EINLEITUNG
"Don′t worry – be happy!" Dies ist der Titel eines Hits aus den 1980er Jahren und spiegelt einen Grossteil der Bevölkerung der Bundesrepublik dieser Zeit wider: Spass haben in der Freizeit, die Suche nach Abenteuer und Exotik, Erlebnisreisen und Outdoor-Boom – und alles um jeden Preis und ohne sich Gedanken zu machen. Immer wieder liest man die Bezeichnung "Freizeitgesellschaft" für die Gesellschaft der 80er, oder auch "Erlebnisgesellschaft" oder "Risikogesellschaft". Aber wie sah es im anderen Teil von Deutschland, in der DDR aus? War die Gesellschaft dort auch eine Freizeitgesellschaft? Auf den ersten Blick würde man dies ablehnen, denn diese Vorstellung passt mit dem Bild des Sozialismus nicht zusammen. Aber vielleicht war sie es zumindest teilweise nach dem Vorbild des Westens?
Diesen Fragen zunachgehen ist Inhalt dieser Arbeit. Dazu soll die DDRGesellschaft der 80er in verschiedenen Bereichen charakterisiert werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Freizeit, daneben werden Werte, Medien und Konsumgüter behandelt. Manche Punkte, vor allem bei den einzelnen Freizeitaktivitäten werden nur kurz beschrieben, andere, wie zum Beispiel das Reisen, werden ganz ausgelassen wegen der Übersichtlichkeit. Am Ende werden dann die gestellten Fragen nach der Freizeitgesellschaft diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. POLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN
II.1. Die Politik der 80er Jahre
II.2. Kultur- und Freizeitpolitik
II.3. Erziehungs- und Jugendpolitik
III. WERTE UND WERTEWANDEL
III.1. Leben und Werte in den 80er Jahren
III.2. Jugendliche in der DDR
IV. FREIZEIT IN DER DDR
IV.1. Freizeitkonzepte
IV.2. Freizeit als Wert
IV.3. Organisierte und informelle Freizeit
IV.4. Die besondere Stellung des privaten Raums
V. EINZELNE FREIZEITAKTIVITÄTEN
V.1. Verschönerung der Wohnung, Gartenarbeit
V.2. Nebenarbeit, gesellschaftliche Tätigkeiten
V.3. Geselligkeit in der Familie und im Freundeskreis
V.4. Fernsehen und Radio
V.5. Musik
V.6. Sport
VI. DER EINFLUSS DER WESTLICHEN MEDIEN
VI.1. Fernsehen
VI.2. Hörfunk
VI.3. Auswirkungen
VII. KONSUMGÜTER
VII.1. Staat und Konsum in den 80er Jahren
VII.2. Intershops als Fenster zum Wohlstandsparadies
VIII. DIE DDR-GESELLSCHAFT DER 80ER – EINE FREIZEITGESELLSCHAFT?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die DDR-Gesellschaft der 1980er Jahre hinsichtlich der Frage, ob sie als Freizeitgesellschaft bezeichnet werden kann. Dabei steht die Analyse der Diskrepanz zwischen staatlich propagierten sozialistischen Werten, den realen Bedürfnissen der Bevölkerung nach individueller Entfaltung sowie dem wachsenden Einfluss westlicher Lebensstile im Vordergrund.
- Strukturelle Rahmenbedingungen der DDR-Freizeitpolitik
- Wertewandel und zunehmende Individualisierungstendenzen in der DDR
- Die Rolle privater Räume und informeller Freizeitaktivitäten
- Einfluss westlicher Medien auf das Konsum- und Freizeitverhalten
Auszug aus dem Buch
Die besondere Stellung des privaten Raums
Da der Staat und die SED mit den strikten Vorgaben für den Einzelnen in vielen Bereichen, wie zum Beispiel Warenangebot, Medien, Berufswahl und Freizeit das Leben politisierte, bekam der private Raum eine besondere Bedeutung. Er war ein Rückzugsgebiet "gegen Zugriffe von der offiziellen politischen Aussenwelt". Hier war man vor allem mit der Familie oder mit vertrauten Freunden zusammen, deren Verhalten man kannte und wo man sich sicher fühlen konnte. Ausserdem gab das Private Platz zur Verwirklichung von eigenen Wünschen, die vom Staat nicht berücksichtigt wurden. Die Konzentration auf den privaten Raum war aber auch eine Konsequenz aus unzureichenden Freizeitmöglichkeiten und kulturellen Angeboten. So wurde "die Privatsphäre von vielen als einziger annähernd selbstbestimmter Handlungs- und Kommunikationsraum wahrgenommen".
