Der Berner Physiologus ist die älteste noch existierende illustrierte lateinische Ausgabe der christlichen Naturlehre des Physiologus.
Er entstand um 825-850 n. Chr. vermutlich in der französischen Stadt Reims. Doch welche Vergleichswerke gab es für diese berühmte Handschrift? Was für Vorbilder gab es für ihre Miniaturen?
Diesen und einigen weiteren Fragen wird im Verlauf dieser Arbeit nachgegangen, die sich mit der Thematik „Der Berner Physiologus“ beschäftigt.
Der Physiologus ist ein ursprünglich griechisches Werk, welches die Eigeschaften wirklicher oder legendärer Tiere, Pflanzen und Steine darstellt und mit den Mitteln der christlichen Allegorese deutet.
Der Berner Physiologus beinhaltet insgesamt 35 Miniaturen, wovon 25 gerahmt und 10 ungerahmt sind. Auf Folio 125r befindet sich der Name eines gewissen Haecpertus, was darauf schließen lässt, dass es sich hierbei um den Künstler des Werkes handelt.
Seit dem 17. Jahrhundert befindet sich die Handschrift in der Berner Burgerbibliothek.
Diese Hausarbeit ist in zwei Abschnitte gegliedert. In einem ersten Abschnitt wird die Entstehungsgeschichte und der Aufbau des Berner Physiologus beschrieben.
Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit ist auf die Fragen ausgerichtet, welche vergleichbaren Werke es für den Berner Physiologus gibt und welche Vorbilder es für die Miniaturen dieser Handschrift gegeben haben könnte.
Diesen beiden Fragen wird im zweiten Abschnitt dieser Hausarbeit nachgegangen. Hierzu wird im einzelnen auf einige Miniaturen aus dem Berner Physiologus eingegangen und diese werden mit deren möglichen Vorbildern verglichen. Abschließend folgt ein Resumee der Erkenntnisse, die sich aus der Betrachtung der im Vorfeld dieser Arbeit aufgeworfenen Fragestellungen ergeben haben.
Auf weitere Ausgaben des Physiologus wird im Laufe dieser Hausarbeit nicht im speziellen eingegangen, weil dies den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.
Als Grundlage dieser Arbeit dienen die Werke „Physiologus Bernensis. Voll-Faksimile-Ausgabe des Codex Bongarsianus 318 der Burgerbibliothek Bern“ von Christoph Steiger und Otto Homburger sowie „Die illustrierten Handschriften der Burgerbibliothek Bern. Die vorkarolingischen und karolingischen Handschriften von Otto Homburger und das Werk „Karolingische Buchmalerei“ von Florentine Mütherich und Joachim E. Gaehde. Im folgenden Kapitel wird nun auf die Entstehungsgeschichte des Berner Physiologus eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entstehungsgeschichte des Berner Physiologus
3 Beschreibung des Aufbaues des Berner Physiologus
4 Vergleichbare Werke
5 Die Miniaturen und ihre Vorbilder
6 Schlussbetrachtung
8 Abbildungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Berner Physiologus, die älteste erhaltene illustrierte lateinische Ausgabe der christlichen Naturlehre des Physiologus, mit dem Ziel, seine Entstehungsgeschichte und seinen Aufbau zu analysieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der identifizierenden Suche nach vergleichbaren Handschriften und möglichen künstlerischen Vorbildern, die die Miniaturen der Handschrift beeinflusst haben könnten.
- Historische Einordnung des Berner Physiologus im karolingischen Kontext
- Analyse des materiellen und textlichen Aufbaus der Handschrift
- Vergleichende Stilistik mit dem Utrecht Psalter und anderen Reimser Werken
- Identifikation spätantiker Vorbilder, insbesondere aus dem Vergilius Vaticanus
- Bestimmung der kunsthistorischen Bedeutung des Werkes für die spätere Bestiarien-Tradition
Auszug aus dem Buch
2 Die Entstehungsgeschichte des Berner Physiologus
Die Urform des Physiologus (der Naturkundige) entstand im späten 2. Jahrhundert n. Chr. von einem anonymen Autor verfasst in der griechischen Stadt Alexandria. Die erste lateinische Version des Physiologus entstand vermutlich bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. . Die in dieser Arbeit behandelte Handschrift des Berner Physiologus gehört zur Gruppe der ältesten lateinischen Übersetzungen des griechischen Physiologus Urtextes.
Der Berner Codex 318 entstand zwischen 825 und 850 n. Chr. in der französischen Stadt Reims. Er entstammt einer spätantiken, höchstwahrscheinlich alexandrinischen Vorlage. Unklar ist in der Forschung jedoch die Frage, ob der Berner Physiologus eine direkte Anknüpfung an die spätantiken Bilderreihen darstellte oder ob es für ihn eine unmittelbare Vorlage gegeben hat, welche aus einem Zwischenglied zwischen spätantiker und karolingischer Kunst bestand.
