Zahlreiche deutsche Unternehmen verlagern ihre Produktion oder Teile davon ins Ausland. So wollen einheimische Unternehmen vor allem den hohen deutschen Lohnkosten entgehen, indem arbeitsintensive Teile der Wertschöpfungskette in ausländische Standorte verlagert werden. Dieser Verlagerungsprozess wird auch als Offshoring bezeichnet. In der Öffentlichkeit wird dieses Thema intensiv diskutiert, wobei bisweilen die Meinung zu hören ist, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland durch die Produktionsverlagerungen ins Ausland gefährdet ist.
Im Folgenden wird nun untersucht, welche volkswirtschaftlichen Aspekte mit der Verlagerung einheimischer Produktion ins Ausland verknüpft sind. Dabei ist es naheliegend, anzunehmen, dass der deutschen Volkswirtschaft dadurch vor allem Arbeitsplätze und Steuereinnahmen entgehen. Gleichsam gehen zahlreiche Ökonomen davon aus, dass Offshoring in beiden beteiligten Länder zu wohlfahrtssteigernde Effekte führen kann. Zum Schluss der Arbeit werden die Ansätze des Präsidenten des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, vorgestellt. Sinn proklamiert, dass die Produktionsverlagerung ins Ausland maßgeblich dazu beiträgt, dass sich Deutschland zu einer sogenannten Basar-Ökonomie entwickelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Daten zur Produktionsverlagerung ins Ausland
3. Volkswirtschaftliche Effekte der Produktionsverlagerung ins Ausland
3.1 Verlust von Arbeitsplätzen
3.2 Verlust von Entwicklungskompetenz
3.3 Sinkende Steuereinnahmen
3.4 Reduzierung des Lohnniveaus in Deutschland
3.5 Rechtliche Risiken
3.6 Entstehung von Abhängigkeiten
3.7 Veränderungen im Arbeitsprozess / Unsicherheit bei den Beschäftigten
3.8 Wohlfahrtsteigernde Effekte durch Offshoring
4. Entwicklung zu einer Basar-Ökonomie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Produktionsverlagerung deutscher Unternehmen ins Ausland, bekannt als Offshoring, und analysiert kritisch das Konzept der „Basar-Ökonomie“ nach Hans-Werner Sinn.
- Quantifizierung und Trends der Produktionsverlagerung deutscher Unternehmen
- Analyse der Beschäftigungseffekte und der Entwicklungskompetenz
- Untersuchung fiskalischer Folgen und des Lohnniveaus
- Diskussion wohlfahrtssteigernder Potenziale vs. Risiken
- Kritische Würdigung der Transformation zur Basar-Ökonomie
Auszug aus dem Buch
3.4 Reduzierung des Lohnniveaus in Deutschland
Durch die Internationalisierung ihrer Wertschöpfungskette durch Offshoring erhöht sich das Drohpotenzial von Unternehmen bei Tarifverhandlungen. So können Unternehmen bzw. Arbeitgeberverbände im Rahmen von Tarifgesprächen mit Gewerkschaften anführen, dass die Arbeitskosten in anderen Ländern niedriger sind und sich deshalb eine Produktion in diesen Ländern anbietet. Demnach lastet auf den Gewerkschaften ein bestimmter Druck, nur moderate Lohnerhöhungen zu fordern, da andernfalls die Gefahr von Produktionsverlagerungen erhöht wird.18 Generell entfaltet Offshoring teils drei teils gegenläufige Wirkungen auf das Lohnniveau:
- Erstens werden insbesondere „die weniger produktiven Teile einer jeweiligen Aktivität ausgelagert, sodass die Produktivität der verbleibenden Arbeitskräfte in der jeweiligen Qualifikationsstufe steigt, und damit tendenziell auch ihre Löhne“19.
- Zweitens werden durch Offshoring Arbeitskräfte der jeweiligen Qualifikationsstufe entlassen, wodurch ein Arbeitsüberangebot die Löhne in diesem Bereich herabsetzt.
- Dritten wird das Endprodukt infolge des Offshoring billiger, was einen negativen Effekt auf die Löhne der dafür benötigten Qualifikationsstufe auslöst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Produktionsverlagerung, Definition des Offshorings und Vorstellung der Forschungsfrage zur Basar-Ökonomie.
2. Daten zur Produktionsverlagerung ins Ausland: Analyse aktueller Trends und Statistiken zur Verlagerungsaktivität des produzierenden Gewerbes in Deutschland.
3. Volkswirtschaftliche Effekte der Produktionsverlagerung ins Ausland: Detaillierte Untersuchung der Auswirkungen auf Beschäftigung, Kompetenzverlust, Steuereinnahmen, Lohnniveau und Arbeitsbedingungen.
4. Entwicklung zu einer Basar-Ökonomie: Erörterung der These von Hans-Werner Sinn, nach der Deutschland durch den Verlust an Fertigungstiefe zu einer Handelsdrehscheibe für fremdproduzierte Güter wird.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Vor- und Nachteile von Offshoring und Einordnung des Strukturwandels für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Schlüsselwörter
Offshoring, Produktionsverlagerung, Basar-Ökonomie, Globalisierung, Volkswirtschaft, Arbeitsmarkt, Fertigungstiefe, Lohnniveau, Wettbewerbsfähigkeit, Standort Deutschland, Exportstatistik, Wertschöpfung, Fachkräfte, Industrie, Sozialsysteme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Konsequenzen, die entstehen, wenn deutsche produzierende Unternehmen ihre Fertigung teilweise oder vollständig in ausländische Standorte verlagern.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf Arbeitsplatzeffekten, dem Verlust an Entwicklungskompetenz, fiskalischen Folgen für den Staat sowie den Auswirkungen auf Lohngefüge und Arbeitsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen des Offshorings auf den Wirtschaftsstandort Deutschland zu evaluieren und insbesondere das Konzept der Basar-Ökonomie kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die auf empirischen Studien und klassischen Außenhandelstheorien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl negative Aspekte wie der drohende Verlust von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen als auch wohlfahrtssteigernde Effekte durch Spezialisierung dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die wichtigsten Begriffe sind Offshoring, Produktionsverlagerung, Basar-Ökonomie, Wettbewerbsfähigkeit und Standort Deutschland.
Warum spielt die Entwicklungskompetenz eine so wichtige Rolle für Deutschland?
Die Entwicklungskompetenz ist laut der Arbeit zentral für die Innovationsfähigkeit und die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, weshalb deren Abwanderung als Risiko betrachtet wird.
Wie definiert die Arbeit eine „Basar-Ökonomie“?
Eine Basar-Ökonomie ist ein Zustand, in dem ein Land seine eigene industrielle Fertigungstiefe verliert und primär als Umschlagplatz für im Ausland vorgefertigte Waren fungiert.
Welches Beispiel wird für die Basar-Ökonomie angeführt?
Der Porsche Cayenne dient als zentrales Fallbeispiel, da er zwar in Leipzig montiert wird, jedoch den Großteil seiner Wertschöpfung aus dem Ausland bezieht.
Sind die Auswirkungen von Offshoring pauschal als negativ zu bewerten?
Nein, die Arbeit stellt dar, dass Offshoring unter bestimmten Bedingungen auch wohlfahrtssteigernd wirken kann, sofern die beteiligten Volkswirtschaften flexibel genug auf den Strukturwandel reagieren.
- Citar trabajo
- Diplom-Soziologe / PR-Berater (DPRG) Tilmann Wörner (Autor), 2013, Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269613