Ökonomisieren: das Beste aus dem Leben machen


Hausarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leben

3. Bewusstes Leben
Unüberwindbare Grenzen

4. Ökonomisieren
Entscheidungsfindung
Komplexität und Wohlstandsdruck

5. Was ist der Sinn des Lebens?

Literaturverzeichnis

Anhang: Wohlstandsniveau und erfülltes Leben

1. Einleitung

„Was ist der Sinn des Lebens?“ Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage gehe ich von folgender Annahme aus: Der Sinn des Lebens muss aus dem Leben selbst ableitbar sein. Sein Sinn kann nicht unabhängig von ihm sein. Genauso wenig kann der Sinn außerhalb des Lebens entstanden sein. Denn dann wäre das sinngebende Subjekt eine vom Leben verschiedene Existenz und die Frage würde in eine andere Richtung abgleiten: Könnte es diese Existenz geben? Diese Frage ist jedoch nicht Gegenstand meiner Untersuchung.

Die Sinnfrage führte mich vom biologischen Leben über das bewusste Leben hin zum menschlichen Individualleben.

Zunächst versuchte ich zu verstehen, was das Leben überhaupt bedeutet. Eine plausible Erklärung fand ich in der Theorie der Evolutionsbiologin Lynn Margulis über das Leben. Das wesentliche Prinzip des Lebens sowie die für die Sinnfrage relevanten Erkenntnisse aus dieser Theorie werden im Kapitel Leben der vorliegenden Arbeit dargestellt.

Die Naturvorgaben des Menschen ergeben sich in erster Linie aus dem Prinzip des Lebens. Dies trifft auch auf seine Bewusstseinsfähigkeit zu. Welche Folgen hat für den Menschen das Bewusstsein der eigenen Existenz? Dieser Frage gehe ich im Kapitel Bewusstes Leben nach.

Das menschliche Individuum besitzt die Fähigkeit, sein eigenes Leben bewusst zu führen. Dies verlangt Entscheidungen. Wonach strebt das Individuum in seiner Entscheidungsfindung? Die Suche nach einer Grundidee, wonach alle Menschen streben, führte mich zum Leitsatz „das Beste aus dem Leben machen“. Dieser Leitsatz entspricht auch der Grundidee der Ökonomie. Was können wir aus den Theorien der Ökonomie für unsere Lebensführung lernen? Im Kapitel Ökonomisieren werden die Grundprinzipien sowie einige, für die individuelle Entscheidungsfindung relevante Regeln der Ökonomie, dargestellt.

Im letzten Teil, Was ist der Sinn des Lebens?, kehre ich zur Anfangsfrage zurück und versuche aus den erarbeiteten Ideen der vorliegenden Arbeit die Antwort abzuleiten.

2. Leben

Leben ist eine erfolgreiche Strategie der Materie, um dem thermodynamischen Gleichgewicht des Universums zu entkommen.1 Vor etwa vier Milliarden Jahren schlug die Materie einen neuen Weg ein: innerhalb ihrer selbstgeschaffenen Grenzen gelang es ihr, durch ständige Selbstorganisation der universellen Tendenz des Wärmeausgleichs zu entweichen.2 Das biologische System nimmt Stoffe aus seiner Umwelt auf, und mit Hilfe von selbstproduzierter Energie erschafft und reproduziert es sich selbst, um sich zu erhalten. Dieses Prinzip der Selbsterhaltung, um den Wärmetod zu entkommen, heißt Autopoiese3. Dieses Verhalten ist die minimale Eigenschaft aller Lebewesen. Alle anderen Eigenschaften des Lebenden sind aus der autopoietischen Tätigkeit ableitbar.4

Organismen müssen sich ständig an ihre Umgebung anpassen, dabei verändern sie ständig ihre Umwelt.5 Anpassung verlangt Entscheidungen. Alle heute lebenden Wesen, von Bakterien bis zum Menschen, existieren, weil unsere Vorfahren die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Alle Lebewesen sind in unterschiedlichem Maße fähig, selbstständig zu agieren und Entscheidungen zu treffen. Die Wahlfreiheit gehört zum Leben. Die natürliche Selektion ist nur deswegen möglich, weil Organismen eine Auswahl treffen. Selbst Bakterien treffen eine Auswahl, wenn man ihnen unterschiedliche Nährstoffe darbietet, wie etwa, dass sie auf Zucker zuschwimmen und sich von Säure entfernen. Auch sie haben somit Präferenzen6

