Der Essay behandelt die Frage nach dem Zusammenhang zwischen biographischen Kriegserfahrungen und philosophischen Gedankengebäuden anhand ausgewählter Denker.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie und Schriften Platons
2.1 Der Peloponnesische Krieg und die platonische Philosophie
2.2 Der Dualismus von Körper und Seele im Phaidon
3. Thomas Hobbes und die Kriegsfurcht
3.1 Hobbes' Dualismus von Körper und Seele
3.2 Politischer Prozess vom Krieg der Körper zum Vertrag der Seelen
4. René Descartes und die psychosomatische Zweiteilung
4.1 Kriegserfahrungen und der Dualismus der Substanzen
4.2 Einflüsse des Jesuitenkollegs und Ignatius von Loyola
5. Schlussbetrachtung: Leibphänomenologie und Krieg
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen biographischen Kriegserfahrungen und der Entstehung philosophischer Dualismen von Körper und Seele bei bedeutenden Denkern der Geistesgeschichte.
- Biographische Analyse von Platon, Thomas Hobbes und René Descartes im Kontext ihrer Kriegserlebnisse.
- Untersuchung des Dualismus als philosophische Antwort auf kriegsbedingte Traumata und Entfremdung.
- Analyse der psychosomatischen Zweiteilung in Materie und Geist sowie Körper und Seele.
- Verbindung zur leibphänomenologischen Betrachtungsweise von Gernot Böhme.
- Reflexion über den Nutzen philosophischer Distanzierung im Kampf und unter existenziellem Druck.
Auszug aus dem Buch
René Descartes und die psychosomatische Zweiteilung
Auf einer Bildungsreise nach Paris hatte er Bekanntschaft mit René Descartes (1596-1650) gemacht, dessen Leben bis auf wenige Jahre durchgehend vom Dreißigjährigen Krieg begleitet wurde: Nachdem er von 1618 bis 1619 die Militärschule des Moritz von Nassau in Holland besucht hatte, kam er wie ein mehr oder weniger involvierter Kriegstourist durch Polen, Ungarn, Österreich und Böhmen. Dort wurde er 1620 als Söldner im katholischen Heer Maximilians von Bayern Augenzeuge der Schlacht am Weißen Berg, und auch in die folgende Eroberung des protestantischen Prags war Descartes eingebunden. Bezeichnenderweise verstärkt dieser Philosoph, der entgegen Platon und Hobbes direkte Kriegserfahrungen gemacht hat, die psychosomatische Zweiteilung zu einem fundamentalen Dualismus der Substanzen Materie und Geist, „res extensa“ und „res cogitans“.
Das begriffliche Instrumentarium zur Entwicklung dieser Lehre hatte Descartes im Jesuitenkolleg von La Flèche verinnerlicht. Der Orden der Jesuiten geht wiederum auf Ignatius von Loyola (1491-1556) zurück. Er war ein baskischer Offizier, dem 1521 bei der Verteidigung von Pamplona gegen französische Truppen eine Kanonenkugel das Bein zerschmetterte, worauf er sich ganz der Theologie zuwandte, die besagte Gesellschaft Jesu gründete und 1548 ein wegweisendes Exerzitienbuch vollendete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung nach dem Einfluss persönlicher Kriegserfahrungen auf die philosophische Theoriebildung anhand ausgewählter Denker.
2. Biographie und Schriften Platons: Untersuchung, wie die politische Instabilität Athens und der Peloponnesische Krieg Platons Dualismus von Körper und Seele beeinflussten.
3. Thomas Hobbes und die Kriegsfurcht: Analyse der prägenden Kriegserlebnisse von Hobbes und deren Transformation in eine politische Philosophie, die Körper und Seele dualistisch betrachtet.
4. René Descartes und die psychosomatische Zweiteilung: Erörterung der Auswirkungen von Descartes' Söldnererfahrungen im Dreißigjährigen Krieg auf seine Metaphysik und den Dualismus der Substanzen.
5. Schlussbetrachtung: Leibphänomenologie und Krieg: Zusammenführende Betrachtung der Thesen mittels der Leibphilosophie von Gernot Böhme und Reflexion des Dualismus als Überlebensmechanismus.
Schlüsselwörter
Krieg, Philosophie, Platon, Thomas Hobbes, René Descartes, Dualismus, Körper, Seele, Kriegserfahrung, res extensa, res cogitans, Leibphilosophie, Traumata, Politik, Anthropologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss von Kriegserlebnissen auf die philosophische Auseinandersetzung mit der Trennung von Körper und Seele.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind Philosophiegeschichte, politische Theorie und die leibphilosophische Untersuchung von Kriegstraumata.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie biographische Erfahrungen von Gewalt und Krieg zur philosophischen Fundierung dualistischer Menschenbilder beigetragen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine biographisch-philosophische Analyse kombiniert mit dem genetischen Ansatz der Leibphänomenologie angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden exemplarisch die Denker Platon, Thomas Hobbes und René Descartes auf ihre Kriegserfahrungen hin untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Dualismus, Kriegserfahrung, Leibphilosophie und existenzielle Entfremdung geprägt.
Warum wird der Begriff "res extensa" und "res cogitans" bei Descartes im Kontext des Krieges erwähnt?
Die Arbeit argumentiert, dass Descartes' direkte Kriegserlebnisse seine philosophische Trennung von materieller Ausdehnung und denkendem Geist nachhaltig verstärkt haben.
Inwiefern spielt Ignatius von Loyola eine Rolle für Descartes' Philosophie?
Die Arbeit zeigt, dass die im Jesuitenkolleg verinnerlichte Theologie und die Geschichte des Gründers Ignatius von Loyola das intellektuelle Fundament für Descartes' spätere philosophische Ausarbeitung lieferten.
- Citation du texte
- M.A. Johannes Preusker (Auteur), 2013, Der Krieg und die Philosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271809