Die Verankerung von Schreibkonferenzen in der Freien Stillarbeit an der Münsterlandschule Tilbeck


Hausarbeit, 2012

54 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1Hinführungzum Thema
1.2 Darstellung der relevanten Lehrerqualifikationen

2. Theoretischer Hintergrund des Konzeptes
2.1 Die Schreibkonferenz
2.1.1 Herkunft der Schreibkonferenz
2.1.2 Die Rahmenbedingungen für Schreibkonferenzen
2.1.3 Die beteiligten Personen
2.1.4 Der AblaufeinerSchreibkonferenz
2.2 Lehrplanbezug
2.3 Freiarbeit nach Maria Montessori

3. Vorüberlegungen zur Durchführung des Konzeptes
3.1 Bedingungen an der Münsterlandschule Tilbeck
3.2 Die Wahl der Lerngruppe
3.3 Evaluation des Ist-Standes

4. Planung und Durchführung des Konzeptes
4.1 Organisatorische Entscheidungen im Vorfeld
4.2 Die Durchführung des Konzeptes

5. Evaluation des Konzeptes

6. Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

„Ach ich will das jetzt nicht nochmal korrigieren, dann muss ich das ja noch einmal abschreiben.“ So oder ähnlich reagieren Kinder oft, wenn es darum geht die selbst verfassten Texte zu überarbeiten. Besonders wenn die Texte in irgendeiner Weise veröffentlicht werden sollen, kommt es zu solchen Situationen. Manche Kinder können es schwer einsehen, einen Text den sie mit Herzblut geschrieben haben, noch einmal zu überarbeiten und fehlerfrei abzuschreiben. Für viele stellt dies eine zu große Herausforderung dar. In dem überarbeiten und dem wiederholten Abschreiben sehen sie eine deutliche Mehrarbeit. Dies nimmt die Kinder meist so gefangen, dass sie die positiven Aspekte des Überarbeitens und der fehlerfreien Endfassung aus dem Blick verlieren. Für viele geht dadurch die Motivation verloren und sie überarbeiten die Geschichte nur unter Murren oder brechen die Geschichte ab. In seltenen Fällen kann es sogar dazu führen, dass die Kinder völlig die Lust daran verlieren eine Geschichte zu verfassen, da sie schon zu Beginn das Überarbeiten im Hinterkopf haben.

Da in der Gruppe viele Kinder Geschichten schreiben, führten Erlebnisse solcher Art in der ersten Hälfte des Referendariats dazu, das eine Suche nach Lösungen begonnen wurde. Wie reagiert man auf Kinder, die solche Sätze äußern? Wie können die Kinder in der Phase des Überarbeitens unterstützt werden? Wie können im Bezug auf das Geschichtenschreiben demotivierte Kinder neu motiviert werden? Diese Fragen und noch einigen mehr begleiteten die Suche. Denn das Verfassen von Texten, seien es jetzt Geschichten, Vorgangsbeschreibungen oder andere Arten von Texten stellen für alle Kinder eine basale Schlüsselfunktion nicht nur für den schulischen Bereich, sondern auch für unendlich viele Lebenssituationen während und nach ihrer schulischen Laufbahn dar, wenn man zum Beispiel an Briefe oder Bewerbungen denkt. Aus diesem Grund kommt dem Schreiben beziehungsweise der Schreibkompetenz eine große Bedeutung in den Richtlinien und dem Lehrplan des Faches Deutsch an Grundschulen zu. Damit Kinder die Vorteile des Schreibens oder des Verfassens von Texten erkennen und nutzen können, müssen sie an hilfreiche Strategien des Schreibens herangeführt und zum Schreiben motiviert werden. Die Kinder müssen frühzeitig erkennen, dass das Schreiben und Verfassen von Texten ihnen ermöglicht sich auszudrücken und sich anderen mitzuteilen. Sind die Kinder zum Schreiben motiviert und erfahren sie hilfreiche Unterstützung, um auch selbstständig voranzukommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie ihre Schreibfähigkeiten sukzessiv ausbauen können und letztendlich zu kompetenten Schreibern ausgebildet werden.

