Möglichkeiten und Grenzen der psychographischen Zielgruppensegmentierung

Dargestellt am Beispiel des GfK-Modells „Roper Consumer Styles“


Seminararbeit, 2012
33 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Begriffsdefinitionen
2.2 Entwicklung der Zielgruppensegmentierung
2.3 Zielgruppenmodelle
2.3.1 Sinus-Milieus von Sociovision
2.3.2 Semiometrie-Modell von TNS Infratest

3. GfK Roper Consumer Styles
3.1 Gesellschaft für Konsumforschung
3.2 Entwicklung
3.3 Ziel, Theorie und Methodik
3.3.1 Ziel
3.3.2 Theorie
3.3.3 Methodik

4. Möglichkeiten und Grenzen - dargestellt am GfK-Modell RCS
4.1 Möglichkeiten
4.2 Grenzen

5. Fazit

Quellenverzeichnis

Anhang

Anhang 1: Charakteristik der Wertetypen der Sinus-Milieus

Anhang 2: „Kartoffelgrafik“ Sinus-Milieus

Anhang 3: Befragungsbogen Semiometrie-Modell

Anhang 4: Semiometrie-Modell TNS Infratest

Anhang 5: Charakteristik der Wertetypen des Semiometrie-Modells

Anhang 6: Profil der Werteorientierungen

Anhang 7: Key-Informationen

Anhang 8: Strukturkarte der Werteorientierungen

Anhang 9: Charakteristik der Wertetypen des RCS-Modells

Anhang 10: Anordnung der Wertetypen auf der Strukturkarte

Anhang 11: Analysemethode durch das RCS-Modell

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: „Kartoffelgrafik" der Sinus-Milieus

Abbildung 2: Auszug Befragungsbogen - Semiometrie-Modell

Abbildung 3: Semiometrie-Modell TNS Infratest

Abbildung 4: Werteorientierungen in verschiedenen Ländern, "Weltoffene"

Abbildung 5: Key-Informationen des RCS-Modells der GfK

Abbildung 6: Strukturkarte der Werteorientierungen.

Abbildung 7: Strukturkarte mit Verteilung der Wertetypen

Abbildung 8: Analysemethode durch das RCS-Modell

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Gesellschaft befindet sich in einem permanenten Wertewandel. Der „Mega­trend Individualisie­rung“ (Dziemba/Wenzel 2011, S. 16) führt dazu, dass der Mensch in seinem Lebensstil, in seiner Einstellung und in seinen Entscheidun­gen einzigartig sein will (vgl. Holland 2009, S. 12). Parallel dazu steigen die Anforde­rungen an Produkte und Dienstleistun­gen (vgl. Enke/Geigenmüller 2006, S. 11). Setzte man früher auf undifferenziertes Massen­marketing bei dem das Produkt im Vordergrund stand, sieht sich der Verbraucher heute im Zentrum aller Marketingakti­vitäten (vgl. Kotler/Kartajaya/Setiawan 2010, S. 21-23). Unterneh­men erkannten schnell, dass Verbraucher für eine effektive Werbean­sprache differenziert betrachtet werden müssen. Doch die alther­gebrachte Segmentierung nach soziodemografi­schen Merkmalen wie Alter, Wohn­ort, Geschlecht, Bildungs­stand und sozialen Schichten ge­nügt nicht mehr, um die potenziellen Kunden von heute zu erreichen (vgl. Kotler/Kartajaya/Setiawan 2010, S. 22). Das Marke­ting orientiert sich daher immer mehr am Lebensstil des Verbrauchers. Die zahlrei­chen Merkmale zu Träumen, Wünschen und Einstellungen machen sichtbar, was durch die statisti­schen Zahlen der demografischen Segmentie­rung nicht deutlich wurde: Die Gefühls- und Wertewelt der Befragten. Diese Fakto­ren sind wichtig, um das Konsumverhalten der Men­schen zu verstehen (vgl. IMUK 2011, S. 1). Denn das Kaufverhalten des Individuums wird nicht nur durch innerpsychische Determinan­ten wie Aktivierung, Motivation und Emotion, son­dern auch durch dessen Umwelt, die Gesellschaft und die Kultur in der es lebt bestimmt (vgl. Homburg/Krohmer, 2006, S. 47). „Zeig mir, wie du wohnst; sag mir, was du liest, hörst und siehst – und ich sag dir, wer du bist: Konsumpro­dukte verraten viel über den Charakter ihres Besitzers. Mit dieser Erkenntnis planen Marketing­manager die Zukunft des Shoppens. Sie wis­sen, was wir wann wo kaufen – und warum“ (Götting 2009, S. 66).

