Die Maßnahmen M. Daias gegen die Christen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Maßnahmen Daias gegen die Christen
2.1 Die religiöse Situation im östlichen Reichsteil
2.2 Der Verlauf der Christenverfolgungen im östlichen Reichsteil
2.2.1 Sabinuszirkular
2.2.2 Petitionswelle der Städte
2.2.3 Wiederaufnahme der Verfolgungen
2.2.4 Brief des Maximinus Daia an Sabinus
2.2.5 Toleranzedikt des Maximinus Daia

3.Schlussteil

Quellen - und Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Als der letzte Vertreter des tetrarchischen Systems ging Maximinus Daia (305-313) in die Geschichte ein.[1] Diokletian (284-305) installierte während seiner Herrschaft das pseudodynastische System der Tetrarchie: Zwei Augusti adoptierten jeweils ihren Caesar, die dann Schwiegersöhne ihres Oberkaisers waren.[2] Im Jahr 313 war es Licinius, der als „endgültiger Liquidator des diokletianischen Herrschaftssystems“[3] den Reichsteil des Maximinus Daia besetzte und mit dem Tod Daias nur Konstantin und Licinius als Augusti im Reich blieben.

Daia wurde als Sohn des Galerius adoptiert und im Jahr 305 von Diokletian zum Caesar ausgerufen.[4] Während seiner Amtszeit ist eine enge Anbindung Daias an die Kaiser Diokletian, Maximian und Galerius erkennbar, in den Quellen redet er die beiden ersteren als Väter an.[5]

Ziel der folgenden Arbeit soll es sein, die Person des Daia als Christenverfolger im östlichen Teil des Reiches zwischen 310 und 313[6] näher zu umschreiben und die Maßnahmen, die er im Umgang mit den Christen einleitete, aufzuführen. Hierbei empfiehlt sich eine chronologische Aufführung, um den Verlauf der Ereignisse besser darstellen zu können. Daneben erfolgt ein Bezug zur religiösen Situation im östlichen Reichsteil[7], die wohl ein Spezifikum innerhalb der Tetrarchie bildete. Eine Fokussierung auf die Ereignisse außerhalb des Reichsteils soll die Gesamtschau der Motive für die Christenverfolgung abrunden, denn de facto begannen die Christenverfolgungen 303 während der Ersten Tetrarchie Diokletians.[8]

2 Die Maßnahmen Daias gegen die Christen

2.1 Die religiöse Situation im östlichen Reichsteil

Der östliche Teil des Reiches unterschied sich von den anderen Reichsteilen schon dahingehend, dass er vorwiegend aus Städten und deren umliegenden Territorien bestand.[9] In diesen Städten fanden sich Vertreter eines Bürgertums, die vorwiegend dem alten heidnischen Glauben anhingen und an dessen kulturellem Fortbestand interessiert waren. Im Gegensatz dazu lebte in den ländlichen Regionen eine christliche Mehrheit (vor allem in Nordafrika), sodass das Herrschaftsgebiet des Maximinus Daia von religiös bedingten Spannungen zwischen einem dem alten Glauben verhafteten städtischem Bürgertum und den eher in den ländlichen Regionen angesiedelten Christen geprägt war.[10]

Diese Spannungen hatten auch eine ökonomische Dimension: Der heidnische Glaube war auch an eine Existenzgrundlage der Kulturträger gebunden, denn Religion bedeutete auch kulturelle Aktivität in Form von Handel, Festen oder Wallfahrten.

Daia selbst schien sich während seiner Amtszeit im Sinne einer „religionshistorischen Kontinuität am althergebrachten Staatskult“[11] pro-heidnisch zu positionieren und ergriff Maßnahmen, um den Einfluss der Christen einzudämmen, sie zu verfolgen und vertreiben zu lassen.[12] Diese werden im Folgenden chronologisch erläutert.

2.2 Der Verlauf der Christenverfolgungen im östlichen Reichsteil

Die Maßnahmen Daias bezüglich der Christenfrage in seinem Reichsteil waren stets unterschiedlich geprägt: Seine politischen Maßnahmen mussten in erster Linie auf die Stimmen der Städte abgestimmt sein, da diese nicht selten mit Petitionen an den Kaiserhof zogen. Gleichzeitig waren die Entscheidungen Daias auch eigenmotiviert, sie zeigten seine Position als überzeugter Heide. Und drittens reagierte Daia auch auf die politischen Vorgänge in den anderen Reichsteilen: die Mitkaiser Maxentius, Licinius und Konstantin trugen das Reich mit und hatten somit entsprechendes Gewicht. Während seiner Herrschaft bilden das Sabinuszirkular, die Petitionswelle der Städte, der Brief an Sabinus sowie das Toleranzedikt des Daia die vier großen Maßnahmen im Verhalten der kaiserlichen Politik gegenüber den Christen im östlichen Teil des Reiches.

