Eine grundlegende Komponente der kindlichen Entwicklung bildet die Kommunikationsfähigkeit. Sie ist eines der Schlüsselelemente für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und zur Ausbildung einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit. Deshalb ist die Bewertung der Kommunikationsfähigkeit des Kindes ein Faktor zur Bewertung einer Kindeswohlgefährdung. Durch die unzureichende Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit können eventuelle geistige und seelische Schäden des Wohls für das weitere Leben prognostiziert werden. Zudem können Jugendliche und Erwachsene gewisse Lücken im Spracherwerb nie zu hundert Prozent schließen.
Da ich selbst, als Jugendamtsmitarbeiterin keine privaten Erfahrungen mit Kindern habe, fällt es mir sichtlich schwer diesen Bereich bei einem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung einzuschätzen. Aus diesem Grund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit dem Thema „Die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit bei Kindern“. Hierbei möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich mit der kindlichen Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit auseinandersetzen, um erkennen zu können, welche Entwicklungsschritte einem bestimmten Alter entsprechen. Dies ist sehr bedeutend, um bei einer Gefährdungseinschätzung feststellen zu können, ob das jeweilige Kind in kommunikativer Hinsicht altersgemäß entwickelt ist.
Um für diese Arbeit ein Fundament zu schaffen, werden im zweiten Kapitel die Begriffe Kommunikation, sowie Kommunikationsfähigkeit definiert und deren Bedeutung herausgearbeitet. Das dritte Kapitel setzt sich mit der verbalen Sprachentwicklung von Kindern auseinander. Dieses wird dabei in die Altersstufen von der Geburt bis zum zweiten Lebensjahr und von diesem bis zum siebten Lebensjahr unterteilt. Auf weitere Altersstufen wird in dieser Arbeit nicht eingegangen, da die weitere Entwicklung nicht durch so enorme Fortschritte gekennzeichnet ist und damit keine alterstypischen Kommunikationsbefähigungen herauszuarbeiten sind. Im vierten Kapitel wird die Entwicklung der nonverbalen Kommunikation bei Kindern dargestellt. Im fünften und letzten Kapitel werde ich meine Darstellungen zusammenfassen und meine Erkenntnisse zu diesem Thema, sowie meiner Fragestellung herausarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kommunikation und Kommunikationsfähigkeit
3. Entwicklung der verbalen Kommunikation bei Kindern
3.1 Frühkindliche Entwicklungsstufe (0 - 2 Jahre)
3.2 Kleinkindliche Entwicklungsstufe (2 - 7 Jahre)
4. Die Entwicklung der nonverbalen Kommunikation bei Kindern
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die frühkindliche Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit, um Fachkräften in der Sozialen Arbeit eine Orientierungshilfe bei der Einschätzung möglicher Kindeswohlgefährdungen zu bieten. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, welche altersgemäßen Entwicklungsschritte in der verbalen und nonverbalen Kommunikation zu erwarten sind.
- Grundlagen von Kommunikation und Kommunikationsfähigkeit
- Phasen der verbalen Sprachentwicklung bei Kindern
- Bedeutung der nonverbalen Kommunikation in der frühen Kindheit
- Kommunikationsfähigkeit als Indikator für Kindeswohl
- Entwicklungspsychologische Meilensteine bis zum siebten Lebensjahr
Auszug aus dem Buch
3.1 Frühkindliche Entwicklungsstufe (0 - 2 Jahre)
Jedes Kind begrüßt zu seiner Geburt alle Anwesenden mit einem ersten Schrei. Bereits diese verschlüsselte Botschaft, mit der das Kind mitteilen möchte, dass seine Atemfunktion funktionstüchtig ist, stellt dabei einen ersten Kommunikationsakt dar. Da der Säugling die Sprache der Menschen noch nicht beherrscht, nutzt er zukünftig erst einmal das Schreien. In dieser Weise kommuniziert er mit den Menschen in seiner Umgebung, um ihnen mitzuteilen, wann sie sich um ihn kümmern sollen oder wenn er Bedürfnisse und Wünsche hat. Demnach stellt das Schreien offenbar ein angeborenes Werkzeug der Kommunikation dar, um seine Überlebenschancen in den ersten Monaten zu erhöhen. Bereits in diesen Wochen seines Lebens sind die Schreie des Neugeborenen durch individuelle Persönlichkeiten und verschiedene Arten gekennzeichnet. So unterscheiden sich die Schreie zum Beispiel durch einen Geburtsschrei, von einem Schmerzschrei oder einem Hungerschrei. In den alltäglichen Situationen lässt sich von den Eltern dennoch schwer herausfiltern, welche Nachricht der Säugling mitteilen möchte (vgl. Mietzel, 2002, S. 122). Die Möglichkeiten des Neugeborenen für Kommunikationen sind damit stark begrenzt. Aber bereits nach einigen Monaten lernt das Kleinkind sich an kommunikativen Prozessen zu beteiligen und damit sich zu verständigen. Im Alter von zwei Monaten ist das Kind bereits in der Lage zwischen verschiedenen Sprachlauten zu differenzieren. Ohne Zweifel kann durch die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse belegt werden, dass das Kind Mitteilungen von anderen Personen verstehen kann, bevor es diese selbst äußern kann (vgl. Mietzel, 2002, S. 158).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet den rechtlichen Kontext des Kindeswohls und die Relevanz der Kommunikationsfähigkeit für die Identifikation von Gefährdungsrisiken.
