Zur Bedeutung komplementären Handelns in der Pflege

Gesundheitsförderung und Ressourcenstärkung im Pflegeprozess


Forschungsarbeit, 2014
92 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung zur Abschlussdokumentation

2. Im Rahmen des Projekts entwickelte Fortbildungskonzepte und Curricular
2.1. Konzept der Fortbildung: „Fachkraft für Salutogenese in der stationären Pflege
2.1.1. Berufliche Relevanz der Fortbildung
2.1.2. Zielgruppe der berufsbegleitenden Fortbildung
2.1.3. Konzept und Curriculum: „Fachkraft für Salutogenese in der stationären Pflege
2.1.4. Exemplarisches Beispiel für ein Lernskript:
2.2. E-Learning-Kurs: „Fachkraft für Salutogenese in der stationären Pflege
2.2.1. Zum inhaltlichen Aufbau der Lernskripte
2.3. Zum Konzept: „Prozessbegleitendes Coaching in der Pflege“
2.3.1. An welche Zielgruppen richtet sich das prozessorientierte Coaching?
2.3.2. Welche Schritte sind vor allem wichtig, wenn es um die institutionelle Umsetzung des prozessorientierten Coachings geht?
2.3.3. Möglichkeiten der strukturellen und methodischen Umsetzung:
2.3.4. Welche Abläufe erscheinen für die Orientierungsphase des prozessorientierten Coachings von Bedeutung?
2.3.5. Die Phasen des Coaching-Prozesses:
2.3.6. Zeitlicher Ablauf und Planung:
2.4. Konzept und Curriculum: „Zeit- und Stressmanagement in der Pflege
2.4.1. Zur Bedeutung von Methoden des Zeit- und Stressmanagements für Pflegekräfte
2.4.2. Zunahme der Arbeitsbelastung im Pflegeprozess
2.4.3. Zeitmanagement
2.4.4. Stressmanagement
2.4.5. Methodisches Vorgehen
2.4.6. Ziele der Fortbildung
2.4.7. Praxisbezug der Fortbildung
2.4.8. Zeitstrukturelle Umsetzung der Fortbildung
2.5. Curriculum: Psychosoziale Unterstützung demenzkranker Menschen in der stationären Altenpflege
2.5.1. Umfang der Fortbildung:
2.5.2. Ziele der Fortbildung:
2.5.3. Mögliche Themen der Fortbildung (nach Bildungsschwerpunkten)

3. Evaluation des Projektes
3.1 Durchführung der Evaluation
3.2 Die Experteninterviews
3.2.1 Fragen zu Fortbildungen
3.2.2 Fragen zum Verhältnis Pflegende ó Patienten
3.2.3 Fragen zu Gesundheit und Arbeitsumfeld der Pflegenden
3.2.4 Fazit
3.3. Die schriftliche Befragung
3.3.1 Vorarbeiten
3.3.2 Durchführung
3.3.3 Auswertung
3.3.4 Fazit
3.4. Gruppeninterview mit Studierenden der Fachrichtung „Pflegemanagement“

Anhang 1: Grundauswertung der schriftlichen Befragung

Anhang 2: Fragebogen der schriftlichen Befragung

Anhang 3: Leitfaden der Experteninterviews

1. Einleitung zur Abschlussdokumentation

Im Vordergrund des von Oktober 2011 bis März 2014 durchgeführten EFRE-Projekts „Gesundheitsbildung/Healtheducation – Qualifizierung in der nichtkonventionellen Pflege“ stand die Entwicklung innovativer Konzepte zur Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften aus unterschiedlichen Pflegebereichen, zu denen Kliniken, Altenein-richtungen und Sozialstationen gehören. Ein wichtiges Projektziel war die Ermittlung der Bildungsbedarfe der Pflegenden in diesem Bereich, damit sie sich optimaler auf die sich heute stark wandelnden Anforderungen im Pflegeprozess vorbereiten können. Eine zentrale Rolle spielte dabei insbesondere die Evaluationsforschung, die auf der Basis quantitativer und qualitativer Methoden der Sozialforschung durchgeführt wurde.

Wichtig waren des Weiteren der kontinuierliche Austausch mit dem Projekt-Beirat und die Durchführung von Workshops mit Pflegexperten aus der Praxis und der Pflegewissenschaft. Auf allen diesen Ebenen konnten umfangreiche Informationen und Impulse bezüglich der Bildungsbedarfe im Bereich der nichtkonventionellen bzw. komplementären Pflege gewonnen werden, um auf dieser Grundlage innovative Fortbildungskonzepte zu entwickeln, die nach Beendigung des Projekts verstärkt umgesetzt werden sollen.

Durch die enge Kooperation mit unterschiedlichen Pflegeeinrichtungen und Pflege-experten in der Region Osnabrück konnten die Wünsche der Institutionen hinsichtlich der thematischen und zeitstrukturellen Entwicklung der Fortbildungen konstruktiv berücksichtigt werden. Dazu beigetragen hat auch die Durchführung von zwei Symposien, an denen Pflegekräfte und Pflegeleitungen aus unterschiedlichen Pflege-einrichtungen der Region Osnabrück teilnahmen, wodurch sich engere Kontakte zu diesen Institutionen ergeben haben.

Unser Dank gilt vor allem denjenigen Kliniken, Fach- und Rehakliniken sowie Alteneinrichtungen, die sich im Rahmen des Projekts kontinuierlich mit uns ausge-tauscht und ihr Interesse an unserem Vorhaben und den entwickelten Fortbildungs-konzepten bekundet haben. Auch wenn die konzipierten Fortbildungen und Schulungen in der Laufzeit des Projekts nicht direkt umgesetzt werden konnten, so bleibt die Gewissheit, dass dies nach der Beendigung des Projekts möglich ist. Wie die Bedarfe der befragten Häuser zeigen, liegt die LEB mit den im Projekt entwickelten Bildungskonzepten auf Höhe der Zeit.

