Die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit bei Kindern (0-7 Jahre)


Seminararbeit, 2014

26 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kommunikation und Kommunikationsfähigkeit

3. Entwicklung der verbalen Kommunikation bei Kindern
3.1 Frühkindliche Entwicklungsstufe (0 - 2 Jahre)
3.2 Kleinkindliche Entwicklungsstufe (2 - 7 Jahre)

4. Die Entwicklung der nonverbalen Kommunikation bei Kindern

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Den örtlichen Jugendämtern wird speziell durch § 8a SGB VIII ein Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung zugesprochen, welches sie ermächtigt als staatliches Wächteramt aufzutreten. Eine Kindeswohlgefährdung bildet den rechtlichen Ausgangspunkt für einen Eingriff. Dennoch gibt es für den Begriff Kindeswohlgefährdung keine eindeutigen Definitionen und keine sachlichen Faktoren, die belegen, wann ein Verhalten kindeswohlgefährdend ist (vgl. Krieger, Lang, Meßmer & Osthoff, 2007, S. 96). Demnach ist Kindeswohlgefährdung ein unbestimmter Rechtsbegriff, welcher von Fall zu Fall individuell präzisiert werden muss (vgl. Oberloskamp, Brosch, 2007, S. 75). Laut § 1666 Absatz 1 BGB wird eine Gefährdung durch die Verletzung des körperlichen, geistigen und seelischen Wohls eines Kindes oder Jugendlichen begründet. Dieser gesetzliche Rahmen wurde durch den Bundesgerichtshof konkretisiert. Demnach liegt eine Gefährdung des Kindeswohls nur dann vor, wenn eine Gefahr für die kindliche Entwicklung gegenwertig ist oder unmittelbar bevorsteht und sich durch deren Fortsetzung eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls mit starker Gewissheit prognostizieren lässt (vgl. Oberloskamp, Brosch, 2007, S. 75).

Eine grundlegende Komponente der kindlichen Entwicklung bildet die Kommunikationsfähigkeit. Sie ist eines der Schlüsselelemente für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und zur Ausbildung einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit. Deshalb ist die Bewertung der Kommunikationsfähigkeit des Kindes ein Faktor zur Bewertung einer Kindeswohlgefährdung. Durch die unzureichende Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit können eventuelle geistige und seelische Schäden des Wohls für das weitere Leben prognostiziert werden. Zudem können Jugendliche und Erwachsene gewisse Lücken im Spracherwerb nie zu hundert Prozent schließen. Beispiele hierfür liefern einige durch die Medien bekannt gewordene Wolfskinder. Das Wolfskind Genie, welches 13 Jahre lang von der Außenwelt und somit von Menschen isoliert lebte, beherrschte zum Zeitpunkt ihrer Befreiung keine Silbe der menschlichen Sprache. Selbst nach acht Jahren intensiven Sprachtrainings entsprach ihre Ausdrucksweise die eines drei- bis vierjährigen Kindes (vgl. Mietzel, 2002, S. 174).

Da ich selbst, als Jugendamtsmitarbeiterin keine privaten Erfahrungen mit Kindern habe, fällt es mir sichtlich schwer diesen Bereich bei einem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung einzuschätzen. Aus diesem Grund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit dem Thema „Die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit bei Kindern“. Hierbei möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich mit der kindlichen Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit auseinandersetzen, um erkennen zu können, welche Entwicklungsschritte einem bestimmten Alter entsprechen. Dies ist sehr bedeutend, um bei einer Gefährdungseinschätzung feststellen zu können, ob das jeweilige Kind in kommunikativer Hinsicht altersgemäß entwickelt ist.

Um für diese Arbeit ein Fundament zu schaffen, werden im zweiten Kapitel die Begriffe Kommunikation, sowie Kommunikationsfähigkeit definiert und deren Bedeutung herausgearbeitet. Das dritte Kapitel setzt sich mit der verbalen Sprachentwicklung von Kindern auseinander. Dieses wird dabei in die Altersstufen von der Geburt bis zum zweiten Lebensjahr und von diesem bis zum siebten Lebensjahr unterteilt. Auf weitere Altersstufen wird in dieser Arbeit nicht eingegangen, da die weitere Entwicklung nicht durch so enorme Fortschritte gekennzeichnet ist und damit keine alterstypischen Kommunikationsbefähigungen herauszuarbeiten sind. Im vierten Kapitel wird die Entwicklung der nonverbalen Kommunikation bei Kindern dargestellt. Im fünften und letzten Kapitel werde ich meine Darstellungen zusammenfassen und meine Erkenntnisse zu diesem Thema, sowie meiner Fragestellung herausarbeiten.

