In vielen Schulbüchern häufen sich sowohl fachdidaktisch problematische Aufgabenstellungen als auch fachwissenschaftliche Ungenauigkeiten und Fehler in Autorentexten sowie in Bild-und Textquellen. Da das Schulbuch immer noch als ein Leitmedium des Geschichtsunterrichts gilt und nicht selten als „heimlicher Lehrplan“ verwendet wird, ist es insbesondere für Geschichtslehrer wichtig, die Problematik beim Einsatz des Schulbuchs zu kennen und sinnvoll für die Unterrichtsgestaltung zu nutzen.
Das Thema des öffentlichen Gedenkens und Erinnerns an die Opfer des Holocaust spielt heutzutage in der wissenschaftlichen Analyse und geschichtskulturellen Reflexion eine große Rolle. Das Schulbuch für den gymnasialen Geschichtsunterricht der 9. Klasse in Bayern „Mosaik – Der Geschichte auf der Spur B9“ widmet diesem Thema ganze vier Seiten.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, wie das Thema des öffentlichen Gedenkens an die Opfer des Holocaust im Schulbuch „Mosaik – Der Geschichte auf der Spur B9“ formal und inhaltlich aufgebaut ist und welche fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Problematiken sich beim Einsatz des Schulbuchs im Geschichtsunterricht ergeben können.
In einem ersten Schritt soll zunächst die formal-gestalterische Ebene der beiden Doppelseiten untersucht werden.
Anschließend soll das fachwissenschaftliche und fachdidaktische Potential der Autorentexte sowie der Bild- und Textquellen herausgearbeitet werden. Neben der altersangemessenen Textverständlichkeit und der wissenschaftlichen Aktualität wird hier ein besonderer Schwerpunkt auf die Korrektheit der Inhalte gelegt. Zusätzlich soll geklärt werden, ob bei der Auswahl der Materialien Wert auf geschichtsdidaktische Prinzipen gelegt wurde und diese methodisch innovativ umgesetzt werden. Auch der inhaltliche Aufbau und die Struktur der Doppelseiten sollen herausgearbeitet und beurteilt werden.
In einem nächsten Schritt wird die fachdidaktisch-funktionale Ebene der Schulbuchseiten genauer in den Blick genommen. Dazu sollen die einzelnen Arbeitsaufträge auf ihr didaktisches Potenzial, aber auch auf eventuelle Problematiken hin untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Formal-gestalterische Ebene
3. Fachwissenschaftliches und fachdidaktisches Potential der Materialien
3.1. Erster Autorentext auf Seite 54
3.2. Zweiter Autorentext auf Seite 54
3.3. Die Bildquelle M1
3.4. Die Textquellen
3.5. Der Autorentext auf Seite 56
3.6. Die Bildquelle M1
3.7. Die Grafik M2
4. Fachdidaktisches Potential der Arbeitsaufträge
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
6.1. Primärquellen
6.2. Sekundärquellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Schulbuch "Mosaik – Der Geschichte auf der Spur, B9" im Hinblick darauf, wie das Thema des öffentlichen Gedenkens und Erinnerns an die Opfer des Holocaust formal und inhaltlich strukturiert ist, sowie welche fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Potenziale und Problematiken sich daraus für den Geschichtsunterricht ergeben.
- Didaktische Analyse von Schulbuchmaterialien zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust.
- Untersuchung der formal-gestalterischen Ebene und der Struktur von Schulbuchkapiteln.
- Bewertung der fachwissenschaftlichen Korrektheit und der Multiperspektivität in Text- und Bildquellen.
- Analyse des didaktischen Potenzials von Arbeitsaufträgen zur Förderung historischer Kompetenzen.
- Reflexion über die Eignung des Schulbuchs als Leitmedium für den Geschichtsunterricht der 9. Klasse.