Doch wie kann dies in der Schule erreicht werden? Eine Möglichkeit auf das eben genannte hinzuarbeiten, ist die Methode der Schreibkonferenzen. In dieser Arbeit wird ein Konzept entwickelt, um diese Methode im Schulalltag der Kinder zu verankern. Durch dieses Konzept soll sowohl die Schreibmotivation, als auch die Überarbeitungsmotivation erhöht und die Schreibkompetenz der Kinder verbessert werden. Das alles soll in die Hände der Kinder gelegt werden, damit die Lehrkraft möglichst wenig „Einfluss“ auf die Geschichten nimmt. Des Weiteren soll überprüft werden, welche Fähigkeiten und Kompetenzen durch die Einführung der Schreibkonferenzen noch gefördert werden oder werden können.

1.2 Darstellung der relevanten Lehrerqualifikationen

Die Planung, Durchführung und Evaluation des Konzeptes „Die Verankerung von Schreibkonferenzen in der Freien Stillarbeit der Münsterlandschule“ spricht mehrere Lehrerqualifikationen an, welche im Folgenden näher erläutert werden.

Die Lehrerqualifikation „Unterrichten“ spielt eine Rolle, da die Methode im Unterricht eingeführt werden muss. Dazu müssen die Stunden der Einführung im Vorfeld geplant werden und wie jede Unterrichtsstunde anschließend reflektiert und ausgewertet werden. In der Durchführung wird zudem gemeinsam mit den Kindern Regeln und Hilfreiches auf Plakaten gesammelt, um es nachhaltig zu sichern.

Die Lehrerqualifikation „Erziehen“ wird ebenfalls angesprochen, da die Lehrkraft in der Einführung und den ersten Schreibkonferenzen als Vorbild fungieren soll, damit die Kinder den Ablauf und die Besonderheiten der Methoden erfassen können. Des Weiteren soll durch die Methode „Schreibkonferenz“, welche eine kooperative Lernform ist, die Persönlichkeitsentwicklung und die Entwicklung von Handlungskompetenzen der Kinderfördern.

Eine zentrale Rolle spielt die Lehrerqualifikation „Beraten“. Nachdem die Schreibkonferenzen eingeführt wurden und von den Kindern selbstständig durchgeführt werden können, wird die Lehrkraft eine beratende Rolle einnehmen. Die Kinder können dann, wenn sie in ihren Schreibkonferenzen mit Problemen konfrontiert werden, nach Hilfe und Unterstützung fragen.

Auch die Lehrerqualifikation „Evaluieren“ ist im Rahmen dieser Arbeit von Bedeutung, da während der Planung und auch zum Ende der Durchführung der Ist-Stand erhoben werden muss. Dies ist notwendig, um eine mögliche Veränderung zu diagnostizieren.

2. Theoretischer Hintergrund des Konzeptes

In diesem Kapitel soll der theoretische Hintergrund für das zu entwickelnde Konzept dargelegt werden. Zu Beginn wird die Methode „Schreibkonferenz“ vorgestellt und erläutert, um zu klären, wie diese für das Konzept geändert oder übernommen werden kann. Daraufhin wird der Lehrplan zu der Thematik befragt um dadurch die Verwendung dieser Methode zu untermauern. Ferner wird die Unterrichtsform der „Freien Stillarbeit“ dargelegt, in die die Methode integriert werden soll. Darüber hinaus werden in diesen Kapitel die Begriffe „kooperatives Lernen“ und „selbständiges Arbeiten“ erwähnt und aufdie Methode bezogen.

2.1 Die Schreibkonferenz

Was ist das Besondere an der Methode, die sämtliche Bereiche und Schwerpunkte des Lehrplans Deutsch in NRW abdeckt und, wenn sie von den Kindern verinnerlicht ist, von diesen fast selbstständig durchgeführt wird? Eine Methode die das selbstständige und kooperative Lernen fördert und in der, die Lehrkraft die Rolle eines Beraters einnimmt. Wo stammt sie her, was sind ihre Stärken und wo hat sie ihre Grenzen? Im Folgenden soll ein Versuch unternommen werden, dies zu klären.

