Psychologische Grundlagen der Theorie des kooperativen Lernens


Hausarbeit, 2013
16 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Theorie des kooperativen Lernens
2.1 Begriffsverständnis: kooperatives Lernen
2.2 Merkmale kooperativen Lernens
2.3 Psychologische Grundlagen kooperativen Lernens
2.3.1 individualpsycholgischer Ansatz von Piaget
2.3.2 soziokulturelle Perspektive von Vygotskij
2.4 Zusammenfassung

3 Schlussbetrachtung

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Menschen erwerben ihr Wissen und ihre Denkstrukturen nicht als einsame Sololerner, sonder im Rahmen sozialer Interaktionsgefüge und Austauschprozesse. Dies gilt nicht nur für das Lernen in Alltag und Beruf, sondern auch für die Schule, wo kooperatives Lernen eine zentrale Grundform und eine notwendige Ergänzung des Unterrichts im Klassenverband und in der Einzelarbeit darstellt.“1

Die Lernform des kooperative Lernen stellt eine neue Lernkultur in der Institution Schule dar, wobei ein Ziel in der Aktivierung der SchülerInnen besteht. Des Weiteren steht neben der Aneignung fachlicher Kompetenzen auch der Erwerb sozialer sowie methodischer Kenntnisse im Vordergrund.2

Weinert versteht in diesem Zusammenhang unter Lernkulturen „die Gesamtheit der für eine bestimmte Zeit typischen Lernformen und Lehrstile sowie die ihnen zugrunde liegen- den anthropologischen, psychologischen, gesellschaftlichen und pädagogischen Orien- tie- rungen.“3 Im Vordergrund dieser Arbeit steht die Theorie des kooperativen Lernens, wobei insbesondere auf deren psychologische Grundlagen eingegangen wird. Die zentrale Fragestellung, welche sich demnach durch diese Arbeit zieht, lautet: „Welche psychologischen Grundlagen hat die Theorie des kooperativen Lernens?“

Zu Beginn der Arbeit soll ein Einblick in die Thematik gegeben werden, indem auf das Konzept beziehungsweise die Merkmale des kooperativen Lernens eingegangen werden. Anschließend werden psychologische Grundlagen zur Theorie des kooperativen Lernens aufgezeigt, wobei zum einem der individualpsycholgische Ansatz von Piaget sowie zum anderen die soziokulturelle Perspektive von Vygotskij4 betrachtet werden. Der Schluss dient schließlich dazu die Arbeit abzurunden.

2 Die Theorie des kooperativen Lernens

In diesem Kapitel der vorliegenden Arbeit wird zu erst die Lernform des kooperativen Lernens aufgezeigt. Diesbezüglich wird der Begriff „kooperatives Lernen“ näher betrachtet und es werden Merkmale dieser Theorie vorgestellt. Anschließend werden in dem Abschnitt 2.3 die psychologische Grundlagen kooperativen Lernens betrachtet. In diesem Kapitel wird dabei der Fragestellung „Welche psychologischen Grundlagen hat die Theorie des kooperativen Lernens?“ nachgegangen.

2.1 Begriffsverständnis: kooperatives Lernen

Unter kooperativen Lernen ist eine „Interaktionsform, bei der die beteiligten Personen gemeinsam und im wechselseitigen Austausch Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben“ zu verstehen.5 Die Gruppenarbeit und die damit verbundene wechselseitige Interaktion bilden in diesem Zusammenhang das Kernstück dieser Lernform.6

Die Theorie des kooperativen Lernens weist eine dreigliedrige Grundstruktur auf, wobei zwischen den Elementen Einzelarbeit, Kooperation sowie Vorstellen unterschieden werden kann.7

Die Einzelarbeit findet zu Beginn des kooperativen Lernens statt, wobei diese in Form ei- nes Denkprozesses ganz individuell im Gedächtnis jedes Einzelnen stattfindet.8 Darauf folgt anschließend das zweite Element der dreigliedrigen Struktur, welches die Kooperati- on der SchülerInnen in kleinen Gruppen darstellt. In dieser Phase findet ein Austausch beziehungsweise eine wechselseitige Interaktion der SchülerInnen statt.9 Nach der Koope- rationsphase stellen die SchülerInnen die ausgearbeiteten Ergebnisse folglich noch im Klassenverband vor, wobei dieser Schritt unter dem Begriff Vorstellung zusammengefasst wird.10 Durch diese aufgezeigte dreigliedrige Struktur werden die SchülerInnen einerseits kognitiv aktiviert und anderseits bekommen sie die Gelegenheit, Fähigkeiten zu erwerben, wie sie selbstständig mit einer Problemstellung umgehen beziehungsweise diese bearbeiten können.11

