Zunächst soll in dieser Arbeit der Begriff Interkulturelle Bildung definiert werden. Dazu
werden im 2. Kapitel der Arbeit die Geschichte und Entwicklung der IB als wissenschaftliche
Disziplin und als pädagogische Bildungsaufgabe beleuchtet und die dazu notwendigen
verschiedenen Dimensionen der IB dargestellt. Typische Ziele sollen zudem anhand von
einschlägiger Fachliteratur vorgestellt werden. Im dritten Kapitel wird die methodische
Herangehensweise zur Analyse und zum Vergleich der KLP erläutert. Dabei greife ich auf das
Analysemuster aus den Aufsätzen von Ursula Neumann und Lutz Reuter zurück, das bereits
oben erwähnt wurde und im 3. Kapitel ebenfalls ausführlicher erläutert werden.
Anschließend wird im 4. Kapitel Ziel und Herangehensweise der KLP-Analyse beschrieben.
Zunächst werden die Kompetenzziele und interkulturellen Bildungsinhalte der
Lehrplanversionen von 1999 und 2013 dargestellt. Mit Hilfe der im 3. Kapitel beschriebenen
Methodik werden die KLP daraufhin untersucht, inwieweit sie interkulturelle Kompetenzund
Bildungsziele enthalten und in welcher Weise die didaktische Ausformung in der
Umsetzung der Bildungsziele im Unterricht angedacht ist.
Auf die Analyse folgt im nächsten Schritt der Vergleich und die anschließende Bewertung der
verschiedenen KLP-Versionen. Hierbei sollen mögliche Unterschiede beschrieben und
verdeutlicht werden, um eine eventuelle Entwicklung oder Verlagerung des Schwerpunktes
innerhalb der Fächer hinsichtlich IB darzustellen.
Im Fazit (5. Kapitel) sollen die Möglichkeiten und Grenzen der IB umrissen werden. Zudem
wird ein Ausblick auf eine mögliche erweiterte Konzeption interkultureller Bildungsinhalte
gegeben, die eine sinnvolle Ergänzung zu den KLP-Inhalten darstellen könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Interkulturelle Bildung
2.1 Entstehung und Entwicklung
2.2 Inhalte, Zielsetzungen und Herausforderungen
3. Kompetenz- und Zielkriterien zur Untersuchung interkultureller Bildungsinhalte in Lehrplänen
4. Interkulturelle Bildung in NRW-Lehrplänen
4.1 Interkulturelle Bildungsinhalte und Kompetenzstandards 1999 und 2013
4.1.1 Lehrplanversion von 1999
4.1.2 Lehrplanversion von 2013
4.2 Bewertung der Lehrplaninhalte hinsichtlich der Ziele Interkultureller Bildung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Verankerung interkultureller Bildungsinhalte in den nordrhein-westfälischen Kernlehrplänen des Unterrichtsfachs Geschichte. Ziel ist es, durch einen systematischen Vergleich der Lehrplanversionen von 1999 und 2013 aufzuzeigen, wie sich interkulturelle Bildungsziele und Kompetenzstandards über einen Zeitraum von 15 Jahren entwickelt haben und inwieweit diese den Anforderungen einer kulturell heterogenen Gesellschaft gerecht werden.
- Historische Genese und wissenschaftliche Definition der Interkulturellen Bildung (IB).
- Methodische Anwendung des Analyserasters nach Neumann/Reuter zur Bewertung von Lehrplaninhalten.
- Vergleichende Analyse der interkulturellen Kompetenzziele in den Geschichts-Lehrplänen von 1999 und 2013.
- Bewertung der Berücksichtigung von KMK-Empfehlungen zur interkulturellen Bildung.
- Identifikation von Entwicklungspotentialen für die curriculare Einbindung interkultureller Perspektiven.
Auszug aus dem Buch
Entstehung und Entwicklung
Interkulturelle Bildung entwickelte sich vor etwa 50 Jahren als pädagogisches Forschungs- und Arbeitsfeld. In dieser Entwicklung wurde IB auch als erziehungswissenschaftliche Disziplin in der Ausbildung für Pädagogen wichtig. Die IB hat also eine relativ junge Geschichte.
Ausgelöst wurde die Beschäftigung mit interkulturell-pädagogischen Themenfeldern durch die Beschreibung von Problemen im Unterricht und der sozialen Arbeit mit Kindern aus Einwandererfamilien in den 1960er Jahren. Lehrkräfte in Schulen und Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen erkannten die Schwierigkeiten, die eine verschleppte Integration der in den 1950er Jahren eingewanderten ausländischen 'Gastarbeiter' mit sich brachte. Die Schilderung der Schwierigkeiten im interkulturellen Umgang zwischen eingewanderten und ansässigen Familien in und mit den institutionellen und vorherrschenden kulturellen Gegebenheiten in Deutschland wurde als pädagogische Disziplin in den 1960er mit dem Begriff "Ausländerpädagogik", beziehungsweise "Ausländerarbeit" bezeichnet.
