Die solonische Volksversammlung


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die solonische Volkversammlung
2.1 Nach Plutarch
2.2 Nach Aristoteles
2.3 Nach Solon

3. Schluss

4. Quellenverzeichnis

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen meiner Hausarbeit hab ich mich mit der solonischen Volksversammlung beschäftigt. In den Quellen, die sich mit der solonischen Verfassung auseinandersetzen, wird nicht explizit von einer Volksversammlung gesprochen, was dazu führt, dass man an ihrem Bestehen zweifeln kann.

Betrachtet man zum Beispiel Quellen von Aristoteles, in denen er über die demokratischen Elemente spricht, so nennt er drei Elemente, unter denen die Volksversammlung aber nicht aufzufinden ist. Dies ist ein Indiz für die Annahme, dass sie gar nicht existiert hat. Eine weitere Schlussfolgerung könnte aber auch sein, dass die Volksversammlung zwar existierte, aber keinerlei Befugnisse hatte. Eine Volksversammlung zum Schein zu errichten, würde dem Volk das Gefühl geben, im politischen Leben mitbestimmen zu können. Somit könnte verhindert werden, dass sich das Volk gegen den Staat stellt.

Sowohl die Literatur- als auch die Quellenlage ist sehr dürftig. Zwar finden sich einige Quellen über die solonische Zeit, in denen die Volksversammlung am Rande erwähnt wird. Details über den Ablauf einer solchen Versammlung findet man allerdings nicht. Es existieren wohl nur wenige Kommentare und Thesen zu diesem Thema. Es lässt sich also vermuten, dass der aktuelle Stand der Forschung bezüglich dieser Thematik noch nicht sehr weit fortgeschritten ist.

Im Folgenden werde ich durch gezielte Forschungsfragen die Frage der Existenz der Volksversammlung beleuchten, um sie so zu charakterisieren und ihren Stellenwert herauszuarbeiten.

1. Gab es unter Solon eine Volksversammlung?
2. Wenn ja, welche Befugnisse hatte die Versammlung?
2.1 Eventuell Entscheidungsbefugnis über politische und wirtschaftliche Fragen?
3. Welchen Stellenwert schreiben Autoren der Volksversammlung zu?

Mein Hausarbeitsthema ist deshalb so interessant, weil es nicht eindeutig ist, dass es unter Solon überhaupt eine Volksversammlung gegeben hat. Diese Herausforderung hat mein Interesse an dem Thema geweckt. Objektiv betrachtet lässt sich sagen, dass das Thema sehr relevant ist, denn eine Volksversammlung in der damaligen Zeit könnte ja vielleicht der Grundstein für die Demokratisierung des Staates gewesen sein.

Bei meinen Ausführungen werde ich mich auf die Überlieferungen der wichtigen Autoren aus der Antike beziehen, nämlich Aristoteles, Plutarch und Solon. Ich werde einige Quellen analysieren, diskutieren und vergleichen, um herauszufinden, welche Bedeutung die Volksversammlung nach Meinung der antiken Autoren hatte. Außerdem versuche ich aus den Quellen herauszufinden, falls die Versammlung existiert hat, ob die Stellung und Bedeutung auch so von Solon gewollt war, bzw. ob die Entwicklung seiner Machtverteilung auf die einzelnen von ihm eingesetzten Institutionen beabsichtigt war.

Durch die Analyse verschiedener Quellen und den Abgleich mit der Literatur möchte ich dann am Ende der Arbeit die vorgenannten Forschungsfragen beantworten.

2. Die solonische Volksversammlung

Die Volksversammlung ist eine sehr relevante Thematik, da durch sie dem gesamten griechischen Volk Einfluss und Mitspracherecht gegeben werden konnte. Zur solonischen Zeit war sie besonders interessant, weil das Volk vor Solon je nach Gesellschaftsstand unterschiedlichen Einfluss auf politische Dinge hatte. Die ärmere Bevölkerung hatte allerdings keinerlei wirtschaftlichen oder politischen Einfluss. Außerdem litt das gesamte Volk unter den harten Gesetzen Drakons, was zu großer Unzufriedenheit führte.

Damit ein bevorstehender Bürgerkrieg abgewendet werden konnte, musste sich in Athen etwas ändern. Solons Verfassung und das Einsetzen der Volksversammlung könnte der Versuch einer solchen Veränderung gewesen sein.

2.2 Nach Plutarch

Die folgende Quelle von Plutarch beschäftigt sich mit Solons Einteilung in Vermögensklassen. Zu beachten ist allerdings, dass Plutarch 300 Jahre nach Aristoteles gelebt hat und daher eventuell nicht objektiv schreibt.

