Die Behandlung utopischer Diskurse anhand von Star Trek: The Next Generation


Hausarbeit, 2013
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Was ist eine Utopie?

3. Menschenrechte
3.1 Inhalt
3.2 Analyse

4. Entwicklung der Menschheit
4.1 Inhalt
4.2 Analyse

5. Friedliches Zusammenleben
5.1 Inhalt
5.2 Analyse

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll herausgearbeitet werden, inwiefern sich Star Trek mit utopischen Diskursen beschäftigt und wie diese dargestellt werden. Star Trek wurde 1966 von Gene Roddenberry geschaffen und umfasst mittlerweile mehrere Fernsehserien und Kinofilme.1 In dieser Hausarbeit soll sich allerdings auf die Serie Star Trek: The Next Generation beschränkt werden, die erstmals am 27.09.1987 ausgestrahlt wurde.2 Um utopische Diskurse in der Serie behandeln zu können, soll zuallererst geklärt werden, was überhaupt eine Utopie ist. Danach soll anhand einzelner Folgen auf utopische Diskurse eingegangen werden, die sich durch die ganze Serie ziehen. Solche Diskurse sind z.B. das friedliche Zusammenleben verschiedener Spezies oder die Erforschung fremder Welten, die man auch in Thomas Morus Utopia finden kann und welche somit eine lange Tradition hat.

2. Was ist eine Utopie?

Ursprünglich kommt der Begriff von Thomas Morus' Roman Utopia, der 1516 erschien.3 Das historische Wörterbuch der Rhetorik definiert Utopie außerdem wie folgt: „fiktionaler, rational konstruierter Entwurf eines idealen, harmonischen Gemeinwesens, das als kritisches Gegenbild zur Gegenwart konzipiert und in ferne Räume oder Zeiten verlegt wird.“4 Das Zentrum einer Utopie ist also der Gedanke einer fehlerfreien, harmonischen Gesellschaft. Durch die Idee dieser perfekten Gesellschaft soll aber gleichzeitig der Gegenwart ihre Fehler aufgezeigt werden und somit der Weg in eine bessere Zukunft herausgestellt werden.5 Des weiteren schließt diese Definition von Utopie die fernen R ä ume und Zeiten mit ein, welche ja auch in Star Trek einen Großteil ausmachen. Ein wichtiges Merkmal von Utopien ist auch, dass diese eine Art Gegenstück zur gegenwärtigen

Realität darstellen und derzeit auch überhaupt nicht zur Realität werden können. Es ist außerdem wichtig, sich klarzumachen, dass die Wahrnehmung einer Utopie sich im Laufe der Zeit stark verändert hat. So kann etwas, das noch vor hundert Jahren als Utopie aufgefasst wurde, jetzt als Dystopie wahrgenommen werden.6 Thomas Schölderle sagt hierzu: „Insofern bleibt die Funktion [der Utopie] stets abhängig von historischen und politischen Standpunkten der Betrachter, von geschichtlichen Bedingungen sowie aktuellen wie späteren Rezeptionskontexten, mithin: von außerutopischen Faktoren - und damit scheint nun in der Tat ein generalisierbares Merkmal utopischer Funktion ins Reich der Unmöglichkeit zu entschwinden.“7 Ein Charakteristikum das außerdem allen Utopien zugrunde liegt, ist das eines sozialen Gedankenexperiments, bei dem immer eine hypothetische Situation vorliegt.8 Laut Ernst Mach wird das Gedankenexperiment davon geleitet „in der Phantasie Umstände [zu] kombinieren, die in Wirklichkeit nicht zusammentreffen, oder diese Umstände von Folgen begleitet [zu] denken, welche nicht an dieselben gebunden sind.“9

3. Menschenrechte

Inwiefern Menschenrechte einen utopischen Charakter haben und wie dieser in Star Trek: The Next Generation dargestellt wird, werde ich anhand der Folge Wem gehört Data? aufzeigen. Die Folge hat die Produktionsnummer 135 und ist die 9. Folge der 2. Staffel.

