Im Zuge des demographischen Wandels und der Globalisierung stellt die heutige Wissens- und Kommunikationsgesellschaft hohe Anforderungen an den Arbeitnehmer. Aufgrund des raschen technologischen Fortschritts steigt die Relevanz von Weiterbildungen und lebenslangem Lernen stetig an. In diesem Zusammenhang beklagen Unternehmen jedoch häufig „that students know a lot of facts but are not competent“ (Bastiaens & Meyer, 2000, p.1). Demnach scheint nicht die Vermittlung bzw. Anhäufung von Faktenwissen sondern der Wissenstransfer defizitär. Mit dem 1997 von Van Merriënboer entwickelten Four-Component Instructional Design Model (4C/ID), einer situierten Lernumgebung, die durch authentische Aufgaben das Erlernen komplexer kognitiver Fähigkeiten ermöglicht, soll die praktische Umsetzung theoretischen Wissens erleichtert werden (Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2011). In der vorliegenden Arbeit wird zunächst das 4C/ID Modell anhand eines praktischen Beispiels erläutert und durch die Erstellung eines Lernprozessentwurfs, eines sogenannten Blueprints, angewandt. Anschließend erfolgt eine lerntheoretische Einordnung des Modells, wobei auch Aspekte des situierten Lernens betrachtet werden. Des Weiteren werden Überlegungen zu didaktischen Szenarien, bezüglich der Integration in das 4C/ ID Modell, sowie Möglichkeiten des Einsatzes von unterstützenden Medien aufgeführt. Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung des Modells.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das 4C/ID Modell in der praktischen Anwendung: Ein Bildungswissenschaftler im Bereich der betrieblichen Aus- und Weiterbildung
2.1 Analyse der Kompetenz: Die Fertigkeitenhierarchie
2.2 Sequentialisierung der Aufgabenklassen: Vereinfachende Annahmen
2.3 Entwurf der Lernaufgaben
2.4 Hilfestellungen im Lernprozess: Unterstützende Informationen und Just-in-Time Informationen
3 Das 4C/ID Modell in der Theorie
3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Aspekte des situierten Lernens
3.2 Didaktische Szenarien zur Integration in das 4CID Modell
3.3 Geeignete Medien zur Unterstützung des Blueprints
4 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die praktische Anwendung des 4C/ID-Modells (Four-Component Instructional Design) zur Gestaltung komplexer Lernumgebungen, exemplifiziert am Berufsbild des Bildungswissenschaftlers im Bereich der betrieblichen Aus- und Weiterbildung.
- Analyse von Kompetenzen mittels Fertigkeitenhierarchien
- Sequentialisierung von Aufgabenklassen für komplexe Lernumgebungen
- Methodik des Entwurfs von Lernaufgaben mit unterschiedlichem Scaffolding
- Integration lerntheoretischer Aspekte und situierten Lernens
- Auswahl geeigneter Medien und didaktischer Szenarien
Auszug aus dem Buch
2.3 Entwurf der Lernaufgaben
Nach der Analyse der Kompetenz und der Sequentialisierung der Aufgabenklassen soll nun in einem dritten Schritt der Entwurf der Lernaufgaben erfolgen. Lernaufgaben sind „concrete, authentic, wholetask experiences“ (Merriënboer et al, 2002, p. 43). Eine Sequenz von Lernaufgaben bildet den Kern des Trainings bezüglich komplexen Lernens und fördert die Konstruktion kognitiver Schemata. Durch diese Schemata wird der Lernende in die Lage versetzt von einer konkreten Aufgabenstellung gedanklich zu abstrahieren, um Problemlösungsstrategien auf ähnliche Problemstellungen übertragen zu können. Für eine Aufgabenklasse (task classes, in Abbildung 1 als gestrichelte Rechtecke dargestellt) werden mehrere Lernaufgaben (learning classes, in Abbildung 1 als Kreise dargestellt) entwickelt, bei deren Bearbeitung dem Lernenden Unterstützung (scaffolding, in Abbildung 1 als Füllung der Kreise dargestellt) angeboten wird. Der Schwierigkeitsgrad innerhalb einer Aufgabenklasse bleibt gleich, lediglich die Unterstützung des Lernenden nimmt sukzessive von Lernaufgabe zu Lernaufgabe ab (Merriënboer, Kirschner & Kester, 2003).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz des 4C/ID-Modells als Antwort auf die Anforderungen der Wissensgesellschaft und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Das 4C/ID Modell in der praktischen Anwendung: Ein Bildungswissenschaftler im Bereich der betrieblichen Aus- und Weiterbildung: Dieses Kapitel wendet die Komponenten des Modells, wie die Fertigkeitenhierarchie und die Sequentialisierung von Aufgaben, konkret auf das Berufsbild an.