In der vorliegenden Arbeit wird stets die männliche Form von Menschen benannt und steht damit als Synonym für die männliche und weibliche Person.

2. Kommunikation und Kommunikationsfähigkeit

Ein Mensch kann ohne Kommunikation seine materiellen und geistigen Bedürfnisse nicht befriedigen und somit nicht leben, arbeiten oder am Alltagsgeschehen teilnehmen. Ab dem Beginn seines Lebens geht jeder Mensch unzählbare Beziehungen zu anderen Menschen in seiner Umgebung ein. Die Kommunikation stellt demnach eine erforderliche Existenzbedingung und zugleich einen unumgänglichen Grundfaktor seiner psychischen Entwicklung dar. Ohne die Weitergabe und die Aneignung von sozial-historischen Erfahrungen ist eine vollkommene psychische Entwicklung jedes einzelnen Individuums unmöglich. Erst durch die Kommunikation mit einem erwachsenen Menschen, welcher sich bereits mit dem Leben, seiner materiellen und geistigen Kultur, den Gegenständen des täglichen Gebrauchs, der Sprache, den Werken der Wissenschaft und den Formen des logischen Denkens auskennt, kann sich das Kind dieses Wissen aneignen und von dem gesammelten Erfahrungen des Erwachsenen profitieren. Die erwachsene Person, die damit ihre Kultur in einem gewissen Maß beherrscht und fähig ist diese gesammelten Erfahrungen weiterzugeben, kann somit dem Kind die von der Menschheit entwickelten Verfahren der praktischen und geistigen Handlungen vermitteln. Damit spielen die Kommunikation und die eigene Kommunikationsfähigkeit eine entscheidende Rolle für den Erwerb neuer Kenntnisse und Fertigkeiten des Kindes, sowie für dessen inhaltliche Bereicherung seines Bewusstseins (vgl. Saporoshez & Lissina, 1978, S. 7 – 8).

Der Begriff „Kommunikation“ hat längst den Einzug in die verschiedensten Wissenschaften erhalten und stellt einen festen Bestandteil unserer Alltagssprache dar. Dennoch ist an dieser Stelle anzumerken, dass es keine wissenschaftlich anerkannte und allgemeine Definition dafür gibt. Zusammengefasst lässt sich die Kommunikation als eine Übermittlung oder einen Austausch von Informationen durch den Ausdruck und die Wahrnehmung von Zeichen definieren. Dabei kann die Informationsübertragung durch verschiedene Arten der sprachlichen oder nichtsprachlichen Zeichen stattfinden. Kommunikation dient dabei der Verständigung zwischen zwei oder mehreren Lebewesen. Erst durch Kommunikation ist es möglich eine Gesellschaft zu bilden und Gemeinsamkeiten zu ergründen. Kommunikation wird zu Interaktion, wenn sich die beteiligten Personen durch ihre Verständigung miteinander gegenseitig beeinflussen (vgl. Weischede, 2010, S. 18).

