Die Rezeption von TV Nachrichten und die während der Rezeption von statten gehenden Informationsverarbeitungsprozesse erachte ich als sehr kontrovers diskutierte Bereiche innerhalb der Rezeptionswirkungsforschung. Weder die Rezeption als Bereich der Kommunikationsforschung noch die Prozesse der Informationsverarbeitung innerhalb der Psychologie sowie Biologie sind losgelöst voneinander zu betrachten. Stattdessen soll die Arbeit vor allem eine Beziehung zwischen Rezeption und Informationsverarbeitungsprozesse aufzeigen und in abschliessender Betrachtung mögliche Änderungen in der Konzeptualität von TV Nachrichten benennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellungen
1.2. Forschungsstand
2. Hauptteil
2.1. Begriffsdefinition
2.2. Informationsverarbeitung beim weiblichen Geschlecht
2.3. Probleme des ‘maskulinen’ Journalismus
3. Schlussteil
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Rezeption von TV-Nachrichten. Ziel ist es, die bestehenden Informationsdefizite bei weiblichen Zuschauern zu analysieren, die auf eine maskulin geprägte Nachrichtenstruktur zurückzuführen sind, und Lösungsansätze für eine inklusivere journalistische Aufbereitung aufzuzeigen.
- Analyse der geschlechtsspezifischen Informationsverarbeitung
- Untersuchung der Rezeptionswirkungsforschung bei TV-Nachrichten
- Kritik an der sogenannten maskulinen Nachrichtenwerttheorie
- Diskussion über das Konzept des "Human Interest" als Lösungsansatz
Auszug aus dem Buch
2.2. Informationsverarbeitung beim weiblichen Geschlecht
Die in den neunziger Jahren noch vorherrschende Vereinheitlichung des Publikums- sowie Zuschauerbegriffs als eingeschlechtliche Variante, um Informationsverarbeitungen beim Mensch erklären zu können, greifen wie oben erwähnt zu kurz. Stattdessen soll hier der Versuch unternommen werden, Prozesse der Informationsverarbeitung im weiblichen Gehirn ansatzweise aufzuzeigen, um die wichtigsten Aspekte herauszustreichen.
Darlington (2009: 43) schreibt über die Gehirngrösse von weiblichen und männlichen Probanden sowie über das Verhältnis zum IQ: „Wheter or not there are differences in total brain volume between male and female humans, there is certainly evidence to suggest that there are differences in the volume of particular brain regions of males and females. […] The total cerebral volume was approximately 10 percent larger in males than in females. […] (But) the mean IQ […] was 113 for the females and 105 for the males”. Jordan u.a. (2004: 27) argumentieren ihrerseits, dass “sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Versuchspersonen ein grösseres Gehirnvolumen mit einer besseren Fähigkeit zum räumlichen Denken einhergeht. Ein ähnliches Verhältnis wurde auch zwischen dem Gehirnvolumen und bestimmten sprachlichen Fähigkeiten festgestellt (nur bei weiblichen Probanden), während Männer Testergebnisse erbrachten, die in keiner Beziehung zu ihrem Gehirnvolumen standen”.
Noch gewichtiger und im Hinblick auf die Frage der Arbeit von grösserer Bedeutung sind die Unterschiede in emotionalen Denkprozessen bei Frauen und Männern. Brizendine (2007) widmet den emotionalen Denkprozessen ein eigenes Kapitel. So reagierten Frauen mit beiden Gehirnhälften auf emotionale Erlebnisse, Männer dagegen nur mit einer (vgl. Brizendine 2007: 199). Auch die Verknüpfungen zwischen diesen Gefühlszentren seien diesen Befunden zufolge aktiver und umfangreicher (vgl. Brizendine 2007: 199). In biologischer und neuropsychologischer Hinsicht liege hierbei das Steuerungszentrum für Gefühle bei beiden Geschlechtern in der Amygdala, einer mandelförmigen Struktur im Inneren des Gehirns. Die Amygdala schalte die übrigen Systeme des Organismus aus, damit sie auf eintreffende emotionale Reize achte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Rezeptionswirkungsforschung und Darlegung der Fragestellung bezüglich geschlechtsspezifischer Unterschiede bei der Nachrichtennutzung.
2. Hauptteil: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der TV-Nachrichten, biologischen Aspekten der Informationsverarbeitung und der Kritik am maskulin dominierten Journalismus.
3. Schlussteil: Zusammenfassende Betrachtung der Schwächen von TV-Nachrichten und Diskussion über "Human Interest"-Ansätze zur Verbesserung der Informationsaufnahme bei Frauen.
Schlüsselwörter
TV-Nachrichten, Rezeptionsforschung, Gender, Informationsverarbeitung, maskuliner Journalismus, Nachrichtenwerttheorie, Amygdala, Human Interest, Informationsdefizit, weibliche Rezipienten, Medienwirkung, Geschlechtsunterschiede, Journalismusforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Problemen des "maskulinen" Journalismus und deren Auswirkungen auf die Art und Weise, wie weibliche Rezipienten TV-Nachrichten verstehen und verarbeiten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Nachrichtenwerttheorie, neuropsychologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern und die mediale Aufbereitung von Nachrichten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Lösungsansätze zu identifizieren, durch die Nachrichtenbeiträge für Frauen verständlicher und relevanter gestaltet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse und die Auswertung bestehender explorativer Studien aus der Kommunikationswissenschaft und Psychologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von TV-Nachrichten, die biologischen Grundlagen der Informationsverarbeitung im weiblichen Gehirn und die kritische Analyse der textuellen Ebene des maskulinen Journalismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gender, Nachrichtenrezeption, Informationsverarbeitung und maskuliner Journalismus maßgeblich geprägt.
Welche Rolle spielt die "Amygdala" in dieser Untersuchung?
Die Amygdala dient als biologisches Beispiel für emotionale Denkprozesse; Frauen nutzen ihre Gehirnhälften bei emotionalen Reizen anders, was ihre Art der Informationsaufnahme beeinflusst.
Warum wird der Begriff "Human Interest" als Lösung diskutiert?
Der "Human Interest"-Ansatz stellt menschliche Aspekte und Beziehungen in den Vordergrund, was nach Ansicht der untersuchten Studien das Interesse und das Verständnis bei weiblichen Zuschauern steigern kann.
Ist der Fokus auf die "Gleichstellung von Mann und Frau" ein zentrales Thema?
Nein, der Autor grenzt das Thema bewusst ein und fokussiert sich rein auf die textuelle Ebene der Nachrichtenaufbereitung, um die Informationslücke bei weiblichen Rezipienten zu adressieren.
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- Master of Arts UZH Roman Weber (Autor), 2010, Probleme des "maskulinen" Journalismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273582