„Zu zweit war Solon gewillt, zwar alle obrigkeitlichen Ämter wie bisher den Begüterten zu überlassen, im Übrigen aber am politischen Leben dem Volk, das daran noch gar keinen Anteil hatte, einen solchen zu gewähren. Er nahm daher eine Einteilung der Bürger nach dem Vermögen vor und machte diejenigen, die an trockenen und flüssigen Früchten einen Jahresertrag von fünfhundert Maß erzielten, zur ersten Klasse, die er Pentakosiomedimnen nannte. Die zweite Klasse bildeten diejenigen, die ein Pferd halten konnten oder dreihundert Maß ernteten; man nannte sie den Ritterstand. Zeugiten hießen die Angehörigen der dritten Schätzungsklasse, die zweihundert Maß von beiderlei Früchten bedingte. Alle übrigen wurden Handarbeiter genannt. Sie hatten zu keinem Amt Zutritt und nur insoweit am Staat Anteil, daß sie an der Volksversammlung teilnehmen und Richter sein konnten. Das hatte anfänglich keine, später aber eine sehr große Bedeutung, weil die meisten Streitigkeiten vor die Richter kamen. Denn auch in den Sachen, über die er die Entscheidung den Behörden gegeben hatte, gestattete er dem, der das wollte, die Berufung an das Volksgericht. Man sagte auch, dass er durch unscharfe und vielfach zweierlei Deutung zulassende Abfassung der Gesetze die Macht der Gerichte verstärkt habe. Denn da man die Streitigkeiten nicht mit Hilfe der Gesetze entscheiden konnte, so ergab es sich stets, daß man Richter brauchte und jeden Streitpunkt vor sie brachte, die so gewissermaßen Herren über die Gesetze wurden.“[1]

Wie der Aussage Plutarchs zu entnehmen ist, war eine der ersten Amtshandlungen Solons die Einteilung der männlichen Bevölkerung in vier Vermögensklassen, um so der Bevölkerung unterschiedlichen politischen Einfluss zu geben. Die erste Klasse, die Pentakosiomedimnen, waren die Gesellschaftsmitglieder mit dem größten Vermögen. Die zweite Klasse nannte er Ritter, die dritte Zeugiten und die vierte Klasse bezeichnete er als Theten. Während das Vermögen der ersten drei Klassen nach ihrem Jahresertrag in der Landwirtschaft berechnet wurde, bestand die vierte Klasse überwiegend aus Handwerkern ohne Einkommen aus der Landwirtschaft. Eine Ausnahme dieser Einteilung bildeten die Metöken, sie waren Fremde, meistens Tagelöhner oder freigekaufte Sklaven. Sie wurden keiner Klasse zugeordnet und hatten keinerlei Rechte.[2]

Die Beamten wurden auch nach Solons neuer Einteilung weiterhin von den höhergestellten Personen (Klasse 1-2) gestellt. Nur die ersten drei Klassen hatten Zutritt zu dem neugeschaffenen „Rat der 400“. Die vierte Klasse hingegen, welche vorher keinerlei Anteil am politischen Leben hatte, war von nun an befugt, wie auch die ersten drei Klassen an der Volksversammlung teilzunehmen und Richter für den Volksgerichtshof zu stellen. Auf die Bedeutung dieser neuen Möglichkeit werde ich im späteren Verlauf meiner Arbeit noch näher eingehen.

Anhand dieser Einteilung lässt sich also feststellen, dass alle Männer, die in eine der vier Vermögensklassen eingeteilt wurden, an der Volksversammlung teilnehmen durften. Somit gewährte Solon der gesamten männlichen Bevölkerung, mit Ausnahme der Metöken, den Zutritt zur Volksversammlung.

Wie eben schon erwähnt, lebte Plutarch ca. 300 Jahre später als Aristoteles. Es lässt sich vermuten, dass Plutarch sich auf die Quellen von Aristoteles bezog und auch einiges übernommen hat. Seine Quellen sind somit nicht sehr objektiv. Wenn ich im Folgenden die Quellen von Aristoteles analysiere, werden diese Gemeinsamkeiten deutlich. Der größte Unterschied zwischen den Aussagen Plutarchs und denen von Aristoteles ist, dass Plutarch die Volksversammlung explizit beim Namen nennt. Für meine Arbeit ist dies eine wichtige Erkenntnis, denn es bestätigt meine Vermutung, dass es unter Solon eine Volksversammlung gab. Denn der Grund dafür, dass Plutarch sie beim Namen nennt und Aristoteles nicht, könnte sein, dass Plutarch nach 300 Jahren aus den Erzählungen von Aristoteles einfach geschlossen hat, dass es eine Volksversammlung gegeben hat. Eine weitere Ursache könnten aber auch weitere unbekannte Quellen sein, auf die sich Plutarch bezieht. Oder aber er erfand die Volksversammlung einfach ohne sich Gedanken über die Konsequenzen zu machen. Es stellt sich also die Frage, ob man Plutarchs Quellen viel Glauben schenken kann. Wenn ja, muss man sie allerdings sehr kritisch betrachten. Zu der Glaubwürdigkeit Plutarchs äußerte sich auch der Autor Michael Stahl. Auch Stahl ist der Ansicht, dass es sehr auffällig ist, dass viele Ausführungen Aristoteles` sich bei Plutarch wiederfinden und auch die Probleme in den Texten die gleichen sind. Nach Stahl sollte man kritisch mit der Glaubwürdigkeit der Quellen Plutarchs umgehen.[3]

Deshalb werde ich im nachfolgend die Quellen von Aristoteles hinsichtlich der solonischen Volksversammlung genauer analysieren.

[...]


[1] Plutarch: Große Griechen und Römer, Solon 18.

[2] Vgl. De Blois, Louis: Einführung in die Alte Welt, Stuttgart 1994, S. 70.

[3] Vgl. Stahl, Michael: Gesellschaft und Staat bei den Griechen, Paderborn 2003, S. 181.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die solonische Volksversammlung
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Proseminar Einführung in die Alte Geschichte
Note
3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V272822
ISBN (eBook)
9783656650904
ISBN (Buch)
9783656650898
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
volksversammlung
Arbeit zitieren
Melanie Mertens (Autor), 2009, Die solonische Volksversammlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272822

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