2.1.1 Herkunft derSchreibkonferenz

Unter professionellen Schreibern, wie zum Beispiel Autoren, haben die Schreibkonferenzen, die auch unter der Bezeichnung Schreibgespräch oder Schreibwerkstatt firmieren, eine lange Tradition. Es wird sich in Dichtercafés, in Schriftstellerzirkeln oder Workshops getroffen, um Texte einem kleinen, kritischen Publikum zu präsentieren. Die Verfasser erhoffen sich so, Hinweise für mögliche Überarbeitungen des Textes zu erfahren. In den achtziger Jahren des vergangen Jahrhunderts beschäftigte sich in England eine Lehrer- und Forschergruppe um Donald H. Graves mit diesem Verfahren. Diese Forschergruppe brachte die Schreibkonferenz in die didaktische Diskussion ein und integrierte sie in die tägliche Unterrichtsarbeit.1Im angelsächsischen Raum handelte es sich aber um Schreibkonferenzen, in denen die Lehrkraft mit den Kindern die Konferenz durchführte.2Nachdem sich die Schreibkonferenzen auch im deutschsprachigen Raum verbreiteten, gesellte sich zu der Lehrer-Schüler-Schreibkonferenz eine reine Schüler-Schreibkonferenz.

In Deutschland ist der Begriff der Schreibkonferenz zwangsläufig mit dem Name Gudrun Spitta verbunden. Sie war auf der Suche nach einer Alternative zum traditionellen Aufsatzunterricht und stieß bei ihren Recherchen über mehrere Vorformen, auf den Ansatz von Graves. Sie überarbeitete und erprobte ihn über viele Jahre für die und in der deutschen Schullandschaft.3Spitta war der Überzeugung, dass der traditionelle Aufsatzunterricht nicht mehr zeitgemäß war und dem „Freien Schreiben“ die Zukunft gehöre.4Die Schreibkonferenzen, als Bestandteil des „Freien Schreibens“, stehen somit im Gegensatz zu der traditionellen Aufsatzdidaktik.5Spitta bezeichnet den traditionellen

Aufsatzunterricht als ein einengendes Lernarrangement, in dem sterile und gleichartige Kindertexte hergestellt werden. Sie kritisierte, dass von den Kindern Unmögliches verlangt wird, wenn sie einen Aufsatz verfassen sollen. Die Kinder sollen zu einer bestimmten Zeit, die sie nicht selber wählen können, zu einem vorgegebenen Thema und innerhalb eines festgelegten Zeitraums, Texte produzieren, die dem Gusto der jeweiligen Lehrperson entspricht. Spitta ist davon überzeugt, dass das die Kinder unnötig unter Druck setzt und zu Schreibunlust oder sogar zu Schreibangst führen kann. Des Weiteren stellte Spitta fest, dass Kinder, die durch das freie Schreiben ihre sprachlichen Fähigkeiten weiter entwickelt hatten, eine Methode benötigten, um vom spontanen Schreiben zum bewussten Verfassen von Texten zu gelangen.6Der Ansatz des „Freien Schreibens“ ist jedoch kein Kind des 20. Jahrhunderts sondern hat seine Wurzel im letzten Quartal des 19. Jahrhunderts. Bereits 1867 kritisierte Rudolf Hildebrand den traditionellen Aufsatzunterricht7. Er entwickelte ein Alternativkonzept, „das bereits wesentliche Elemente des entwicklungspsychologisch fundierten Ansatzes des „Freien Schreibens“, wie es heute gefordert wird, enthielt.“8Doch wie so oft erhielt auch dieser innovative Ansatz keine breite Unterstützung und es dauerte ca. 45 Jahre bis es erneut einige Didaktiker versuchten gegen die traditionellen Aufsatzdidaktik aufzubegehren. Adolf Jensen und Wilhelm Lamzus waren die Wortführer dieses erneuten Versuchs. Aufgrund dieser Kritik wurden in der folgenden Zeit Unterrichtsmodelle entworfen, die das Kind und dessen produktive Gedankenarbeit beim Schreiben in den Mittelpunkt stellten. Im Jahre 1914 wurde durch die Einführung des „Freien Aufsatzes“ durch Gansberg die „Aufsatzreform“ endlich zur „Unterrichtsreform“ erklärt.9Der Ansatz des „Freien Schreibens“ benötigt laut Spitta eine Überarbeitungsinstanz, wie zum Beispiel die Schreibkonferenzen.

