Macht von Gewerkschaften in Zeiten der Globalisierung

Gewerkschaftliche Strategien zur Erhaltung der Machtbasis in einer veränderten Arbeitswelt


Hausarbeit, 2014
21 Seiten, Note: 1,0
Linda Wisniewska (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Macht der Gewerkschaften in einer globalisierten Arbeitswelt
2.1 Definition von Macht
2.2 Machtbasis von Gewerkschaften
2.3 Gewerkschaftlicher Organisationsgrad in Deutschland
2.4 Rahmenbedingungen der Gewerkschaften in einer globalisierten Arbeitswelt
2.4.1 Auswirkungen der Globalisierung auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt
2.4.2 Auswirkungen der Globalisierung auf die Gewerkschaften
2.5 Machterhaltungsoptionen der Gewerkschaften in einer globalisierten Arbeitswelt
2.5.1 Relevanz der EU-Ebene für Gewerkschaften
2.5.2 Europäischer Gewerkschaftsbund (EGB)
2.5.3 Europäische Betriebsräte (EBR)
2.5.4 Gewerkschaftlicher Einfluss auf Ebene der EU

3. Fallbeispiel Opel
3.1 Kennzeichen des Bochumer Opel-Standorts
3.2 Einflusspotenzial der IG Metall am Bochumer Opel-Standort
3.4 Auseinandersetzung um die Schließung des Bochumer Opel-Werks 2012/2013 
3.5 Die Rolle europäischer Gewerkschaften und Betriebsräte bei Opel
3.6 Bewertung der Rolle der Gewerkschaften im Fallbeispiel

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Globalisierung hat zweifellos Auswirkungen auf die Wirtschaft im Allgemeinen und den Arbeitsmarkt im Besonderen. In einer globalisierten Wirtschaft und insbesondere in der Europäischen Union, die durch freien Waren- und Kapitalverkehr gekennzeichnet ist, ist es für Unternehmen zunehmend einfacher, ihre Produktion an ausländische Standorte zu verlegen, die durch günstige Rahmenbedingungen gekennzeichnet sind. Augenscheinlich schränkt dies das Machtpotenzial von Gewerkschaften gegenüber multinationalen Unternehmen ein, da letztere in Verhandlungen stets damit drohen können, einen inländischen Standort zugunsten eines ausländischen zu schließen. Erschwerend kommt für Gewerkschaften hierzulande hinzu, dass politische, arbeitsmarktbezogene Maßnahmen verstärkt auf Ebene der Europäischen Union getroffen werden, sodass die nationalstaatsbezogene Lobbyarbeit tendenziell bedeutungsloser wird. Es stellt sich die Frage, ob Gewerkschaften durch eine bereits eingesetzte Transnationalisierung bzw. Europäisierung ihren Machtverlust kompensieren können. Empirisch lässt sich das derzeitige Machtpotenzial von Gewerkschaften am Beispiel der Opel AG veranschaulichen. Dieses Unternehmen, das dem amerikanischen Konzern General Motors gehört, verfügt über verschiedene Standorte in Europa, wobei es vor allem am Standort Bochum – angesichts einer drohenden Schließung - zu intensiven Arbeitskämpfen zwischen Gewerkschaft und Unternehmensleitung gekommen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Nach einer kurzen Definition von Macht wird die generelle Machtbasis von Gewerkschaften dargelegt. Anschließend wird der gewerkschaftliche Organisationsgrad in Deutschland, der ebenfalls Aufschluss über das Machtpotenzial von Gewerkschaften gibt, aufgezeigt. Im weiteren Verlauf werden die Rahmenbedingungen der Gewerkschaften in einer globalisierten Arbeitswelt untersucht. In diesem Kontext ist relevant, welche Auswirkungen die Globalisierung auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt und letztlich auch auf die Gewerkschaften hat. Darüber hinaus wird analysiert, inwiefern Gewerkschaften versuchen, durch Transnationalisierungsstrategien die negativen Effekte eines globalisierten Arbeitsmarktes auszugleichen. Dabei wird herausgearbeitet, weshalb die Ebene der Europäischen Union - im Rahmen gewerkschaftlicher Transnationalisierung – von zentraler Bedeutung ist. Zudem ist von Interesse, welche gewerkschaftlichen Ansätze es auf EU-Ebene gibt, um die Gewerkschaften zu transnationalisieren bzw. europäisieren. Schließlich wird das Fallbeispiel der Opel AG herangezogen, um die Handlungsoptionen von Gewerkschaften in einem internationalisierten Arbeitsmarkt zu erörtern.

2. Macht der Gewerkschaften in einer globalisierten Arbeitswelt

2.1 Definition von Macht

Der Sozialwissenschaftler Max Weber definierte Macht als die Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen durchzusetzen und zwar auch gegen Widerstand eines Dritten. In anderen Definitionen wird Macht als eine Fähigkeit aufgefasst, eine Verhaltensänderung hervorzurufen. Durch Macht wird ein Individuum oder eine Organisation dazu bewegt, etwas zu tun, das es ansonsten nicht getan hätte (vgl. Temme 2005, S.19).