Auszug aus dem Buch
3.3. Die Bildquelle M1
Die Bildquelle M1 ist eine schwarz-weiß Fotografie und zeigt, wie Juden aus Siedlece und Umgebung (Polen) auf ihre Deportation in das Vernichtungslager Treblinka warten. Somit schließt die Bildquelle inhaltlich kohärent an den zweiten Autorentexts an. Die Bildquelle ist in ihrer Qualität und ihrem Format angemessen, denn die wichtigsten Details sind gut erkennbar. Das Foto zeigt hunderte am Boden sitzende und liegende Menschen, die den Blick größtenteils nach unten gerichtet haben. Der Betrachter blickt auf die am Boden sitzenden Menschen, die ca. 90% des Fotos einnehmen. Es ist nur ein kleiner Streifen Himmel zu sehen (ca. 10% des Fotos). Durch diese Perspektive und die Komposition der Fotografie wird hervorgehoben, welch enorme Anzahl an Juden deportiert wurde.
Kritisch zu betrachten ist, dass weder eine Angabe darüber gemacht wird, aus welcher Quelle das Foto entnommen wurde, noch die Größe des Originalformats und das Entstehungsdatum angeführt werden. Die Information über das Aufnahmedatum ist jedoch insbesondere für Schüler/innen wichtig, um die Bildquelle in den historischen Kontext einzuordnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die kritische Rolle von Schulbüchern heraus und definiert das Untersuchungsziel, die Darstellung des Holocaust im Schulbuch "Mosaik B9" zu analysieren.
2. Formal-gestalterische Ebene: Hier wird die strukturelle Aufbereitung des Schulbuchs in Themengebiete und Kapitel untersucht, wobei die didaktische Funktion der Doppelseitengestaltung hervorgehoben wird.
3. Fachwissenschaftliches und fachdidaktisches Potential der Materialien: In diesem zentralen Teil werden Autorentexte, Bildquellen und Textquellen kritisch auf ihre fachwissenschaftliche Genauigkeit und ihr didaktisches Potenzial geprüft.
4. Fachdidaktisches Potential der Arbeitsaufträge: Dieses Kapitel bewertet die Qualität und das methodische Spektrum der im Schulbuch enthaltenen Arbeitsaufgaben zur Förderung der Schülerkompetenzen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Schulbuch trotz kleinerer fachwissenschaftlicher Mängel ein hohes didaktisches Potenzial bietet, sofern Lehrkräfte über die Problematiken informiert sind.
6. Literaturverzeichnis: Dies ist das Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Unterstützung der fachdidaktischen Analyse.
Schlüsselwörter
Schulbuchanalyse, Holocaust, Geschichtsunterricht, Multiperspektivität, Zeitzeugen, Gedenken, Nationalsozialismus, Didaktik, Quellenkritik, Mosaik B9, Erinnerungskultur, Bildquellenanalyse, Arbeitsaufträge, Lernpotenzial, Holocaustgedenktag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie das Schulbuch "Mosaik – Der Geschichte auf der Spur, B9" das Gedenken an die Opfer des Holocaust thematisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf die formal-gestalterische Struktur, die inhaltliche fachwissenschaftliche Korrektheit der Texte und Quellen sowie das didaktische Potenzial der Arbeitsaufträge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob die Darstellung des Holocaust im Schulbuch historisch fundiert ist und welche didaktischen Möglichkeiten bzw. Problematiken sich daraus für den Unterricht ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine didaktische Analyse angewandt, die das Material auf formal-gestalterischer, fachwissenschaftlich-inhaltlicher und fachdidaktisch-funktionaler Ebene evaluiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse der Autorentexte, der Bildquellen, der Textquellen und der anschließenden Übungsaufgaben des Schulbuchs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Schulbuchanalyse, Holocaust, Multiperspektivität, Gedenkkultur und fachdidaktisches Potenzial.
Warum wird die Darstellung des "Tag der Erinnerung" im Schulbuch kritisiert?
Der Text erläutert die Bedeutung des 27. Januar als internationalen Gedenktag nicht ausreichend, was zu einem Wissensdefizit bei den Schülern führt.
Welches Problem identifiziert die Autorin bei der Grafik M2?
Die Autorin weist darauf hin, dass die Zahlenangaben in der Grafik teilweise fehlerhaft sind und keine Quellen angegeben werden, was die historische Glaubwürdigkeit mindert.
- Quote paper
- Sabrina Rutner (Author), 2013, Darstellung des öffentlichen Gedenkens an die Opfer des Holocaust im Schulbuch „Mosaik. Der Geschichte auf der Spur, B9“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274090