Dass es im Rahmen des Projekts nicht zur exemplarischen Umsetzung der erstellten Fortbildungen kam, hat vor allem mit den momentanen Personalproblemen in den Pflegeeinrichtungen und dem damit korrespondierenden Arbeitsdruck zu tun. Dazu kommt, dass solche Bildungsvorhaben einen dementsprechenden zeitlichen Vorlauf benötigen, was uns die kooperierenden Pflegeeinrichtungen signalisierten. Dazu gehörte nicht zuletzt die spezifische zeitstrukturelle Anpassung solcher Fortbildungs-vorhaben, worauf im Folgenden noch näher eingegangen wird.

Ein wichtiges Ergebnis der Evaluationsforschung ist, dass eine relativ große Anzahl von Pflegenden ein verstärktes Interesse an Bildungsmaßnahmen der nichtkon-ventionellen Pflege hat, wobei davon ausgegangen werden kann, dass sich das Interesse daran in den nächsten Jahren noch erhöhen wird, auch wenn die Pflege heute noch stark medizinorientiert ist. Die Evaluationsergebnisse zeigen aber, dass das Interesse an sozialpflegerischen Aufgaben bei Pflegekräften allgemein wächst, was für innovative Bildungsvorhaben auf dem Sektor der nichtkonventionellen Pflege spricht.

Durch die enge Kooperation mit dem Projektpartner der Universität Osnabrück konnten darüber hinaus wichtige Anregungen und Impulse für die Entwicklung solcher Fortbildungskonzepte auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung und Prävention gewonnen werden, was umgekehrt auch für den universitären Projekt-partner von zentraler Bedeutung war. Während die Universität im Rahmen des Projekts stärker auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung und Prävention geforscht hat, ging es bei der Ländlichen Erwachsenenbildung um die Ermittlung von Bildungs-bedarfen der Pflegenden. Was das im Einzelnen bedeutet, wird auf den folgenden Seiten anhand der im Projekt entwickelten Fortbildungskonzepte und Curricular sowie der Ergebnisse der Evaluationsforschung noch näher erläutert.

Ein besonderes Augenmerk bestand für uns vor allem in Bezug auf die Planung von Fortbildungskonzepten zur Salutogenese in der Pflege und Methoden der Gesund-heitsförderung und Prävention, wozu die schriftliche und mündliche Befragung des Pflegepersonals unterschiedlicher Pflegeeinrichtungen sehr interessante Impulse und Anregungen geliefert hat.

Von Bedeutung für die Entwicklung innovativer Fortbildungen auf dem Gebiet der nichtkonventionellen Pflege waren auch die Wirtschaftsinteressen der regionalen Gesundheitsversorger, deren Bedarf an praxisversierten Pflegekräften in den letzten Jahren gestiegen ist und weiter steigen wird. Hier konnte im Rahmen des Projekts ermittelt werden, dass die Nachfrage nach solchen Zusatzqualifikationen aufgrund der vielschichtigen Umbrüche und Veränderungen im Gesundheitswesen stetig steigt.

In diesem Sinne zielt der Bedarf der befragten Pflegeeinrichtungen und des Pflege-personals besonders auf Kenntnisse im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention ab, wobei auch Methoden der Organisationsentwicklung, des Case-, Zeit- und Stressmanagement sowie des Erwerbs von Sozialkompetenzen, um nur einige Themen zu nennen, von besonderem Interesse für die kooperierenden Häuser sind.

Auf der Basis der Evaluationsergebnisse und des Austausches mit Pflegeexperten konnte zum Beispiel ein Fortbildungskonzept zum „Prozessorientierten Coaching in der Pflege“ entwickelt werden, bei dem es nicht nur um die Betreuung und Beratung von Pflegenden und Pflegeteams, sondern im Sinne lernender Organisationen auch um die Umsetzung bildungsspezifischer Themen geht. Eine solche Form der Bildungsarbeit, gepaart mit gruppendynamischen Methoden der Reflexion und Beratung, ist bei einer relativ großen Anzahl von Pflegenden zurzeit sehr gefragt. In diesem Sinne machen die Evaluationsergebnisse deutlich, dass Fortbildungs-konzepte und Curricular auf die Belange und Bedürfnisse des Pflegepersonals auszurichten sind, wobei auch zeitliche Aspekte im Kontext der Umsetzung solcher Maßnahmen eine zentrale Rolle spielen.

Durch die im Projekt entwickelten und mit Pflegeeinrichtungen abgestimmten Fortbil-dungen sollen Pflegekräfte arbeitsmarktpolitisch relevante Schlüsselkompetenzen erwerben, um auf diesem Wege ihre Arbeitsmarktchancen zu erhöhen und zur Siche-rung ihres Arbeitsplatzes beizutragen. Zugleich können Sie ein umfangreiches Handlungswissen in Bezug auf die speziellen Erfordernisse einer betriebsbezogenen, berufsfeldorientierten und einer auf den persönlichen Lebensstil bezogenen Berufsqualifizierung erwerben. Die mit der LEB kooperierenden Häuser machen dabei überaus deutlich, dass mit den im Projekt entwickelten Fortbildungen Lücken im Pflegeprozess geschlossen werden können. Wichtig zu betonen ist in diesem Zusammenhang auch, dass die einzelnen Fortbildungskonzepte auf Nachhaltigkeit angelegt sind, was sich konkret auf die Verbesserung von Pflegeprozessen, die Entlastung des Pflegepersonals und auf sozialpflegerische Aspekte bezieht.

