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Der revolutionäre Charakter: Fromms Gegenentwurf zur Überwindung der autoritären Persönlichkeit

Title: Der revolutionäre Charakter: Fromms Gegenentwurf zur Überwindung der autoritären Persönlichkeit

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 50 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Serkan Sanivar (Author)

Pedagogy - History of Pedagogy
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Summary Excerpt Details

In dieser Arbeit soll es um die Frage gehen, wie die Entstehung einer autoritären Persönlichkeitsstruktur – mit Hilfe von selbsterzieherischen und institutionellen Maßnahmen – vermieden werden kann. Dazu soll die psychische Struktur des autoritären Charakters offengelegt und dem revolutionären Charakter gegenübergestellt werden, den Fromm in den 1960er Jahren explizit als Gegenmodell zu diesem entworfen hat. In seinem Konzept des revolutionären Charakters versucht Fromm diejenige Charakterstruktur zu fassen, die er als geistig-seelisch gesund einstuft. Der gesunde Mensch ist für Fromm also das Gegenmodell zur autoritären Persönlichkeit. Dies ist zugleich die Lösung die Fromm anbietet: Will man der Anfälligkeit für faschistische und totalitäre Ideologien vorbeugen, muss dafür Sorge getragen werden, dass die Menschen Mittel und Möglichkeiten an die Hand bekommen, sich seelisch gesund zu entwickeln und ihre psychische Gesundheit zu erhalten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 „Studies in Prejudice“ und die autoritäre Persönlichkeit

2. 1 Das Wesen des autoritären Charakters

3 Der Gegenentwurf: Erich Fromm und die revolutionäre Charakterstruktur

3.1 Was der Revolutionäre Charakter nicht ist

3.2 Das Wesen des revolutionären Charakters

3.2.1 Fromms Menschenbild

3.2.2 Seelische Gesundheit

3.2.3 Der produktive Charakter

3.2.4 Haben oder Sein

3.2.4.1 Die Existenzweise des Habens

3.2.4.2 Die Existenzweise des Seins

4 Schritte auf dem Weg zur Sein-Orientierung

4.1 Allgemeine Bedingungen der Erlernung einer jeden Kunst

4.2 Die Kunst des Lebens

4.3 Die Kunst des Liebens

4.3.1 Spezielle Bedingungen der Erlernung der Kunst des Liebens

5 Die Hauptdifferenzen zwischen den beiden Charaktertypen

6 Schritte im Schul- und Bildungsbereich

6.1 Produktive Autorität

6.2 Produktive Unterrichtsplanung und Durchführung

6.3 Weitere institutionelle Schritte und Ausblick

7 Schluss

8 Epilog

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Entstehung einer autoritären Persönlichkeitsstruktur durch präventive selbsterzieherische und institutionelle Maßnahmen vermieden werden kann. Dabei wird die psychische Struktur des autoritären Charakters offengelegt und dem von Erich Fromm entworfenen Konzept des revolutionären Charakters als gesundem Gegenmodell gegenübergestellt, um Wege zur Förderung seelischer Produktivität aufzuzeigen.

  • Analyse der "Studies in Prejudice" und des autoritären Charakters
  • Erarbeitung des "revolutionären Charakters" nach Erich Fromm
  • Unterscheidung der Existenzweisen "Haben" und "Sein"
  • Methoden der Selbsterziehung (Konzentration, Meditation, Selbstanalyse)
  • Pädagogische Ansätze zur Förderung produktiver Autorität in der Schule

Auszug aus dem Buch

3.2.4.1 Die Existenzweise des Habens

In dieser Existenzweise definiert sich ein Mensch primär an dem, was er hat, was er besitzt, und was er mehren kann „Das wichtigste Objekt des Besitzgefühls ist das eigene Ich. Das eigene Ich umfasst vieles: unseren Körper, unseren Namen, unseren sozialen Status, unsere Besitztümer (einschließlich unseres Wissens), das Bild was wir von uns selbst haben und das wir anderen vermitteln wollen.“ (FROMM 1982, S. 75) Die eigene Identität wird als ein Objekt erlebt, das man besitzt. Neben dem eigenen Ich kann jedoch fast alles zum Objekt des Habens bzw. des Habenwollens werden, wie z.B. materielle Güter, das eigene Leben, Gesundheit bzw. Krankheit, Menschen, Werte und Ideale, Wissen und Weltanschauungen.14