3 Das 4C/ID Modell in der Theorie: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung des Modells in den Kontext lerntheoretischer Ansätze und des situierten Lernens sowie eine Diskussion geeigneter didaktischer Szenarien und Medien.
4 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick: Das Kapitel rekapituliert die Anwendungsschritte und bewertet die Vorteile des 4C/ID-Modells hinsichtlich der Praxisrelevanz und Kompetenzentwicklung.
Schlüsselwörter
4C/ID-Modell, Instructional Design, betriebliche Weiterbildung, Bildungswissenschaft, Lernaufgaben, Fertigkeitenhierarchie, situierte Lernumgebung, Scaffolding, Just-in-Time Informationen, Kompetenzentwicklung, Wissenstransfer, Blended Learning, didaktische Szenarien, kognitive Schemata, Medienwahl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das 4C/ID-Modell eingesetzt werden kann, um komplexe Lerninhalte für die betriebliche Aus- und Weiterbildung methodisch fundiert aufzubereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Kompetenzanalyse, die Gestaltung von Lernaufgaben, die Bereitstellung von unterstützenden Informationen sowie die Wahl geeigneter didaktischer Szenarien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Erstellung eines Blueprints (Lernprozessentwurf) für die Weiterbildung von Bildungswissenschaftlern unter Anwendung des 4C/ID-Modells.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die theoretischen Grundlagen des 4C/ID-Modells nach Van Merriënboer sowie Methoden des Instructional Designs, um einen praxisnahen Entwurf für eine Lernumgebung zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der Prozess von der Analyse der Fertigkeitenhierarchie über die Sequentialisierung von Aufgaben bis hin zur konkreten Gestaltung der Lernumgebung und der Medienwahl detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind 4C/ID-Modell, Instructional Design, betriebliche Weiterbildung, Scaffolding, situierte Lernumgebung und Kompetenzentwicklung.
Wie unterscheidet sich das 4C/ID-Modell in der Anwendung von traditionellen Ansätzen?
Im Gegensatz zu Ansätzen, die primär Faktenwissen vermitteln, fokussiert das 4C/ID-Modell auf den Wissenstransfer und authentische Lernaufgaben, die durch abgestufte Unterstützung (Scaffolding) ergänzt werden.
Welche Rolle spielen die "Just-in-Time Informationen" in der Modellanwendung?
Sie dienen dazu, den Lernenden genau während der Bearbeitung einer Lernaufgabe Informationen zur Verfügung zu stellen, die für die Bewältigung wiederkehrender Teilfertigkeiten erforderlich sind.
Wie wird die Komplexität der Aufgaben für den Lernenden gesteuert?
Durch die Sequentialisierung der Aufgabenklassen werden Lernaufgaben vom Leichten zum Schwierigen angeordnet, wobei die Unterstützung durch den Experten sukzessive abnimmt.
- Citar trabajo
- Nadin Sellach (Autor), 2012, Das 4CID-Modell am Beispiel "Bildungswissenschaftler/in im Bereich der betrieblichen Aus- und Weiterbildung", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273605