Großbritannien und Europa pflegten schon immer ein ambivalentes Verhältnis. Seit der globalen Finanzkrise im Jahre 2008 ist dieses Verhältnis am vorläufigen Tiefpunkt angekommen. In der vorliegenden Arbeit werden sowohl die Gründe als auch der Ton in der Meinungsdebatte seit 2008 analysiert. Ziel ist es zu verdeutlichen, dass die schon immer europakritische Haltung der Briten seit der Finanzkrise eine neue Dimension erreicht hat. Zunächst wird die außenpolitische Situation Großbritanniens
im Rahmen der europäischen Integration umrissen. Anschließend wird auf die institutionelle Einbindung der Briten im europäischen Verbund eingegangen und die daraus resultierenden Gründe für die schwierigen Beziehungen genannt. Abschließend wird die neue Meinungsdebatte sowohl auf politischer Ebene, als auch in der britischen Presse genauer untersucht. Dabei werde ich auf Kampagnen, Schlagzeilen und die verwendete Terminologie zurückgreifen, um die oben genannte These zu stützen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Großbritannien und Europa
2.1 Großbritannien nach dem zweiten Weltkrieg
2.2 Europäische Integration ohne Großbritannien
3. Großbritannien in der Europäischen Gemeinschaft
3.1 Großbritannien als 'awkward' Partner in Europa
3.2 Gründe für die schwierigen Beziehungen zwischen Großbritannien und Europa
4. Neue Debatte in Großbritannien über die Europäische Union
4.1 Gründe für die neue Debatte
4.2 Der Ton der Debatte in den britischen Medien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Gründe und den medialen Ton der britischen Meinungsdebatte über die Europäische Union seit der Finanzkrise 2008, um aufzuzeigen, dass die traditionelle Europaskepsis der Briten eine neue, radikalere Dimension erreicht hat.
- Historische Entwicklung des Verhältnisses zwischen Großbritannien und Europa
- Institutionelle Herausforderungen und die Rolle als "awkward partner"
- Auswirkungen der Finanzkrise auf den Euroskeptizismus
- Die Rolle der britischen Boulevardpresse bei der Debattenführung
- Politische Dynamiken zwischen der Regierung Cameron und der UKIP
Auszug aus dem Buch
4.2 Der Ton der Debatte in den britischen Medien
In der britischen Medienlandschaft ist es vor allem die Boulevardpresse, die zunehmend eine europafeindliche Haltung einnimmt. Besonders die Zeitungen Daily Express, The Sun und die Daily Mail nehmen eine extreme Haltung gegenüber Europa ein. Bedenklich dabei ist, dass The Sun und die Daily Mail die zwei auflagenstärksten Zeitungen in Großbritannien darstellen. Zusammen erreichen diese drei Zeitungen eine Auflagestärke von über 4,5 Millionen und werden vor allem von der Mittel- und Unterschicht gelesen. Im folgenden möchte ich einen Überblick über den Ton in der Mediendebatte verschaffen, indem einige Schlagzeilen und insbesondere die harsche Ausdrucksweise vorgestellt werden, um die neue Dimension zu verdeutlichen, die die Debatte erreicht hat.
Seit 2010 ist es in der britischen Presse zur Normalität geworden, alle negativen Entwicklungen der Europäischen Union in die Schuhe zu schieben, seien diese auch völlig absurd. Ein Überblick über die Schlagzeilen der letzten Jahre verdeutlicht, dass die EU praktisch für alles mögliche verantwortlich gemacht wird. Dabei wird nich sachlich analysiert, sondern populistisch übertrieben. So ist allein die EU unter anderem verantwortlich für: Benzinpreiserhöhungen ('EU force new rise in price of petrol'), Arbeitslosigkeit ('EU cheats us out of jobs'), für den teuren Familienurlaub ('New tax slaps £450 on family holiday') und für die Gehirnwäsche britischer Kinder ('EU brainwash our children'). Dass die britische Presse teilweise ungenau berichtet oder sogar Tatsachen verdreht, ist der Europäischen Union durchaus bekannt. Deshalb hat die Europäische Kommission extra eine Seite eingerichtet, die sich mit den Euromythen der britischen Presse auseinandersetzt und aufklärt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das ambivalente Verhältnis zwischen Großbritannien und Europa mit Fokus auf die Verschärfung der Debatte durch die Finanzkrise 2008.
2. Großbritannien und Europa: Beleuchtung der historischen außenpolitischen Ausgangslage nach 1945 und der Entscheidung gegen eine frühe europäische Integration.
3. Großbritannien in der Europäischen Gemeinschaft: Analyse der Rolle Großbritanniens als schwieriger Partner und der institutionellen sowie kulturellen Integrationsprobleme.
4. Neue Debatte in Großbritannien über die Europäische Union: Untersuchung der Gründe für den aktuellen Anstieg des Euroskeptizismus und der Rolle der Medien bei der Radikalisierung des Diskussionsklimas.
5. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach die heutige Debatte das Resultat einer historisch und institutionell bedingten, schwierigen Beziehung ist, die durch die Finanzkrise weiter befeuert wurde.
Schlüsselwörter
Großbritannien, Europäische Union, Europaskepsis, Finanzkrise, Boulevardpresse, UKIP, David Cameron, Medienberichterstattung, Integration, Politische Kultur, Euroskeptizismus, Sonderbeziehung, EU-Austritt, Öffentlichkeitsarbeit, Britische Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das historisch belastete und ambivalente Verhältnis zwischen Großbritannien und der Europäischen Union, insbesondere im Kontext der Verschärfung der europakritischen Debatte seit der Finanzkrise 2008.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die außenpolitische Geschichte des britischen Verhältnisses zu Europa, institutionelle Konflikte innerhalb der EU, der Aufstieg der UKIP und der Einfluss der Boulevardpresse auf die öffentliche Meinung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob die mediale und politische Debatte seit 2008 eine neue, radikalere Dimension der Europaskepsis in Großbritannien erreicht hat.
Welche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Es wird eine kulturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Entwicklungen einbezieht und die mediale Rhetorik sowie politische Kampagnen untersucht.
Was sind die Schwerpunkte im Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die Nachkriegsgeschichte Großbritanniens, die Integrationsschwierigkeiten in der EG, die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Wählerverhalten und die aggressive Tonalität der britischen Boulevardmedien gegenüber der EU.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Europaskepsis, 'awkward partner', britische Medienlandschaft, Finanzkrise 2008 und das besondere Verhältnis Großbritanniens zu den USA.
Warum wird Großbritannien oft als 'awkward partner' bezeichnet?
Der Begriff beschreibt die Tendenz Großbritanniens, sich innerhalb der EU oft querzustellen, bei Entscheidungen in der Minderheit zu verbleiben und Schwierigkeiten mit dem Kompromisscharakter der europäischen politischen Kultur zu haben.
Welchen Einfluss hatte die Boulevardpresse auf die Stimmung gegenüber der EU?
Die Boulevardpresse hat durch die Verwendung von teils populistischer Kriegsrhetorik und die Verbreitung von "Euromythen" maßgeblich dazu beigetragen, die europafeindliche Stimmung in der Bevölkerung zu verschärfen.
Warum hat die Finanzkrise 2008 das Verhältnis so stark belastet?
Die Finanzkrise ließ den pragmatischen Nutzen der EU für Großbritannien, der primär in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit gesehen wurde, in den Hintergrund treten und befeuerte die Forderungen nach einem Austritt.
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- Patrick Spieß (Author), 2013, Die Europäische Union in den britischen Medien. Eine neue Dimension der Europaskepsis?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274322