2.1.2 Die Rahmenbedingungen fürSchreibkonferenzen

In den Schreibkonferenzen lernen die Kinder ihre selbst geschriebenen Texte, wie die schon erwähnten Schreibprofis in Schriftstellerzirkeln, zu überarbeiten. Im Vordergrund steht nicht das Korrekturangebot der Lehrperson, sondern das gemeinsame Nachdenken einer kleinen Gruppe von Kindern über einen

Kindertext.10Durch die Schreibkonferenz bekommen die Kinder die Möglichkeit zur Überarbeitung eines eigenen Textentwurfs im Sinne eines individuellen rekursiven Problemlöseprozesses.11

Doch um dies zu erreichen und um Schreibkonferenzen in den Unterrichts zu integrieren bedarf es Mut sich auf etwas neues einzulassen und die Struktur des Unterrichts zu verändern. Das „Freie Schreiben“ und auch die Schreibkonferenzen benötigen einen Schulalltag, der offen angelegt ist. Hierfür ist, laut Spitta, das Prinzip der Freien Arbeit oder der Arbeit nach Wochenplan prädestiniert und von ihr gefordert.12Ist der Unterricht so strukturiert, umfasst er neben Lese- und Schreibaufgaben auch immer Zeiten zum freien Schreiben, für

Schreibkonferenzen und andere Beschäftigungen, die im Rahmen des Deutschunterrichts geleistet werden sollen.13Dieser Unterricht kann dann je nach Klassensituation mehr oder weniger offen sein für die eigenverantwortlichen Aktivitäten der Kinder. Ist den Kindern bekannt zu welchen Zeiten sie an ihren eigenen Texten arbeiten oder zu ihren Textentwürfen eine Schreibkonferenz abhalten können, können sie in eigener Verantwortung entscheiden, wann sie und wie sie an ihren Texten arbeiten.14Darüber hinaus ist den Kindern freigestellt zu welchen Themen sie schreiben und welche Textform sie wählen. Dies zeichnet das „Freie Schreiben“ aus und stärkt die Kinder in ihrer Selbstständigkeit.15Darüber hinaus dient, die freie Themenwahl auch der Motivation, da die Kinder eine andere emotionale Bindung zu dem Text entwickeln, als wenn dieser thematisch vorgegeben werden würde.16Dadurch, dass die freien Schreibzeiten und die Schreibkonferenzen in eine Freie Arbeitszeit oder eine Wochenplanarbeit eingebettet sind, muss die Lehrkraft auch keine Sorge haben, das Kinder, die gerade nicht an eigenen Texten oder in einer Schreibkonferenz arbeiten, die Zeit mit Nichtstun verbringen.17Denn wer an keinen Texten arbeitet, „findet genügend andere Aufgaben, Anregungen und Aktivitätsangebote, so daß alle Kinder produktiv arbeiten können.“18Gudrun Spitta schlägt vor an mindestens drei Tagen in der Woche diese Freien Arbeitsphasen als festen Bestandteil einzuplanen. Ein auf diese Weise ritualisierter Tagesablauf bietet den Kindern eine Stütze für ihre selbstständige Arbeit.19Eine genauere Beschreibung und Ausführung zur Unterrichtsform „Freiarbeit“ folgt in einem weiteren Kapitel dieser Arbeit. Bevor die Tagesstruktur, wie beschrieben umgestellt werden kann, ist es unbedingt notwendig, dass auch der Klassenraum für diese Art von Arbeit hergerichtet wird. Das bedeutet, dass er durch unterschiedliche Aktivitätszonen, wie zum Beispiel Leseecke oder Schreibwerkstatt, wenn möglich auch unter Einbeziehung des Schulflures oder von angrenzenden Räumen und vielfältige Materialangebote so gestaltet wird, dass er eine zu eigenem kreativen Verhalten anregende Atmosphäre verbreitet.20

2.1.3 Die beteiligten Personen

An den Schreibkonferenzen sind folgende Personen in unterschiedlicher Form beteiligt: Das Autorenkind, die Mitarbeiterkinder und die Lehrkraft.

