Im Rahmen des GSE-Unterrichts der 8. Jahrgangsstufe wird der Themenbereich 8.6 Demokratie und NS-Diktatur behandelt. Ausgehend von einem demokratischen System, der Weimarer Republik, das ins Wanken gerät, erfahren die Schüler, wie allmählich die NS-Diktatur errichtet werden konnte und diese immer mehr Zustimmung in der Bevölkerung erhält. Den Jugendlichen wird das unermessliche Leid vieler Menschen, das durch Diskriminierung und Verfolgung hervorgerufen wurde, bewusst. Durch den Besuch der Euthanasieanstalt Hartheim und des Konzentrationslagers Mauthausen machen sich die Jugendlichen ein eigenes Bild von Überresten des vermutlich finstersten Kapitels deutscher Geschichte.
Im Abschnitt „Grundwissen und Kernkompetenzen“ ab der Jahrgangsstufe 8 führt der Lehrplan folgende Punkte auf:
- wissen, dass im Nationalsozialismus mit terroristischen, menschenverachtenden Mitteln Herrschaft gesichert und ideologische Vorstellungen durchgesetzt wurden
- wissen, dass der Zweite Weltkrieg (1939-1945) unsägliches Leid über die Menschen brachte
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung
2. Theoretische Grundlegung
2.1 Einblick in den geschichtlichen Hintergrund
2.2 Methodische und didaktische Vorüberlegungen
3. Unterrichtspraktische Umsetzung
3.1 Lehrplanbezug
3.2 Vorbereitung des Besuchs der Gedenkstätten
3.2.1 Stellung von Behinderten in der Gesellschaft – heute und früher (1. UE)
3.2.2 Das nationalsozialistische Euthanasieprogramm (2. UE)
3.2.3 Lebensspuren in Hartheim (3. UE)
3.2.4 Das Konzentrationslager Mauthausen (4. UE)
3.3 Besuch der Gedenkstätten
3.3.1 Schloss Hartheim
3.3.2 Konzentrationslager Mauthausen
3.4 Nachbereitung
3.4.1 Bischof von Galen (5.UE)
3.4.2 Fächerübergreifende Thematisierung
4. Reflexion und Fazit
4.1 Schülerbeobachtungen
4.2 Persönliche Reflexion
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Schülern der 8. Jahrgangsstufe die dunklen Kapitel der nationalsozialistischen Verbrechen in der Euthanasieanstalt Hartheim und im Konzentrationslager Mauthausen durch den Besuch von Originalschauplätzen zugänglich zu machen. Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie durch eine fundierte Vor- und Nachbereitung sowie die authentische Begegnung an historischen Orten ein tiefgreifendes Verständnis für diese Geschichte erreicht werden kann.
- Historischer Kontext der NS-Rassenideologie und des Euthanasieprogramms
- Didaktische Konzepte für den Besuch historischer Gedenkstätten
- Methoden zur emotionalen und kognitiven Auseinandersetzung mit Opferbiografien
- Bedeutung von Authentizität und Historizität im Geschichtsunterricht
- Förderung demokratischer Werte und Zivilcourage durch historische Bildung
Auszug aus dem Buch
Originalität, Anschaulichkeit und Imagination
Mit dem Wirklichkeitscharakter hängen weitere Besonderheiten des historischen Ortes zusammen, die über den nur vordergründig formalen Aspekt der lokalen Immobilität hinausreichen. Es geht hierbei um Originalität unter den Aspekten von Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit, um Anschaulichkeit sowie um Nutzung und Förderung der Vorstellungskraft.
Es besteht laut Mayer ein enormer Unterschied zwischen den immobilen Objekten vor Ort und den mobilen Sachquellen. Museale Exponate befinden sich in der Regel nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort und in ihrem ursprünglichen Verwendungszusammenhängen. Dies wird oft künstlich in Museen hergestellt, indem Erläuterungen angebracht werden. Im Gegensatz dazu sind die historischen Orte in der Regel nicht mit Erläuterungen versehen. Sie ermöglichen deshalb eine unmittelbare Begegnung und Auseinandersetzung mit historischen Zeugnissen.