Kommunikation im eigentlichen Sinne umfasst den einseitigen Austausch von Informationen. Das bedeutet, dass es einen Informationssender gibt, der dem Informationsempfänger etwas mitteilt. Dies kennzeichnet somit die einfache Informationsweitergabe. Die Kommunikation stellt dabei, wie bereits zum Einstieg erwähnt, ein wesentliches Instrument zum Erlangen von Wissen, Erkenntnissen und Fähigkeiten dar. Das Zusammentragen der Informationen aus der Umgebung befähigt den Menschen dazu, neue Daten in eine Beziehung zueinander zusetzen, sodass diese eine Bedeutung für ihn entwickeln. Jeder Mensch konstruiert damit seine eigenen persönlichen Vorstellungen und Erwartungen durch die von ihm gewonnenen Informationen. Erst wenn sich zwei oder mehrere Personen gegenseitig zur Konstruktion von Bildern und Wirklichkeiten anregen, entsteht ein sozialer Prozess, bei dem sich der Begriff der Kommunikation von einem einseitigen zu einem wechselseitigen Austausch wandelt. Die Kommunikation dient demzufolge auch der Informationsverarbeitung. In der Umgangssprache hingegen steht Kommunikation allerdings häufig nur für das allgemeine Informieren. Dabei wird die Wechselseitigkeit der Kommunikation aufgegriffen, aber hauptsächlich durch Handlungen definiert. Folglich werden eher die Tätigkeiten des Kommunizierens gekennzeichnet, wie zum Beispiel das Gespräch, das Telefonieren oder das Senden von Briefen (vgl. Ternes, 2008, S. 20).

Dieser kurze Überblick der Kommunikation lässt bereits darauf schließen, dass die Kommunikationsfähigkeit eine sehr komplexe psychische Tätigkeit ist. Sie setzt demnach nicht nur die Ausbildung von Spracherzeugungs- und -rezeptionsmechanismen voraus, sondern auch einen gewissen Entwicklungsstand der Erkenntnis- und Denkfähigkeit, sowie des Sozialverhaltens. Zur Kommunikationsfähigkeit zählt erstens die Erkennung der Bedeutung bzw. des Ziels der Information. Der Kommunizierende muss sich bewusst machen können, was er bei seinem Kommunikationspartner bzw. was dieser bei ihm erreichen will. Dies bezieht sich auf die Feststellung der funktionalen Bedeutung der Äußerung. Zweitens muss der Kommunizierende den gedanklichen Inhalt seiner Äußerung konzipieren oder entschlüsseln können. Zudem sollte der Kommunizierende in der Lage sein die Kommunikationssituation zu analysieren, um feststellen zu können, unter welchen Umständen er Informationen erhält beziehungsweise preisgibt.

Indem ein Kind anfänglich unkomplizierte kommunikative Handlungen bewältigt, erwirbt es mit der Zeit ein Netzwerk an Fähigkeiten, Kenntnissen und Gewohnheiten, welches bis ins Erwachsenenalter ständig perfektioniert wird und die Grundlage für eine problemlose und differenzierte Gestaltung von Kommunikationshandlungen hervorbringt. Zum Beispiel nimmt ein Mensch während seines Lebens verschiedene Rollen ein. Indem er die verschiedenen Funktionen in sozialen Gruppen übernimmt, lernt er damit verbundene Rechte und Pflichten, sowie die Erwartungen an die kommunikative Haltung der Rolle. Durch die Einschätzung des unterschiedlichen Ansehens der Gruppenmitglieder und seiner Erfahrungen, lernt er unter anderem verschiedene Anredeformen oder differenzierte Wortschatzanwendungen im öffentlichen und privaten Bereich. Durch die immer steigende Menschenkenntnis gelingt es ihm auch zunehmend verschlüsselte Botschaften durch die Analyse von Körpersprachen zu verstehen. Eine höhere Kompetenz in der Kommunikationsfähigkeit erreicht der Kommunizierende, indem er lernt, sich auf die verschiedenen Gesprächspartner einzulassen, sowie seinen Standpunkt und seine Deutung der eigenen Kommunikation zu erkennen. Damit gelingt es ihm ausgesendete Signale zu steuern und dafür zu sorgen, dass er tatsächlich verstanden wird – auf allen Ebenen der Kommunikation (vgl. Gasde, Goretzki, Hartung, Heller, Ising, Kleinfeld, Kraft, Kraus, Ludwig, Meng, Scharnhorst, Schmits, Schwarz, Techtmeier & Tiele, 1974, S. 245 – 250).

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Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit bei Kindern (0-7 Jahre)
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Veranstaltung
Kommunikation
Note
1,5
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V273621
ISBN (eBook)
9783656659129
ISBN (Buch)
9783656696094
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Kinder, Entwicklung, verbal, nonverbal, frühkindlich, kleinkindlich, Sprache, Kommunikationsfähigkeit
Arbeit zitieren
Ariane Zabel (Autor), 2014, Die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit bei Kindern (0-7 Jahre), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273621

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