Zu betonen ist des Weiteren, dass es im gesamten Bundesgebiet kaum Bildungs-angebote zur nichtkonventionellen Pflege gibt. Zwar werden in den mehr medizinisch orientierten Fort- und Weiterbildungen unterschiedlichster Pflegeeinrichtungen anteilig gesundheitsförderliche oder präventive Methoden aufgenommen, jedoch handelt es sich dabei eben nicht um kompakte Bildungsangebote zu diesem Themenkontext, auch wenn Berufsorganisationen und Pflegeräte solche Fort- und Weiterbildungen in den letzten Jahren immer mehr einfordern. So fordert zum Beispiel der Deutsche Pflegerat (DPR) seit Jahren, die Zusammenhänge von Gesundheit und sozialen Faktoren in Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen stärker in den Fokus zu nehmen. Und auch der Deutsche Bundesverband für Pflegeberufe (DBfK) plädiert dafür, z. B. die Bedeutung von Gesundheitsförderung und Prävention stärker zu berücksichtigen. Bisher hat sich jedoch im gesamten Bundesgebiet auf diesem Gebiet wenig oder kaum etwas getan. Umfangreiche Recherchen im Rahmen des Projekts haben gezeigt, dass hierzu in den meisten Bundesländern immer noch ein großer Nachholbedarf besteht. In diesem Sinne hat die LEB im Rahmen des Projekts so etwas wie Pionierarbeit geleistet. Dabei zeigen die Ergebnisse der Evaluationsforschung sehr deutlich, dass seitens des Pflegepersonals unterschiedlicher Pflegeeinrichtungen ein überaus großes Interesse an Bildungsmaßnahmen im Bereich der nichtkonventionellen Pflege besteht. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen aber auch, dass das Bewusstsein des Pflegepersonals über die Bedeutung der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz im Wachsen begriffen ist. Auch wurde darauf hingewiesen, dass Gesundheit und psychosoziales Wohlbefinden wichtige Themen für Pflegende sind, wenn es um die Zusammenarbeit und Konfliktbewältigung im Pflegeteam geht.

Im Kontext des tief greifenden Wandels in der Pflege und in Anbetracht der damit verbundenen Veränderungen und Problemstellungen, gewinnt die nichtkonven-tionelle Pflege in vielen der von uns befragten Einrichtungen an Bedeutung.

Solche zielgerichteten Fortbildungen werden u. a. gewünscht, weil zum Beispiel in Kliniken eine deutliche Tendenz zur Arbeitsverdichtung und Beschleunigung von Arbeitsprozessen - verbunden mit einer Tendenz zum Bettenabbau – festzustellen ist. Betroffen ist nicht nur die Krankenpflege in der Kliniken, sondern auch die stationäre Altenpflege, da dort Pflegekräfte durch die Pflege multimorbider Menschen immer mehr mit institutionellen Rahmenbedingungen konfrontiert werden, die selbst engagiertes und gut ausgebildetes Personal an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit führen. Ähnliches lässt sich von der ambulanten Pflege sagen, denn auch hier nehmen Arbeitsbelastungen und Zeitdruck immer mehr zu. All dies verlangt nach spezifischen Themen und Formen der Aus-, Fort- und Weiterbildung, was die Ergebnisse der im Rahmen des Projekts durchgeführten Evaluationsforschung bestätigen.

So spielt zum Beispiel das Thema „Lebenszufriedenheit“ als wichtige Kategorie der Pflege eine immer wichtigere Rolle, da es auf Selbständigkeit, Selbstverantwortung sowie Mitverantwortung der Pflegenden abzielt. Und so wundert es nicht, dass die befragten Pflegekräfte und Pflegeexperten der Gesundheitsförderung in Bezug auf die Aktivierung bzw. Reaktivierung verbliebener Gesundheitsressourcen eine heraus-ragende Rolle im Rahmen beruflicher Fortbildungen einräumen, was sich explizit auf die Stärkung sozialer, psychischer und gesundheitlicher Ressourcen bezieht. Im Rahmen des Projekts wurden daher gerade in Bezug auf diese Themenbereiche spezielle Fortbildungen entwickelt. Als Beispiel sei die Entwicklung eines Fortbil-dungskonzepts zum Zeit- und Stressmanagement genannt, das besonders auf die psychosoziale und gesundheitliche Entlastung des Pflegepersonals und den konstruktiven Umgang mit dem Faktor Zeit abzielt.

Die im Rahmen des Projekts entwickelten Fortbildungskonzepte sind im Sinne eines Baukastensystems flexibel gestaltet, so dass sich bestimmte Fortbildungsinhalte auch miteinander kombinieren lassen. Dies betrifft vor allem die Fortbildung im Bereich der Salutogenese, die unterschiedliche Inhalte des Zeit- und Stressmana-gements sowie gesundheitsförderlicher und präventiver Methoden aufnehmen kann. Durch die Präsentation der Fortbildungskonzepte im Projekt-Beirat, in den Work-shops und gegenüber Pflegeexperten in unterschiedlichen Praxisinstitutionen vor Ort wurde ein solches Vorgehen begrüßt.

In diesem Zusammenhang wurde ein Konzept zum prozessorientieren Coaching entwickelt, das sich mit unterschiedlichen Methoden der Gesundheitsprävention koppeln lässt und zugleich für akute Bildungsbedarfe der Pflegeinstitutionen offen ist. Einige dieser Ansätze und Methoden konnten in Form von Inhouse-Schulungen im Jahr 2013 in Zusammenarbeit mit einer Sozialstation erfolgreich erprobt werden.