In ihrer Einführung in die Interkulturelle Bildung beschreibt Marianne Krüger-Potratz, dass durch sich häufende erziehungswissenschaftliche Veröffentlichungen und Tagungen, die sich mit dem Thema der so genannten Ausländerpädagogik und Ausländerarbeit befassten, ein neuer Forschungszweig in der Vergleichenden Erziehungswissenschaft entstand. Die Veröffentlichungen in pädagogischen Zeitschriften und Tagungen waren die "Orte der fachlichen Auseinandersetzung und Reflexion" zum Themenkomplex.
Ende der 1970er Jahre erscheinen erstmals pädagogische Zeitschriften zur Interkulturellen Bildung, gleichzeitig etabliert sich die IB als Lehr- und Forschungsfeld an Hochschulen. Bei der Forschungsarbeit an den Hochschulen handelt sich um die wissenschaftliche Evaluation von interkulturellen Modellvorhaben und die Begleitung von Forschungsprojekten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung kontextualisiert die Relevanz interkultureller Bildung im Angesicht gesellschaftlicher Migrationsprozesse und legt das Untersuchungsdesign der Lehrplananalyse für das Fach Geschichte fest.
2. Interkulturelle Bildung: Dieses Kapitel erläutert die historische Entstehung der interkulturellen Pädagogik und definiert zentrale Begriffe, Ziele sowie die Herausforderungen einer diversitätsorientierten Bildungsaufgabe.
3. Kompetenz- und Zielkriterien zur Untersuchung interkultureller Bildungsinhalte in Lehrplänen: Hier wird das methodische Analyseraster von Neumann und Reuter vorgestellt, welches als Instrument zur systematischen Überprüfung der didaktischen Ausrichtung interkultureller Bezüge dient.
4. Interkulturelle Bildung in NRW-Lehrplänen: Das Kernkapitel analysiert und vergleicht detailliert die Lehrpläne für Geschichte von 1999 und 2013 hinsichtlich ihrer interkulturellen Bildungsstandards und bewertet deren Umsetzung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, konstatiert eine positive Weiterentwicklung zwischen 1999 und 2013, identifiziert jedoch weiterhin bestehende Mängel in der expliziten Gestaltung interkultureller Lernprozesse.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Bildung, Geschichtsunterricht, Kernlehrpläne, Nordrhein-Westfalen, Bildungsziele, Kompetenzstandards, Migrationsgeschichte, Kulturvergleich, Diversität, Interkulturelle Kompetenz, Didaktik, Bildungsreform, Identität, Soziale Integration, Neumann/Reuter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Verankerung und Entwicklung interkultureller Bildungsinhalte in den offiziellen Lehrplänen des Faches Geschichte für die gymnasiale Oberstufe in Nordrhein-Westfalen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der interkulturellen Pädagogik, die Analyse von Kompetenzzielen in Lehrplänen sowie der kritische Umgang mit Diversität und Migration im Geschichtsunterricht.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, durch einen systematischen Vergleich der Lehrplan-Versionen von 1999 und 2013 zu evaluieren, ob und inwieweit interkulturelle Bildungsaspekte über die Jahre hinweg an Bedeutung gewonnen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das Analyseraster von Ursula Neumann und Lutz Reuter angewendet, welches Lehrpläne anhand von fünf Kategorien (Perspektiven) auf ihren Umgang mit interkulturellen Lernzielen untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die methodische Einordnung und die eigentliche Analyse sowie Bewertung der nordrhein-westfälischen Kernlehrpläne inklusive ihrer Richtlinien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Interkulturelle Bildung, Kompetenzstandards, Migrationsgeschichte, Diversität und das Analyseraster nach Neumann/Reuter.
Wie unterscheidet sich der Lehrplan von 2013 von dem von 1999 bezüglich der interkulturellen Bildung?
Der Lehrplan von 2013 zeigt eine positivere Bewertung von Diversität und integriert das Thema Arbeitsmigration stärker, weist jedoch wie sein Vorgänger Lücken bei der expliziten Methodik des Kulturvergleichs auf.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der KMK-Empfehlungen?
Der Autor stellt fest, dass die KMK-Empfehlungen zwar in den neueren Lehrplänen besser berücksichtigt werden, es jedoch an einer konsequenten praktischen Umsetzung förderlicher Maßnahmen im Schulalltag mangelt.
- Citar trabajo
- Peter Mathis Wolters (Autor), 2013, Interkulturelle Bildung in Nordrhein-Westfalen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269887