Helen Woodruff stellt in ihrem Werk „The Physiologus of Bern. A Survival of Alexandrian Style in a Ninth Century Manuscript“ die These auf, dass die Vorlage der Miniaturen des Berner Physiologus ein Erzeugnis alexandrinischer Kunst sei. Diese These wird dadurch gestützt, dass der Text des Physiologus in Alexandria entstanden ist. Somit sieht Woodruff den Ausgangspunkt, sowohl der Bild- als auch der Textüberlierferung des Physiologus in der einstigen griechischen Metropole Alexandria.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Berner Physiologus als älteste illustrierte lateinische Ausgabe und Definition der zentralen Forschungsfragen hinsichtlich Vorbildern und Vergleichswerken.
2 Die Entstehungsgeschichte des Berner Physiologus: Erörterung der Entstehung im 9. Jahrhundert in Reims und Diskussion der kunsthistorischen Herkunft aus spätantiken alexandrinischen Traditionen.
3 Beschreibung des Aufbaues des Berner Physiologus: Detaillierte Darstellung der physischen Beschaffenheit, der Illustrationstechnik und der Identifikation des Schreibers Haecpertus.
4 Vergleichbare Werke: Untersuchung der engen stilistischen Verwandtschaft zu zeitgenössischen Handschriften der Schule von Reims, insbesondere dem Utrecht Psalter.
5 Die Miniaturen und ihre Vorbilder: Konkreter Vergleich einzelner Miniaturen des Berner Physiologus mit Motiven aus dem Utrecht Psalter, dem Evangeliar von St. Thierry und dem Vergilius Vaticanus.
6 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Erkenntnisse zur karolingischen Renovatio und Einordnung des Werkes als Vorläufer der mittelalterlichen Bestiarien.
8 Abbildungen: Dokumentation der betrachteten Miniaturen und Vergleichsstücke im direkten visuellen Kontext.
Schlüsselwörter
Berner Physiologus, Codex Bongarsianus 318, Reimser Schule, Karolingische Buchmalerei, Physiologus, Miniaturen, Utrecht Psalter, Vergilius Vaticanus, Spätantike, Bestiarium, Naturlehre, christliche Allegorese, Buchillustration, Haecpertus, Handschriftenkunde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Berner Physiologus, einer bedeutenden karolingischen Handschrift, und untersucht deren kunsthistorische Wurzeln sowie die Einflüsse anderer Handschriften auf ihre Gestaltung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Entstehungsgeschichte der Handschrift, ihre physische Beschaffenheit sowie die komparative Analyse der künstlerischen Miniaturen im Vergleich zu anderen Werken der Epoche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, die künstlerischen Vorbilder für die Miniaturen des Berner Physiologus zu identifizieren und die engen Bezüge zur Schule von Reims sowie spätantiken Vorlagen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Methode der vergleichenden Stil- und Motivuntersuchung (Ikonographie) sowie die Auswertung relevanter Fachliteratur zu frühmittelalterlichen Handschriften.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Verortung, die detaillierte Beschreibung der Handschrift und den direkten Motivvergleich mit anderen bekannten illuminierten Manuskripten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Berner Physiologus, karolingische Buchmalerei, Reims, Miniaturen und Bestiarien-Tradition.
Inwieweit lässt sich der Berner Physiologus zeitlich und örtlich zuordnen?
Die Handschrift wird auf ca. 825-850 n. Chr. datiert und gilt als Erzeugnis des künstlerischen Umfelds in der Stadt Reims.
Welche Bedeutung kommt dem Utrecht Psalter in dieser Analyse zu?
Der Utrecht Psalter wird als das am stärksten vergleichbare Werk identifiziert, da er sowohl motivisch als auch stilistisch enge Parallelen zur Schrift und den Zeichnungen des Berner Physiologus aufweist.
Wer gilt als potenzieller Urheber der Handschrift?
Auf Basis einer Notiz auf Folio 125r wird ein Schreiber namens Haecpertus (Egbert) als Künstler und Urheber der Handschrift genannt.
Warum wird der Vergilius Vaticanus als Vergleichswerk herangezogen?
Er dient als Beispiel für spätantike Vorbilder, da sich in einigen Miniaturen des Berner Physiologus motivische Gemeinsamkeiten und ähnliche Darstellungsformen von Figuren und Landschaften finden lassen.
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- Manfred Pientka (Autor), 2011, Der Berner Physiologus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270304