Kindergarten und Schule gehören zu den ersten Orten, an denen Kinder mit Menschen außerhalb ihrer Familie intensiv und dauerhaft konfrontiert werden. Hier lernen sie nicht nur Buchstaben und Formeln, sondern finden auch ihre Rolle in der Gesellschaft. Doch wie sieht es mit körperlich oder geistig beeinträchtigten Schülern aus? Wollen und können wir sie in gleichem Maße zu unserer Gesellschaft zählen wie gesunde Kinder?
Schüler mit Behinderung im Unterricht zu integrieren und ihnen so eine weitgehend normale gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen ist das Hauptanliegen der aktuellen Inklusionsdebatte. Dieser Band beleuchtet die theoretischen Ansätze der inklusiven Pädagogik und liefert gleichzeitig einen Beitrag zur schulischen Praxis, indem er zeigt, wie man Lernprozesse inklusiv gestalten kann.
Aus dem Inhalt
Von der Integration zur Inklusion
Die UN-Behindertenrechtskonvention und der Inklusionsgedanke
Die Montessori-Pädagogik – ein Modell für die Inklusion?
Inklusive Schulkultur: Lernen durch ästhetische Erfahrung
Inhaltsverzeichnis
Kristin Kunert (2009): Unterschiede der Ziele und Forderungen von Integration und Inklusion
Einleitung
Integration und Inklusion nach Hinz
Integration nach Feuser
Integration nach Hinz und Feuser im Vergleich
Schlussbemerkung
Eva Herrmann (2012): Das inklusive Konzept der Montessori-Pädagogik und das Menschenrecht auf Bildung für Behinderte. Ein mögliches Vorbild für ein deutsches inklusives Bildungssystem
Einleitung
Begriffsklärung von Integration und Inklusion
Der rechtlich verankerte Anspruch auf Inklusion im deutschen Bildungssystem als Menschenrecht
Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen
Schulische Inklusion in der Montessori-Pädagogik
Erweiterter Schlussteil
Sylvia Wilbrink (2010): Ästhetische Erfahrungsbildung als Chance im Inklusionsprozess an Grundschulen
Einleitung
Inklusive Bildung
Bildungsstandards und Schlüsselkompetenzen
Lernprozesse ästhetisch und inklusiv gestalten
Didaktische und methodische Vorschläge für inklusiven Unterricht
Zusammenfassung – Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen und praktischen Unterschiede zwischen Integrations- und Inklusionspädagogik sowie deren Umsetzung im deutschen Schulwesen. Ziel ist es, ein Verständnis für inklusive Bildungsprozesse zu schaffen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie diese durch Konzepte wie die Montessori-Pädagogik oder ästhetische Erfahrungsbildung in der Regelschule realisiert werden können.
- Vergleich der Begriffsdefinitionen von Integration und Inklusion
- Rechtliche Grundlagen der inklusiven Bildung (UN-Behindertenrechtskonvention)
- Integration und Inklusion in der Montessori-Praxis
- Ästhetische Bildung als Basis für inklusive Lernprozesse
- Didaktische Konzepte für zieldifferenzierten Unterricht
Auszug aus dem Buch
Integration nach Feuser
Integration soll subjektorientiert sein und allen Kindern und Jugendlichen die gleichen Chancen bezüglich Erziehung, Bildung und Unterricht gewähren. Diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es einerseits einem veränderten Verständnis von Kultur und sozialer Gemeinschaft und andererseits einem revidierten Menschenbild. (Feuser, G. 1987b, S. 57 / 1995, S. 133)
Das folgende Kapitel zeigt zunächst auf, was Georg Feuser allgemein unter Integration versteht. Ausführlich werden danach Merkmale und Rahmenbedingungen integrativer Pädagogik erörtert, bevor im Anschluss bedeutende Kritikpunkte an der gegenwärtigen Realisierung der Integration vorgestellt werden.
