Gewalt in Märchen


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Begriffserklärung

3. Rotkäppchen.

4. Blaubart

5. Frau Trude

6. Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben

7. Kultur-historische Bezüge in Märchen

8. Auswirkungen auf Kinder und Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die literarische Gattung des Märchens existiert schon weltweit seit vorschriftlicher Zeit in mündlichen Überlieferungen und Volksweisen. Etwa ebenso alt wie das Märchen selbst ist ein Kritikpunkt, der heute noch mindestens genauso aktuell ist, wie er es schon vor hunderten von Jahren war. Bereits bei Plato findet sich Kritik an der dargebrachten Grausamkeit, welche sich mit fast ausnahmsloser Regelmäßigkeit in den übermittelten Erzählungen wieder findet.

Gerade in der heutigen Zeit, in der Diskussionen über die Gewalt in Medien immer wieder im öffentlichen Interesse stehen, in der gefragt wird, inwieweit der Einfluss so genannter „Killer-Spiele“, Musik und auch Filme potentielle Amokläufer und Gewalttäter aus der Gesellschaft hervorbringt, rückt auch wieder die stellenweise uns sehr außergewöhnlich und besonders grausam erscheinende Gewaltdarstellung von Märchen in den Fokus der Diskussion. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Frage, inwieweit Kinder womöglich von den ihnen dargebotenen Märchen negativ beeinflusst werden und psychische Folgeschäden davon tragen.

Im hier folgenden Text wird geklärt, welche Formen von Gewalt besonders häufig in Märchen auftauchen, welchem Zweck diese dient und ob und wenn ja, welche möglichen Auswirkungen die dargestellte Gewalt auf ihre primären Rezipienten, Kinder, haben kann.

Exemplarisch werden vier Geschichten aus den „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm betrachtet: „Rotkäppchen“, „Blaubart“, „Wie Kinder Schlachtens mit einander gespielt haben“ und „Frau Trude“. In diesen Märchen wird die Gewalt an sich, sowie die Begründung und die Aussageabsicht des Gewaltmomentes analysiert werden. Ebenso wird der kultur-historische Kontext, in dem die Märchen entstanden sind betrachtet und mit der heutigen Sichtweise verglichen.

Abschließend werden mögliche Auswirkungen, die die geschilderten Gewalttaten auf Kinder ausüben können, besprochen sowie die Gewalt in den Märchen mit der Gewalt in ihren filmischen Umsetzungen verglichen.

Ziel ist die Klärung der Frage, welche Funktion Gewalt in Märchen besitzt und ob aus ihr zwangsläufig ein negativer Einfluss auf Kinder entsteht.

2. Begriffserklärungen

Bevor nun die Grausamkeit bzw. Gewalt in Märchen aufgezeigt wird, ist es wichtig, die drei Begriffe vorab zu definieren, da dies als Schaffung einer Grundlage sehr zum Verständnis der Gesamtzusammenhänge beiträgt.

Die Brockhaus-Enzyklopädie beschreibt Märchen unter anderem als „eine phantast. Erzählung, die an Ort und Zeit nicht gebunden ist,“1. Das bedeutet, dass die Geschichten, die in einem Märchen erzählt werden nicht an die Realität bzw. die wahrgenommene Wirklichkeit des Lesers oder Hörers gebunden sind. Gleichermaßen verhält es sich dann auch mit den dargestellten Taten; seien es nun Verwandlungen von Menschen in Tiere, Begegnungen mit Feen und Hexen oder eben auch die Durchführung grausamer Gewalttaten, die in der Realität für alle Beteiligten nicht leicht zu ertragen wären, während sie in der Märchenwelt offenbar nichts ungewöhnliches darstellen.

Des Weiteren vermerkt der Brockhaus:

„Das [Märchen] zielt (…) auf die glückl. Lösung von Konflikten, wie sie dem

Wunschdenken von Erzählern und Zuhörern entspricht. Bezeichnend für das [Märchen] ist die scharfe Konturierung der Protagonisten, die nicht als Individuen (…) gestaltet sind.“2

Das bedeutet zum einen, dass Gewalttaten, so sie denn vom Helden oder der Heldin der Geschichte ausgehen, mehr oder weniger immer dazu dienen, die Geschichte zu einem glücklichen Ende zu führen. Somit sind diese Taten, so grausam sie auch seien mögen, stets gerechtfertigt, da sie dem Guten zum Sieg verhelfen.