In der Regel werden die Schreibkonferenzen zum Ende des zweiten Schuljahres oder im dritten Schuljahr eingeführt.21Nachdem ein Kind einen Textentwurf angefertigt hat, sucht es sich zwei Mitarbeiterkinder, um eine Schreibkonferenz durchzuführen.22In der Literatur ist manchmal auch die Rede von drei Mitarbeiterkindern. Laut Spitta, hat die Erfahrung allerdings gezeigt, dass die Schreibkonferenzen in Dreiergruppen (Autorenkind und zwei Mitarbeiterkinder) konzentrierter und effektiver verlaufen. Zu Dritt ist es einfacher in einen einzelnen Text zu schauen und daran zu arbeiten. Darüber hinaus ist die Gefahr geringer, dass die Kinder vom Thema abschweifen, was in größeren Gruppen wahrscheinlicher wird.23In der Literatur zum Thema „Kooperatives Lernen“ wird es ebenfalls als sehr wichtig erachtet, dass die Kinder „[...] nah beieinander sitzen und alle gleichzeitig einen Blick auf das benötigte Arbeitsmittel besitzen.“24So fällt es den Kindern auch leichter die Lautstärke ihres Schreibkonferenzgespräches zu regulieren und dadurch die, an anderen Themen arbeitenden, Kinder nicht zu stören.25Da es sich um eine Freiarbeitsphase handelt, können die zwei vom Autorenkind gewählten Kinder ihre momentane Arbeit unterbrechen und das Autorenkind in der Schreibkonferenz unterstützten. Auch hier haben die Kinder aber die Möglichkeit selbstständig zu entscheiden, ob sie teilnehmen wollen. Jedes Kind hat das Recht die Frage, als Mitarbeiterkind mitzuwirken, zu verneinen und sich weiterhin seiner aktuellen Arbeit zuzuwenden. Das Autorenkind bringt den Text ein und die Mitarbeiterkinder ihre Ideen und Anregungen. In der Einführungsphase der Schreibkonferenzen ist es sinnvoll, dass die Lehrkraft an den ersten Schreibkonferenzen ebenfalls teilnimmt. Dadurch kann der Ablauf der Schreibkonferenzen, das Verfahren, gefestigt werden. Des Weiteren besteht die Möglichkeit über Fragen und Tipps ein Gespräch über den Text anzuregen. So können die Kinder für die Aufgaben in der Schreibkonferenz sensibilisiert werden.26Wenn die Lehrkraft bemerkt, dass die Kinder das Verfahren verinnerlicht haben, kann sie sich aus den Schreibkonferenzen herausziehen. Im weiteren Verlauf steht sie den Kindern bei Fragen und Problemen innerhalb der Konferenzen, als Beraterin zu Verfügung. Handelt es sich um grundlegende Probleme, besteht die Möglichkeit sich dieser Schreibkonferenz für eine begrenzte Zeit anzuschließen, um die bestehenden Probleme zu klären.27Neben der Beraterrolle, übernimmt die Lehrkraft in der Phase der Endredaktion eine weitere wichtige Rolle. Wie diese Rolle aussieht und wie das Verfahren der Schreibkonferenz ablaufen kann, wird im folgenden Teilkapitel ausgeführt.

2.1.4 Der Ablauf einer Schreibkonferenz

Nachdem die Rahmenbedingungen dargestellt wurden, soll der Ablauf der Schreibkonferenzen vorgestellt werden. Zu Beginn ist zu sagen, dass der Ablauf einer Schreibkonferenz Bestandteil eines größeren Rahmens ist. Die Schreibkonferenz als Kern wird von weiteren wichtigen Phasen gerahmt. Die folgende Grafik von Gudrun Spitta macht dies besonders deutlich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: Ablaufdiagramm für Schreibkonferenzen28

Hierbei handelt es sich um den Ablauf wie er üblicherweise an Schulen durchgeführt wird. Gudrun Spitta behauptet nicht, dass es sich hier um ein bis in alle Einzelheiten verbindliches „Idealkonzept“ für die Schreibkonferenzarbeit handelt, dass jeder Interessierte nur auf diese Weise durchführen darf. Sie versteht es viel mehr als eine Art „roter Faden“ an dem sich die Lehrkräfte [28]orientieren können.29