Der Begriff der Integration
Eine „Schule für alle“ (Feuser, G. 1995, S. 135) und eine damit einhergehende Vollintegration zu realisieren stellt für Feuser das oberste Ziel der gegenwärtigen und auch zukünftigen Integrationsbewegung dar. Das Fundament hierfür bildet „die untrennbare Einheit von sozialer Gemeinschaft und einer subjektorientierten Erziehung und Bildung aller ihrer Mitglieder“ (Feuser, G. 1995, S. 137). Damit wird sichergestellt, dass sich jedes Kind und jeder Jugendliche unabhängig seiner physischen und psychischen Verfassung bei Bedarf alle für ihn relevanten Kenntnisse, Fähig- und Fertigkeiten aneignen kann. (Feuser, G. 1987b, S. 54) In diesem Sinne kann daher nicht von einer Integrationspädagogik gesprochen werden, sondern von einer allgemeinen Pädagogik, deren Aufgabe es ist unter Ausschluss von Selektion jedem Schüler Erziehung, Bildung und Unterricht in der Institution Schule zu ermöglichen, um so dessen Entwicklung zu fördern. Da sich diese allgemeine integrative Pädagogik nach Maßgabe der Entwicklung des jeweiligen Schülers anpasst, bedarf sie generell keiner bestimmten Schulform oder -stufe. (Feuser, G. 1995, S. 213) Um der hier geforderten Vollintegration zu entsprechen, muss zunächst die Didaktik betrachtet werden, denn Gegenstand der Integrationspädagogik ist nicht das Kind oder der Jugendliche, sondern der Aufbau des für ihn notwendigen Erziehungs- und Bildungsprozesses. (Feuser, G. 1984, S. 29 / 1995, S. 133-135)
Zusammenfassung der Kapitel
Kristin Kunert (2009): Unterschiede der Ziele und Forderungen von Integration und Inklusion: Diese Arbeit vergleicht die Ansätze von Hinz und Feuser, um aufzuzeigen, wie unterschiedlich Integration und Inklusion theoretisch und praktisch begründet werden.
Eva Herrmann (2012): Das inklusive Konzept der Montessori-Pädagogik und das Menschenrecht auf Bildung für Behinderte. Ein mögliches Vorbild für ein deutsches inklusives Bildungssystem: Die Autorin analysiert, wie die Montessori-Pädagogik inklusive Ansätze bereits erfolgreich umsetzt und ob sie als Modell für das deutsche Bildungssystem dienen kann.
Sylvia Wilbrink (2010): Ästhetische Erfahrungsbildung als Chance im Inklusionsprozess an Grundschulen: Die Arbeit beleuchtet die Rolle der ästhetischen Erfahrungsbildung für gelingende Inklusion und entwickelt didaktische Vorschläge für einen zieldifferenten Unterricht.
Schlüsselwörter
Inklusion, Integration, Montessori-Pädagogik, Sonderpädagogik, Gemeinsamer Unterricht, ästhetische Erfahrungsbildung, Bildungsstandards, Schlüsselkompetenzen, UN-Behindertenrechtskonvention, zieldifferenter Unterricht, Schulentwicklung, Förderdiagnostik, Kind-Umfeld-Analyse, Kompetenzzentren, Inklusive Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesen Arbeiten?
Die Publikationen befassen sich mit den pädagogischen Konzepten der Integration und Inklusion, insbesondere in Bezug auf die schulische Bildung von Kindern mit Behinderungen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Definition und Abgrenzung von Begriffen, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Inklusion, die Montessori-Pädagogik, sowie Methoden zur ästhetischen Erfahrungsbildung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe inklusiver Pädagogik zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Schulen zieldifferenten und inklusiven Unterricht in der Praxis gestalten können.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Es werden verschiedene pädagogische Theorien (u.a. von Feuser, Hinz, Montessori, Mollenhauer und Schäfer) analysiert und mit aktuellen bildungspolitischen Anforderungen in NRW sowie internationalen Standards verknüpft.
Was behandelt der Hauptteil dieser Publikationen?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Integrationsverständnisse, die rechtliche Situation nach der UN-Konvention sowie konkrete didaktische Methoden wie die altersgemischte Klassenstruktur und die ästhetische Bildung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Inklusion, Integration, Inklusive Pädagogik, Sonderpädagogik, Montessori-Pädagogik und ästhetische Erfahrungsbildung.
Welchen Stellenwert nimmt die Montessori-Pädagogik ein?
Die Montessori-Pädagogik wird als langjähriges, praktisches Modell untersucht, das viele Anforderungen der Inklusion (individuelles Lernen, heterogene Gruppen) bereits erfüllt und somit als Vorbild dienen kann.
Welche Rolle spielt die ästhetische Bildung?
Sie fungiert als grundlegende Methode für Lernprozesse, die über kognitive Instruktion hinausgeht, um allen Schülern – unabhängig von Beeinträchtigungen – einen Zugang zur Welt und zu Identitätsbildung zu ermöglichen.
Was wird hinsichtlich des deutschen Schulsystems kritisiert?
Die Autorinnen kritisieren vor allem das mehrgliedrige, selektive Schulsystem sowie die mangelnde Umsetzung des Menschenrechts auf inklusive Bildung in der Fläche.
- Citation du texte
- Kristin Kunert (Auteur), Eva Herrmann (Auteur), Sylvia Wilbrink (Auteur), 2013, Inklusion ermöglichen – Grenzen überwinden. Schulpädagogik bei Kindern mit Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268684