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Widerständigkeit in der Erwachsenenbildung

Tocotronics ,Wie wir leben wollen’ als didaktisches Material

Titre: Widerständigkeit in der Erwachsenenbildung

Dossier / Travail de Séminaire , 2013 , 16 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Diplom-Soziologe David Klanke (Auteur)

Pédagogie - Education des adultes
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Erwachsenenbildung und Tocotronic wurden bisher noch nicht zusammen gedacht. Dabei finden sich auf den Alben der Musikgruppe viele Anknüpfungspunkte für eine pädagogische Beschäftigung. Eine befreundete Lehrerin hat es vor einem halben Jahr ganz passend formuliert: „Ich muss in meinem Job, in meiner Arbeit so funktionieren. Wenn ich dann nach dem Unterricht Tocotronic im Auto höre, dann ist das wie weggeblasen. Sie singen so schön davon, sich von all den beruflichen oder sozialen Zwängen zu befreien und das in einer so leichten Art und Weise.“ Im Zuge der Subjektivierung und Deinstitutionalisierung von Arbeit sind für die deutschen Arbeitnehmer neue auch unterbewusste Zwänge aufgetreten. Mehr Verantwortung und mehr Freiheiten wurden mit einer Entgrenzung von Arbeit und Leben erkauft. Trotz neu gewonnener Freiheit müssen die Arbeitnehmer ihre Kompetenz und Performance jederzeit abrufen können. Von ihrem Außenbild wird Stimmigkeit verlangt. „Ich will Steine schmeißen, mich zerreißen […]“ (von Lowtzow 2013) singen Tocotronic. Damit spiegeln sie das immer noch währende Bedürfnis nach wirklicher Freiheit, wirklicher Möglichkeit, auch einmal gewalttätig sein zu dürfen, ohne dabei sozial zu funktionieren. Trotz Flexibilisierung der Arbeit, besteht das Bedürfnis nach immerwährender Veränderung, sprich auch einmal anders heißen zu dürfen. Die Leistungsgesellschaft belohnt uns auch materiell in Form von Preisen, die einem eine gewisse Genugtuung verschaffen. Gleichzeitig sorgen Leistungsorientierung und Flexibilisierung oder auch globale Medialisierung zu einer Dynamik des Sozialen, die immer häufiger in Form psychischer Symptomatik oder sog. Burn-Outs endet. „Ich will Steine schmeißen, mich zerreißen, Ich will täglich anders heißen, Alle Preise sollen winken, Ich will im Swimming Pool ertrinken, Der Teufel sagt, der Teufel sagt, der Teufel sagt, du musst es tun[…]“ (von Lowtzow 2013). Tocotronic singen hier von genau diesen neuen (?) Zwängen. Seid widerständig! Die Lösung aus diesen Dilemmata kann eine kritische Erwachsenenbildung sein: Kritische Erwachsenenbildung in Form einer Bildungsform, die Widerständigkeit lehrt. Der Versuch dieser Arbeit besteht in der Formulierung einer widerständigen Bildung. Widerständige Bildung versteht sich als pädagogische Lösung neusozialer Dilemmata. Den Abschluss bildet eine praktische Anleitung der widerständigen Bildung durch die Beschäftigung mit Tocotronics „Wie wir leben wollen“.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Widerständigkeit in der Erwachsenenbildung – Auf der Suche nach einer Bedeutung für die Erwachsenenbildung

3. Tocotronics „Wir wir leben wollen“ als Beispiel für die pädagogische Praxis

4. Zusammenfassung und Diskussion

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Konzept einer „widerständigen Bildung“ als pädagogische Antwort auf die Anforderungen der modernen Leistungsgesellschaft und die Entgrenzung von Arbeit und Leben zu formulieren. Dabei wird untersucht, wie die Musikgruppe Tocotronic durch ihre Texte und künstlerische Haltung didaktisches Material für eine kritische Erwachsenenbildung liefern kann, um individuelle Spielräume und Möglichkeiten zur Reflexion trotz gesellschaftlicher Zwänge zu eröffnen.

  • Analyse der Widerständigkeit als notwendige Bildungsdimension in der Erwachsenenbildung.
  • Untersuchung der Auswirkungen von Arbeitskraftunternehmertum und Subjektivierung auf das Individuum.
  • Erforschung der „Inkompetenz“ als befreiendes Element und Strategie gegen Leistungsdruck.
  • Didaktische Einordnung der Liedtexte von Tocotronic zur Förderung kritischer Reflexion.
  • Diskussion von Lebenskunst im Kontext widerständiger Bildung.

Auszug aus dem Buch

Tocotronics „Wie wir leben wollen“ als Beispiel für die pädagogische Praxis

Tocotronic belegen mit ihrem neuen Album „Wie wir leben wollen“ im Februar 2013 etwas über zwei Jahre nach ihrem direkten Nummer eins - Einstieg „Schall und Wahn“ Platz drei der deutschen Albumcharts. Im Folgenden werden die drei Lieder „Auf dem Pfad der Dämmerung“, „Abschaffen“ und „Exil“ daraufhin untersucht, wie die Arbeit mit ihren Texten als didaktisches Material für ein Seminar der widerständigen Bildung dient.

