Am 26. September 1962 führten linksgerichtete Offiziere in Jemen einen Staatsstreich gegen den Imam Muhammad al-Badr an. Nachdem sich der Imam in den Bergen verschanzt hatte und sich der Konflikt ausweitete, sah Großbritannien seine Kronkolonie Aden im Süden durch die Kämpfe gefährdet. Die Briten wollten dem Imam Unterstützung leisten, aber aufgrund des internationalen Drucks, die Revolutionäre anzuerkennen, ließ sich diese Unterstützung nicht auf offiziellem Wege bewerkstelligen. Bei einem Treffen von Politikern und Militärs schlug der Gründer der britischen Spezialeinheit SAS, David Stirling, einen inoffiziellen Söldner-einsatz vor. Die Erfahrungen, die er aus dem folgenden Feldzug mitbrachte, verleiteten ihn zu der Idee, aus dem Verkauf militärischer Dienstleistungen ein Geschäft zu machen. So wurde 1967 mit „Watchguard“ das erste nachgewiesene private Militär- und Sicherheitsunternehmen gegründet.
Welche Kontrollmöglichkeiten gibt es für diese Unternehmen? Handelt es sich bei ihren Angestellten um Söldner, die ohne Grenzen agieren können? Diese Seminararbeit befasst sich mit dem Phänomen der privaten Militär- und Sicherheitsunternehmen sowie deren Regulierung. Einleitend werden zunächst einige Definitionsmöglichkeiten für private Militärdienstleister vorgestellt, bevor im Hauptteil erst die Notwendigkeit einer Kontrolle erläutert und anschließend bestehende Regulierungen und Regulierungs-ansätze sowie ihre Wirksamkeit – auch anhand des Beispiels der USA – diskutiert werden. ...
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Definitionsmöglichkeiten
3. Notwendigkeit einer Kontrolle
4. Selbstkontrolle
5. Internationale Kontrolle
6. Das Beispiel USA
7. Resümee
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Phänomen privater Militär- und Sicherheitsunternehmen (PMSCs) sowie die dringende Notwendigkeit und die Möglichkeiten ihrer staatlichen und internationalen Regulierung. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit diese Akteure als Söldner einzustufen sind und welche rechtlichen Rahmenbedingungen für eine effektive Kontrolle in bewaffneten Konflikten existieren.
- Differenzierung zwischen PMSCs und Söldnern
- Notwendigkeit staatlicher Kontrolle und Regulierung
- Instrumente der Selbstkontrolle und Branchenstandards
- Internationale Ansätze wie das Montreux-Dokument
- Praxisbeispiel der USA und deren Regulierungsansätze
Auszug aus dem Buch
3. Notwendigkeit einer Kontrolle
Wie eingangs beschrieben, ist das Phänomen der PMSCs nicht neu, es hat nach Ende des Kalten Krieges nur an Qualität und Quantität zugenommen und stellt „einen neuen Schritt in der Evolution der privaten Militärdienstleister“ dar, da zu dieser Zeit sowohl das Angebot als auch die Nachfrage entstanden. Es herrscht Konsens bezüglich der These, dass das Angebot durch die Verschlankung der Armeen entstand: Viele ehemalige Soldaten und Kriegsgeräte fanden keine Verwendung mehr, gleichzeitig stieg der Bedarf an erfahrenen Spezialisten durch die „neuen Kriege“ mit ihrer veränderten Kriegsführung in fragilen Staaten.