Um all dies zu realisieren, bedarf es jedoch innovativer zeitlicher Formen, die stark an die Arbeitsabläufe der kooperierenden Einrichtungen bzw. des Pflegepersonals ausgerichtet sind. Daher standen im Projekt Überlegungen an, welche zeitstruk-turellen Rahmenbedingungen notwendig sind, um das Pflegepersonal unter-schiedlicher Pflegeeinrichtungen zielgerecht und qualitativ hochwertig zu schulen.

Vor allem die schriftliche Befragung macht deutlich, dass ein Großteil der Befragten ein zeitlich flexibles Vorgehen bei Fortbildungen und Schulungen bevorzugt, wozu u. a. Kurz- und Inhouse-Schulung, Tagesseminare und kompaktere Seminarformen mit E-Learning-Anteilen gehören. Für die Planung und Umsetzung solcher Bildungs-maßnahmen sind daher die Wünsche des Pflegepersonals von eminenter Bedeutung, denn ohne Berücksichtigung des Faktors Zeit lassen sich solche Vorhaben kaum realisieren. Absolut notwendig erscheinen daher konkrete zeitliche Absprachen bereits bei der Planung solcher Fortbildungen.

Im Rahmen des Projekts konnten Kontakte zu unterschiedlichen Pflegeeinrichtungen in der Region Osnabrück aufgebaut werden, die auch nach der Beendigung des Projekts weiterhin Ansprechpartner der LEB im Hinblick auf die Umsetzung von Fortbildungen im Bereich der nichtkonventionellen Pflege sein werden. Ein besonderes Interesse geht dabei vor allem von Sozialstationen aus, deren Pflege-kräfte ein relativ großes Interesse an Fortbildungen und Schulungen im Bereich der nichtkonventionellen Pflege zeigen. Aufgrund des steigenden Arbeitsdrucks und der knapp bemessenen Zeit des Pflegepersonals werden von Sozialstationen vor allem Inhouse-Schulungen zum Thema „Salutogenese in der Pflege“, zum „Stress- und Zeitmanagement“ und zum prozessorientierten Coaching gewünscht.

Weitere Möglichkeiten der Umsetzung von Kurzseminaren und Inhouse-Schulungen eröffnen sich in Fach- und Rehakliniken, da das Pflegepersonal dort nicht unter einem solch starken Zeitdruck steht wie in anderen Pflegeeinrichtungen. Dennoch muss auch mit diesen Institutionen langfristig geplant werden, wenn es um die Umsetzung solcher Fort- und Weiterbildungen geht. Gerade hier sind enge Formen der Kooperation unabdingbar, um die Bildungsvorhaben und deren zeitliche Abläufe systematisch anzupassen. Eine weitere Möglichkeit der Umsetzung der im Projekt geplanten Fortbildungen und Schulungen besteht in Form der öffentlichen Ausschreibung von Bildungsangeboten. Aber auch dies setzt ein zielgerichtetes Vorgehen voraus, so dass die Pflegekräfte, die an solchen Bildungsveranstaltungen teilnehmen wollen, langfristig planen können, um zum Beispiel vom Arbeitgeber freigestellt zu werden, was im Rahmen der Evaluationsforschung häufig angemerkt wurde.

Daneben gibt es Befragte, die in die eigene Fort- und Weiterbildung private Zeit investieren wollen, dies aber aufgrund beruflicher und privater Anforderungen auch nur langfristig planen können. Für die letztgenannte Gruppe von Bildungs-interessenten bieten sich Fortbildungen mit einer nicht allzu hohen Anzahl von Unterrichtsstunden an, die als E-Learning-Kurse (inklusives häusliches Lernen) mit einigen zeitlich zu bewerkstelligen Präsensphasen angeboten werden können (vgl. dazu das Fortbildungskonzept zum E-Learning im Bereich der Salutogenese in dieser Dokumentation)

Das Projekt „Gesundheitsbildung/Healtheducation – Qualifizierung in der nichtkon-ventionellen Pflege“ hat gezeigt, dass sich die LEB mit den entwickelten Fort-bildungskonzepten auf Höhe der Zeit befindet und es sehr sinnvoll war, Pflegende und Pflegeexperten in diese Entwicklung mit einzubeziehen. Ein solches Vorgehen kann damit als ein überaus wichtiger Gratmesser für eine erfolgreiche perspektivische Umsetzung von Bildungsmaßnahmen im Bereich der nichtkonven-tionellen Pflege betrachtet werden. Weitere Informationen zum Interesse von Pflegekräften an solchen Fortbildungen und Schulungen können den Ergebnissen der mündlichen und schriftlichen Befragung im Rahmen der Evaluationsforschung entnommen werden.

2. Im Rahmen des Projekts entwickelte Fortbildungskonzepte und Curricular

- Fachkraft für Salutogenese in der stationären Pflege
- E-Learning-Kurs Fachkraft für Salutogenese in der stationären Pflege
- Prozessbegleitendes Coaching in der Pflege
- Zeit- und Stressmanagement in der Pflege
- Psychosoziale Unterstützung demenzkranker Menschen in der stationären Altenpflege

Auf den folgenden Seiten werden die im Rahmen des EFRE-Projekts entwickelten Fortbildungskonzepte und Curricular zu unterschiedlichen Themenbereichen darge-stellt. Einen Schwerpunkt bildet dabei das Konzept der berufsbegleitenden Fortbildung „Fachkraft für Salutogenese in der stationären Pflege“, da sich mit gesundheitsförderlichen und präventiven Methoden kombinieren lässt, wie sie im Rahmen der Evaluationsforschung von den befragten Pflegekräften vielfach gewünscht wurden.