„Ich will Steine werfen, Messer schärfen, Wurzeln brechen, Routen berechnen, mich zerstückeln, trotzdem lächeln, unversehens anders sprechen, keine Sprache, keine Sprache, keine Sprache, treibt mich um, auf dem Pfad der Dämmerung.“ (von Lowtzow 2013). Bereits die erste Strophe der Single „Auf dem Pfad der Dämmerung“ beschreibt eine sehr wütende widerständige Atmosphäre. Das lyrische Ich möchte „Steine werfen“ und „Messer schärfen“. Das erinnert an Vorbereitungen zu einem revolutionären Akt. Der Wille zur eigenen Zerstückelung kann ein möglicher Aufruf zur Entsubjektivierung sein. Das Bedürfnis nach einer wechselnden immer neuen Identität spricht aus dem Wunsch, „unversehens anders sprechen zu wollen“. Über die Sprache gelingt die Interaktion zu dem sozialen Anderen. Hier besteht aber nicht nur das Bedürfnis nach anderer, sondern gar nach „keiner Sprache“, vielleicht einer rein emotionalen Interaktion. Letzteres liegt bei einem Musikstück nahe. Die Proklamation der Nichtsprache beinhaltet auch ein Nichtdefinieren- und ein Nichtentscheidenmüssen, da Worte auch immer Entscheidungen aus einer Sprache sind. Der Nichtsouverän gewinnt an Menschlichkeit, erklärt Butler (Vgl. 2003, S. 11). Das Nichtbenutzen von Sprache ist auch eine Form des Ablehnens von Souveränität und dem damit verbundenen Gewinn von neuerer anderer über einen emotionalen Ausdruck menschlicherer Menschlichkeit.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen gesellschaftlichen Druck auf Arbeitnehmer und führt das Konzept der widerständigen Bildung als pädagogische Antwort auf moderne Dilemmata ein.

2. Widerständigkeit in der Erwachsenenbildung – Auf der Suche nach einer Bedeutung für die Erwachsenenbildung: Dieses Kapitel diskutiert theoretische Ansätze von Widerständigkeit, Inkompetenz und Entsubjektivierung als Voraussetzungen für wahre Menschlichkeit und Identitätsfindung.

3. Tocotronics „Wir wir leben wollen“ als Beispiel für die pädagogische Praxis: Anhand ausgewählter Liedtexte wird praktisch aufgezeigt, wie künstlerische Inhalte als didaktisches Material zur Förderung von Widerstandsfähigkeit dienen können.

4. Zusammenfassung und Diskussion: Die Ergebnisse werden synthetisiert, um den Begriff der Lebenskunst im Kontext widerständiger Bildung neu zu definieren und praktische Impulse für die Personalentwicklung zu geben.

Schlüsselwörter

Widerständige Bildung, Erwachsenenbildung, Tocotronic, Subjektivierung, Entsubjektivierung, Arbeitskraftunternehmer, Inkompetenz, Lebenskunst, Kritische Pädagogik, Identität, Widerstand, Lebenslanges Lernen, Performance, Selbstökonomisierung, Performanz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie eine „widerständige Bildung“ dazu beitragen kann, Individuen gegen die negativen Auswirkungen der modernen Arbeitswelt und den daraus resultierenden Leistungsdruck zu stärken.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind das Konzept des Arbeitskraftunternehmers, die Subjektivierung und Entsubjektivierung sowie die didaktische Nutzung populärkultureller Medien in der Erwachsenenbildung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, eine Form der widerständigen Bildung zu formulieren, die es Menschen ermöglicht, vorgegebene Deutungsmuster zu hinterfragen und eigene Identitäten jenseits ökonomischer Verwertbarkeit zu finden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlichen Diskursen und führt eine qualitative Analyse der Liedtexte des Albums „Wie wir leben wollen“ der Band Tocotronic durch.

Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung durch Autoren wie Butler und Zeuner sowie der konkreten exemplarischen Analyse der Lieder „Auf dem Pfad der Dämmerung“, „Abschaffen“ und „Exil“.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Widerständigkeit, Inkompetenz als Chance, Subjektivierung, kritische Erwachsenenbildung und die Dekonstruktion von Arbeitsweltbildern.

Inwiefern spielt das Konzept der „Inkompetenz“ eine Rolle in der Argumentation?

Inkompetenz wird nicht als Mangel verstanden, sondern als bewusste Verweigerung gegenüber einer kompetenzorientierten Performanz, um wahre Freiheit und Menschlichkeit zu ermöglichen.

Welche Bedeutung wird dem „Zorn“ in den Liedtexten von Tocotronic beigemessen?

Der Zorn fungiert als notwendiger Katalysator und Movens für Identitätswechsel und bietet einen Ansatzpunkt, um festgefahrene Lebensentwürfe in Frage zu stellen.

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Résumé des informations

Titre
Widerständigkeit in der Erwachsenenbildung
Sous-titre
Tocotronics ,Wie wir leben wollen’ als didaktisches Material
Université
University of Bamberg
Note
1,0
Auteur
Diplom-Soziologe David Klanke (Auteur)
Année de publication
2013
Pages
16
N° de catalogue
V272986
ISBN (ebook)
9783656653509
ISBN (Livre)
9783656653479
Langue
allemand
mots-clé
widerständigkeit erwachsenenbildung tocotronics material
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GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Diplom-Soziologe David Klanke (Auteur), 2013, Widerständigkeit in der Erwachsenenbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272986
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Extrait de  16  pages
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