Zum anderen bedeutet es, dass das Märchen meist ein reines Schwarz-Weiß-Denken aufweist, in dem es nur das Gute und das Böse gibt. Da die Handlung des Märchens dem Wunschdenken der Erzähler und Zuhörer entsprechen soll, ist es logisch, dass das Böse am Schluss bestraft werden muss und da es sich, bedingt durch das Denken in nur zwei Möglichkeiten, um das absolut Böse handeln, verlangt die Bestrafung nahezu nach einem exemplarischen Charakter, der durch seine ausgeprägte Grausamkeit dem Hörer im Gedächtnis bleibt und somit erzieherischen Charakter besitzt.

Der Begriff „Gewalt“ wird laut Brockhaus-Enzyklopädie in zwei Erscheinungsformen untergliedert:

„1) die rohe, gegen Sitte und Recht verstoßende Einwirkung auf Personen“3und
„2) das Durchsetzungsvermögen in Macht- und Herrschaftsbeziehungen“4.

Wenn man das in Märchen gefundene binäre Denkmuster auf diese Definition anwendet, so lässt sich sagen, dass die in der erste Begriffserklärung beschriebene Form von Gewalt unrecht ist, somit also die Art von Gewalt meint, die von den Antagonisten der Geschichte ausgeht. Sie ist ganz klar negativ konnotiert.

Die zweite Definition hingegen wäre dadurch die Ausprägung von Gewalt, welche auch, zum Beispiel, von einem Gericht gebraucht wird, um Recht und Ordnung wieder herzustellen. Das heißt, dass damit auch die Art von Gewalt gemeint ist, welche der Protagonist im Märchen einsetzt, um an sein gewünschtes Ziel zu gelangen oder um seinen Gegenspieler zu bestrafen. Die Taten des Helden (oder der Heldin) können also innerhalb der Märchenlogik per Definition nicht fragwürdig oder gar unnötig sein. Dies würde dann nämlich bedeuten, dass der durchweg positiv konnotierte Held etwas Böses tun würde - und das steht gänzlich außer Frage. „Der Erzählstrategie des Märchens entspricht die Auffassung, dass gegen einen Bösewicht jedes Mittel recht sei“.5

Die im Märchen als Grausamkeit bezeichneten Formen von Gewalt sind sehr facetten- und ideenreich. Allein, wenn man sich auf die Grimmschen „Kinder- und Hausmärchen“ beschränkt, entdeckt man eine Vielzahl mitunter auch blutiger Gräueltaten:

Bei „Hänsel und Gretel“ werden die beiden Kinder von ihren Eltern im Wald ausgesetzt. Danach werden sie von einer Hexe eingesperrt und Hänsel wird gemästet, um später verspeist zu werden. In „Totenvogel“ wird ein kleiner Junge von seiner Stiefmutter enthauptet, zerhackt, in Essig gekocht und seinem nichts ahnenden Vater als Essen serviert. In „Mädchen sucht seine Brüder“ droht ein König damit, seine zwölf Söhne töten zu lassen, falls das dreizehnte Kind kein Mädchen ist. In vielen anderen Märchen zeigen sich Abwandlungen der damaligen Todesstrafen und selbst eine Art sadistische Freude zeigt sich bei „Tischleindeckdich“, „wenn z.B. der Knüppel aus dem Sack jeden beliebigen Gegner so lange verprügelt, bis das Gegenkommando gegeben wird.“6

[...]


1„Märchen.“ Brockhaus-Enzyklopädie. 19. Auflage. Band 14. Mannheim: Brockhaus. 1991. S. 185.

2Ebd.

3„Gewalt.“ Brockhaus-Enzyklopädie. 19. Auflage. Band 8. Mannheim: Brockhaus. 1989. S. 453.

4Ebd.

5„Grausamkeit.“ Enzyklopädie des Märchens. Band 6. 1990. S. 103.

6Enzyklopädie des Märchens. S. 99.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Gewalt in Märchen
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V268280
ISBN (eBook)
9783656585824
ISBN (Buch)
9783656585732
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, märchen
Arbeit zitieren
Florian Biehl (Autor), 2008, Gewalt in Märchen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268280

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