Das Cocoliche in Buenos Aires


Seminararbeit, 2013
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund und Entstehung
2.1 wirtschaftliche Situation in Argentinien
2.2 Italienische Auswanderungswelle
2.3 Entstehung des Cocoliche
2.4 Etymologie des Wortes Cocoliche

3. Sprachkontakt
3.1 Definition
3.2 Phonetik
3.3 Morphologie
3.4 Lexik
3.5 Syntax

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Bücher
5.2 Internetquellen

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Argentinien. Ein Land in Lateinamerika, das wahrscheinlich europäischer ist, als manch ein Land, das dem europäischen Kontinent angehört. Bei lateinamerikanischen Ländern denkt fast jeder Mensch an Ureinwohner, beispielsweise den Inkas. Oftmals werden auch spanische oder portugiesische Eroberer, Entdecker oder Immigranten mit Lateinamerika assoziiert. Zago (1983) schrieb jedoch ein Buch mit dem Titel: Argentina. L’altra patria degli italiani - Argentina. La otra patria de los italianos. Dies wirft die Frage auf, was genau die Italiener mit Argentinien zu tun haben, denn sie entdeckten bekanntlich weder Argentinien, noch eroberten sie dies im herkömmlichen Sinne. Des Weiteren ist das Italienische weder die Amtssprache des Landes noch zählt sie zu einer der angewandten Verkehrssprachen der Bevölkerung. Bekannt hingegen ist vielen Personen jedoch die Einwanderungswelle Argentiniens im 19. Jahrhundert und die Auswanderungswelle der Italiener, die nahezu zur gleichen Zeit stattfand.

Genau mit diesem Phänomen und den daraus resultierenden sprachlichen Folgen soll sich die vorliegenden Arbeit befassen. Zu Beginn wird erst einmal auf die geschichtliche und wirtschaftliche Situation des 19. Jahrhunderts in Argentinien eingegangen. Danach erfolgt ein kurzer Abriss der Geschichte Italiens und der folgenden Auswanderungswelle. Infolge dieser zwei Kapitel wird aus der wirtschaftlichen Notlage Argentiniens und der damit im Zusammenhang stehenden Einreisewelle der Italiener aufgezeigt, wie es zu einem Sprachkontakt der zwei Nationen, beziehungsweise den Einheimischen und den Immigranten kam und der daraus resultierenden Entstehung des Cocoliche, welches das Hauptthema der Arbeit darstellt. Nach der Klärung der Etymologie des Begriffes Cocoliche, sollen schließlich die sprachlichen Besonderheiten des Cocoliche mit Hilfe einiger ausgewählter Beispiele aus der Alltagssprache und dem Theatercocoliche der Bereiche der Phonetik, Morphologie, Lexik und Syntax näher beleuchtet und somit auch die Unterschiede zum Italienischen und Spanischen aufgezeigt werden. Anzumerken sei hierbei, dass die Beispiele an Hand eigens erstellter Grafiken erläutert werden. Des Weiteren erfolgt in einigen Kapitel ein kurzer Abriss zur italienischen Grammatik, der zum besseren Verständnis der Problematik dienen soll. Am Ende der vorliegenden Arbeit folgt schließlich die Auswertung über die vorrangegangenen Kapitel.

2. Geschichtlicher Hintergrund und Entstehung

2.1 wirtschaftliche Situation in Argentinien

Argentinien stand ebenso wie viele andere lateinamerikanische Länder lange Zeit unter spanischer Herrschaft. Nach einem sechs Jahre lange andauernden Freiheitskampf unter der Führung des Generals José de San Martín feierte Argentinien schließlich im Jahre 1816 seine Unabhängigkeit (vgl. Harenberg Länderlexikon 2002: 56). Das Land musste sich neu formieren und so wurde auf Grund der geringen Bevölkerungszahlen in einigen Regionen, wie beispielsweise Buenos Aires, beschlossen, dass sich Argentinien mit Hilfe von Immigranten weiterentwickeln und modernisieren muss. Infolgedessen kam es im Jahr 1853, mittels einer Verfassung, zur Öffnung der Grenzen für Einwanderer. Dies löste damit eine Masseneinwanderung aus (vgl. Cancellier 1999: 69). Veith (2008: 16) geht dabei näher auf die Beweggründe seitens der argentinischen Regierung ein und deren Versprechungen gegenüber der Immigranten:

[...] um die Pampas zu erschließen, Land- und Viehwirtschaft aufzubauen und für den Abtransport der Erzeugnisse ein Eisenbahnnetz zu errichten. Wollte man die hochgesteckten Ziele erreichen, benötigte man jedoch weit mehr Arbeitskräfte als das Land zu bieten hatte. [...]. In Europa warb man mit dem Versprechen, als abhängiger Landarbeiter ohne eigene Geldmittel über günstige Sparmaßnahmen in kurzer Zeit zum Grundbesitzer aufsteigen zu können.

Die folgende Grafik soll verdeutlichen, in wie weit allein die Hauptstadt Buenos Aires von dieser Einwanderungswelle betroffen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bevölkerung in Buenos Aires (Abb. nach Dirección General de Estadística y Censos 2013: 35, [Online])

Wie auf der Grafik dargestellt, war der Höhepunkt der Einwanderungswelle zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1909 bis 1947. Auf Grund der politischen Lage in Italien zwischen den Jahren 1926 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war es italienischen Auswanderern kaum möglich, Italien zu verlassen. Dies wird damit begründet, dass es während der Amtszeit von Benito Mussolini bestimmte Ausreisebeschränkungen gab (vgl. Veith 2008: 7). Inwieweit sich die italienische Auswanderungswelle gestaltete und wohin sie führte soll im nachfolgenden Kapitel beschrieben werden.