2.1. Konzept der Fortbildung: „Fachkraft für Salutogenese in der stationären Pflege“

Mit dem vorliegenden Konzept existiert eine Planungsgrundlage, die gewährleistet, dass die Qualifikation der an der Bildungsmaßnahme beteiligten Fachkräfte dem gegenwärtigen und zukünftigen Bedarf an Wissen im Bereich der Kranken-/Gesundheits- und Altenpflege entspricht. Dabei geht es um die Vermittlung von Ansätzen, Konzepten und Methoden, die es examinierten Pflegekräften und postgraduierten Absolventen eines Bachelor-Studiums der Gesundheits- und Pflegewissenschaft ermöglichen, zur Stärkung psychosozialer und gesundheitlicher Ressourcen bei Patienten und Klienten und im Pflegeteam beizutragen.

In einem zunehmend komplexer werdenden Gesundheitswesen sind heute Fach-kräfte gefragt, welche sich auf wissenschaftlicher und zugleich praxisnaher Basis und unter optimaler Verwendung vorhandener Ressourcen für Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention, Lebensverlängerung und Erhöhung der Lebensqualität von ganzen Bevölkerungen einsetzen. Dies wiederum umfasst alle organisierten Ansätze bzw. Systeme der Gesundheitsförderung, der Krankheitsverhütung, der Krankheits-bekämpfung, der Rehabilitation und der Pflege. Hieraus lässt sich folgern, dass im Gesundheitswesen ein stetig wachsender Bedarf an praxisnah ausgebildeten Fachkräften besteht. Im Rahmen der Fortbildung zur „Fachkraft für Salutogenese“ werden diese Ziele eingehend analysiert und diskutiert und mit klar definierten Realisierungsbedingungen und Arbeitsmarktentwicklungen verknüpft.

Gerade im Bereich der Kranken-/Gesundheits- und Altenpflege spielt verhaltens- und verhältnispräventives Handeln eine immer bedeutendere Rolle. Ein solches Handeln muss jedoch auf unterschiedliche Ebenen des Pflegeprozesses konzentriert sein, so dass einerseits die Förderung der Gesundheit der zu Pflegenden, andererseits die psychosoziale und gesundheitliche Entlastung des Pflegepersonals im Mittelpunkt steht. Dazu gehören Methoden und Techniken der Ressourcenstärkung, der Kommunikation, des Fallmanagements sowie Methoden zur Schaffung organi-satorischer Rahmenbedingungen und Befähigungsfunktionen in Bezug auf Organi-sationsentwicklung und Empowerment.

Krankenhäuser und Institutionen der stationären und ambulanten Altenpflege bieten dafür vielfältige Möglichkeiten, da die Mehrheit der dort Beschäftigten im engen Kontakt mit Patienten bzw. Klienten steht, die heute – mehr noch als vor ein oder zwei Jahrzehnten - stärker motiviert sind, entscheidende Veränderungen bezüglich ihres Gesundheitsverhaltens und ihrer gesundheitlichen Lebensweise vorzunehmen. Diese Aussage wird durch die Ergebnisse der projektinternen Evaluationsforschung bekräftigt. Die Umsetzung solcher Bildungsmaßnahmen kann jedoch nur realisierbar werden, wenn auch pflegerische Organisationsabläufe in den Fokus der Aufmerk-samkeit rücken. Dies bedeutet, dass im Rahmen der Fortbildung auch Konzepte der Organisationsentwicklung, des Case und Change Management vorgestellt und in Bezug auf die jeweilige Pflegepraxis diskutiert werden. Die zu erörternden Konzepte haben eine unmittelbare Nähe zum Salutogenetischen Modell und tragen zur Verbes-serung der Pflegequalität bei. Auch Ressourcen-Modelle der Gesundheits-wissenschaften werden dabei eingebunden. In diesem Sinne geht es um eine differenzierte Auseinandersetzung mit den wachsenden Anforderungen und Belastungen im Pflegeprozess, was vor allem für die Prävention von Gesundheits-risiken bei Pflegenden von Bedeutung ist.

Die Salutogenese ist ein Modell, um notwendige Rahmenbedingungen für eine nichtkonventionelle Pflege zu schaffen. Auf der Basis dieses Modells können gesundheitsfördernde Formen der Organisationsentwicklung zielgerichteter und nachhaltiger umgesetzt und gestützt werden. Realisierbar ist damit auch die Entwicklung neuer Handlungsformen und Strukturen für innovative Pflegeprozesse. Salutogenese und die Unterstützung von Gesundungsprozessen durch Empowerment werden daher im Rahmen der Fortbildung als wesentliche Schlüsselkonzepte betrachtet. Empowerment bedeutet „Selbst-Ermächtigung“ oder „Selbst-Bemächtigung“. Die Methode entstammt der amerikanischen Sozialarbeit und verweist auf einen Prozess, in dem Menschen in marginaler Position eigene Kräfte entwickeln und soziale Ressourcen nutzen, um ihre Lebensumstände zu verbessern. Zu den Zielen gehört die Wiedergewinnung von Realitätskontrolle und Selbstbestimmung. Der Ansatz steht inzwischen auch in der Pflege für ein neues fachliches Selbstverständnis und wendet sich gegen Bevormundung, Aussonderung und Verdinglichung. Empowerment umfasst die Ermächtigung, Ausstattung mit Vollmachten bzw. Bevollmächtigung des Einzelnen oder sogar eines ganzen Teams, um die Fähigkeiten des Einzelnen und des Kollektivs zielgerichtet einzusetzen, um in der dynamischen Umgebung einer Institution besser bestehen zu können. Über die Individualebene hinaus zielt Empowerment auf ein berufliches Handeln, das nicht nur das Individuum, sondern auch Gruppen im Blickfeld hat, das soziale Netzwerker knüpft.

