Durch den globalen Wettbewerb bleiben ethische Aspekte der Unternehmensführung oftmals auf der Strecke. Das Streben nach schnellem Wachstum kann jedoch nur langfristig Erfolge verzeichnen, wenn es nachhaltig gegenüber Menschen, Umwelt und Märkten gestaltet wird. Besonders wirkungsvoll ist es dann, wenn Unternehmen ihr nachhaltiges Handeln glaubwürdig, ganzheitlich und transparent ausrichten. In der Wirtschafts- und Unternehmensethik wird daher nach einem Konsens verlangt, nach sogenannten „globally accepted standards of good business behaviour“ , die weltweit in Unternehmen implementiert und somit die Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsaspekten sicherstellen sollen. Es wird versucht allgemeine globale „Spielregeln“ aufzustellen, deren Umsetzung auf freiwilliger Basis der Unternehmen stattfindet. Die moralischen Verhaltensstandards sind heute noch im Wesentlichen von nationalen Institutionen ge-prägt, deren Umsetzbarkeit weltweit aufgrund von beschränkter Verallgemeinerbarkeit scheitern. Aus diesem Institutionen- und Organisationsdefizit wurden globale Ethik-Standards entwickelt, die das ökonomische Handeln regeln sollen.
Als Berichtstandards haben sich mehrere unterschiedliche Ansätze formiert. Gegenstand dieser Ausarbeitung sind die Berichterstattung der „Global Reporting Initiative“ und die „ Gemeinwohl-Bilanz“, welche zunächst systematisch gegenübergestellt und anschließend nach ethischem Maßstab beurteilt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Begrifflich systematische Grundlagen
2.1 Ethik-Standards als Objekt der Wirtschafts- und Unternehmensethik
2.2 Der Begriff der Nachhaltigkeitsberichterstattung
3 Global Reporting Initiative und Gemeinwohl-Bilanz im Vergleich
3.1 Global Reporting Initiative
3.2 Gemeinwohl-Bilanz
3.3 Systematische Gegenüberstellung
4 Ethische Problemanalyse und -beurteilung
4.1 Problemstellung der institutionellen Wirtschaftsethik
4.2 Pflichtenethik als Vergleichsinstrument
4.3 Gegenüberstellung ethischer Aspekte
4.4 Ethische Beurteilung der Modelle
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die zwei Nachhaltigkeitsberichtsstandards „Global Reporting Initiative“ (GRI) und „Gemeinwohl-Bilanz“ hinsichtlich ihrer ethischen Fundierung und praktischen Anwendbarkeit. Das Ziel besteht darin, zu analysieren, welcher dieser Standards für Unternehmen in der bestehenden marktwirtschaftlichen Ordnung besser geeignet ist, um ethisches Handeln transparent und vergleichbar zu machen.
- Vergleich zwischen GRI und Gemeinwohl-Bilanz
- Ethische Begründung und Anwendung von Berichtsstandards
- Systematische Gegenüberstellung von Indikatoren und Normen
- Analyse der Pflichtenethik als Vergleichsinstrument
- Bewertung der Praxistauglichkeit für Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.3 Systematische Gegenüberstellung
Aspekt: GRI - Gemeinwohlbilanz
Gründer: Initiativen, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Menschenrechtsorganisationen,… - Christian Felber
Art der Organisation: Gemeinnützige Stiftung - Verein
Mitgliedschaft: Gebührenfrei - Beitritt in die Initiative; gebührenpflichtig; durch Beitritt wird die demokratische Umsetzung der Gemeinwohl-Ökonomie sowie die rechtlich verpflichtende Erstellung der Gemeinwohl-Bilanz gefordert
Entwicklung: Jahrelanger Entwicklungsprozess mit Grundsätzen aus der Rechnungslegung (Vorsichtsprinzip, Maßgeblichkeitsprinzip,...) - inhaltliche Grundlage für den Gesamtprozess Gemeinwohl-Ökonomie ist das gleichnamige Buch
Grund: Unterstützung der Nachhaltigkeitsberichterstattung aller Organisationen - Gestaltung eines neuen Wirtschaftsmodells: von Gewinnstreben und Konkurrenz auf Gemeinwohlstreben und Kooperation
Ziel: Nachhaltige globale Wirtschaft , in der Organisationen ihre ökonomische, ökologische und soziale Leistung, sowie ihr Führungsverhalten und dessen Auswirkung, verantwortungsbewusst verwalten und darüber transparent berichten - Wirtschaftlicher Erfolg wird nicht länger mit (monetären) Tauschwertindikatoren gemessen, sondern mit (nichtmonetären) Nutzwertindikatoren. (bspw. BIP = Gemeinwohl-Produkt)
Anreize f. Unternehmen: Plattform zur Kommunikation positiver und negativer Nachhaltigkeitsauswirkungen, sowie für die kontinuierliche Erfassung von Informationen, welche die Unternehmenspolitik, -strategie und -tätigkeit beeinflussen können - Unternehmen mit guten Gemeinwohl-Bilanzen erhalten rechtliche Vorteile: niedrigere Steuern, geringere Zölle, günstigere Kredite
