Das Verhältnis von Glück und Moral im Islam


Essay, 2014

6 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Das Verhältnis von Glück und Moral im Islam

Das Thema „Moral und moralisches Handeln“ gilt als ein wichtiger Bereich der islamischen Theologie, insofern erklärte der Prophet Muhamed das Hauptziel seiner Botschaft mit dem folgenden Satz: „Ich bin gesandt worden, um die besten moralischen Qualitäten zu perfektionieren.“ (Sahih Muslim)[1].

Die Moral wird als ein angeborener Instinkt bzw. als Fähigkeit in jedem einzelnen Menschen angesehen, durch die zwei Arten von Handlungen hervorgehen:

1. Die guten Handlungen, die im Einklang mit der Vernunft und der religiösen Offenbarung stehen: Dazu zählen Anstand, Scham, Milde, Freigebigkeit, Genügsamkeit, Gottvertrauen, Geduld, Dankbarkeit, Barmherzigkeit, Verzeihen und Nachsicht. Sie werden als „gute, gelobte oder schöne Moral“ bezeichnet, im Arabischen „Akhlaq hasana“.
2. Die schlechten Handlungen wie zum Beispiel Hass, Arroganz, Hochmut, Heuchelei, Neid, Verleumdung und Hetze) hingegen werden als „schlechte Moral“ bezeichnet, im Arabischen „Akhalq Zamima“. (Vgl. Al-Ghazzaly: Wiederbelebung der Religionswissenschaft, 3. Ab.).
Dr. Ahmed El-Khany erklärt in einem wissenschaftlichen Beitrag (Alukah online Bibliothek, 17.12.2012), dass es unter muslimischen Philosophen, die sich mit dem Thema „Glück und Moral“ beschäftigt haben, drei Orientierungen gibt:

1. Die Vernunft- Orientierung: Diese Philosophen versuchten, das islamische Moralsystem alleine durch die Vernunft zu erklären. Sie postulieren: Das Endziel des moralischen Handelns muss auch durch die Vernunft bestimmt werden. Nur die Vernunft kann/darf bestimmen, ob ein Handeln als moralisch oder nicht moralisch zu betrachten ist. Folglich gibt diese philosophische Richtung der Vernunft den Vorrang und nicht der religiösen Offenbarung. Nur ein Vernünftiger ist in der Lage, moralisch zu handeln. Deswegen kann nur dieser vernünftige Mensch glücklich werden.

Dieses Glück lässt sich bei Avicenna (gest. 1037) wie folgt erklären: Das diesseitige Glück besteht einerseits in den Gelüsten bzw. Freuden der Sinnlichkeit sowie allgemeinen glücklichen Lebensumständen, eine gute Ehefrau/einen guten Ehemann, Kinder und/oder Geld. Andererseits besteht es in der seelischen Glückseligkeit, die besser ist und in Zufriedenheit, Gelassenheit, Heiterkeit und Sicherheit etc. zum Ausdruck kommt (Mousa, Rahifa: 2009).

In diesem Zusammenhang tritt jedoch das Problem auf, dass wir dem Begriff „Moral“ keine Allgemeingültigkeit zuschreiben können, weil wir durch die Vernunft einzelner Menschen verschiedene Definitionen und Erklärungen bekommen werden.

Vertreten wird diese Richtung durch „Al-Farabi gest. 925, Avicenna gest. 1037, Averroës gest. 1198 und Ahmed Ibn Miskawaih gest. 1030“ u.a..

2. Die seelische, spirituelle Orientierung (Mystiker): Moral bedeutet hier dreierlei:

1. Heilung des Inneren. Diese Heilung geschieht durch das Erkennen der Seele. Sie wird beschrieben als seelischer innerlicher Kampf zwischen dem Guten und Bösen sowie durch die Reinigung des Herzen und der Seele von den Untugenden.
2. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.
3. Mystik und Askese.

Nur derjenige, der die Moral auf diese angegebene Art und Weise erkennen und demgemäß moralisch handeln kann, kann im Diesseits glücklich werden. Was aber das Jenseits betrifft, so erklärten muslimische Mystiker wie z.B. Râbi'a al-Adawiyya (gest. 801) dass die jenseitige Glückseligkeit nicht nur sinnlich (wie Fernhalten vom Höllenfeuer, Eintreten in das Paradies, eine Ewigkeit ohne Trauer, Sorgen, Leidenschaften oder Elend. Eine Ewigkeit voller Genuss, Freude, Vergnügen) verstanden werden darf, sondern auch vor allem als seelisches Glück, das Wohlgefallen Allahs zu erlangen.

Râbi'a betrachtete außerdem die jenseitige Belohnung nicht als ausrechenbaren Gegenwert für das moralische Handeln im Diesseits. Die wahre Liebe zu Gott , so Râbi'a, rechnet nicht wie in einem Tauschgeschäft, sie ist bedingungslos. Darin sagte sie demütig: „O Allah, Wenn du weißt, dass ich Dich nur um des Paradies willen anbete, dann bitte schließe mich aus. Und wenn Du weißt, dass ich Dich anbete, nur um der Hölle zu entkommen, dann bitte bringe mich dorthin. Ich bete Dich aber nur an, weil Du der einzig Wahre bist, dem es gebührt, angebetet zu werden“.

An andere Stelle wurde berichtet, dass Râbi'a eine Fackel und einen Wassereimer in der Hand trug und mit diesem durch die Straße gelaufen sein soll, wobei sie auf die Frage, was sie damit tun wolle, geantwortet haben soll: „Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer ins Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Allah aus Furcht vor der Hölle oder in der Hoffnung auf das Paradies anbetet, sondern nur um seiner ewigen Schönheit willen.“

[...]


[1] Das Buch „Sahih Muslim“ ist eine der großen und wichtigen Hadith-Sammlungen

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Glück und Moral im Islam
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Geistes- und Kultutwissenschaften)
Veranstaltung
Philosophische Theologie
Note
1,9
Autor
Jahr
2014
Seiten
6
Katalognummer
V272094
ISBN (eBook)
9783656642893
ISBN (Buch)
9783656642879
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verhältnis, glück, moral, islam
Arbeit zitieren
wissenschaftlicher Assistent Ramadan Attia (Autor), 2014, Das Verhältnis von Glück und Moral im Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272094

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