2.2 Machtbasis von Gewerkschaften

Die Macht von Gewerkschaften steht grundsätzlich in Verbindung zur Machtsituation von Lohnabhängigen, wobei diesbezüglich zwischen einer strukturellen Macht und einer Organisationsmacht unterschieden werden kann. Die strukturelle Macht resultiert aus der Position von Lohnabhängigengruppen im Wirtschaftssystem. Sie kann sich „in primärer Verhandlungsmacht, die aus einer angespannten Arbeitsmarktsituation entspringt, ebenso ausprägen wie in Organisationsmacht, die sich über eine besondere strategische Stellung von Arbeitergruppen in Produktionsprozessen konstituiert“ (Dörre 2010, S.876). Dabei wird unterstellt, dass die heterogenen Arbeiter- und Angestelltengruppen eine kollektive Mobilisierung ihrer Machtressourcen vornehmen, um Asymmetrien in den Austauschbeziehungen zwischen Kapital (bzw. Unternehmen/Arbeitgeber) und Arbeit (bzw. Arbeitnehmerschaft) auszugleichen (vgl. Dörre 2010, S.875 f).

Auch wenn der Staat nicht in die Lohnverhandlungen zwischen den Tarifparteien, also Arbeitgeberverbände und Arbeitnehmervertretungen bzw. Gewerkschaften eingreift, gibt es hierzulande verschiede gesetzliche Regelungen, die die Macht von Gewerkschaften unterstützen. Hierzu gehören vor allem Arbeitsschutzrechte, gesetzlich geschützte Tarifbestimmungen sowie staatlich garantierte Einflusschancen von kollektiven Interessenvertretern mittels Betriebsverfassungs-gesetz. Die Machtsituation von Gewerkschaften in einem Unternehmen wird von verschiedenen Parametern beeinflusst, die von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich ausgeprägt sein können. Zu diesen Parametern gehören die wirtschaftliche Situation des Unternehmens, die Lage auf dem (regionalen und/oder fachspezifischen) Arbeitsmarkt, die Belegschaftsstruktur sowie der gewerkschaftliche Organisationsgrad (vgl. Trinczek 2010, S.842 f).

2.3 Gewerkschaftlicher Organisationsgrad in Deutschland

Im Jahr 2012 gab es 7,4 Millionen Gewerkschaftsmitglieder in Deutschland, wovon allerdings ein Fünftel bereits im Ruhestand ist. Die mit Abstand größte Gewerkschaft ist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der inklusive seiner ihm zugehörenden Einzelgewerkschaften (IG Metall, Verdi etc.) 6,15 Millionen Mitglieder umfasst. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad, also der Anteil der Beschäftigten, die Mitglied einer Gewerkschaft sind, beträgt in Deutschland 18 Prozent. Im Zeitraum von1991 bis 2012 hat der DGB 48 Prozent seiner Mitglieder verloren, wobei der rasante Mitgliederrückgang zwischen 2010 und 2012 gestoppt werden konnte (vgl. Worker Participation 2013).

Innerhalb der Literatur wird der Mitgliederrückgang der Gewerkschaften, der zugleich mit einem Rückgang der gewerkschaftlichen Finanzmittel sowie mit einem Rückgang gewerkschaftlicher Verhandlungsmacht einhergeht, teilweise als Ausdruck des Niedergangs der Gewerkschaften interpretiert. Allerdings gibt es auch Autoren, die auf die gewerkschaftliche Widerstandskraft und Beständigkeit verweisen, da die Gewerkschaften trotz der Mitgliederverluste noch immer durch eine vergleichsweise hohe Organisationsstabilität gekennzeichnet sind. Auch seien die immer wieder aufflammenden gesellschaftlichen Konflikte um Arbeitsplätze, Einkommen und Sozialstandards als Beleg dafür zu werten, dass die Gewerkschaften nachwievor ihre Interessen artikulieren können und dabei auf hohe Resonanz in der Gesellschaft stoßen (vgl. Urban 2010, S.3).

