Die Förderung einheitlicher Qualitätsstandards im Gesundheitswesen ist eine politische Forderung, die bereits seit den 1990er Jahren schrittweise umgesetzt wurde. Qualität im Gesundheitswesen wird dabei als ein wichtiges Ziel betrachtet, um den hohen Qualitätsstandard der medizinischen Versorgung dauerhaft zu gewährleisten und um Patientenorientierung, aber auch internationale Vergleich-barkeit von Qualität und – bei Bedarf – die rasche Identifikation von Qualitätslü-cken zu gewährleisten (GMK, 1999). Diese Zielsetzungen wurden daher schritt-weise weiterentwickelt; Qualitätsstandards für Gesundheitseinrichtungen sind mittlerweise seit mehreren Jahren Praxis.
In verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens, so auch in den Kranken-häusern, hat diese Entwicklung vor dem Hintergrund verschiedener Prozesse stattgefunden. Hier ist zum einen der technologische Fortschritt in der Medizin zu nennen, ebenso aber auch der demographische Wandel, der zu zahlreicheren und umfangreicheren Krankenhausaufenthalten beiträgt (Schmidt / Möller, 2006: 4). Diese Entwicklung trifft zusammen mit einerseits einem steigenden Kostendruck im Gesundheitswesen (Schmidt / Möller, 2006: 10f.) und andererseits einem steigenden Wettbewerb unter den Krankenhäusern sowie zwischen Kran-kenhäusern und niedergelassenen Ärzten (Butthof, 2003: 1f.), etwa im Rahmen der Einführung der „Diagnosis Related Groups“ (DRG). Der steigende Kosten-druck entstand dabei nicht nur durch den demographischen Wandel, sondern auch durch den kontinuierlichen Rückgang öffentlicher Krankenhausförderungen (Schmidt / Möller, 2006: 11). Der Kostendruck hat im Zuge verschiedener politi-scher Reformen auch zu höheren Belastungen der Versicherten geführt und da-mit zu einer kritischeren, kostensensiblen Öffentlichkeit beigetragen (Butthof, 2003: 2). Die Gesamtheit dieser Entwicklungen hat zu der zunehmenden Er-kenntnis geführt, dass nur in einer qualitativ durchgehend hochwertigen Versor-gung der Patienten der Schlüssel und auf lange Sicht auch die Legitimation für die Deckung steigenden Ressourcenbedarfs gesehen werden kann (Butthof, 2003: 2). Die bis in die 1990er Jahre bestehenden Qualitätsstandards waren meist zu wenig einheitlich oder auch zu fachspezifisch, um der Anforderung an die Umsetzung und Messbarkeit von Qualität gerecht zu werden. Daher wurden Konzepte einer umfassenden Qualitätssicherung in Krankenhäusern entwickelt.
Mit der Gesundheitsreform im Jahre 2000 wurden Vorgaben zur Qualitätssiche-rung und zum Q
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Problemstellung, Zielsetzung, Vorgehen und Aufbau
2.1 Problemstellung
2.2 Zielsetzung
2.3 Vorgehen und Aufbau
3 Qualitätsbezogene Zielsetzungen und Anforderungen im Krankenhaus
3.1 Definitionen
3.2 Herausforderungen der Qualitätssicherung
3.3 Zur Geschichte der Qualitätssicherung im Krankenhaus
3.4 Zielsetzungen der Qualitätssicherung im Krankenhaus
3.5 Ausgewählte Verfahren der Qualitätssicherung
3.5.1 KTQ
3.5.2 JCIA
3.5.3 EFQM
3.5.4 DIN/EN/ISO 9000ff.
3.5.5 Fazit
4 Vergleichende Analyse von Verfahren der Qualitätssicherung in ausgewählten Bereichen in exemplarischen Krankenhäusern
4.1 Überblick über die Krankenhäuser
4.1.1 Nach KTQ zertifizierte Krankenhäuser
4.1.1.1 Das Stiftungsklinikum Mittelrhein Koblenz
4.1.1.2 Krankenhäuser der Paul-Gerhardt-Diakonie Berlin
4.1.2 Nach JCI zertifizierte Krankenhäuser
4.1.2.1 Das Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz
4.1.2.2 Die DRK-Kliniken in Berlin
4.2 Qualitätssicherung in ausgewählten Inhaltsbereichen
4.2.1 Vorgehen
4.2.2 Datenbasis
4.2.3 Kodierung der Informationen der Krankenhäuser zu ausgewählten Themenfeldern
4.2.3.1 Kategoriensystem
4.2.3.2 Kodierungsprozess
4.3 Ergebnisse
4.3.1 Quantitative Ergebnisse
4.3.2 Qualitative Ergebnisse
4.4 Kritische Würdigung der vergleichenden Analyse
4.5 Hypothesen zur Qualitätssicherung auf der Basis der betrachteten Verfahren
4.6 Mögliche Einsatzschwerpunkte der Verfahren
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht exemplarisch die Qualitätssicherungssysteme JCIA und KTQ in Krankenhäusern. Ziel ist es, die spezifischen Schwerpunkte der jeweiligen Verfahren in der klinischen Praxis zu identifizieren und daraus allgemeine Empfehlungen für Einsatzsituationen abzuleiten.
