[...] Im Rahmen dieser Hausarbeit, die auf der Grundlage des Seminars von Prof. Dr.
Schäfer Kinder zwischen 0 und 6- Theorien frühkindlicher Bildungsprozesse basiert,
soll es darum gehen, den Begriff der frühkindlichen (Selbst-) Bildung verstärkt
heraus zu arbeiten und darzulegen, warum frühkindliche Bildung auch immer Selbst-
Bildung ist und sein muß und welche Konsequenzen sich daraus ableiten. Diese Auseinandersetzung erfolgt auf der Grundlage des Buches „Was geht da drinnen vor?- Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren“ von Lise
Eliot2, sowie als ergänzende Literatur das Buch „ Forschergeist in Windeln- Wie Ihr
Kind die Welt begreift“ von Alison Gopnik, Patricia Kuhl und Andrew Meltzoff. 3
Die Hausarbeit ist so konzipiert, dass erst grundlegende Gedanken und Erkenntnisse
der neueren Säuglings- und Kleinkinderforschung und der Kognitionswissenschaft
formuliert und herausgearbeitet werden. Das Ende dieser Hausarbeit markiert die Überprüfung der Erkenntnisse in
Auseinandersetzung mit der Fragestellung nach der frühkindlichen Selbst- Bildung. 3 Gopnik,Kuhl,Meltzoff:Forschergeist in Windeln- Wie Ihr Kind die Welt begreift;München (Piper Verlag) 2003 2 Eliot, Lise: Was geht da drinnen vor?- Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren;Berlin (Berlin Verlag) 2001
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die frühkindliche Gehirnentwicklung
2.1 Anlage- Umwelt Debatte
2.2 Wie entwickelt sich unser Gehirn?
2.3 Was Babys bereits wissen
3 Der Tastsinn
3.1 Die Berührungsempfindlichkeit bei Säuglingen
3.2 Die Bedeutung der Berührungen
4 Die frühkindliche Motorik
4.1 Die Rolle der Gene & der Umwelt bei der motorischen Entwicklung
4.2 Die Rolle der Erziehung in der frühkindlichen Motorik
5 Schlußbetrachtung
5.1 (Selbst-)Bildung beginnt im Kopf
5.2 Der (Selbst-) Bildung gehört die Zukunft
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Begriff der frühkindlichen (Selbst-)Bildung wissenschaftlich zu fundieren und darzulegen, warum Bildungsprozesse bei Kindern untrennbar mit ihrer Eigenaktivität und Wahrnehmung verbunden sind, wobei Erkenntnisse aus der Kognitionsforschung und Säuglingsforschung als Basis dienen.
- Grundlagen der frühkindlichen Gehirnentwicklung und neuronale Plastizität.
- Die Bedeutung des Tastsinns und der Körpererfahrung für die psychische Stabilität.
- Wechselwirkung zwischen genetischer Anlage und Umwelteinflüssen bei der Motorik.
- Die Rolle der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern als Voraussetzung für Bildung.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem modernen Bildungsbegriff und der Rolle der Pädagogik.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Berührungen
In dem einleitenden Kapitel Der Tastsinn, wurde bereits kurz angedeutet, welche immense Bedeutung Berührungen für den Säugling haben, in diesem Abschnitt soll diese Bedeutung noch einmal vertieft werden.
In einem mittlerweile klassischem Experiment ging der Wissenschaftler Harry Harlow genau dieser Frage nach, nämlich inwieweit Berührungen und Körperkontakt Auswirkungen auf den Säugling und seine Entwicklung haben, wobei sein Augenmerk besonders auf der Bedeutung der frühen Mutter- Kind - Bindung lag.
In seinem Experiment ließ er neugeborene Rhesusäffchen mit zwei Ersatzmütter-Attrappen aufwachsen: Die eine Mutter bestand aus einem Drahtkörper mit einem grob skizzierten Gesicht und spendete Milch aus einer Flasche, die andere Mutter gab keine Milch, aber deren Körper war mit einer weichen Plüschdecke umhüllt. Es zeigte sich, dass die Äffchen zwar zu der Mutter mit der Flasche gingen, um zu trinken, dass sie jedoch bei der Mutter die mit Plüsch umhüllt war, die meiste Zeit verbrachten und eine regelrechte Bindung zu ihr aufbauten. Die Äffchen zogen also gegen alle Erwartungen- den Körperkontakt der Futteraufnahme vor . Mittlerweile geht man davon aus, dass alle Säugetiere in existentieller Art und Weise auf körperliche Nähe angewiesen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung hinterfragt den Begriff Bildung im postmodernen Kontext und fordert eine Neudefinition hin zur frühkindlichen Selbstbildung.
2 Die frühkindliche Gehirnentwicklung: Dieses Kapitel beleuchtet das Wechselspiel von Genen und Umwelt sowie die neuronale Aktivität und das frühkindliche Erkenntnisvermögen.
3 Der Tastsinn: Hier wird die zentrale Rolle der taktilen Wahrnehmung und der physischen Zuwendung für die psychische und physische Entwicklung des Kindes dargestellt.
4 Die frühkindliche Motorik: Dieses Kapitel analysiert die motorische Entwicklung als Zusammenspiel von biologischer Reifung, Genetik, Umweltfaktoren und gezielter erzieherischer Anregung.
5 Schlußbetrachtung: Die Schlußbetrachtung fasst zusammen, dass Bildung ein beziehungsorientierter Selbstbildungsprozess ist, der aktives Erleben erfordert und nicht durch reine Wissensvermittlung ersetzt werden kann.
Schlüsselwörter
Frühkindliche Bildung, Selbstbildung, Gehirnentwicklung, Motorik, Tastsinn, neuronale Plastizität, Anlage-Umwelt-Debatte, Bindung, Kognitionswissenschaft, Wahrnehmung, Lernen, Pädagogik, Erfahrung, Entwicklung, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Bildungsbegriff in der frühen Kindheit und analysiert wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie Kinder durch Selbstbildung und Eigenaktivität ihre Welt erschließen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Gehirnentwicklung, der Tastsinn, die motorische Entwicklung und die Bedeutung von zwischenmenschlichen Beziehungen für Bildungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Begriff der frühkindlichen Selbstbildung zu fundieren und aufzuzeigen, warum Bildung ein aktiver Prozess des Kindes ist, der durch Erwachsene begleitet, aber nicht erzwungen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller Erkenntnisse aus der Kognitions- und Säuglingsforschung sowie der Entwicklungspsychologie.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den biologischen und sozialen Bedingungen der frühkindlichen Entwicklung, insbesondere mit der Reifung des Gehirns, der Bedeutung körperlicher Nähe und der Entwicklung motorischer Fähigkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Selbstbildung, neuronale Plastizität, Anlage-Umwelt-Interaktion, Bindungstheorie und Lernen durch Erfahrung.
Warum ist das Experiment mit den Rhesusäffchen für die Arbeit relevant?
Es belegt wissenschaftlich, dass körperliche Nähe und Berührung für die psychische und physische Gesundheit sowie die Bindungsentwicklung existentiell sind und nicht allein durch Nahrungszufuhr ersetzt werden können.
Welche Rolle spielt die Anlage-Umwelt-Debatte für die motorische Entwicklung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die motorische Entwicklung zwar genetisch grundgelegt ist, die konkrete Ausprägung und Geschwindigkeit jedoch stark durch Motivation, Übung und das soziale Umfeld beeinflusst werden.
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- Anna Jungbluth (Author), 2004, Bildung beginnt mit der Geburt! Neueste Erkenntnisse aus der frühkindlichen Gehirnforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26863