2. Kommunikation und Kommunikationsfähigkeit: Definiert die begrifflichen Grundlagen und erläutert die Bedeutung von Kommunikation als essenzielle psychische Tätigkeit für die soziale Entwicklung.
3. Entwicklung der verbalen Kommunikation bei Kindern: Analysiert den Spracherwerb von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr, unterteilt in zwei zentrale Entwicklungsstufen.
3.1 Frühkindliche Entwicklungsstufe (0 - 2 Jahre): Beschreibt den Übergang von ersten Lautäußerungen und dem Schreien hin zur Bildung der ersten Wörter und dem Ein-Wort-Stadium.
3.2 Kleinkindliche Entwicklungsstufe (2 - 7 Jahre): Dokumentiert die rasante Zunahme des Wortschatzes, die Anwendung grammatikalischer Regeln und die zunehmende Fähigkeit zur pragmatischen Sprachverwendung.
4. Die Entwicklung der nonverbalen Kommunikation bei Kindern: Untersucht die Rolle von Mimik, Gestik und Blickkontakt als grundlegende Ausdrucksmittel vor und während der Sprachentwicklung.
5. Fazit: Fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Bedeutung der Kommunikationskompetenz als diagnostischen Indikator für Fachkräfte in der Jugendhilfe.
6. Literatur: Listet die verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Fachbücher auf, die dieser Arbeit zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Kommunikationsfähigkeit, Kindeswohlgefährdung, Sprachentwicklung, Verbale Kommunikation, Nonverbale Kommunikation, Frühkindliche Entwicklung, Spracherwerb, Sozialarbeit, Interaktion, Pragmatik, Syntax, Mimik, Gestik, Bindung, Sprachverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Stufen der kindlichen Kommunikationsentwicklung und deren Relevanz für die Einschätzung des Kindeswohls durch Mitarbeiter im Jugendamt.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der verbalen Sprachentwicklung, der nonverbalen Kommunikation durch Gestik und Mimik sowie der Bedeutung dieser Fähigkeiten für die soziale Teilhabe des Kindes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die altersgemäßen Kommunikationsschritte zu vermitteln, um Fachkräften bei Verdachtsfällen von Kindeswohlgefährdung eine sicherere Einschätzung der kindlichen Entwicklung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie und Linguistik zusammenführt und auf den Kontext der Sozialen Arbeit bezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition von Kommunikation, eine detaillierte Darstellung der verbalen Entwicklung (unterteilt in 0-2 und 2-7 Jahre) sowie eine ausführliche Analyse der nonverbalen Kommunikation.
Welche Begriffe sind für die Arbeit besonders wichtig?
Zentrale Begriffe sind neben der Kommunikationsfähigkeit vor allem Kindeswohlgefährdung, Prosodie, Holophrasen, Syntax, Pragmatik und der Egozentrismus nach Piaget.
Inwiefern beeinflusst der Egozentrismus die kindliche Kommunikation?
Piaget beschreibt das egozentrische Denken als Phase, in der Kinder Schwierigkeiten haben, die Perspektive anderer einzunehmen, was sich in kollektiven Monologen und einer fehlenden Anpassung an den Gesprächspartner äußert.
Warum ist das Schreien eines Neugeborenen bereits als Kommunikation zu werten?
Das Schreien dient als angeborenes Signal, mit dem das Kind Bedürfnisse wie Hunger oder Schmerz kommuniziert, um lebenswichtige Fürsorge durch Bezugspersonen zu erhalten.
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- Ariane Zabel (Autor), 2014, Die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit bei Kindern (0-7 Jahre), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273621