2.2.1. Sabinuszirkular

Die Forschung vertritt die Ansicht, dass das Sabinuszirkular (Mai 311) als unmittelbare Reaktion Daias auf die Publizierung des Galeriusediktes[13] verfasst worden ist. Als „präfektorisches Rundschreiben“[14] sollte es die Inhalte des Galeriusediktes verbreiten und umsetzen. Castritius unterscheidet zwischen dem Sabinuszirkular und dem Brief an Sabinus, der vermutlich erst 312 verfasst wurde. Sabinus fungierte 311 als praefectus praetorio [15] und ließ das Rundschreiben über die Provinzialgouverneure des Reiches in Umlauf bringen.[16] Beim Vergleich beider Schriften lassen sich leichte inhaltliche Abstufungen ermitteln, die auch mit einer lokalen Reichweite in Verbindung stehen: Während das Galeriusedikt das Reichsganze im Auge behielt, sollte das Zirkular des Sabinus im Reichsteil des Daias greifen.[17]

„ Inter cetera […] nos quidem volueramus antehac iuxta leges veteres et publicam disciplinam Romanorum cuncta corrigere atque id providere, et etiam Christiani, qui parentum suorum reliquerant sectam, ad bonas mentes redirent […] contemplationem mitissimae nostrae clementiae intuentes et consuetudinem sempiternam, qua solemus cunctis hominibus veniam indulgere, promptisissimam in his quoque indulgentiam nostram credidimus porrigendam, ut denuo sint Christiani et conventicula sua componant, ita ut ne quid contra disciplinam agant. […] Unde iuxta hanc indulgentiam nostram debebunt deum suum orare pro salute nostra et rei publicae ac suca, ut undique versum res publica perstet incolumis et securi vivere in sedibus suis possint[18]

Während Laktanz von einem Versammlungsrecht für die Christen spricht[19], findet sich im Sabinuszirkular keine explizite Formulierung für ein Versammlungsrecht. Eusebius schreibt:

„[…][20] sed Sabinus, qui per illud tempus praefecturae culmen regebat, omnium provinciarum iudicibus scribens et praelatam imperatoris inserens legem manifestum efficit cunctis id, quod Maximinus obscurare temptaverat. iudices vero per singulas civitates edicta mittentes legemque praeferentes relaxari cunctos, qui tenebantur in carcere, quique in metalis aut quibuslibet vinculis adservabantur, omnes abscedere liberos iubent. Quibus ita gestis velut post nimiam tempestatem si solis splendor caelo redditus fuisset ac terris, duces populi nostri per singulas quasque urbes frequentare conventus, concilia agere, sacerdotia reparare, singulas quasque ecclesias, si cui quid deesse videbatur, instruere. Quae cum ita gerentur, stupor ingens habetat infideles gentilium de tante tamque subita conversione rerum, ita ut admiratione ipsa fateri cogerentur magnum et solum verum deum esse, quem Christiani colunt. [21]

[...]


[1] Vgl. Kuhoff, W.: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie. Das römische Reich zwischen Krisenbewältigung und Neuaufbau (284-313 n.Chr.), Frankfurt am Main 2001, S. 916.

[2] Vgl. Chantraine, H.: Licinius 308-324, in: Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Justinian, hrsg. v. Manfred Clauss, München 1997, S: 306.; 305 dankten Diokletian und Maximian ab, die Caesares Constantinus I Chlorus und Galerius folgten als Augusti und adoptierten Severus und Maximinus Daia als Unterkaiser.

[3] Castritius, H.: Studien zu Maximinus Daia hrsg. v. K. Kraft / J. Bleicken (FAS, Heft 2), Kallmünz 1969, S. 17.

[4] Vgl. Ehling, K.: Der Tetrarch Maximinus Daia, sein Grab bei Tarsos und Kaiser Julian, in: Historia 59 (2010), S. 252.

[5] Vgl. Eusebius, h.e., IX 9a, 1

[6] Seit regierte Daia als selbsternannter Augustus. (Vgl. Ehling, K.: Der Tetrarch Maximinus Daia, S. 252.)