3.1 Inhalt

Der Android Data, welcher Offizier auf der Enterprise ist, soll der Sternenflotte übergeben werden, damit sein positronisches Gehirn erforscht und weitere Androiden hergestellt werden können. Der Android verweigert die Auslieferung, woraufhin in einer Gerichtsverhandlung bewiesen werden muss, dass Data kein Gegenstand sondern ein eigenständiges Lebewesen ist.

3.2 Analyse

Die Folge ist nach dem klassischen 5-Akt-Schema aufgebaut. Im 1. Akt wird in die Geschichte eingeführt. Während die Hauptfiguren der Episode Poker spielen wird eine erste Anspielung auf den Konflikt zwischen Mensch und Maschine gemacht, indem die Schiffsärztin Dr. Pulaski, Data darauf aufmerksam macht, dass die anderen Mitglieder, im Gegensatz zu ihm, beim Pokerspielen „Instinkt“ besitzen10. Im 2. Akt wird der Konflikt dann offensichtlicher, da die verschiedenen Interessen aufeinander stoßen. Hier wird Data klargemacht, dass er der Sternenflotte übergeben werden soll, damit sein Gehirn erforscht und weitere Androiden hergestellt werden können. Data ist allerdings der Meinung, dass Bruce Maddox' (der das Experiment leitet) Forschung noch nicht ausgereift genug ist, außerdem würde er bei dem Experiment seine Erinnerungen und alles was ihn zu einer “Person“ macht, verlieren. Im 3. Akt spitzt sich die Situation zu. Die Leiterin des juristischen Büros Phillipa Louvois entscheidet, dass Data keine eigenständige Person ist, sondern Eigentum der Sternenflotte, weshalb er sich dem Experiment stellen muss und auch nicht befugt ist, seinen Dienst zu quittieren. Dieses Urteil wird von Captain Picard angefochten, woraufhin im 4. Akt die Gerichtsverhandlung stattfindet. Damit soll nach dem 3. Akt die Spannung noch ein zweites mal ansteigen. Mit dem 5. Akt wird dann der Könflikt gelöst, indem in der Gerichtsverhandlung von Louvois entschieden wird, dass Data eine Person ist und über sein Leben selbst entscheiden darf.

In dieser Folge von Star Trek: The Next Generation wird ein Diskurs über Menschenrechte geführt, der aufgrund verschiedener Punkte als Utopie angesehen werden kann. Zuerst gilt schon das Herstellen von Androiden, die wie Menschen aussehen und handeln können, allerdings viel intelligenter sind als diese, als utopisch, da es eine solche Technologie (noch) nicht gibt. In der Folge selbst, lässt man die Figur Data sagen, dass seine Erschaffung die Grenzen des Universums erweiterte.11 Innerhalb der Folge wird außerdem das Argument der Sklaverei angesprochen, da man durch das Herstellen vieler Androiden eine neue Rasse züchten würde und dann danach beurteilt werden würde, wie man diese Rasse behandelt.12 Würde man diese nur als “Arbeitstiere“ verwenden, wäre es Sklaverei. Da es im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder zu Sklaverei kam und immer noch kommt, ist es ein klarer Bestandteil einer Utopie, wenn selbst einem Androiden, der eindeutig eine Maschine ist, Menschenrechte zugestanden werden. Zudem wird innerhalb der Folge darauf hingewiesen, dass alle Lebewesen in der Föderation (Zusammenschluss mehrerer Planeten) die gleichen Rechte haben.13 Dass so viele verschiedene Spezies von verschiedenen Planeten und sogar ein Android die gleichen Rechte haben bzw. bekommen, entspricht deutlich der Definition von Utopie nach dem historischen Wörterbuch der Rhetorik, die in Kapitel 2 erläutert wird. Das Ende der Folge zeigt außerdem auf, dass auch in Zukunft damit gerechnet werden kann, dass alle Lebewesen ihre Rechte behalten oder noch erhalten. Denn kurz vor der Entscheidung im Gerichtssaal wird, darauf hingewiesen, dass das Urteil das nun gefällt wird, helfen kann die „Grenzen persönlicher Rechte und persönlicher Freiheit zu erweitern oder oder sie für einige unbarmherzig zu verengen.“14

4. Entwicklung der Menschheit

Die Entwicklung der Menschheit in der Zukunft hat fast immer einen utopischen Charakter und dieser Bestandteil wird häufig im Zusammenhang mit Utopien aufgezeigt. Daher soll dieser Diskurs anhand der Folge Die neutrale Zone bearbeitet werden. Die Folge hat die Produktionsnummer 126 und ist die 26. Folge der 1. Staffel.