Zeitlich und räumlich bildet das Leben als Ganzes eine Einheit. Seit seinem Auftauchen bis heute hat sich das Leben ständig selbstorganisierend erhalten und dabei die gesamte Erde erobert. So gesehen hat unser Leben nicht im Moment unserer Zeugung angefangen, sondern in der „Ursuppe“ der jungen Erde.7 Wir tragen in uns die Geschichte des Lebens und wir sind ein Teil dieser Geschichte.8 Die kleinste autopoietische Einheit ist die Zelle und die größte Einheit ist die gesamte Biosphäre.9 So betrachtet ist unsere Erde ein autopoietisches Planet. Nach James E. Lovelock ist die Erde ein Lebewesen, den er Gaia10 nennt.11 Die Selbsterhaltung Gaias erwächst aus dem Lebensverhalten von Myriaden von Organismen.12 Einen winzigen Teil davon bilden wir, die Menschen.13 In einer Handvoll Erdboden leben so viele Mikroorganismen, wie Menschen auf der Erde leben. Der Mensch hat in der Natur keine Sonderstellung. Er ist, wie alle anderen Lebewesen, eine autopoietische Einheit, die, um sich selbst zu erhalten, ihre Umwelt verändert.14 Sein Körper befindet sich im ständigen chemischen Austausch, er organisiert und repariert sich selbst. Jährlich werden 98 Prozent der Atome im menschlichen Körper ersetzt.15 Die Vorstellung, der Mensch besäße die Macht, durch sein Verhalten das gesamte Leben auszulöschen, ist falsch. Niemals hat eine einzelne Art in der Geschichte des Lebens alle anreden bedroht.16 Was der Mensch aber kann und zurzeit auch tut, ist durch sein Lebensverhalten seine eigene Existenzgrundlage zu vernichten. Solange unser Planet existiert, wird sich das Leben, mit oder ohne Menschen, in irgendeiner Form erhalten.

3. Bewusstes Leben

Mit dem Auftauchen des Bewusstseins im Universum hat die Materie eine weitere Meisterleistung vollbracht: die Fähigkeit, ihre eigene Existenz zu erkennen. Das Bewusstsein der eigenen Existenz ist eine erfolgreiche Strategie der Selbsterhaltung. Die Vorteile des Selbstbewusstseins übersteigern seine Nachteile. Wäre es nicht so, wäre der homo sapiens längt ausgestorben.

Was genau sind die Vorteile des menschlichen Bewusstseins?

Verglichen mit anderen Tieren ist der Mensch körperlich nicht besonders gut ausgestattet. Seine Sinnesorgane sind nicht außerordentlich gut entwickelt, er ist auch nicht extrem schnell oder enorm stark und er hat auch kein Fell, das ihn schützen könnte. Er besitzt aber die Fähigkeit, seine körperlichen Defizite zu erkennen und diese, mit selbsterstellten Hilfsmitteln, zu kompensieren:

Er kann fliegen, obwohl er keinen Flügel hat. Er kann in der Dunkelheit sehen. Er kann sich mit Schallgeschwindigkeit bewegen. Er kann Berge bewegen. Er kann durchs Feuer gehen.

Der Mensch ist in der Lage, seine biologischen Grenzen zu überwinden. Seine Vernunftbegabung befähigt ihn, seine physikalischen Möglichkeiten zu übertreffen. Bewusstes Leben bedeutet, die eigene Existenz zu erleben. Die Selbsterhaltung bekommt eine neue Bedeutung im menschlichen Bewusstsein. In seinem Streben nach Bedürfnisbefriedigung wird der Mensch mit positiven Erlebnissen belohnt, wie etwa Genuss, Glück, Freude, Erfolg, Liebe oder Zufriedenheit. Seine Psyche verfügt über raffinierte Mechanismen, um ihn von negativen Erlebnissen zu schützen, wie etwa die Verdrängung, das Vergessen und die Selbsttäuschung. Selbst sein Leid kann der Mensch mit Gegenmitteln lindern.

Der Nachteil des Bewusstseins ist, dass der Mensch auch die unüberwindbaren Grenzen seiner Existenz erkennen kann. Er ist sich seiner Vergänglichkeit bewusst. Und er kann den Sinn seiner Existenz in Frage stellen.

Unüberwindbare Grenzen. Der Tod ist wahrscheinlich das älteste Rätsel der Menschheit.17 Was passiert mit dem Menschen, wenn sein Körper plötzlich und für immer erstarrt?

Uralte Grabstätten bezeugen, dass der Steinzeitmensch vor etwa 100.000 Jahren Gegenstände den Toten beigelegt hat, die nur ein Lebender gebrauchen kann, wie etwa Werkzeuge und Nahrung.18 Vermutlich konnte er sich mit der Endlichkeit des Lebens nicht abfinden. Vermutlich hatte er eine Vorstellung von einer Weiterexistenz in einer anderen Form.

[...]


1 Margulis, S. 67

2 Margulis, S. 50

3 Der Begriff stammt aus dem Griechischen (auto=selbst und poiein=machen), bedeutet Selbstorganisation (Stoffwechsel-Produktion, Reproduktion) um Selbsterhaltung. Die chilenischen Biologen H. Maturana und F. Valera verstehen den Stoffwechsel als grundlegende Besonderheit des Lebendigen (Margulis, S. 23)

4 Margulis, S. 23

5 Margulis, S. 32

6 Margulis, S. 178-179

7 Margulis, S. 49

8 Margulis, S. 62

9 Margulis, S. 61

10 Gaia ist in der griechischen Mythologie die personifizierte Erde (Anm. Verf.)

11 Margulis, S. 47

12 Margulis, S. 48

13 Von 30 Millionen Arten insgesamt (Margulis S. 190)

14 Margulis, S. 177

15 Margulis, S. 23

16 Margulis, S. 165

17 Margulis, S. 34

18 Margulis, S. 35

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ökonomisieren: das Beste aus dem Leben machen
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Der Sinn des Lebens
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V268724
ISBN (eBook)
9783656589501
ISBN (Buch)
9783656589488
Dateigröße
1223 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ökonomisieren, beste, leben
Arbeit zitieren
Renata Ellermann (Autor), 2012, Ökonomisieren: das Beste aus dem Leben machen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268724

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