2.4 Rahmenbedingungen der Gewerkschaften in einer globalisierten Arbeits-welt

2.4.1 Auswirkungen der Globalisierung auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Für den Begriff der Globalisierung existiert eine Vielzahl von begrifflichen Präzisierungsversuchen. In erster Annäherung sieht man „in der Globalisierung vor allem eine erleichterte Standortwahl im Zuge der Internationalisierung der Produktion, ausgelöst insbesondere durch Direktinvestitionen von multinationalen Unternehmen in Entwicklungs- und Industrieländern“ (Reinermann / Rosskopf 2000, S.26). In einer breiter angelegten Annäherung kann Globalisierung als die Restrukturierung von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft betrachtet werden, die sich auf mehreren Ebenen vollzieht. Diese Veränderungen stehen nämlich im Zusammenhang mit diversen Faktoren, beispielsweise der Technisierung der Infrastruktur, Veränderungen in den politischen Systemen, veränderten Finanz- und Informationsströmen, der Unternehmensorganisation, dem gesellschaftlichen Wertekanon und dem Verbraucherverhalten (vgl. Kornmeier / Müller 2001, S.25). Unter der wirtschaftlichen Globalisierung versteht man generell die planmäßige weltweite Ausrichtung der betrieblichen Funktionen Produktion, Absatz, Beschaffung und Finanzierung. Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts lässt sich eine weltweit zunehmende Verflechtung von Kapitalströmen und Handel beobachten. Zu Beginn der 1980er Jahre hat sich dann das Tempo der ökonomischen Verflechtung rasant beschleunigt. Zunächst stiegen die internationalen Kapitalströme sprunghaft an, ab Mitte der 1980er Jahre stiegen die Direktinvestitionen, wozu unter anderem die Gründung von Produktionsstätten im Ausland oder die Beteiligung an ausländischen Unternehmen zählen, in außerordentlichem Maße (vgl. Knödler 2000, S.64 f). In wirtschaftlicher Hinsicht beschreibt das Phänomen der Globalisierung in erster Linie „ein Anschwellen der internationalen Kapital- und Handelsströme, durch das die Tauschbeziehungen der Individuen nicht mehr in ihrem engen geographischen Umfeld lokalisiert sind, sondern sich über nationale Grenzen hinweg auf Produkte, Dienstleistungen und Kapital in einer Vielzahl von Ländern erstreckt“ (Meyer 2001, S.147).

Durch die freie Kapitalmobilität können internationale Konzerne verhältnismäßig leicht Standortverlagerungen in andere Staaten vornehmen. Dies führt dazu, dass viele Staaten danach bestrebt sind, gute Bedingungen für Investoren bzw. Unternehmen zu schaffen. Diese Staaten kommen den Unternehmen nicht nur durch niedrige Steuern entgegen, sondern beispielsweise auch durch geringe staatliche Mindestlöhne. Die gestiegene Fragmentierung globaler Wertschöpfungsprozesse erhöht die Abhängigkeit der Arbeitnehmer an den unterschiedlichsten Orten von zentralisierten Unternehmensentscheidungen (vgl. Scheper / Menge, 2013, S.31 f).

2.4.2 Auswirkungen der Globalisierung auf die Gewerkschaften

Gerade durch die Möglichkeit von Unternehmen, Produktionsstandorte ins Ausland zu verlagern, wird die Wirksamkeit gewerkschaftlicher Arbeitskämpfe gegen Lohnkürzungen oder Arbeitszeitverlagerung herabgesetzt. So können Unternehmen relativ leicht in Staaten ausweichen, die durch niedrige Löhne und eine schwache Arbeitnehmervertretung gekennzeichnet sind (vgl. Scheper / Menge, 2013, S.32 f). Um zu verhindern, dass Unternehmen Konkurs gehen oder eine Verlagerung ins Ausland vornehmen, gehen Gewerkschaften teilweise dazu über, den  betreffenden Unternehmen zuzugestehen, dass diese flächentarifliche Standards unterschreiten. Beispielsweise hat sich die IG Metall im Rahmen des sogenannten Pforzheimer Abkommens von 2004 bereiterklärt, dass Unternehmen im Einzelfall Tariflöhne unterschreiten dürfen, wenn dies zur Aufrechterhaltung oder Schaffung von Arbeitsplätzen erforderlich ist (vgl. Schröder 2011, S.35).

Infolge der Globalisierung ist es zudem zu einer Re-Taylorisierung, also zu einer Wiederauflebung der Zerlegung der Arbeitsprozesse in kleine Schritte sowie auch zu einer Entgrenzung von Arbeitszeiten gekommen. Als Reaktion hierauf „haben die Gewerkschaften das einst für die Arbeitswelt der fordistischen Ära erarbeitete Konzept zur Humanisierung der Arbeitswelt im strategischen Ansatz Gute Arbeit als betriebliches Handlungs-, aber auch öffentliches Konzept des Agenda settings neu konzipiert“ (Brinkmann / Nachtwey 2010, S.25). Die im Zuge der Globalisierung gestiegene Anzahl an prekären Beschäftigungsverhältnissen sowie der wachsende Niedriglohnsektor haben die Gewerkschaft auch dazu gebracht, sich stärker mit prekären Beschäftigungsverhältnissen zu beschäftigen. So wurden beispielsweise Leiharbeitsverhältnisse lange Zeit von den Gewerkschaften ignoriert, da die Auffassung vorherrschend war, dass Leiharbeit ohnehin verboten werden muss. Erst verhältnismäßig spät starteten die Gewerkschaften Kampagnen, die auf die betriebliche und tarifliche Besserstellung der Leiharbeiter ausgerichtet waren (vgl. Brinkmann / Nachtwey 2010, S.25).

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Details

Titel
Macht von Gewerkschaften in Zeiten der Globalisierung
Untertitel
Gewerkschaftliche Strategien zur Erhaltung der Machtbasis in einer veränderten Arbeitswelt
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V269598
ISBN (eBook)
9783656607304
ISBN (Buch)
9783656607250
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
macht, gewerkschaften, zeiten, globalisierung, gewerkschaftliche, strategien, erhaltung, machtbasis, arbeitswelt
Arbeit zitieren
Linda Wisniewska (Autor), 2014, Macht von Gewerkschaften in Zeiten der Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269598

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