4.1 Inhalt

An Bord eines alten Raumschiffes, werden drei eingefrorene Personen aus dem 20. Jahrhundert gefunden. Diese litten zu ihrer Zeit an unheilbaren Krankheiten und erhofften sich Heilung in der Zukunft. Als Nebenhandlung dient außerdem ein bevorstehender Konflikt mit einer Spezies namens Romulaner.

4.2 Analyse

Auch diese Folge kann in das 5-Akt-Schema eingeteilt werden. Im 1. Akt werden auf einem alten, im Weltraum schwebenden Schiff drei eingefrorene Menschen aus dem 20. Jahrhundert aufgefunden, während sich die Menschheit gegenwärtig im 24. Jahrhundert befindet. Die Besatzung entscheidet, dass man die drei Überlebenden mitnimmt, da sie sonst nicht mehr lange überleben würden. Im 2. Akt werden die Eingefrorenen Personen dann von ihren im 20. Jahrhundert unheilbaren Krankheiten geheilt und danach aufgeweckt. Der 3. Akt beinhaltet, wie den drei Überlebenden ihre Situation erklärt wird und zeigt erste Anpassungsschwierigkeiten. Im 4. Akt wird dann deutlich, dass die drei Menschen aus dem 20. Jahrhundert eine völlig andere Vorstellung vom Leben haben als die modernen Menschen und es kommt zu Konflikten. Im letzten Akt spitzt sich die Situation mit den Romulanern zu und die Besatzung bemerkt, dass die Überlebenden aus dem 20. Jahrhundert nicht nur primitiv, sondern auch eine Hilfe sein können. Am Ende werden die drei Überlebenden dann wieder auf die Erde gebracht. In dieser Folge soll deutlich gezeigt werden, wie stark sich die Menschheit in den vergangenen Jahrhunderten zum besseren verändert hat. Während die Menschen aus dem 20. Jahrhundert die meiste Zeit als primitiv dargestellt werden, werden die modernen Menschen schon ganz zu Anfang der Episode als friedliche und intellektuelle Wesen gezeigt.

[...]


1 Vgl. Sven Ebel/Andreas Wolfsteller: Ist STAR TREK eine Utopie? Leipzig 2004, S. 3 - 5.

2 Vgl. Ebd., S. 5

3 Vgl. Otto, D.: Utopie. In: Ueding, G. (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Tübingen 2009, S. 982.

4 Ebd., S. 984.

5 Vgl. Ebd., S. 985.

6 Vgl. Thomas Schölderle: Zur Funktion der Utopie. In: Ders.: Utopia und Utopie. Thomas Morus, die Geschichte der Utopie und die Kontroverse um ihren Begriff. Baden-Baden 2001, S. 465.

7 Ebd., S. 466.

8 Vgl. Ebd., S. 468.

9 Ebd., S. 467 - 468.

10 Vgl. Wem gehört Data?, 00:02:32.

11 Vgl. Wem gehört Data?, 00:17:20.

12 Vgl. Wem gehört Data?, 00:31:00 und 00:37:30.

13 Vgl. Wem gehört Data?, 00:35:00.

14 Wem gehört Data?, 00:38:43.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Behandlung utopischer Diskurse anhand von Star Trek: The Next Generation
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V269463
ISBN (eBook)
9783656605812
ISBN (Buch)
9783656605805
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
behandlung, diskurse, star, trek, next, generation
Arbeit zitieren
Christine Kolb (Autor), 2013, Die Behandlung utopischer Diskurse anhand von Star Trek: The Next Generation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269463

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