In dieser Hausarbeit sollen die Möglichkeiten und Grenzen der psychographi­schen Zielgruppenseg­mentierung, dargestellt am Beispiel des GfK (Gesell­schaft für Konsumforschung) Modells RCS (Roper Consumer Styles), erörtert werden. Dazu werden zunächst die theoreti­schen Grundlagen dargelegt und exemplarisch zwei ausgewählte Modelle zur Zielgruppensegmentie­rung aufge­zeigt. Im nächsten Schritt wird das RCS-Modell der GfK vorge­stellt. Dabei wer­den dessen Entwicklung, Ziel, Theorie und Methodik erläutert, woraufhin die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes dieses Marketinginstruments bei der GfK diskutiert werden. In der Fachliteratur werden wenige Angaben zu den Gren­zen der psychographischen Zielgrup­pensegmentierung anhand des RCS-Modells aufgezeigt. Aufgrund der Sensibilität der unternehmensinternen Daten, lehnte auch die GfK die Übermittlung solcher Informationen ab. Aus diesem Grund werden allgemeine Grenzen der Zielgruppensegmentierung aus der Literatur dargelegt. Anschließend wird diskutiert, ob und wenn ja, inwiefern diese auf die Zielgruppensegmentierung mittels des RCS-Modells der GfK zutreffen könnten.

2. Grundlagen

2.1 Begriffsdefinitionen

Die Zielgruppe beschreibt „diejenigen Personen und/oder Institutionen, die mit den Kommunikations­instrumenten, wie Werbung, Public Relations, Verkaufsförde­rung angespro­chen werden sollen, um bestimmte Werbe- bzw. Kommunikationsziele erreichen zu kön­nen“ (Seebohn 2011, S. 257). Diese ist Bestandteil der Marktsegmentierung, bei welcher „der heterogene Gesamtmarkt in homogene Teilmärkte aufgeteilt wird, um dann eine Auswahl erfolgver­sprechen­der Segmente und eine optimale segmentbezogene Marktansprache vorneh­men zu können“ (Herrmann/Homburg 2000, S. 741). Innerhalb einer psycho­graphischen Segmentie­rung werden Käufer „mit der Hilfe von psychologi­schen Kriterien unterschieden, z.B. nach den Persönlichkeits-merkma­len und den Lebensgewohnheiten“ (Seebohn 2011, S. 147). Kriterien für eine Segmentierung sind „Verhaltensrelevanz, Ansprechbarkeit, Trennschärfe, Messbar­keit, zeitliche Stabilität und Wirtschaftlich-keit“ (Homburg/Krohmer 2006, S. 486).

2.2 Entwicklung der Zielgruppensegmentierung

Ende der 50er Jahre verwendeten viele Unternehmen das Instrument „Massenmar­keting“, um Kosten mittels Vereinheitlichung der Produktion und der Werbung gering zu halten. Dieser Preisvorteil wurde an den Kunden weitergege­ben. Die Produkte waren daher zwar weitestge­hend undifferenziert, aber für eine breite Masse von Kunden erschwinglich (vgl. Kotler/Kartajaya/Setiawan 2010, S. 21). „Jeder Kunde kann ein Auto in der Farbe seiner Wahl erhalten - vorausgesetzt sie ist schwarz“ (Kotler/Kartajaya/Setiawan 2010, S. 21) sagte einst Henry Ford. Im Zuge des Wertewandels, von traditio­nellen Werten hin zur Selbstverwirklichung und Unabhängig­keit, stieg die Kon­sumkritik der Verbraucher in den 70er Jahren und somit die Anforderun­gen an das Marketing (vgl. Homburg/Krohmer 2006, S. 48). Unternehmen erkann­ten, dass der Fokus nicht auf das Produkt, sondern auf den Kunden gerichtet wer­den muss. Da­mit begann die Klassifizierung von Konsumenten in Zielgruppen anhand soziodemografi­scher Merkmale wie Alter, Bildungsstand, Einkom­men und Geschlecht (vgl. Duttenhöfer 2009, S. 2). Der technische Fortschritt und die damit verbundene Globalisierung, führten zu einem Struktur- und Wertewan­del sowie zu neuen Lebensstilen und Werten. Der Psychologe D. Statt definiert den Lebensstil als „die charakteristischen kultu­rellen und subkulturel­len Verhaltensmuster Einzel­ner oder einer Gruppe von Personen. Im Lebensstil kommen die Wert- und Zielorientie­rung der Konsu­menten zum Aus­druck“ (Foscht/Swomboda 2007, S. 125). Als Werte bezeich­net man die dauer­hafte innere Einstellung und Überzeugung von Dingen und Eigenschaften, die zu einem guten und wünschenswerten Verhalten führen (vgl. Homburg/Krohmer 2006, S. 47). Die Zielgruppensegmentierung anhand rein demografischer Merkmale reichte daher nicht mehr aus, um die Kunden gezielt ansprechen zu können. Die menschli­chen Werteorientierungen wurden in die Analysen mit einbezogen, um gezielt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Verbrau­cher einge­hen zu können (vgl. Kotler/Kartajaya/Setiawan 2010, S. 43 - 45). Durch die immer größere Zersplitte­rung der Märkte und Zielgruppen, muss sich das Marketing ständig neu orientieren und den Konsumenten anpassen. Es entwickelten sich mit der Zeit sen­sible Modelle, um Zielgruppen anhand ihrer Werte, Aktivitäten, Interes­sen und Lebens­stile klassifizieren zu können (vgl. Sociovision1 2009, S.3).