[7] Der östliche Reichsteil bestand bei Daias Herrschaftsantritt aus der Diözese Oriens, also den Provinzen Syrien, Ägypten und dem südlichen Kleinasien. (Vgl.: Grünewald, T.: Maximinus Daia 310-313, in: Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Justinian, hrsg. v. Manfred Clauss, München 1997, S. 312.)

[8] Grünewald, T.: Maximinus Daia, S. 312.

[9] Vgl. Castritius, H.: Studien zu Maximinus Daia, S. 52.

[10] Vgl. ebd., S. 52.

[11] Kuhoff, W.: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie, S. 922.

[12] Vgl. ebd., S. 57.

[13] Das Edikt des Galerius (April 311) als „staatspolitische Maßnahme ersten Ranges“ (Castritius, H.:

Studien zu Maximinus Daia, S: 71) sollte nach den Konsultationen der Mitherrscher das Ende der Christenverfolgungen im Reich verfügen. (Vgl. Grünewald, Thomas: Maximinus Daia, S. 313)

[14] Castritius, H.: Studien zu Maximinus Daia, S. 63.

[15] Seit dem 3. Jahrhundert bündelten sich im Amt des Prätorianerpräfekten hohe militärische und

administrative Kompetenzen. Seit Septimius Severus standen sie eigenen Gerichtshöfen vor.

Entscheidungen, die im Namen des Kaisers ergingen, waren seit Beginn des 3. Jahrhunderts nicht mehr anfechtbar. (Gutsfeld, Andreas: s.v. Praefectus praetorio, in: DNP 10 (2001), S. 250)

[16] Vgl. Castritius, H.: Studien zu Maximinus Daia, S. 63, 71.

[17] Vgl. ebd., S. 72.

[18] „Unter den übrigen Anordnungen […] hatten wir jedenfalls bisher beabsichtigt, gemäß den alten Gesetzen und der staatlichen Ordnung der Römer alles zu regeln und dafür zu sorgen, dass auch die Christen, die die Denk- und Handlungsweise ihrer Väter aufgegeben hatten, wieder zu einem ver-nünftigen Verhalten zurückkehrten. […] glaubten wir in Anbetracht unserer allergnädigsten Huld und die immerwährende Gewohnheit vor Augen, der zufolge wir allen Menschen Verzeihung zu gewähren pflegen, unsere bereitwilligste Nachsicht auch auf sie ausdehnen zu sollen, damit sie von neuem Christen seien und ihre Versammlungsstätten einrichten können, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie in keiner Weise gegen die öffentliche Ordnung verstoßen. […] Demnach werden wir infolge dieses unseres Gnadenerweises ihren Gott für unser Wohlergehen, für das des Staates und ihr eigenes bitten müssen, damit in jeder Beziehung der Staat ohne Schaden bleibt und sie unbesorgt an ihren Aufenthaltsorten leben können“ (Lactantius, d.m.p.34,1; 34,4; 34,5)

[19] Vgl. Castritius, H., S. 73.

[20] In der lateinischen Übersetzung des Rufinus sind nicht alle Textstellen erhalten.

[21] „Da sich so viele selbst in Gefahr stürzten, hat die Majestät unserer Herrscher, der mächtigsten Imperatoren, die gemäß ihrer edlen und frommen Gesinnung glaubte, es entspräche nicht ihren erhabensten Plänen, die Menschen aus solchem Grunde so großer Gefahr auszusetzen, durch meine Ergebenheit Befehl erlassen, an deine Einsicht zu schreiben, dass du einen Christen, der in Betätigung seiner eigenen Religion betroffen wird, vor Belästigung und Gefahr beschützt und niemanden aus solcher Ursache als strafbar erachtest. […] Und kaum war das geschehen, da konnte man gleich einem Lichte, das plötzlich aus finsterer Nacht aufleuchtet, in allen Städten gefüllte Kirchen, zahlreich besuchte Zusammenkünfte und die hierbei üblichen Gottesdienste schauen. […]“ (Eusebius, h.e. IX 1,5; 1,8)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Maßnahmen M. Daias gegen die Christen
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Alte Geschichte)
Veranstaltung
HS Von Diokletian zu Konstantin dem Großen
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V273378
ISBN (eBook)
9783656656210
ISBN (Buch)
9783656656173
Dateigröße
763 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Alte Geschichte, Spätantike, Konstantin, Maximinus Daia, Diokletian, Maxentius, Tetrarchie, Eusebius, Licinius, Sabinus
Arbeit zitieren
Robert Bräutigam (Autor), 2011, Die Maßnahmen M. Daias gegen die Christen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273378

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