Paradigmen der Angstforschung. Lerntheoretische Ansätze


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

19 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Definition von Angst

3. Klassische Lerntheorien
3.1. Klassische Konditionierung
3.1.1. Erläuterung
3.1.2. Der pawlowsche Hund
3.1.3. Schulisches Fallbeispiel
3.2. Operante Konditionierung
3.2.1. Erläuterung
3.2.2. Die Skinner-Box
3.2.3. Schulisches Fallbeispiel
3.3. Zwei-Faktoren-Theorie der Angstentstehung
3.3.1. Erläuterung
3.3.2. Das Miller-Experiment zur Zwei-Faktoren-Theorie
3.3.3. Schulisches Fallbeispiel
3.4. Modellernen
3.4.1. Erläuterung
3.4.2. Das Rocky-Experiment
3.4.3. Schulisches Fallbeispiel

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Phänomen, dessen Messung und Erforschung die Wissenschaft schon lange beschäftigt, ist die Angst. Besonders im pädagogischen Bereich der Erziehung kommt es immer wieder zu der bedeutsamen Frage, wie Angst entsteht, was sie auslöst und besonders, wie sie wieder zu beseitigen ist bzw. wie sie gar nicht erst entsteht. Gerade im schulischen Kontext stellt sich diese Frage häufig, da die Schule ein Ort ist, an dem viele Kinder und Jugendliche ihre ersten intensiven Angsterfahrungen machen. Die Folgen dieser Erfahrungen sind sowohl in ihrer Entstehung als auch in ihren Auswirkungen auf den betroffenen Schüler vielseitig und unterschiedlich. Somit gilt, besonders von Seiten der Lehrer und der Eltern, den möglichen Antworten, die die Wissenschaft erbringen kann, großes Interesse. Denn nur, wenn der erziehenden Person bewusst ist, wodurch ein Schüler Angst entwickelt, kann er ihr entgegenwirken und Rahmenbedingungen schaffen, in denen Angst entweder gar nicht erst entsteht oder die zu diesem Zustand führenden Elemente so abändern, dass sie nicht mehr bedrohlich oder angstauslösend wirken und sich das negativ geprägte Verhalten des Schülers wieder ändert.

Im nun folgenden Text wird zunächst definiert, was Angst eigentlich ist und ob sie erlernbar ist. Ist dies der Fall, führt das zu der Frage, ob sie dann auch wieder verlernt werden kann, wenn die entsprechenden äußeren Parameter, die sie hervorriefen, geändert werden.

Im Hauptteil werden repräsentativ vier klassische Lerntheorien vorgestellt, welche einem angehenden Pädagogen bekannt sein sollten, um die Entstehungsmöglichkeiten von Angst zu verstehen. Zunächst wird die jeweilige Theorie näher erläutert und in einem jeweils dazugehörenden Experiment veranschaulicht. Danach folgt ein zu dem Experiment passendes, frei erfundenes Fallbeispiel inklusiven eines Lösungsvorschlages aus dem schulischen Alltag, um die Relevanz der vorgestellten Theorie praktisch zu veranschaulichen. Die vier Lerntheorien, die vorgestellt werden, sind das klassische sowie das operante Konditionieren nach Iwan P. Pawlow bzw. Burrhus F. Skinner, die Zwei-Faktoren-Theorie nach Orval H. Mowrer und das Lernen am Modell nach Albert Banduras.

Abschließend wird geklärt, ob Angst nach Erläuterung dieser Theorien als erlernbar angesehen werden kann und, wenn ja, wie man als Lehrperson einem solchen fragwürdigen „Lernerfolg“ entgegenwirken kann, um dem Schüler angstfreies Lernen zu ermöglichen.

2. Die Definition von Angst

Jeder Mensch hat schon mal in seinem Leben das Gefühl der Angst gespürt, jedoch meist, ohne darüber nachzudenken, was Angst eigentlich ist. Krohne beschreibt die Angst als:

„einen Zustand, der durch erhöhte Aktivität des autonomen ervensystems sowie durch die Selbstwahrnehmung von Erregung, das Gefühl des Angespanntseins, ein Erlebnis des Bedrohtwerdens sowie durch verstärkte Besorgnis gekennzeichnet ist.“1 Die betreffende Person verspürt also kurz gesagt sehr intensiv und bewusst ein beklemmendes und bedrohliches Gefühl des Unwohlseins. Hierbei unterscheiden sich zwei verschiedene Formen, die durch ihren zeitlichen Rahmen differenziert werden. Als „state“ wird eine spontane Angstempfindung, ein Zustand, bezeichnet. So wird beispielsweise jeder Mensch Angst empfinden, der beim überqueren der Straße ein heranrasendes Fahrzeug erblickt oder der unvermittelt einen lauten Knall hört. Im Gegensatz dazu steht „trait“, das Persönlichkeitsmerkmal, also eine individuelle und lang anhaltendere Angstempfindung. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Dinge, wie etwa Angst vor Spinnen oder auch, um zum schulischen Kontext zu finden, Prüfungsangst. Diese Ängste müssen nicht alle Menschen teilen, können aber bei einzelnen Personen aufgrund individuell gemachter Erfahrungen vorhanden sein und immer wieder, durch einen entsprechenden Auslöser hervorgerufen, auftauchen. Laut Krohne wurde eine der ersten Differenzierungen dieser Art bereits von Siegmund Freud getroffen:

„So unterschied Freud in seinem Vortrag „Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene“ zwischen dem zeitlich kurz erstreckten Angstaffekt und den habitualisierten Persönlichkeitsmerkmalen Hysterie und eurasthenie.“2

Diese Unterscheidung in „trait“ und „state“ ist allerdings nach Krohne „aus wissenschaftstheoretischen und empirischen Überlegungen heraus nicht unumstritten“3. Auf die entsprechende Debatte soll hier aber ebenso wenig eingegangen werden, wie bei ihm. Ebenso scheint für die hier folgenden Betrachtungen lediglich Angst als Persönlichkeitsmerkmal bzw. „trait“ von Interesse zu sein, da Verhaltensweisen wie etwa Prüfungsangst oder häufiges Schulschwänzen eher individuell-habituell sind, als dass sie aus einem Affekt heraus entstehen.

3. Klassische Lerntheorien

Geht man von Edward Lee Thorndikes Definition des Begriffs „lernen“ aus, so versteht man darunter „die Bildung von Assoziationen zwischen Situationen und Reaktionen durch einen Organismus.“4 Das bedeutet, im Falle eines Menschen, dass in einer bestimmten Situation empfundene Gefühle mit dieser Situation in Verbindung gebracht und die erstmalig empfundenen Emotionen bei einem erneuten Auftreten dieser Situation nochmals gefühlt werden können. Dies würde bedeuten, dass Angst tatsächlich erlernbar ist und somit auch mit Lerntheorien betrachtet werden kann.

Dies soll im Folgenden geschehen.

3.1 Klassische Konditionierung

„Die klassische Konditionierung ist eine grundlegende Form des Lernens, bei der ein Reiz/Ereignis das Auftreten eines anderen Reizes/Ereignisses vorhersagt. Der Organismus lernt eine neue Assoziation zwischen zwei Reizen, zwischen einem Reiz, der die Reaktion zuvor nicht auslöste und einem anderen, der nach den Gesetzen der atur die Reaktion auslöste.“5

3.1.1. Erläuterung

Verallgemeinert beinhaltet der Prozess der klassischen Konditionierung, dass nach einem mehrmaligen gemeinsamen Auftreten eines unkonditionierten Stimulus (US) mit einem neutralen Stimulus (NS) die Person lernt, dass der vormalige NS einen Hinweis auf den US darstellt. Die unkonditionierte, sprich natürliche, Reaktion (UR) auf den US tritt nach einer Weile auch bei dem vorher neutralen Stimulus ein.

Somit wird der zuvor neutrale Stimulus zu einem erlernten bzw. konditionierten Stimulus (CS) und die auf ihn folgende Reaktion zu einer erlernten bzw. konditionierten (CR).

Dieser Vorgang lässt sich in folgendem Schaubild verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Form des assoziativen Lernens kann in vier Phasen unterteilt werden. Diese Phasen sind die Kontrollphase, die Konditionierungsphase, die Löschungsphase und die Spontanerholung.

In der ersten Phase, der Kontrollphase, wird überprüft, ob der unkonditionierte Stimulus die gewünschte unkonditionierte Reaktion hervorruft. Der neutrale Reiz darf dabei keine ähnliche oder gar dieselbe Reaktion hervorrufen, da er sonst für das Experiment unbrauchbar ist. Im Idealfall zeigt der Organismus beim neutralen Reiz zunächst keinerlei Reaktion.

In der zweiten, der Konditionierungsphase, erfolgt die oben bereits beschriebene Bildung von konditioniertem Stimulus und konditionierter Reaktion. Dieser Vorgang wird später anhand des Experimentes von Iwan Pawlow noch einmal anschaulich verdeutlicht.

Die dritte Phase ist die Löschphase. Hier wird so häufig der konditionierte Stimulus ohne den unkonditionierten Stimulus präsentiert, bis der Organismus die Verbindung zwischen unkonditioniertem und konditioniertem Stimulus vergisst und keine konditionierte Reaktion mehr zeigt.

[...]


1 Krohne, Heinz W.: Angst und Angstbewältigung. Stuttgart: Kohlhammer. 1996. S.5

2 Ebd. S.4

3 Ebd. S.5

4 Prof. Dr. de Jong-Meyer, Renate: Klinische Psychologie. Lerntheoretische und kognitive Modelle. http://www.psy.unimuenster.de/imperia/md/content/psychologie_institut_1/ae_dejong/vl_ws_0607/vl 06.pdf. Zuletzt eingesehen am 16.10.2008. S.1

5 Zimbardo, Philip: Psychologie. In: Dr. Renate Möller: Klassisches Konditionieren. http://www.uni- bielefeld.de/paedagogik/Seminare/moeller02/06konditionieren. Zuletzt eingesehen am 16.10.2008.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Paradigmen der Angstforschung. Lerntheoretische Ansätze
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,4
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V268313
ISBN (eBook)
9783668018556
ISBN (Buch)
9783668018563
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
paradigmen, angstforschung, lerntheoretische, ansätze
Arbeit zitieren
Florian Biehl (Autor), 2008, Paradigmen der Angstforschung. Lerntheoretische Ansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268313

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