2.2 Italienische Auswanderungswelle

Wie bereits in Abbildung 1 des vorrangegangen Kapitels aufgezeigt wurde, nahm die Einwanderungswelle in Argentinien erst in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts an Fahrt auf. Auch die italienische Auswanderungswelle kam erst in den sechziger Jahren in Schwung. Dies lässt sich damit begründen, dass der Mezzogiorno lange Zeit unter spanischer Herrschaft stand und es erst im Jahr 1861 durch Vittorio Emanuele II di Savoia zur Vereinigung von Nord- und Süditalien kam (vgl. Annecchiarico 2012: 38). Guiseppe Garibaldi war einer der Revolutionäre, der die bourbonischen Machthaber stürzte. Er versprachen vielen italienischen Landwirten Süditaliens eigene Ländereien, konnte dieses Versprechen jedoch nicht einhalten, wodurch es zum Ausbruch des Banditentums kam (vgl. GermanOnlineDokus5 2013, [Onlinevideo]). Auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Lage, vor allem der Landwirte im Süden, zog es Millionen von Italienern in andere Länder und Kontinente, wie die folgende Grafik verdeutlichen soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Italienische Emigranten und ihre Zielländer zwischen 1861 und 1985 (Abb. nach bpb: 2012 [Online])

Wie auf der Grafik zu sehen ist, gingen 10% aller italienischen Auswanderer nach Argentinien. Unter ihnen befanden sich vor allem die Landwirte Süditaliens, die der Armut im eigenen Land entkommen wollten (vgl. Glynn 2011, [Online]). Begründet wird dies mit den bereits erwähnten Versprechungen seitens der argentinischen Regierung, dass die Einwanderer in kürzester Zeit zu Großgrundbesitzern aufsteigen könnten und sie somit darin ihre größten Perspektiven sahen Geld zu verdienen (vgl. Veith 2008: 16). Abschließend zu dem Kapitel der italienischen Auswanderungswelle soll die nachfolgende Grafik noch einmal verdeutlichen, wie viele der italienischen Auswanderer allein zwischen 1869 und 1914 nach Buenos Aires gingen, bevor es unter Mussolini zu den bereits erwähnten Ausreisebeschränkungen kam und die Auswanderungswelle ins Stocken geriet (vgl. Veith 2008: 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Italienische Auswanderer in Buenos Aires (Abb. nach Dirección General de Estadística y Censos 2013: 35, [Online]; Cancellier 1999: 70)

2.3 Entstehung des Cocoliche

Wie bereits im vorrangegangenen Kapitel beschrieben wurde, kamen die Italiener im Zuge der Einwanderungswelle nach Argentinien. Das Cocoliche entstand in Folge des Sprachkontaktes zwischen den Einheimischen und den Immigranten. Auf diesen Aspekt soll im späteren Verlauf der Arbeit noch einmal genauer eingegangen werden.

Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Cocoliche eine Mischsprache aus dem Italienischen und dem Spanischen und diente als Übergangssprache von der Muttersprache zur Zielsprache der italienischen Immigranten. Diese Phase des Übergangs dauerte lediglich ein bis zwei Generationen an. Zu bemerken ist, dass es verschiedene Varianten des Cocoliche gab. Dies lässt sich auf die unterschiedlichen italienischen Dialekte der Einwanderer zurückführen (vgl. Conde 2011: 173 f.). Asencio (1995: 16 f.) führt dazu an:

[...] provenían de distintas y muy distintas regiones de Italia desde Génova y Friul hasta Nápoles y Calabria y hablaban dialectos distintos, agregándose el hecho de que la mayoría no dominaba la lengua italana estándar.

Der Grund für die mangelnde Sprachkenntnis des Standarditalienischen rührte daher, dass die Mehrheit der Sprecher aus der niederen Gesellschaftsschicht Italiens stammten (vgl. Asencio 1995: 17). Infolgedessen konnte keine dritte Sprache entstehen, wie Meo-Zilio (1964: 62) erklärt:

Esta lengua, no diferenciada, no se coloca formalmente como un tercer idioma al lado del español y del italiano [...], justamente porque el hablante no tiene conciencia de emplear una lengua distinta del italiano o del español [...]. La misma no se aprende tanto por imitación de los demás italianos, sino que se produce espontáneamente en cada hablante [...].

Ein anderer Grund für das Entstehen des Cocoliche, neben den mangelnden Sprachkenntnissen, war der, dass die Immigranten nicht im ständigen Kontakt zu den Einheimischen standen, da sie einfache und unabhängige Berufe ausübten (beispielsweise Landarbeiter), bei denen es keiner Notwendigkeit bedürfte die neue Sprache zu erlernen (vgl. Veith 2008: 35). Sie kommunizierten lediglich in öffentlichen Räumen miteinander, wie zum Beispiel in Supermärkten oder Verkehrsmitteln (vgl. Conde 2011: 175).

Heutzutage existiert das Cocoliche in der Region des Río de la Plata, beziehungsweise in Buenos Aires, lediglich in der Literatur und behandelt vorzugsweise die Problematik der Immigration. Dies bezieht sich auf vor allem auf die Theatertexte der folgenden Sparten: Zirkus, Sainete und Grotesk (vgl. Cancellier 1999: 75).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Das Cocoliche in Buenos Aires
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Romanistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
25
Katalognummer
V268679
ISBN (eBook)
9783656597513
ISBN (Buch)
9783656597506
Dateigröße
959 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buenos Aires, Argentinien, Einwanderungswelle, Cocoliche, Sprachkontakt, Phonetik, Morphologie, Syntax, Lexik
Arbeit zitieren
Franziska Janke (Autor), 2013, Das Cocoliche in Buenos Aires, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268679

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