2.2 Merkmale kooperativen Lernens

In diesem Abschnitt des vorliegenden Kapitels werden einige Merkmale kooperativen Lernens vorgestellt, um einen theoretischen Eiblick zu dieser Lernkultur zu erhalten. Die Grundlage der Theorie kooperativen Lernens stellt eine sichere Lernumgebung dar, wobei ein respektvoller Umgang sowie das Gefühl der Sicherheit für ein erfolgreiches Lernen von großer Bedeutung sind.12

Ein weiteres Merkmal kooperativen Lernens stellt die positive Wechselbeziehung dar. Dar- unter ist zu verstehen, dass verschiedene Personen gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten und diese von den jeweils beteiligten Gruppenmitgliedern im positiven Sinn voneinander abhängig sind.13

Charakteristisch für das kooperative Lernen ist eine direkte Interaktion der am Lernen beteiligten Personen. Diesbezüglich sollten die Lernsituationen im Unterricht in vielfältiger Weise zu einer Interaktion anregen. Im Vordergrund sollten dabei Aushandlungs- sowie Austauschprozesse seitens der SchülerInnen stehen.14

Der Erwerb sozialer Kompetenzen, wie beispielsweise Kooperationsfähigkeit, die Übernahme von Verantwortung sowie eine Erhöhung der kommunikativen Fähigkeiten, kann unter anderem durch das Lernen in Gruppen gefördert werden.15

Nachdem eine Begriffsklärung zum kooperativen Lernens vorgenommen wurde und einige Merkmale dargelegt wurden, sollen im Folgenden die psychologischen Grundlagen dieser Theorie aufgezeigt werden.

2.3 Psychologische Grundlagen kooperativen Lernens

Folgend sollen die psychologischen Grundlagen der Theorie des kooperativen Lernens vorgestellt werden, wobei zum einen auf den individualpsycholgischen Ansatz von Piaget und zum anderen auf die soziokulturelle Perspektive von Vygotskij eingangen wird. Die Lerntheorie von Piaget sowie die von Vygotskij werden dabei dem Konstruktivismus zu- geordnet.16 Zentral für den Konstruktivismus ist, dass sowohl Lernen als auch Verstehen soziale Prozesse darstellen, welche sich aus dem Handeln des Individuums entwickeln können.17

2.3.1 individualpsycholgische Ansatz von Piaget

Wie bereits angedeutet, stellt Piaget‘s Ansatz eine konstruktivistische Lerntheorie dar, wobei das lernende Individuum in Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand neues Wissen hervorbringt.18 Als zentral für den Konstruktivismus kann folglich die Aktivität der Lernenden im Erkenntnisprozess angesehen werden.19

Bei dem Ansatz von Jean Piaget handelt es sich „um eine kreative, selbstständig entdeckende Entwicklung und ein Lernen als selbstkonstruktives Geschehen mit einer immanenten Entfaltungslogik.“20 Grundlage für die Entwicklung des Individuums bildet in diesem Zusammenhang die Umwelt, wobei diese durch den Lernenden strukturiert und aktiv sowie selbstständig entdeckt wird.21 Piaget zeigt den Entwicklungsprozess der Organismen durch die Prinzipien der Assimilation und Akkomodation auf.22 Demzufolge konstruieren die lernenden Individuen ihr Wissen durch das eigenen Handeln, wobei die Prozesse der Assimilation sowie der Akkomodation zentral für alle Handlungen sind. Dabei ist jede Assimilation mit einer Akkomodation und umgekehrt, verknüpft.23

Assimilation meint in diesen Zusammenhang, „dass das handelnde Subjekt eine gegebene Situation als jene erkennt, mit der es eine bestimmte Handlung oder Operation assoziiert hat, obschon ein Beobachter die Situation als unterschiedlich betrachtet.“24 Piaget zu Folge ordnet sich demnach die Umwelt dem Individuum unter.25 Dies wird dadurch sichtbar, dass sich die Umwelt den Eigenschaften des Organismus anpasst.26

Im Vergleich dazu bezeichnet Akkomodation „eine Reaktion des Subjekts, die dann eintreten kann, wenn das Ergebnis der Handlung der Erwartung des Subjekts nicht entspricht.“27 Demnach sind Piaget zu Folge unter Akkomodation Anpassungsvorgänge seitens des Individuums an die Umwelt zu verstehen.

Sowohl bei der Assimilation als auch bei dir Akkomodation wird das Verhalten des Individuums durch die Erfahrungen, welche es macht, verändert, wobei an dieser Stelle von einem Lernprozess gesprochen werden kann.28