2.3 Zielgruppenmodelle

Es gibt mehrere Modelle zur psychographischen Zielgruppensegmentierung. Im folgenden Ab­schnitt werden zwei der insgesamt drei ausgewählten Modellen von „qualitativen Marktfor­schern“ (Hermes 2005, S. 16) vorgestellt: die Sinus-Milieus von Sociovision und das Semiometrie-Modell von TNS (Taylor Nelson Sofres) Infratest. Das dritte Modell RCS der GfK, welches Hauptbestandteil die­ser Ausarbeitung ist, findet sich in Kapitel 3.

2.3.1 Sinus-Milieus von Sociovision

Sinus Sociovision ist ein Marktforschungsinstitut mit Sitz in Heidelberg. Die Si­nus-Milieus sind das Ergebnis von mehr als 30 Jahren sozialwissenschaftlicher Forschung und werden seit 1979 stetig weiterentwickelt. Sie gruppieren Men­schen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebens­weise ähneln. Hierbei bezieht sich das Modell auf die Lebensstile und Lebenswelten der Verbraucher (vgl. Kalka/Allgayer 2007, S. 13). Die Milieus dienen der differenzierten Beschrei­bung von Käufer- und Kundengruppen, der Aufspürung von Marktni­schen, der gezielten Positionie­rung von Produkten und Dienstleistungen und der Früherkennung und Lokalisierung von neuen Motivationen. Die unterschied­lichsten Unternehmen nutzen die Erkenntnisse von Sociovision über die psychogra­phische Zielgruppensegmentierung (vgl. Sociovision1 2009, S. 7).

Ende der siebziger Jahre erhob Sociovision soziologische Daten in allen Teilen der westdeut­schen Bevölkerungsschicht, in einem Umfang von 1.400 Befragun­gen. Diese wurden verarbeitet und ausgewertet. 1982 wurde der Sinus-Milieuindi­kator zur Bestimmung der einzelnen Milieus eingeführt, um verschie­dene Präferenzen beim Kauf der Kunden zu ermitteln (vgl. Kalka/Allgayer 2007, S. 13). Seit 1983 werden auch systematisch Alltagsästhetik und Stilpräferen­zen untersucht und dokumentiert. Um die Werte und ihren Wandel verfolgen und die Milieus anpassen zu können, werden primär alle Erlebnisbereiche, mit welchen der Verbrau­cher täglich zu tun hat, wie Arbeit, Freizeit, Medien, Konsum, Geld, Familie etc. erfasst. Zudem sind die Sinus-Milieus seit 2011 in den öffentlichen AGF-Fernsehpanel eingebunden und erhal­ten dadurch zusätzliche Informatio­nen über das Medienverhalten der Verbraucher. „Ein Panel ist ein gleich bleiben­der Kreis von Auskunftspersonen, unter denen in regelmäßi­gen zeitli­chen Abständen eine Erhebung zu einem bestimmten Untersu­chungsgegen­stand durchgeführt wird. Verbraucherpanel umfassen eine Stichprobe aus Haus­halten oder Einzelper­sonen“ (Pfaff 2005, S. 84). Sekundär werden die erhobe­nen Daten über die Werteorientierungen mit den dazugehörigen sozialen Schich­ten verknüpft (vgl. Stern Bibliothek 2007, S. 83). Diese zusammen­geführten Daten wer­den zu einer Basistypologie verdichtet, den sogenannten Milieus. Grund­legende Werteorientierun­gen der Verbraucher gehen genauso in die Ana­lyse ein wie Wunschvorstellun­gen, Zukunftserwartungen und Ängste (vgl. Stern Bibliothek 2007, S. 82). Die Repräsentativerhebun­gen werden jähr­lich in einem Umfang von rund 100.000 Fällen aktuali­siert und überarbeitet. Abschließend werden die Verbraucher in zehn Milieus eingeteilt. Diese können dem Anhang auf Seite A.1 entnommen werden.