PMSCs bieten dabei eine Reihe von essentiellen Vorteilen gegenüber dem Einsatz staatlichen Militärs: Sie können Fachpersonal für jegliche Aufgabe kurzfristig in ihren Datenbanken abfragen. Dies ist besonders bei der heutigen hoch technologisierten Kriegsführung von Vorteil und erlaubt PMSCs eine hohe Flexibilität und Effektivität, da diese in kürzester Zeit Teams zusammenstellen und zum Einsatzort verlegen können, was Einheiten einer regulären Armee aufgrund bürokratischer und politischer Hemmnisse nicht möglich ist. So können Sie in Bedrängnis geratenen instabilen Regierungen zu Hilfe kommen, wenn auf nationale Armeen kein Verlass mehr ist oder Rebellen kurz vor dem Sieg stehen. Ein weiterer Vorteil der sich Regierungen als Auftraggeber bietet, ist die Abwälzung von Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit – denn in einer postheroischen Gesellschaft sind Bilder toter Soldaten eine große Gefahr für die Akzeptanz einer Regierungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einführung in die Entstehungsgeschichte privater Militärfirmen anhand des Beispiels „Watchguard“ und Darlegung des Forschungsgegenstandes.
2. Definitionsmöglichkeiten: Analyse verschiedener Bezeichnungen für private Militärdienstleister und Abgrenzung zum Söldnerbegriff anhand aktueller Fachliteratur.
3. Notwendigkeit einer Kontrolle: Erörterung der Gründe für das Erstarken von PMSCs und Darstellung der Risiken, die eine staatliche Regulierung erforderlich machen.
4. Selbstkontrolle: Untersuchung von Branchenverbänden wie der ISOA und BAPSC sowie deren Verhaltenskodizes als Instrumente zur Imagepflege und Qualitätskontrolle.
5. Internationale Kontrolle: Prüfung völkerrechtlicher Grundlagen und des Montreux-Dokuments hinsichtlich der Einordnung von PMSC-Personal in bewaffneten Konflikten.
6. Das Beispiel USA: Darstellung der US-amerikanischen Regulierungsansätze wie dem MEJA und der Rolle privater Firmen bei Auslandseinsätzen im Irak.
7. Resümee: Synthese der Ergebnisse und Fazit zur Notwendigkeit einer klaren rechtlichen Einordnung und Regulierung durch staatliche Akteure.
8. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Werke.
Schlüsselwörter
Private Militär- und Sicherheitsunternehmen, PMSCs, Söldner, Regulierung, Völkerrecht, Selbstkontrolle, Montreux-Dokument, Gewaltmonopol, Militärdienstleister, Sicherheitspolitik, Waffenhandel, MEJA, USA, Konfliktbearbeitung, Kriegsführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle privater Militär- und Sicherheitsunternehmen (PMSCs) in heutigen Konflikten und untersucht, wie diese Unternehmen reguliert werden können, um Missbrauch zu verhindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von PMSCs, die Notwendigkeit rechtlicher Kontrolle, die Bedeutung von Selbstkontrolle durch Branchenverbände und völkerrechtliche Regulierungsansätze.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob PMSC-Angestellte als Söldner zu betrachten sind und welche regulatorischen Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene greifen müssen, um rechtliche Grauzonen zu schließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Seminararbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung bestehender völkerrechtlicher Dokumente basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Notwendigkeit von Kontrollmechanismen, die Rolle von Selbstregulierung durch Branchenverbände, die Anwendung des Völkerrechts und das konkrete Beispiel der USA im Irak-Konflikt diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören PMSCs, Söldner, Regulierung, Völkerrecht, Selbstkontrolle und das Montreux-Dokument.
Warum ist eine Unterscheidung zwischen PMSCs und Söldnern rechtlich so wichtig?
Da das Söldnertum international geächtet ist, führt eine Gleichsetzung zu einem Verbot, während PMSCs als legale Unternehmen anerkannt sind, für die differenzierte Regulierungen und rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.
Welche Rolle spielt das Montreux-Dokument für die Regulierung?
Es dient als völkerrechtlich nicht bindendes, aber offizielles Dokument, das Leitlinien für Staaten im Umgang mit PMSCs während bewaffneter Konflikte festlegt und Konsens über die Geltung von Menschenrechten schafft.
- Arbeit zitieren
- Kevin Spitz (Autor:in), 2014, Söldner ohne Grenzen? Die Kontrolle privater Militär- und Sicherheitsunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271837