1. Phase: Entstehung eines Entwurfs

Der erste Schritt ist das Verfassen von Geschichtsentwürfen durch die Kinder. In den eingerichteten „freien Arbeits- oder Schreibzeiten“ haben die Kinder die Möglichkeit sich mit ihren Textentwürfen zu beschäftigen. Da es sich um ein Wahlangebot handelt, ist kein Kind dazu verpflichtet an Geschichten zu arbeiten.30Denn wenden sich die Kinder aus eigenem Willen der Themenfindung zu, ist die Motivation die Ideen schriftlich umzusetzen sehr viel höher als im traditionellen Aufsatzunterricht.31Haben Kinder Probleme ein Thema zu finden, gibt es verschiedene Möglichkeiten diese Kinder zu unterstützen. So könnte zum Beispiel in der Klasse ein Themenplakat angefertigt werden, auf dem die Themen vermerkt werde, die gerade geschrieben werden oder bereits beendet sind. Des Weiteren könnten unter den Kindern Themenkonferenzen gehalten werden, in denen ideenlose Kinder Anregungen und Themenvorschläge erhalten könnten.32Darüber hinaus können auch Reizwörter, anregende Textanfänge oder Bildimpulskarten Schreibanlässe bieten.33Haben sich die Kinder für ein Thema entschieden, sollen sie gesondertes Entwurfspapier für den Text nutzen. Auf diesem Blatt sollen die Kinder nur jede zweite Zeile beschreiben, damit für die Anregungen aus der späteren Schreibkonferenz genügend Platz ist.34

2. Phase: Die Schreibkonferenz

Es ist sehr ratsam für die Schreibkonferenzen einen ganz genauen und transparenten Ablauf einzuführen und auch auf dessen Einhaltung zu achten. Als Orientierung für die Kinder könnte dieser Ablauf beziehungsweise die Regeln für die Schreibkonferenzen auf einem Plakat in der Klasse festgehalten werden. In der Schreibkonferenz sollen nur Texte bearbeitet werden, die das Kind am Ende auch veröffentlichen will.35Setzt sich das Autorenkind mit zwei Mitarbeiterkindern zusammen, sollten sie wie folgt die Schreibkonferenz durchführen36:

I.Schritt: Das Vorlesen des Entwurfes

Das Autorenkind liest in dieser kleinen Runde seinen Text vor. In der Regel folgen daraufspontane Reaktionen der Mitarbeiterkinder, die sich meistens aufden Inhalt beziehen. Die Reaktionen können von Anerkennung und Lob bis hin zu Nachfragen und Ablehnung reichen. Deshalb besteht in diesem ersten Schritt die Möglichkeit für die Mitarbeiterkinder, Fragen zum Text zu stellen oder die Stellen, die besonders gefallen, zu nennen. Nach dieser ersten Würdigung des Textes steigen die Kinder in einem zweiten Schritt tiefer in den Text ein.

2. Schritt: Satzweises Durchgehen des Textes

In diesem Schritt wird der Entwurf satzweise von den Kindern durchgegangen. Sie sollen in dieser Phase auf inhaltliche Unklarheiten, aber auch auf die sprachlichen Aspekte achten. Kommt es in diesem Schritt zu Anregungen der Mitarbeiterkinder, kann das Autorenkind entscheiden, ob es die Anregungen auf dem Entwurfspapier an der passenden Stelle in die freie Zeile vermerkt.37Innerhalb solcher Schreibkonferenzen fällt auf, dass die Anregungen von den Mitarbeiterkindern viel leichter und unbelasteter aufgenommen werden, als wenn die Lehrkraft diese Korrekturhinweise gegeben hätte.38Gerade in dieser Phase können die Schreibkonferenzgruppen auf Probleme stoßen, die auch für die unbeteiligten Kinder von Interesse sein könnten. Diese Probleme könnten zum Anlass genommen werden, um gemeinsam mit der Klasse ein Plakat mit allgemeinen Schreibhinweisen zu gestalten, das immerwieder ergänzt werden kann.393.Schritt: Überprüfung derOrthographie