Reichweite: Global - Eher national
Indikatoren: Ökologische, gesellschaftliche, ökonomische - Gesellschaftliche, ökologische, demokratische
Bewertung d. Indikatoren: Statistische Verfahren, Kennzahlen, Erläuterungen - Punktevergabe für Einhaltung der vorgegeben Standards, Punktabzug für Negativ-Kriterien
Festlegung der Indikatoren: Vorgegebene Indikatoren nicht erweiterbar - Vorgegeben Indikatoren erweiterbar
Aufbau der Bilanz: Grundlegende Berichterstattungsprinzipien; Standardangaben und spezielle Indikatoren für Branchen/Sektoren - Standardangaben; keine Unterscheidung der Branchen
Kontrolle der Bilanz: GRI bietet Organisationen an die die Bilanz kontrollieren; GRI kontrolliert das Ausmaß der Anwendungsebenen - Peer-Evaluierung; externe Audits
Veröffentlichung der Bilanz: Einsehbar auf öffentlicher Homepage (Datenbank) - Über die teilnehmenden Unternehmen einsehbar
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit globaler Ethik-Standards aufgrund des zunehmenden internationalen Wettbewerbs und definiert das Ziel der Arbeit, GRI und Gemeinwohl-Bilanz zu vergleichen.
2 Begrifflich systematische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente der Wirtschafts- und Unternehmensethik sowie das Konzept der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
3 Global Reporting Initiative und Gemeinwohl-Bilanz im Vergleich: Hier werden die beiden Modelle detailliert vorgestellt und in einer systematischen Übersicht direkt miteinander verglichen.
4 Ethische Problemanalyse und -beurteilung: Das letzte Kapitel bewertet die beiden Ansätze anhand der Pflichtenethik kritisch und gibt eine Empfehlung für die praktische Umsetzung in Unternehmen.
Schlüsselwörter
Unternehmensethik, Wirtschaftsethik, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Global Reporting Initiative, Gemeinwohl-Bilanz, Ethik-Standards, Pflichtenethik, Nachhaltigkeit, Transparenz, CSR, Corporate Social Responsibility, Unternehmensführung, Berichtsmodell, Gemeinwohl-Ökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Ethisierung von Unternehmen und untersucht, wie freiwillige Ethik-Standards zur Steigerung der moralischen Qualität und Transparenz beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die Funktionsweise von Berichtsstandards und die ethische Beurteilung dieser Systeme innerhalb einer marktwirtschaftlichen Ordnung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Modelle "Global Reporting Initiative" und "Gemeinwohl-Bilanz" einander gegenüberzustellen, um zu prüfen, welches Modell zur Etablierung ethischer Standards in der Unternehmensführung besser geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine systematische Gegenüberstellung der beiden Modelle und wendet die Pflichtenethik als ethisches Vergleichsinstrument an, um die Handlungsnormen und Werte zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die begrifflichen Grundlagen, die detaillierte Vorstellung der beiden Berichtsmodelle, eine strukturierte Vergleichstabelle sowie die anschließende ethische Problemanalyse und Beurteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Unternehmensethik, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Global Reporting Initiative, Gemeinwohl-Bilanz und Pflichtenethik beschreiben.
Wie unterscheidet sich die GRI von der Gemeinwohl-Bilanz hinsichtlich der Normenvorgabe?
Die GRI setzt auf einen detaillierten, global ausgerichteten Leitfaden mit wenig Spielraum für die Unternehmen, während die Gemeinwohl-Bilanz größere Handlungsspielräume lässt, jedoch durch ihre Ausrichtung auf Gemeinwohlwerte ökonomisch riskanter erscheinen kann.
Warum wird die Pflichtenethik als Vergleichsinstrument herangezogen?
Da sowohl GRI als auch Gemeinwohl-Bilanz eine selbstauferlegte Pflicht zur Einhaltung vorgegebener Werte darstellen, bietet die Pflichtenethik einen geeigneten Rahmen, um die interne Motivation und die strukturelle Umsetzung der Standards zu analysieren.
- Citar trabajo
- Marlen Etzel (Autor), 2014, Ethik-Standards unter der Lupe. Global Reporting Initiative (GRI) und Gemeinwohl-Bilanz im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270206