In der Regel werden bei originalen Schauplätzen keine Deutungen vorgegeben. Aufgrund dessen kann der Gegenstand auf ganzheitliche und gleichzeitig differenzierte und individuelle Weise wahrgenommen werden. Dies bedeutet eine „Einlösung des geschichtsdidaktischen Prinzips der Multiperspektivität.“
Historische Stätten, die gut zugänglich sind, regen durch Lage und Beschaffenheit zu entdeckend-erforschendem Lernen an. Sie besitzen eine Anschaulichkeit hinsichtlich originaler Farbe, Form, Größe und Dreidimensionalität. Diese räumliche Erfahrung kann kein Medium vermitteln.
Die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit betrifft einen wichtigen Faktor im historischen Lernen: die Imagination. Zum einen nutzt die Begegnung vor Ort die von den Lernenden bereits mitgebrachte Vorstellungskraft, um durch Anschauung historischen Begriffen eine sinnliche Kraft zu geben. Andererseits kann die Anschaulichkeit des historischen Orts insgesamt das Vermögen fördern, sich über die Imagination realistische Vorstellungen von früheren Lebensumständen und damals handelnden Menschen zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung: Einführung in die Relevanz der Thematik durch den respektvollen Umgang mit behinderten Menschen und die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Erbpolitik.
2. Theoretische Grundlegung: Erläuterung des historischen Hintergrunds des Euthanasieprogramms sowie theoretische Begründung der Bedeutung historischer Orte als Lernorte.
3. Unterrichtspraktische Umsetzung: Konkrete Planung und Durchführung der Unterrichtseinheiten zur Vorbereitung, zum Besuch und zur Nachbereitung der Gedenkstätten Hartheim und Mauthausen.
4. Reflexion und Fazit: Analyse der Schülerbeobachtungen während des Projekts sowie eine persönliche Einschätzung des Autors über den Wert des Gedenkstättenbesuchs für die politische Bildung.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Euthanasie, Hartheim, Mauthausen, Gedenkstätten, Geschichtsunterricht, Rassenideologie, Historische Lernorte, Multiperspektivität, Opferbiografien, Widerstand, Bischof von Galen, Politische Bildung, Erinnerungskultur, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert ein schulisches Projekt, in dem das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten und die Gräueltaten im KZ Mauthausen durch den Besuch der Originalschauplätze aufgearbeitet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die NS-Rassenideologie, die Vernichtung "unwerten Lebens", der Alltag in Konzentrationslagern und die didaktische Vermittlung dieser Geschichte an Jugendliche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die authentische Begegnung an historischen Orten ein tieferes Verständnis für historische Zusammenhänge zu schaffen und die Schüler für demokratische Werte zu sensibilisieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommen geschichtsdidaktische Ansätze zum Einsatz, insbesondere das entdeckende Lernen vor Ort, die Arbeit mit Outreach-Materialien und die Analyse von Zeitzeugnissen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über historische Lernorte sowie eine detaillierte Ausarbeitung von Unterrichtseinheiten zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Gedenkstättenbesuche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Euthanasie, Nationalsozialismus, Authentizität, historische Lernorte und Multiperspektivität.
Warum spielt der Outreach-Koffer eine so wichtige Rolle?
Der Koffer ermöglicht den Schülern durch den direkten Kontakt mit persönlichen Gegenständen von Opfern eine intensivere emotionale Auseinandersetzung, die den historischen Stoff lebendig macht.
Welche Bedeutung kommt dem Widerstand des Bischofs von Galen zu?
Er dient als exemplarisches Beispiel für aktiven Widerstand gegen das Regime und verdeutlicht, dass selbst unter der Diktatur ethische Entscheidungen gegen das Unrecht möglich waren.
- Quote paper
- Michael Fehrer (Author), 2007, Die Euthanasieanstalt Hartheim und das Konzentrationslager Mauthausen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270141