Neopaternalistische Medizin

Der Mythos der Selbstbestimmung im Arzt-Patienten-Verhältnis


Hausarbeit, 2011

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formen des Paternalismus
2.1 Anwendungsfelder
2.2 Differenzierungsversuche
2.3 Sonderformen

3. Arzt und Patient auf Augenhöhe?

4. Das Aufklärungsgespräch
4.1 Patientenaufklärung in der Ausbildung
4.2 Vertrauen als Basis der Aufklärung
4.3 Probleme und Hindernisse

5. Assistenzärzte

6. Paternalismus aus Sicht des Patienten

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Arzt und Patient auf Augenhöhe?

1. Einleitung

Der Begriff „Paternalismus“ ist gleichbedeutend mit „väterliche Fürsorge“[1] (lat. Pater = Vater). Die Beziehung zwischen Arzt und Patient ist eine besondere Form der zwischenmenschlichen Beziehung. Der Patient begibt sich in die Hände eines Arztes und vertraut ihm seine Gesundheit an, dabei geht es im Extremfall um Leben und Tod. In dieser Patienten-Arzt-Beziehung wird das Verhalten des Arztes als paternalistisches Handeln bezeichnet, da er Entscheidungen auf Grund seiner Erfahrung und seiner Meinung trifft und nicht auf Grund dessen, wie der Patient entscheiden oder was er als sinnvoll erachten würde.[2] Fraglich ist, ob dieses Eingreifen in die Patientenentscheidung legitim ist oder ob damit die Autonomie des Patienten unterdrückt wird. Werden dem Patienten alternative Therapiemaßnahmen vorenthalten, weil der Arzt der Meinung ist, er weiß was das Beste für den Patienten ist, so stellt dies eine andere Situation dar, als wenn der Notarzt ein Unfallopfer im Schockzustand behandelt und gegen dessen Willen zur Kontrolle in ein Krankenhaus einweist.[3] Zwischen diesen beiden Extremen gibt es noch viele Abstufungen. Im Paternalismus werden die Patienten einerseits auf eine gewisse Weise bevormundet, aber andererseits werden ihnen auch wichtige Entscheidungen abgenommen. Im Folgenden werden zunächst unterschiedliche Formen des Paternalismus erläutert. Hier geht es insbesondere um verschiedene Anwendungsfelder, die aufzeigen, dass es nicht immer einfach ist, Paternalismus von der „normalen“ Fürsorgepflicht des Arztes abzugrenzen. Ferner wird auf Differenzierungsversuche und Sonderformen des Paternalismus eingegangen. Anschließend wird anhand einer Umfrage gezeigt, inwieweit in Deutschland Paternalismus praktiziert wird. Zwei weitere Kapitel befassen sich mit der Bedeutung des Aufklärungsgesprächs. Der Fokus liegt hier auf der Rolle des Aufklärungsgesprächs im Medizinstudium und auf dem Umgang von Assistenzärzten mit dem Aufklärungsgespräch. Abschließend werden positive und negative Aspekte des Paternalismus aus Sicht der Patienten diskutiert.

2. Formen des Paternalismus

Der Begriff Paternalismus lässt sich zwar problemlos aus dem Lateinischen in die deutsche Sprache übersetzen, die genaue Beschreibung und Eingrenzung fällt jedoch schwer. Im Folgenden wird diese Problematik genauer betrachtet.

2.1 Anwendungsfelder

Neben der allgemeinen Bedeutung des Paternalismus, können, wie bereits angesprochen, zahlreiche verschieden starke Ausprägungen unterschieden werden, die hier beispielhaft dargestellt sind:[4]

- Verschiedene Therapieoptionen werden nicht näher erläutert, sondern der Arzt entscheidet ohne weitere Ausführungen.
- Der Arzt spricht mit einer zurechnungsfähigen Person wie mit einem Kind.
- Informationen werden gegenüber dem Patient heruntergespielt oder verschwiegen, weil der Arzt der Meinung ist, sie würden dem Patienten nicht gut tun.
- Angehörigen wird trotz Patientenwunsch der Besuch mit der Begründung verweigert, der Patient würde sich zu stark aufregen.
- Ein Notarzt lässt ein Unfallopfer, welches grundsätzlich einwilligungsfähig, aber offensichtlich geschockt ist, nach der Erstversorgung gegen dessen Willen in ein Krankenhaus einliefern.
- Eine Person wird zwangsweise in eine Anstalt eingeliefert, weil der Verdacht besteht, sie könnte sich oder anderen schaden.
- Eine Ärztin verabreicht einem Mitglied der Zeugen Jehovas während einer Operation eine Bluttransfusion, obwohl dies zuvor von beiden ausgeschlossen wurde. Ohne Transfusion wäre der Patient während der Operation mit hoher Wahrscheinlichkeit verstorben.

2.2 Differenzierungsversuche

Die oben genannten Beispiele können jeweils starkem oder schwachem Paternalismus zugeordnet werden. Von starkem Paternalismus wird gesprochen, wenn eine entscheidungsfähige Person von einem Arzt, zu ihrem eigenen Wohl, in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt wird. Schwacher Paternalismus herrscht indessen vor, wenn die betroffene Person nicht entscheidungsfähig ist, da sie beispielsweise im Koma liegt und der Arzt sie nach bestem Wissen behandelt. Demnach kann das Verhalten eines Notarztes meistens dem schwachen Paternalismus zugeordnet werden, während das Verweigern des Besuches durch Angehörige trotz Patientenwunsch eher zum starken Paternalismus tendiert. Eine genaue Zuordnung ist jedoch oft nicht möglich und liegt im Auge des Betrachters. Umstritten ist jedoch, inwieweit die schwache Form des Paternalismus überhaupt als eine Form des Paternalismus gesehen werden kann, da gerade hier das Handeln des Arztes aus guten Gründen gerechtfertigt ist.[5]

[...]


[1] Vgl. Peintinger [2008], S. 95.

[2] Vgl. Jütte [2009], S. 30.

[3] Vgl. Wallner [2007], S. 90.

[4] Vgl. Wallner [2007], S. 90.

[5] Vgl. Wallner [2007], S. 90.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Neopaternalistische Medizin
Untertitel
Der Mythos der Selbstbestimmung im Arzt-Patienten-Verhältnis
Hochschule
Hochschule Fresenius; Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V270270
ISBN (eBook)
9783656616153
ISBN (Buch)
9783656616108
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neopaternalismus, Neopaternalistische Medizin, Arzt, Patient, Fürsorge, Bevormundung
Arbeit zitieren
Sarah Pinsdorf (Autor:in), 2011, Neopaternalistische Medizin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270270

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