Deswegen verwundert es nicht, dass ein grosser Teil von Geld und Zeit in die Ausgestaltung dieses Raumes gegeben wurden. Vor allem die Erfüllung privater Konsumwünsche stand im Mittelpunkt, zum Beispiel die Anschaffung von hochwertigen Konsumgütern, guter Kleidung, Auto oder Elektronikgeräten. Aber ein Teil war auch gezwungen, zum Beispiel wenn man Reparaturen oder Renovierungen selber machte, anstatt lange auf den Hausmeister zu warten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Darstellung der Fragestellung, ob die DDR der 1980er Jahre als Freizeitgesellschaft gelten kann.
II. POLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN: Analyse der gesellschaftspolitischen Herausforderungen für die DDR-Führung und die Ausrichtung der Freizeitpolitik.
III. WERTE UND WERTEWANDEL: Untersuchung des Identitätsverlusts der Partei und des Wertewandels der DDR-Bevölkerung hin zu mehr Individualismus.
IV. FREIZEIT IN DER DDR: Analyse der verschiedenen Konzepte von Freizeit sowie der Spannung zwischen staatlicher Organisation und informellen Freiräumen.
V. EINZELNE FREIZEITAKTIVITÄTEN: Detaillierte Betrachtung spezifischer Aktivitäten wie Gartenarbeit, Geselligkeit, Medienkonsum und Sport.
VI. DER EINFLUSS DER WESTLICHEN MEDIEN: Untersuchung der Bedeutung und Wirkung von Westfernsehen und Hörfunk auf die DDR-Gesellschaft.
VII. KONSUMGÜTER: Erörterung der staatlichen Reaktion auf Konsumwünsche und der Rolle der Intershops.
VIII. DIE DDR-GESELLSCHAFT DER 80ER – EINE FREIZEITGESELLSCHAFT?: Fazit und Diskussion der Frage unter Berücksichtigung der untersuchten Faktoren.
Schlüsselwörter
DDR, 1980er Jahre, Freizeitgesellschaft, Sozialismus, Wertewandel, SED, Kulturpolitik, Privatsphäre, Westmedien, Konsumgüter, Intershops, Individuelle Entfaltung, Jugend, Alltag, Lebensstandard.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die DDR-Gesellschaft der 1980er Jahre im Kontext des Begriffs der "Freizeitgesellschaft" und prüft, inwiefern sich westliche Trends der Freizeitgestaltung und Konsumorientierung im sozialistischen Staat widerspiegelten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die politischen Rahmenbedingungen, die Entwicklung des Wertewandels, die Organisation der Freizeit, der Einfluss westlicher Medien sowie die Konsumkultur der DDR-Bürger.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den tatsächlichen Stellenwert der Freizeit in der DDR zu charakterisieren und zu diskutieren, ob sich die DDR-Gesellschaft trotz ideologischer Gegensätze in Richtung einer Freizeitgesellschaft entwickelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-soziologische Analyse, die auf Literaturrecherche, der Auswertung statistischer Daten sowie der Untersuchung zeitgenössischer Umfragen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die staatliche Freizeitpolitik, das Freizeitverhalten der Bevölkerung (z.B. Gartenarbeit, Musik, Sport) sowie die durch westliche Medien und das Konsumangebot entstandenen Spannungsfelder beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie DDR, Freizeitgesellschaft, Sozialismus, Wertewandel, Intershops und westlicher Einfluss charakterisieren.
Wie wirkte sich die Knappheit an Dienstleistungen auf die Freizeit der DDR-Bürger aus?
Die mangelnde Infrastruktur und der Mangel an professionellen Handwerkern führten dazu, dass ein erheblicher Teil der Freizeit für private Reparaturen, Renovierungen oder die Eigenversorgung im Garten aufgewendet werden musste, was die "effektiv freie Zeit" schmälerte.
Welche Rolle spielten die sogenannten "Intershops"?
Die Intershops fungierten als "Fenster zum Westen" und waren Symbole einer gesamtdeutschen Konsumideologie. Sie zeigten der Bevölkerung die Diskrepanz zwischen der offiziellen sozialistischen Propaganda und der materiellen Realität im Kapitalismus.
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- Silke Eggert (Author), 2002, Die DDR-Gesellschaft der 80er - eine Freizeitgesellschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27050