Des Weiteren kann die Methode bei Patienten und Klienten stationärer Pflege-einrichtungen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes beitragen, in dem sie lernen, für sich und ihre Gesundheit mehr Verantwortung zu übernehmen. Aber auch organisatorische und strukturelle Verbesserungen zeigen - wenn für Patienten und Klienten auch nur indirekt - ihre positiven Wirkungen. So gibt es in Pflegeinstitutionen keinen Zustand, den man auf Dauer nicht verbessern könnte. Das bedeutet auch, dass fachkompetente und motivierte Mitarbeiter, die kundenorientiert arbeiten, sich mit den Zielen des Unternehmens identifizieren und selbst an Verbesserungen interessiert sind, um die Zukunft der Institution besser mitgestalten zu können.

Der Erwerb von Schlüsselkompetenzen ist in diesem Zusammenhang eine wichtige Voraussetzung für den gesamten Pflegeprozess und für die heute notwendigen Veränderungen in diesem Berufsfeld. Die Teilnehmer der Fortbildung sollen ihr erworbenes Wissen und ihre neuen Kompetenzen in Beteiligungsprozesse der Pflege einbringen.

Um dies zu ermöglichen, sind neben den bisher erwähnten Methoden auch Metho-den des Change Managements und der Organisationsentwicklung im Rahmen der Fortbildung von Bedeutung, die sich wiederum mit dem Salutogenetischen Modell sinnvoll verknüpfen lassen. Gemeint sind Methoden, die eine umfassende, bereichsübergreifende und inhaltlich weitreichende Veränderung zur Umsetzung neuer Strategien, Strukturen, Systeme, Prozesse und Verhaltensweisen in der Pflege bewirken sollen. Damit sollen Mittel und Wege aufgezeigt werden, um pflegerischen Anforderungen gerecht zu werden, die mit Prozessen des ständigen Wandels verbunden sind. Change Management ist auf die planmäßige, mittel- bis langfristig wirksame Veränderung von Verhaltensmustern und Fähigkeiten ausgerichtet, um Prozesse und Kommunikationsstrukturen in ihrer Effizienz und Effektivität zu erhöhen und zu optimieren. Die Vermittlung von Methoden des Change Managements erscheint in diesem Sinne wichtig, um festgefahrene Strukturen in der Gesundheits- und Altenpflege schrittweise zu überwinden.

Mit einem vertieften sozialwissenschaftlichen und pädagogischen Detailwissen kann die Qualität der Patienten- bzw. Klienten-Betreuung erheblich beeinflusst werden. Kranke Menschen sind im Allgemeinen äußerst empfänglich für ernstgemeinte Ratschläge, die dazu anregen, den eigenen Krankheitsprozess zu reflektieren und in positiver Weise mitgestalten zu können. Soziale Kompetenzen für die Pflege sind daher wichtig, um Patienten bzw. Klienten motivierend beraten und anleiten zu können, was Kenntnisse über Gesprächstechniken voraussetzt. Diese offensicht-lichen Defizite sind für kommunikative Schwachstellen in der Pflege mitver-antwortlich, da ein überwiegender Teil der Mitarbeiter die eigenen kommunikativen Techniken als defizitär einschätzt. Unsicherheiten werden klar zum Ausdruck gebracht und erklären zumindest teilweise die Zurückhaltung gegenüber patientenberatenden Gesprächen sowie die Distanziertheit gegenüber der Einbeziehung der Angehörigen. In der Zukunft wird jedoch mehr denn je die Fähigkeit erwartet, sich auf die vorhandene kognitive Stufe des jeweiligen Gesprächspartners einzustellen und damit zu einer wirklich adressatengerechten Gesprächsgestaltung in der Pflege beizutragen.

Gesundheitsbezogenes Wissen mit vermehrt salutogenetischen Inhalten muss systematisch anhand von Fort- und Weiterbildungen vermittelt werden. Neben fachwissenschaftlichen spielen auch grundlegende psychosoziale und pädagogische Kenntnisse und Fertigkeiten eine Rolle, um einerseits auf vorhandene Bedürfnisse und Informationsdefizite seitens der Patienten oder Klienten adressatengerecht einzugehen, andererseits das soziale Klima im Pflegeteam und zugleich pflegerische Organisationsstrukturen positiv beeinflussen zu können. Diese Ebenen sind im Kontext einer salutogenetisch orientierten Pflege nicht zu trennen, denn sie spielen für die Stärkung und Entwicklung von Ressourcen eine zentrale Rolle.

Mit der Fortbildung von Pflegekräften sollen neue didaktische Wege beschritten werden, um aus einem vielfach vorhandenen Passiv-Wissen ein aktiv verfügbares Wissens- und Handlungspotenzial zu machen, das ressourcenorientiert und zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensqualität in stationären Einrichtungen der Gesundheits- und Altenpflege eingesetzt werden kann. Da der Pflegeberuf kommu-nikationsintensiv ist, wird im Rahmen der Fortbildung eine anwendungsbezogene Verknüpfung sozialwissenschaftlich-pädagogischer Fortbildungsinhalte mit (sozial-)pflegerischen Inhalten stattfinden. Nur so bestehen Aussichten, dem demografisch begründeten Bedarf gesundheitsbezogener Dienstleistungen in einem qualitativ höheren Maß real entsprechen zu können. Mehr integrative Lernformen sollen dabei die aufgezeigten Defizite der Pflegenden im kommunikativen Umgang mit den Patienten verringern. Damit bestehen gute Chancen, dringend benötigte Fachkennt-nisse - wie beispielsweise Wahrnehmung, Gesprächsführung, soziale Vernetzung, Organisationsentwicklung etc. - für den Dienstleistungsberuf Pflege qualitativ nutzbar zu machen.

