratie?
Der Autor beleuchtet das Spannungsfeld zwischen notwendiger Sicherheit und dem Schutz von Grundrechten sowie die kritische Rolle der parlamentarischen Kontrolle.
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- Ernst Hunsicker (Author), 2014, Geheim- und Nachrichtendienste aus dem In- und Ausland in der Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268155