Das Subjekt, das in der Existenzweise des Habens die Welt erlebt, macht sein Identitätsgefühl – seinen Wert als Mensch – von den Objekten abhängig, die es besitzt. Dies ist jedoch ein fataler und folgenschwerer Fehler: „Der am Haben orientierte Mensch bedient sich immer einer Krücke statt der eigenen Füße. Er bedient sich eines Gegenstandes außerhalb seiner, um selbst etwas zu sein. Er ist nur er selbst, insofern er etwas hat. Er bestimmt sein Subjekt-Sein von Haben eines Objektes. Er wird vom Objekt, also vom Gegenstand des Habens, gehabt.“ (FUNK 1989, S. 161) Der Mensch steht hier also nicht auf eigenen Beinen, d.h. das Subjekt entwickelt nicht die eigenen psychischen Kräfte die zum Selbststand führen würden, sondern, es macht sich abhängig von Gegenständen – materiellen wie geistigen – die es in Besitz nimmt.

Der am Haben orientierte Mensch ist der nekrophile Mensch, der Mensch, der sich am toten und leblosen orientiert und alles Leben in tote Dinge verwandelt,: „Der Nekrophile kann zu einem Objekt – einer Blume oder einem Menschen – nur dann in Beziehung treten, wenn er sie besitzt: daher bedeutet ihm eine Bedrohung seines Besitzes eine Bedrohung seiner selbst; verliert er den Besitz, so verliert er den Kontakt mit der Welt. Daher seine paradoxe Reaktion, dass er lieber das Leben als seinen Besitz verlieren würde, obwohl er ja mit dem Verlust seines Lebens aufhört, als Besitzender zu existieren.“ (FROMM 2001, S. 39) Das Gefühl der eigenen Integrität hängt dabei primär vom Besitzen ab.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung gibt einen historischen Abriss über die Gründung und Entwicklung des Frankfurter Instituts für Sozialforschung sowie den theoretischen Wandel unter Max Horkheimer hin zur Kritischen Theorie.

2 „Studies in Prejudice“ und die autoritäre Persönlichkeit: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung und Zielsetzung der amerikanischen Exilstudien zur Anfälligkeit für faschistische Ideologien und führt das Konzept der autoritären Persönlichkeit ein.

2. 1 Das Wesen des autoritären Charakters: Hier werden die neun Wesenszüge der autoritären Persönlichkeit, wie Konventionalismus, Untertänigkeit und Projektion, detailliert beschrieben und analysiert.

3 Der Gegenentwurf: Erich Fromm und die revolutionäre Charakterstruktur: Das Kapitel führt Fromms Gegenentwurf ein, definiert den revolutionären Charakter abgrenzend von Rebell und Fanatiker und setzt ihn mit seelischer Gesundheit gleich.

3.1 Was der Revolutionäre Charakter nicht ist: Es wird klargestellt, dass der revolutionäre Charakter nicht bloß durch die Teilnahme an einer Revolution oder rebellische Einstellungen definiert ist.

3.2 Das Wesen des revolutionären Charakters: Der Kernabschnitt definiert den revolutionären Charakter als vollkommen gesundes Individuum, dessen Wesen auf einer spezifischen "existenziellen Situation" basiert.

3.2.1 Fromms Menschenbild: Erläutert die existenzielle Situation des Menschen, die durch das Fehlen instinktiver Festgelegtheit und das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit geprägt ist.

3.2.2 Seelische Gesundheit: Unterscheidet zwischen dem gesellschaftlich angepassten und dem humanistischen Verständnis von seelischer Gesundheit.

3.2.3 Der produktive Charakter: Definiert die produktive Orientierung als Liebe zum Leben (Biophilie) und als aktive Entfaltung der eigenen Kräfte im Sinne des Seins.

3.2.4 Haben oder Sein: Führt die zentrale Unterscheidung zwischen der Haben-Orientierung (Besitz) und der Sein-Orientierung (lebendige Erfahrung) ein.

3.2.4.1 Die Existenzweise des Habens: Beschreibt die Haben-Orientierung als identitätsstiftend durch Besitz, was in die Entfremdung und zum nekrophilen Charakter führt.

3.2.4.2 Die Existenzweise des Seins: Beschreibt die Sein-Orientierung als Entfaltung der eigenen Fähigkeiten und als biophile, lebendige Bezogenheit zur Welt.

4 Schritte auf dem Weg zur Sein-Orientierung: Dieses Kapitel widmet sich den von Fromm vorgeschlagenen methodischen Schritten der Selbsterziehung zur Erreichung seelischer Produktivität.

4.1 Allgemeine Bedingungen der Erlernung einer jeden Kunst: Nennt die notwendigen Voraussetzungen für das Erlernen einer Kunst: Disziplin, Konzentration, Geduld und das innere Bedürfnis (Wichtigkeit).