Wie bereits erwähnt sind die Prinzipien Assimilation und Akkomodation zentral für alle Handlungen beziehungsweise Konstruktionsleistungen.29 Das heißt, es findet immer ein Wechselspiel in Form einer Anpassungen der Umwelt an die Individuen sowie gleichzeitig die Anpassung der Organismen an die Umwelt statt. An dieser Stelle werden Piaget‘s An- nahmen, welches anfangs bereits kurz angedeutet wurden, nämlich das Individuen aktive sowie selbstgestaltende Wesen sind und Entwicklungsprozesse stattfinden, nochmals sicht- bar.30 Die zwei Prinzipien „bilden demzufolge die beiden entgegengesetzten Pole bei der Interaktion zwischen Organismus und Umwelt.“31 Piaget zu Folge kann die Interaktion als Basis für ein „biologisches und intelektuelles Funktionieren“ angesehen werden, wobei die Voraussetzung dafür ist, dass ein Gleichgewicht zwischen der Assimilation und Akkomo- dation herrscht.32 Im Bezug auf die Theorie des kooperativen Lernens nimmt der indivi- dualpsycholgische Ansatz an, dass Beeinträchtigungen des kognitiven Gleichgewichtes bei den den Individuen aufgrund des Zusammenstoßens unterschiedlicher Sichtweisen auftre- ten können. 33 „Indem das Individuum versucht, das Gleichgewicht wiederherzustellen, konstruiert es neues Wissen und modifiziert somit die kognitiven Voraussetzungen für die Interpretation seiner Umwelt.“34

Der beschriebene individualpsycholgische Ansatz von Piaget spiegelt psychologische Grundlagen der Theorie des kooperativen Lernens wider. Vor allem die beschriebene akti- ve Rolle der Individuen bei Piaget kann in der Lernform des kooperativen Lernens vorge- funden werden.35

2.3.2 soziokulturelle Perspektive von Vygotskij

Der russische Psychologe Vygotskij prägte den sogenannten Sozialkonstruktivismus, wo- bei er in seinen Untersuchungen im Vergleich zu Piaget vor allem historische sowie soziale Aspekte beziehungsweise Fragestellungen betrachtet.36 Des Weiteren berücksichtigt Vy- gotskij auch die kulturellen Gegebenheiten in seiner Analyse.37 Im Vordergrund des Sozi- alkonstruktivismus steht somit die soziale Umwelt, welche in den Konstruktionsprozessen der Lernenden eine wichtige Stellung einnimmt.38 Die Institution Schule hat Vygotsij zu Folge unter anderem die Funktion, „die Verbindung zwischen Individuum und Gesell- schaft zu erklären.“39 Der Mensch, so Vygotskij, gestaltet aktiv seine eigene Entwicklung und eignet sich kulturelle Inhalte aus der Umwelt an, wobei er folglich ein Teil der Kultur wird.40 Eine zentrale Bedeutung wird in diesem Zusammenhang der sozialen Interaktion zugeschrieben, wobei Vygotskij diese als Kern der kognitiven Entwicklung sieht.41

[...]


1 Brüning, Saum, 2011, S. 5.

2 Weinert 1997, S. 12.

3 Pauli, Reusser, 2000, S. 421.

4 In der Literatur werden verschiedene Schreibweisen zu der Person Lew Vygotskij verwendet: un- ter anderem Vygotskij, Vygotsky, Wygotsky und Vygotski. In dieser Arbeit wird der Einheitlichkeit halber die Schreibweise Vygotskij gewählt.

5 Huber, 2007, S. 5

6 Hild, 2009, S. 85.

7 Brüning, Saum, 2008, S.83.

8 Brüning, Saum, 2011, S.6.

9 ebenda, S. 6.

10 ebenda, S. 7.

11 ebenda, S. 7.

12 Hild, 2009, S. 89.

13 Konrad, Traub, 2001, S. 6.

14 Hild, 2009, S. 90.

15 ebenda, S. 92.

16 Remsperger, 2011, S. 25.

17 ebenda, S. 26.

18 Vollmers, 1997, S. 73.

19 König, 2009, S. 128.

20 Remsperger, 2011, S. 27.

21 ebenda, S. 26.

22 König, 2009, S. 128.

23 Bliss, 1996, S. 4.

24 Pörksen, 2011, S. 17.

25 Remsperger, 2011, S. 27.

26 Buggle, 1993, S. 25.

27 Pörksen, 2011, S. 17.

28 Buggle, 1993, S. 25.

29 Remsperger, 2011, S. 27.

30 Buggle, 1993, S. 25f.

31 Remsperger, 2011, S. 27.

32 ebenda, S. 27.

33 Krause, 2007, S. 78.

34 ebenda, S. 78.

35 Vollmers, 1997, S. 79.

36 Remsperger, 2011, S. 32.

37 Textor, 2000

38 König, 2009, S. 131.

39 Remsperger, 2011, S. 32.

40 ebenda, S. 32.

41 Krause, 2007, S. 78.

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Details

Titel
Psychologische Grundlagen der Theorie des kooperativen Lernens
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Allgemeine Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Theoretische Grundlagen qualitativer Kulturanalyse
Note
2,0
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V272980
ISBN (eBook)
9783656653103
ISBN (Buch)
9783656653097
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychologische, grundlagen, theorie, lernens
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Psychologische Grundlagen der Theorie des kooperativen Lernens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272980

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