- Vergleich von Qualitätssicherungssystemen (KTQ vs. JCIA)
- Analyse von Anforderungen an das Qualitätsmanagement im Krankenhaus
- Durchführung einer qualitativen Inhaltsanalyse an ausgewählten Kliniken
- Identifikation von Schwerpunkten und Unterschieden in der Umsetzung
- Formulierung von Hypothesen zur Eignung der Verfahren
Auszug aus dem Buch
3.2 Herausforderungen der Qualitätssicherung
In diesem Abschnitt sollen kurz die Aufgaben und Herausforderungen skizziert werden, die mit dem Qualitätsmanagement verbunden sind. Diese sind wichtig, weil sie deutlich machen, dass Qualitätssicherung mehr ist als die Anwendung eines Kriterienkatalogs. Vielmehr müssen die Kriterien dem jeweiligen Kontext angemessen interpretiert werden.
Die Herausforderung der Qualitätssicherung beginnt damit, dass Qualität im Gesundheitswesen und speziell im Krankenhaus nicht leicht zu messen ist. Zunächst ist Strukturqualität, Prozessqualität und Ergebnisqualität in spezifische Qualitäten „heruntergebrochen“ werden. Ein Beispiel etwa für eine spezifische Prozessqualität ist der Prozess bei der Information von Patienten über klinische Studien, an denen sie teilnehmen können. Für die spezifischen Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualitäten müssen des Weiteren Indikatoren gefunden werden, also messbare Fakten, Aufschluss über die jeweilige Qualität geben. Für das genannte Beispiel könnten solche Indikatoren solche etwa lauten, ob die Information der Patienten nach einem bestimmten Schema erfolgt, ob sie dokumentiert wird und ob sichergestellt wird, dass die Information verstanden wurde.
Die Indikatoren (etwa bei der JCIA „messbare Elemente“ genannt) müssen so gewählt werden, dass sie für die jeweilige Qualität aussagekräftig sind. Dies ist nicht trivial, beispielsweise kann eine möglichst hohe Anzahl von Patienten (als Kriterium für Ergebnisqualität) mit der Zufriedenheit dieser Patienten oder auch mit dem Behandlungserfolg im Konflikt stehen, z.B. wenn die Erhöhung der Patientenzahl mit kürzeren Verweilzeiten „erkauft“ wird (weitere Beispiele werden im Gemeinsamer Bundesausschuss 2011: 6, genannt).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung einheitlicher Qualitätsstandards im Gesundheitswesen vor dem Hintergrund demografischer und ökonomischer Veränderungen sowie politischer Reformen.
2 Problemstellung, Zielsetzung, Vorgehen und Aufbau: Dieses Kapitel definiert die Forschungsfrage nach der Auswahl passender Qualitätsmanagementverfahren für Krankenhäuser und erläutert das methodische Vorgehen der vergleichenden Analyse.
3 Qualitätsbezogene Zielsetzungen und Anforderungen im Krankenhaus: Hier werden zentrale Begriffe definiert, historische Hintergründe erläutert und die wichtigsten Qualitätsmodelle (KTQ, JCIA, EFQM, ISO) vorgestellt.
4 Vergleichende Analyse von Verfahren der Qualitätssicherung in ausgewählten Bereichen in exemplarischen Krankenhäusern: Das Kernstück der Arbeit liefert eine detaillierte quantitative und qualitative Analyse der praktischen Umsetzung von KTQ und JCIA anhand von vier Fallbeispielen.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Das Abschlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen, überprüft die aufgestellten Hypothesen und gibt einen Ausblick auf künftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement, Krankenhaus, KTQ, JCIA, Zertifizierung, Prozessqualität, Ergebnisqualität, Strukturqualität, Patientenorientierung, Patientensicherheit, Risikomanagement, Vergleichsanalyse, Qualitätsbericht, Gesundheitswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die zwei Qualitätsmanagementverfahren KTQ (Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus) und JCIA (Joint Commission International Accreditation) hinsichtlich ihrer Anwendung in Krankenhäusern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Herausforderungen der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen, der Vergleich spezifischer Zertifizierungsmodelle sowie die praktische Umsetzung von Qualitätskriterien in Kliniken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation der Schwerpunkte, die Krankenhäuser bei der Nutzung unterschiedlicher Qualitätsmanagementverfahren setzen, um daraus Empfehlungen für die Wahl eines geeigneten Systems abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, um Qualitätsberichte und Informationen von vier exemplarisch ausgewählten Krankenhäusern systematisch zu kodieren und zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Fundierung der Qualitätsmodelle als auch die detaillierte vergleichende Analyse der Praxisdaten der vier untersuchten Kliniken aus Koblenz und Berlin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement, KTQ, JCIA, Zertifizierung sowie Patientenorientierung und Risikomanagement.
Warum wird gerade der Vergleich zwischen KTQ und JCIA gezogen?
Beide Verfahren sind in Deutschland bzw. international weit verbreitet, decken jedoch unterschiedliche Schwerpunkte ab, was einen Vergleich für Entscheidungsträger in Krankenhäusern besonders relevant macht.
Wie unterscheidet sich die Dokumentation der Qualität bei den untersuchten Kliniken?
Die Analyse zeigt, dass KTQ-zertifizierte Häuser tendenziell ausführlicher über Qualitätsziele und -instrumente informieren, während JCIA-orientierte Einrichtungen den Fokus stärker auf messbare Standards und Patientensicherheitsziele legen.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Einsatzschwerpunkte?
KTQ eignet sich besonders für Krankenhäuser, die im Aufbau eines umfassenden Systems stehen und Unterstützung bei der Organisationskultur suchen, während JCIA bei bereits etablierten Systemen mit Fokus auf spezifische Sicherheitsstandards stark ist.
- Citar trabajo
- Sven Wörsdörfer (Autor), 2013, Joint Commission International Accreditation (JCIA) versus Kooperation für Transparenz und Qualität (KTQ). Ein exemplarischer Vergleich der Qualitätssicherung in Krankenhäusern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272927