4.2 Die Kunst des Lebens: Beschreibt die Lebenskunst als Prozess, um ganz menschlich zu werden, Hass und Gier zu überwinden und zur Liebe und zum kritischen Denken zu finden.

4.3 Die Kunst des Liebens: Analysiert die Liebe als paradoxe Fähigkeit des Menschen, Einheit mit der Welt zu suchen, ohne die eigene Integrität aufzugeben.

4.3.1 Spezielle Bedingungen der Erlernung der Kunst des Liebens: Identifiziert Überwindung des Narzissmus, Vernunft, Glaube und Mut als essenzielle Bedingungen für eine gelungene Liebesfähigkeit.

5 Die Hauptdifferenzen zwischen den beiden Charaktertypen: Stellt den autoritären und den revolutionären Charakter systematisch gegenüber und verdeutlicht die grundlegenden Unterschiede in ihrem Weltbezug.

6 Schritte im Schul- und Bildungsbereich: Diskutiert die Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf pädagogische Kontexte und institutionelle Bedingungen.

6.1 Produktive Autorität: Unterscheidet zwischen rationaler (Seins-) Autorität, die Emanzipation fördert, und irrationaler (Haben-) Autorität.

6.2 Produktive Unterrichtsplanung und Durchführung: Untersucht, wie Unterricht gestaltet sein muss, um produktive Effekte bei Schülern zu fördern, statt nur passives Wissen zu vermitteln.

6.3 Weitere institutionelle Schritte und Ausblick: Skizziert Visionen für eine humane Schule, die den Menschen zur Entfaltung seiner Potenziale im Sinne des Seins anleitet.

7 Schluss: Fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Notwendigkeit, gesellschaftliche Strukturen an den Erfordernissen eines am Sein orientierten Individuums auszurichten.

8 Epilog: Schließt mit einem Zitat von Schiller über die Bedeutung des Charakters für die Aufklärung.

Schlüsselwörter

Erich Fromm, Autoritäre Persönlichkeit, Revolutionärer Charakter, Seelische Gesundheit, Haben und Sein, Produktive Orientierung, Biophilie, Kritische Theorie, Frankfurter Schule, Psychoanalyse, Erziehung, Rationale Autorität, Selbstreflexion, Selbstanalyse, Entfremdung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit Erich Fromms sozialpsychologischem Entwurf einer "revolutionären Charakterstruktur" als Gegenmodell zur "autoritären Persönlichkeit" und deren Anwendung in pädagogischen Kontexten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die kritische Auseinandersetzung mit Autorität, die Unterscheidung zwischen den Existenzweisen des Habens und Seins sowie Möglichkeiten der Selbsterziehung und schulischer Reformen zur Förderung menschlicher Reife.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Anfälligkeit für autoritäre Strukturen durch die Entwicklung eines gesunden, produktiven und am Sein orientierten Charakters vermieden werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse der Werke von Erich Fromm sowie der Studien zur autoritären Persönlichkeit der Frankfurter Schule.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden das Wesen des revolutionären Charakters, das Fromm’sche Konzept der seelischen Gesundheit, praktische Methoden der Selbsterziehung (wie Konzentration und Selbstanalyse) sowie deren Implementierung in Bildungsbereichen durch produktive Autorität untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe der biophilen Orientierung, der Überwindung von Narzissmus, der rationalen Autorität und der transtherapeutischen Psychoanalyse charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die "Seinsautorität" von der herkömmlichen Autorität?

Seinsautorität gründet auf der Integrität und dem Wissen einer reifen Persönlichkeit und dient der Emanzipation des Gegenübers, während herkömmliche Autorität auf Besitz, Status und Manipulation zur Ausbeutung beruht.

Warum ist laut Fromm die "Selbstanalyse" kein egoistisches Unterfangen?

Selbstanalyse dient laut Fromm als Reinigungsritual, um das Individuum von verdrängten Konflikten und einem aufgeblähten Ego zu befreien, indem es seine Wurzeln analysiert, anstatt sich lediglich mit sich selbst zu beschäftigen.

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Details

Title
Der revolutionäre Charakter: Fromms Gegenentwurf zur Überwindung der autoritären Persönlichkeit
College
Ruhr-University of Bochum
Course
Erziehung und Macht
Grade
1,0
Author
Serkan Sanivar (Author)
Publication Year
2010
Pages
50
Catalog Number
V272555
ISBN (eBook)
9783656644545
ISBN (Book)
9783656644538
Language
German
Tags
charakter fromms gegenentwurf überwindung persönlichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Serkan Sanivar (Author), 2010, Der revolutionäre Charakter: Fromms Gegenentwurf zur Überwindung der autoritären Persönlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272555
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