Der Einfluss der Finanzkrise auf das Sparverhalten der Deutschen

Eine soziologische Untersuchung


Hausarbeit, 2014

16 Seiten, Note: 1,0

Bernd Lauert (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sparen
2.1 Was bedeutet Sparen?
2.2 Warum sparen die Deutschen?

3. Die deutsche Finanzkrise – Ein Kurzüberblick

4. Theorien zum Sparen

5. Datensatzbeschreibung und methodisches Vorgehen

6. Ergebnisse und Ergebnisauswertung

7. Fazit

8. Quellenverweise

9. Anhang

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll der Einfluss der Finanzkrise auf das Sparverhalten der Deutschen untersucht werden. Krisen, und insbesondere Finanzkrisen, wirken sich immer auf das Verhalten der Bevölkerung in Bezug auf Finanzen aus. Gerade bei Wirtschaftskrisen kann davon ausgegangen werden, dass sie sich vor allem im Konsumverhalten der Betroffenen bemerkbar machen. Die Sachlage ist allerdings bei der Finanzkrise von 2007-2009 in Deutschland nicht so eindeutig, wie es anfangs scheinen mag. Durch die Finanzkrise und das benutzte Gefahren- und Krisenvokabular in der Berichterstattung, hätte es einerseits dazu kommen können, dass die Menschen ihr Geld nicht ausgeben und somit jede größere Form des Konsums vermeiden, um ihre Liquidität für spätere, unerwartete Situationen beibehalten zu können. Andererseits gibt es Theorien dazu, dass Menschen in Krisenzeiten ihr vorher angespartes Geld aufbrauchen, und diesen Verlust in Zeiten von mehr Wohlstand wieder kompensieren. Da beide Optionen nicht gleichzeitig eintreten können, ist es interessant herauszufinden, wie sich der Durchschnitt der Deutschen in dieser Hinsicht entschieden hat. Um dieser Frage nachgehen zu können, bediene ich mich in dieser Studie des SAVE Datensatzes des Max-Planck Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik. Die SAVE-Studie erfasst von 2003 bis momentan 2012 unter anderem Angaben der Deutschen zu ihren Ersparnissen, ihrer Einstellung zum Geld im Allgemeinen und zum geplanten Verwendungszweck der Ersparnisse. In der vorliegenden Arbeit werde ich die jährlichen Durchschnitte der Angaben zu den Variablen vergleichen, welche beispielsweise das angestrebte und das tatsächliche Sparziel und die vorherrschenden Spargründe der Befragten messen. Dabei lege ich ein besonderes Augenmerk auf die zeitliche Veränderung der Variablen über die Jahre 2007 – 2009, um nachprüfen zu können, welchen Einfluss die Finanzmarktkrise auf das Sparverhalten der Deutschen hatte. Die theoretische Grundlage für dieses Vorgehen bieten einerseits die Lebenszyklustheorie und die Theorie des Sparens aus Ungewissheit von Felix Wilke, welche besagt, dass Menschen in Krisenzeiten Geld horten, um auch in Zukunft eine nützliche Auswahl an Handlungsoptionen zu besitzen.

2. Sparen

2.1 Was bedeutet Sparen?

Sparen kommt ursprünglich von dem altergermanischen Wort „spar“, was soviel wie erhalten und bewahren bedeutet. Dieser Bedeutung wird auch heute noch im Englischen Rechnung getragen wo das Wort „to spare“ eben jenen Sinngehalt trägt. Die monetäre Konnotation des Wortes kam erst später, mit der zunehmenden Wichtigkeit des Geldes und der Geldwirtschaft, hinzu. Im Mittelalter wurde das Sparen besonders damit verbunden, den Konsum eines Gutes, in den meisten Fällen Geld, auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Ein Äquivalent für die damalige Bedeutung des Wortes wäre heute das „Horten“. Auch heute gibt es noch lebende Beispiele für das sogenanntes Hortgeld. Auf den Palauinseln gibt es beispielsweise Geldstücke, welche einen gewaltigen Wert haben, jedoch immer im Kreis der Familie bleiben und in der Regel nicht ausgegeben werden. Dieses Geld hat nur einen sehr geringen Wirkungskreis und wird nur um seiner selbst Willen gehortet (Gerloff 1952: 67ff). Im 19. Jahrhundert, war es für die breite Öffentlichkeit möglich, durch die weitläufige Einführung von Sparkassen, ihr Geld anstatt zu horten, dem Wirtschaftskreislauf wieder zuzufügen. Da das Gesparte oftmals verzinst wird, ist das Anlegen von Geld und das Sparen auf einem Sparkonto vom reinen Horten zu eine Strategie zur Geldvermehrung avanciert. Diese Veränderung der Sparmöglichkeiten führte gleichzeitig auch zu einer Veränderung der Wahrnehmung des Sparens. Das Sparen war von nun an, eine Möglichkeit erfolgreich zu werden. Es ergab sich die Möglichkeit sich durch das Sparen ein kleines Vermögen aufzubauen. Das Sparen wandelte sich also in seiner Bergriffsinterpretation vom reinen Bewahren und Aufheben für spätere Zwecke, zu einem Begriff des Vermehrens durch Verzicht (Vgl. Wilke 2010: 5ff).