2.1.1. Berufliche Relevanz der Fortbildung

Pflege ist ein Beruf in einem zentralen Schnittstellenbereich. Daher wird eine breit angelegte Ausrichtung zur multiprofessionellen Teamarbeit benötigt, die dazu befähigt, verfügbare berufliche Potenziale ohne gegenseitige Berührungsängste auszutauschen, gemeinsame Zielvorgaben zu bündeln und Detailkenntnisse für eine individuelle Patientenbetreuung zugänglich zu machen. Berufsorientierte Vernetzungsstrategien dürfen somit nicht nur in der pflegerischen Grundausbildung vermittelt werden. Berufsübergreifende Kommunikation und Kooperation müssen verstärkt durch Fortbildungen Einzug in die moderne Pflege halten. Wenn sich dadurch der zu erwartende Kompetenzzuwachs bestätigt, könnte dies zu einer deutlichen Verbesserung einer wirklich integrativen Zusammenarbeit im thera-peutischen Team beitragen, die letztlich einer Qualitätssicherung bzw. -steigerung aller beteiligten Berufsgruppen und damit der Pflegeinstitutionen zugute käme.

Um gesundheitsfördernde Angebotsleistungen in der Gesundheits- und Altenpflege verbessern zu können, ist es sinnvoll, langjährig berufserfahrenen Pflegekräften fachlich fundierte Zugänge zu patientenorientierten Beratungsmethoden zu gewähren und vorhandene salutogene, kommunikative und/oder pädagogische Defizite aufzuarbeiten. In den kommenden Jahren wird es vermehrt an Fachkräften mangeln, daher sollten Pflegekräfte klare Signale mit verbesserten horizontalen und vertikalen Bildungschancen erkennen können, auch um das noch immer bestehende Negativ-Image des typischen „Sackgassenberufs“ zu entkräften. Fort- und weitergebildete Pflegende zeigen sich bei der Umsetzung neuer (gesundheitsfördernder) Ideen deutlich aufgeschlossener und motivierter, was unterschiedliche Pflegestudien und auch die im Rahmen des Projekts durchgeführte Evaluationsforschung bestätigen.

2.1.2. Zielgruppe der berufsbegleitenden Fortbildung

Die Fortbildung bezieht sich auf examinierte Gesundheits-/Krankenpfleger und Altenpfleger. Eine weitere Zielgruppe sind Absolventen eines Bachelor-Studiums der Gesundheits- oder Pflegewissenschaften, die über eine Ausbildung als Gesundheits-, Kranken- oder Altenpfleger oder einen vergleichbaren Berufsabschluss (z. B. als Heilerzieher) verfügen.

2.1.3. Konzept und Curriculum: „Fachkraft für Salutogenese in der stationären Pflege“

Das Curriculum wurde auf der Basis der Ergebnisse der Evaluationsforschung modifiziert und den Bedarfen des befragten Pflegepersonals angepasst. Es wurde darüber hinaus mit Pflegeexperten aus der Praxis und Wissenschaft abgestimmt. Ein besonderer Dank gilt der „Arbeitsgruppe Praxis“ und den Pflegeexperten in den Projekt-Workshops, die die Entwicklung der Fortbildungskonzepte im Rahmen des Projekts kritisch und konstruktiv begleitet haben. Die Fortbildung umfasst insgesamt 192 Unterrichtsstunden. Diese können jedoch in unterschiedlicher Form absolviert werden (z. B. in Form von 10 Tagesseminaren á 8 Unterrichtsstunden) und einem häuslichem Studium auf der Basis von Studienskripten. Die zu absolvierenden Präsensphasen werden zu Beginn der Fortbildung mit den Kursteilnehmern fest-gelegt, so dass unterschiedliche zeitstrukturelle Varianten der Umsetzung möglich sind.

Zu den thematischen Schwerpunkten der Fortbildung gehören:

- Grundlagen des Salutogenetischen Modells und dessen Bedeutung die Pflegepraxis
- Methoden der kollegialen Fallberatung
- Methoden salutogenetischen Handelns in der Pflege
- Empowerment im Pflegeprozess
- Case Management und Organisationsentwicklung
- Methoden der Kommunikation und Kommunikationsgestaltung
- Methoden und Konzepte der Gesundheitsförderung/Prävention
- Pflegedidaktische Methoden
- Praktische Handhabungen zur Projektplanung und zum Transfer des Gelernten

Die Fortbildung endet mit einer mündlichen und schriftlichen Prüfung. Nach bestandener Prüfung erhalten die Kursteilnehmer einen zertifizierten Nachweis.

Zu den Inhalten der Lernskripte in Bezug auf das häusliche Lernen:

Lernskript 1) Das Modell der Salutogenese und der sozialen Unterstützung:

Lernskript 2) Methoden zur Ressourcenstärkung in der Pflege:

Lernskript 3) Konzepte und Methoden zum Case Management:

Lernskript 4) Konzepte und Methoden zum Empowerment:

Lernskript 5) Methoden und Handhabungen zur Projektplanung:

Lernskript 1: Das Modell der Salutogenese und der sozialen Unterstützung:

Das Konzept der Salutogenese, Bedeutung des Kohärenzgefühls in raumzeitlicher Dimension, das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, generalisierte Widerstands-ressourcen und Gesunderhaltung, Unterschiede und Parallelen zwischen biomedizinischem und salutogenetischem Modell, ergänzende Gesundheitsmodelle, Gesundheitsaktivierung und Resilienz im Kontext sozialer Unterstützung.