Ist die Phase der inhaltlichen oder sprachlichen Untersuchung abgeschlossen wenden sich das Autorenkind und die zwei Mitarbeiterkinder erneut satzweise dem Entwurf. Hier zeigt die Erfahrung, das sechs Augen mehr sehen als ein einzelnes Paar, was darüber hinaus noch emotional mit dem Text verbunden ist. Begeben sich die Kinder auf die Suche nach Rechtschreibproblemen ist es sinnvoll ihnen das in der Klasse verwendete Wörterbuch an die Hand zu geben.40Auf diese

Weise werden die sie nicht nur für die Rechtschreibung sensibilisiert, sondern auch in dem Nachschlagen in Wörterbüchern geschult. Nach dieser Phase ist die Schreibkonferenz oder das Schreibkonferenzgespräch, wie es auch genannt werden kann, beendet. Dies kann noch auf einem Protokollbogen oder auf dem Entwurf durch die Unterschriften der beteiligten Kinder offiziell gemacht werden. Dies kann eine Hilfe sein, dass die Schreibkonferenzen mit einer gewissen Ernsthaftigkeit ablaufen.41

3. Phase: Die Endredaktion

Hat das Autorenkind, die für sinnvoll erachteten Überarbeitungen an seinem Text vorgenommen, übergibt es den überarbeiteten Entwurf der Lehrkraft zur Endredaktion. Wie in Kapitel 2.2.3 angekündigt soll an dieser Stelle noch einmal auf die Rolle der Lehrkraft eingegangen werden. Nachdem die Lehrkraft während der Schreibkonferenzen noch die Rolle des Beraters innehatte und sich bei erkennbaren Problemen nur auf Nachfrage „einmischte“, fungiert sie in dieser Phase als letzte redaktionelle Instanz vor der Veröffentlichung. Es ist jetzt jedoch nicht Aufgabe alle Versäumnisse der Schreibkonferenz aufzuarbeiten, sondern lediglich auf die übersehenen Orthographiefehler aufmerksam zu machen. Inhaltlich soll sich die Lehrkraft nicht einmischen, da sonst die Arbeit der Kinder in Schreibkonferenzen ad absurdum geführt werden würde und man wieder bei dem alten System angelangt wäre.42Diese letzte Endredaktion ist wichtig, da nur fehlerfreie Texte veröffentlicht werden sollen.43Hat die Lehrkraft die Endredaktion abgeschlossen, wird der Text in einem kurzen Einzelgespräch mit dem Kind durchgesprochen. Bevor der Text endgültig in einer Autorenstunde veröffentlicht werden kann, muss das Autorenkind den veröffentlichungsreifen Text noch auf spezielles Veröffentlichungspapier übertragen.44Dieser Arbeitsschritt erfordert noch einmal viel Konzentration seitens der Kinder, damit der Text fehlerfrei auf das Veröffentlichungs- oder Schmuckpapier übertragen wird. Darüber hinaus können die Kinder die Geschichten noch mit Zeichnungen oder Bildern verschönern.45

[...]


1 Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. Ein Weg vom spontanen Schreiben zum bewußten Verfassenvon Texten. Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor. 1992. S.12f

2 Vgl. Bräuer, Gerd: Schreibprozesse begleiten. In: Deutschunterricht 63/2010. Braunschweig: Westermann 2010. S.5

3 Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.6

4 Vgl. ebd. S.15

5 Vgl. Nitz, Lena: Texte überarbeiten - Das Problem der Kohärenz in Schreibkonferenzen. Eine textlinguistische Untersuchung in der Grundschule. In: Schreiben - interdisziplinär. Beihefte. Hrsg. von Prof. Dr. Helmut H. Koch, Dr. Johannes Berning und Dr. Nicola Keßler. Münster: LIT-Verlag 2010. S.25

6 Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.5f

7 Vgl.ebd. S.15

8 Ebd.

9 Vgl.ebd. S.15f

10Vgl. Spitta, Gudrun: Freies Schreiben und Schreibkonferenzen in der Grundschule? In: Grundschule Deutsch20/2008. Seelze: Friedrich Verlag2008. S.40

11Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.20

12Vgl. Spitta, Gudrun: Freies Schreiben und Schreibkonferenzen in der Grundschule? S.40f

13Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.38f

14Vgl. Bartnitzky, Horst: Sprachunterricht heute. In: Lehrer-BüchereiGrundschule. Hrsg. VonReinhold Christiani und Dr. Klaus Metzger. Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor 2000. S.82

15Vgl. Spitta, Gudrun: Laßt unsere Kinder zeigen, was sie tatsächlich können! Freies Schreiben und Schreibkonferenzen - ein Weg, die eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu vervollkommnen. In: Freies Schreiben - eigene Wege gehen. Hrsg. von Gudrun Spitta. Lengwil am Bodensee: Libelle Verlag 1997. S.40

16Vgl. Spitta, Gudrun: Freies Schreiben und Schreibkonferenzen in der Grundschule? S.41

17Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.39

18Ebd.