2.2 Warum sparen die Deutschen?

Die Sparmotive der einzelnen Menschen sind äußerst unterschiedlich und schwierig zu durchschauen. Aus diesem Grund gab der Verband der deutschen privaten Bausparkassen 2013 eine Studie in Auftrag, welche die Sparmotive der Deutschen aufzeigt (Deutsch et al. 2013: 13ff). Hier wird als wichtigstes Sparmotiv der zukünftige Konsum genannt. 61% der Befragten (Mehrfachnennungen waren möglich) sparten ihr Geld auf, um es zu einem späteren Zeitpunkt in eine größere Anschaffung zu investieren. Das zweitwichtigste Motiv, mit einem Prozent weniger Nennungen, war die Altersvorsorge. Wohneigentum (54%) und die Kapitalanlage (32%) rangierten auf Platz drei und vier. Erst an fünfter Stelle wird der „Notgroschen“ (6%) genannt, womit das Sparen für Unvorhergesehenes gemeint ist. An letzter Stelle steht mit 3% die Geldrücklage zum Zwecke der Ausbildung. Es ist anzunehmen, dass sich die Sparmotive der einzelnen Menschen, abhängig von Veränderungen ihrer Umwelt, verändern und dass auf besondere, äußere Gegebenheiten mit einer Anpassung des Sparverhaltens und des Sparmotivs reagiert wird. Insbesondere sollte die Finanzkrise einen Einfluss auf das Sparmotiv des „Notgroschens“ haben, da die Ungewissheit der Situation der Finanzkrise auch das Sparen aus Ungewissheit fördern sollte. Hieraus ergibt sich die Hypothese H3: Die Befragten sparen von 2007 bis mindestens 2009 häufiger wegen „Ungewissheit“.

3. Die deutsche Finanzkrise – Ein Kurzüberblick

Durch die US-Krise, welche aus dem Platzen der Immobilienblase resultierte, wurde im Sommer 2007 eine deutsche Krise, da auch deutsche Banken, die am amerikanischen Markt spekulierten, kritische Verluste hinzunehmen hatten. Im Sommer 2008 gingen dann größere amerikanische Geldinstitute wie Indymax und Lehman Brothers bankrott und mussten Insolvenz anmelden. Im November 2008 gaben die Wirtschaftsweisen und die Statistiker bekannt, dass Deutschland sich in einer Rezession befände. Daraufhin werden auch die Wirtschaftswachstumserwartungen nach unten korrigiert. Bis Ende 2008 schrumpfte die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Außerdem mussten mehr als 20 Banken Unterstützung aus dem Rettungspaket der Regierung beantragen. Anfang 2009 war es nötig, dass die Commerzbank, eine der größten Banken Deutschlands, teilverstaatlicht wird. Außerdem wurde mithilfe der Abwrackprämie die Autoindustrie angekurbelt. Im Juli 2009 wurden die Bad-Banks gegründet, um die angeschlagenen Banken von den undurchsichtigen und verlustbringenden Wertpapieren zu befreien. Im August 2009 mehrten sich dann die Aussagen der Statistiker, dass die Wirtschaft in Deutschland wieder an Wachstum zulegt. Bis Ende August 2009 beschäftigten die Betriebe 155.000 Leute weniger, als im Vorjahr. Das Folgejahr steht im Zeichen der Griechenlandkrise und wird von Meldungen über Zahlungen an das angeschlagene Land dominiert. Im Jahr 2011 häufen sich die Meldungen über den Aufschwung in Deutschland. Probleme, die weiterhin bestehen, betreffen vor allem die südlichen EU Länder und die Stabilität des Euros. Im Juli 2012 senkt die EZB den Leitzins auf historische 0,75%. Im Augsut 2013 wird gemeldet, dass die Eurozone die Rezession hinter sich gelassen hätte und dass nach nunmehr 6 Quartalen wieder ein Wachstum der Wirtschaft zu vermerken ist.

(Vgl. Tagesschau.de)

Es muss beachtet werden, dass dieser Abriss der Finanzkrise in keinem Fall einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sondern vielmehr dazu dient, die Jahre herauszufiltern, welche für die deutsche Wirtschaft am kritischsten zu bewerten sind. Ein Blick auf die Entwicklung der Finanzkrise zeigt, dass sich Deutschland von 2007 - 2009 in einer Rezession befand, und danach wieder ein Wachsen der Wirtschaft zu verzeichnen war. Diese Aussage wird auch mit einem Blick auf die DAX Bewegungen dieser Jahre bekräftigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1. Dax Verlauf der letzten 10 Jahre. Quelle: http://www.boerse.de/chart/DAX/DE0008469008

In Abbildung 1 lässt sich gut erkennen, dass der DAX von 2007 bis 2009 eine Abwärtstendenz verfolgte, und dann erst ab Anfang 2009 wieder ein Plus an Punkten verzeichnen konnte. Aus diesem Grund gehe ich in dieser Arbeit davon aus, dass die Veränderungen des Sparverhaltens, welche aufgrund der Finanzkrise getroffen wurden, sich in den Jahren 2007-2009 zeigen müssten. Das Jahr 2006 wird dabei als Vergleichsjahr in die Untersuchung miteinbezogen.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der Finanzkrise auf das Sparverhalten der Deutschen
Untertitel
Eine soziologische Untersuchung
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V273062
ISBN (eBook)
9783656652519
ISBN (Buch)
9783656652465
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, finanzkrise, sparverhalten, deutschen, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Bernd Lauert (Autor), 2014, Der Einfluss der Finanzkrise auf das Sparverhalten der Deutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273062

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