Lernskript 2: Methoden zur Ressourcenstärkung in der Pflege:

Salutogenese und Gesundheitsorientierung in der Pflege, vom krankheits- zum gesundheitsorientierten Pflegeverständnis, gesundheitsorientierte Versorgungsge-staltung, gesundheitsförderliche Lebensführung, Selbstwahrnehmung und Selbstregulation, Methoden salutogenetischen Handelns in der Pflege, Praxis der Salutogenese in der Gesundheitspflege, Praxis der Salutogenese in der Altenpflege, Hinweise zum Praxistransfer.

Lernskript 3: Konzepte und Methoden zum Case Management:

Konzept des teamorientierten Case Managements, Kölner CM-Modell für die Pflege, Case Management und salutogenetisches Handeln in der stationären Pflegepraxis, Steuerungsinstrumente des Case Managements und der Organisationsentwicklung, Case und Qualitätsmanagement in der Pflege, Hinweise zum Praxistransfer.

Lernskript 4: Konzepte und Methoden zum Empowerment:

Grundlegung und Bedeutung der Empowerment-Methode, Strategien zur Arbeit mit der Empowerment-Methode in der Pflegepraxis, Stärkung psychosozialer und gesundheitlicher Ressourcen durch Empowerment, partizipative Gesundheits-förderung und Empowerment, Hinweise zum Praxistransfer.

Lernskript 5: Methoden und Handhabungen zur Projektplanung:

Wie realisiere ich eine Projektidee? Projektidee und Projektorganisation, Orientierungspunkte der Projektentwicklung, Fragen zur Themenfindung, Fragen zur Planung eines Projekts, Erfolgs- und Qualitätskriterien eines Projekts, Nutzung von Ressourcen, Projektplanung in fünf Schritten, Entwicklung von Zielkriterien, Erarbeitung von Bausteinen für ein Gesamtkonzept, Hinweise zum Praxistransfer.

2.1.4. Exemplarisches Beispiel für ein Lernskript

Lernskript 1:

Das Salutogenetische Modell nach Antonovsky

Zur Person: Aaron Antonovsky

Geboren 1923 in Brooklyn als Sohn jüdischer Eltern
Studium der Medizinsoziologie
1960 Immigration nach Israel mit seiner Frau Helen
Gestorben 1994 in Beer-Sheva

Hauptwerke:

- Health, Stress and Coping, 1979.
- Unraveling the Mystery of Health – How People Manage Stress and Stay Well, 1987.
- Deutsche Übersetzung, 1997: Salutogenese – Zur Entmystifizierung der Gesundheit.
- The Sociology of Health and Health Care in Israel, 1990.

Was meint Saltutogenese?

- Die Salutogenese wendet sich der Erforschung von Prozessen zu, die die Gesundheit erhalten und fördern.
- Kernfrage der Salutogenese: Warum bzw. wie bleiben Menschen auch unter schwierigen Bedingungen und angesichts von Alltagsbelastungen und Stress gesund?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Was sind Stressoren?

Anforderungen an den Organismus, auf die dieser keine automatischen oder unmittelbar adaptiven Reaktionen zur Verfügung hat.

Stress und Strain (Beanspruchung)

- Hans Selye (Zoologe, 1907-1982) der "Vater" der modernen Stressforschung beschreibt bereits 1936 Stress als die nichtspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anforderungen, die an ihn gestellt werden, sei nun die Anforderung angenehm oder nicht.
- Bereits 1932 umschrieb Walter Cannon (Physiologe, 1871-1945) Stress als eine Notfallreaktion, bei der der Körper blitzartig durch die Herstellung einer Flucht- oder Angriffsbereitschaft reagiert.
- Vielfach wird Stress als eine Form der psychischen, aber auch der physischen Beanspruchung oder Belastung dargestellt.
- Belastung ist die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.
- Beanspruchung ist die unmittelbare (nicht langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien.

Welche individuellen Widerstandsressourcen existieren laut Antonovsky gegenüber Stress?

- Kognitive Ressourcen: Wissen, Intelligenz und Problemlösefähigkeit, Selbstvertrauen, Ich-Identität, Konfliktfähigkeit.
- Körperliche Ressourcen: Konstitution, anlagebedingte oder erworbene Stärken und Kompetenzen, Temperament.
- Ökonomische Ressourcen: Sicherer Arbeitsplatz, Verfügbarkeit über Dienstleistungen.

Was zählt Antonovsky zu den gesellschaftlichen Widerstandsressourcen?

- Intakte Sozialstrukturen,
- funktionierende gesellschaftliche Netzwerke,
- Frieden,
- politische, ökonomische und materielle Sicherheit.

Was sind generalisierte Widerstandressourcen?

- Sie ermöglichen einen konstruktiven Umgang mit Stressoren.
- Soziale und persönliche Ressourcen spielen dabei eine zentrale Rolle.

[...]

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Zur Bedeutung komplementären Handelns in der Pflege
Untertitel
Gesundheitsförderung und Ressourcenstärkung im Pflegeprozess
Autoren
Jahr
2014
Seiten
92
Katalognummer
V272777
ISBN (eBook)
9783656646907
ISBN (Buch)
9783656646884
Dateigröße
3279 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, handelns, pflege, gesundheitsförderung, ressourcenstärkung, pflegeprozess
Arbeit zitieren
Heinz-Werner Müller (Autor)Dr. phil. Burkhard Kastenbutt (Autor), 2014, Zur Bedeutung komplementären Handelns in der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272777

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