19Vgl. ebd. S.42

20 Vgl. ebd.

21 Vgl. ebd. S.44

22 Vgl. Spitta, Gudrun: Freies Schreiben und Schreibkonferenzen in der Grundschule? S.42

23 Vgl. Spitta, Gudrun: Wenn Schreibkonferenzen nicht gelingen... In: Grundschule Deutsch 28/2010. Seelze: Friedrich Verlag2010. S.30

24 Bochmann, Reinhard; Kirchmann, Ruth: Kooperatives Lernen in der Grundschule. Zusammen arbeiten - Aktive Kinder lernen mehr. Essen: Neue Deutsche Schule Verlagsgesellschaft 2006. S.35

25 Vgl. ebd.

26 Vgl. Hajek, Julia; Hartel, Kirsten: Über Schreibgeheimnisse nachdenken. In: Grundschule Deutsch 20/2008. Seelze: Friedrich Verlag2008. S.26

27 Vgl. Spitta, Gudrun: Freies Schreiben und Schreibkonferenzen in der Grundschule? S.43 oder auch Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.42

28 Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.43

29 Vgl. Spitta, Gudrun: Wenn Schreibkonferenzen nicht gelingen... S.28

30Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.43

31Vgl. ebd. S.32f

32Vgl. ebd. S.67

33Vgl. Kaufmann, Theo: Eine Bildimpulskarte als kreativer Schreibanlass. In: Grundschule Deutsch 4/2004. Seelze: Friedrich Verlag2004. S.26

34Vgl. Hajek, Julia; Hartel, Kirsten: Über Schreibgeheimnisse nachdenken. S.26

35Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.46

36Vgl. Heinzei, Friederike; Kruse, Norbert: Die Rückmeldung als selbstständigkeitsorientierte Lehr- Lemsituation - Interaktionen beim Textüberarbeiten in der Grundschule. In: Kooperatives und selbstständiges Arbeiten von Schülern. Zur Qualitätsentwicklung von Unterricht. Hrsg. Kerstin Rabenstein und Sabine Reh. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007. S.136

37Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.49

38Vgl. ebd. S.21

39Vgl. ebd. S.50

40 Vgl. ebd. S.51

41 Vgl. Spitta, Gudrun: Wenn Schreibkonferenzen nicht gelingen... S.29

42 Vgl. Spitta, Gudrun: Laßt die Kinder zeigen, was sie tatsächlich können. S.46f

43 Vgl. Ritter, Michael: Dazu will ich schreiben! Didaktische Überlegungen zu freien und kreativen Schreibprozessen. In: Schreibkompetenz und Schriftkultur. Ein Lese- und Arbeitsbuch. Hrsg. Alexandra und Michael Ritter. Frankfurt/M: Grundschulverband 2012. S.95

44 Vgl. Spitta, Gudrun: Schreibkonferenzen in Klasse 3 und 4. S.51f

45 Vgl. Hajek, Julia; Hartel, Kirsten: Über Schreibgeheimnisse nachdenken. S.27

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Die Verankerung von Schreibkonferenzen in der Freien Stillarbeit an der Münsterlandschule Tilbeck
Hochschule
Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Rheine  (Seminar G)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
54
Katalognummer
V270954
ISBN (eBook)
9783656617891
ISBN (Buch)
9783656617884
Dateigröße
6699 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundschule, Deutsch, Deutschunterricht, Schreibkonferenz, Schreibkonferenzen, Freiarbeit, Freie Stillarbeit, Montessori, Überarbeiten
Arbeit zitieren
Master of Education Stephan Winkler (Autor), 2012, Die Verankerung von Schreibkonferenzen in der Freien Stillarbeit an der Münsterlandschule Tilbeck, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270954

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