Doch die Grenzen zwischen den Milieus sind aufgrund der „Unschärferelation der Alltagswirklich­keit“ fließend, denn es liegt in der Natur der sozialen Wirklich­keit, dass Lebenswel­ten nicht so exakt eingrenzbar sind wie soziale Schichten. Deshalb gibt es zwischen den einzelnen Milieus Berührungspunkte und Über­gänge (vgl. Kalka/Allgayer 2007, S. 14). Dies wird in der Abbildung 1 veranschau­licht, siehe Anhang S. A.2. Das Sinus-Milieu-Modell erfasst im Gegen­satz zu anderen Lebensstiltypologien auch die Tiefen­strukturen der sozia­len Differenzierung. Diese verlieren jedoch im Hinblick auf das Konsum­verhalten und die individuelle Ausgestaltung der Lebensphase der Verbraucher immer mehr an Bedeutung (vgl. Dziemba/Wenzel 2011, S. 16). Ein Vorteil die­ses Modells ist die Integra­tion des AGF-Fernsehpanels (vgl. TdW 2011, S. 17). Diese ermöglicht die Datenerhe­bung über das Nutzungsverhalten und die Medien­präferenzen, die repräsentativ für 71,94 Mio. Personen in Deutsch­land ist (vgl. AGF 2012, www.agf.de).

2.3.2 Semiometrie-Modell von TNS Infratest

TNS Infratest ist die deutsche Niederlassung von TNS, der zweitgrößten Marktfor­schungs-Organisa­tion der Welt, mit Instituten in München, Bielefeld, Berlin, Frankfurt, Hamburg und Wetzlar. Das von TNS Infratest entwickelte Semio­metrie-Modell ist ein Marketinginstrument, um verhaltensrelevante Grundori­entierungen der Verbraucher zu messen (vgl. Kalka/Allgayer 2007, S. 73). Dieses besteht aus Begriffen, welche mittels einer Literaturanalyse und mehrstufi­gen Vorstudien ermittelt wurden (vgl. Petras 2006, S. 3). Der Name dieses Modells leitet sich von den Begriffen „semio“ (Wörter) und „metrie“ (messen) ab (vgl. TNS Infratest 2011, S. 5).

Im Rahmen der Literaturanalyse wurden hierfür zunächst Wörter aus Werken ausgewählt, die nachhaltigen Einfluss auf die westliche Zivilisation hatten, beispiels­weise die Bibel. Diese Ana­lyse ergab ein umfangreiches System von Begriffen. Durch eine nachfolgende, multivariate Analyse, innerhalb welcher mehrere Begriffe simultan auf ihre Ähnlichkeit überprüft und zu Gruppen zusammen­gefasst werden (vgl. Homburg/Krohmer 2006, S. 357), verdichtete man die ermittelten Wörter auf 210 Begriffe. Diese wurden in mehreren europäi­schen Ländern auf ihre Plausibilität geprüft. Um die Verbraucher anhand ihrer Werteorientierungen in Zielgruppen klassifizie­ren zu können, bewerteten diese jene 210 Begriffe emotional. Die Datenerhebung erfolgte mittels indirekter Befra­gungstechnik, um eine Verzerrung der Ergebnisse zu vermeiden, da Menschen dazu neigen, in direkten Befragungen sozial erwünschte Antworten zu geben (vgl. Kalka/Allgayer 2007, S. 73). Auf diese Weise können psychographi­sche Werte der Verbrau­cher gemessen und dargestellt werden. Die Kombination dieser Werteorientierungen mit dem Kaufverhalten und der Mediennutzung der Kunden zeigen Muster auf, an denen sich das Marketing orientieren kann (vgl. Kalka/Allgayer 2007, S.74).

Seit 1998 hat TNS Infratest ein repräsentatives Panel von 4.300 Personen. Je­des Jahr werden diese anhand eines schriftlichen Fragebogens zu 40 Produktberei­chen, 450 Marken, 110 Fernsehfor­maten, ihren Freizeitaktivitäten und Meinungen zu bestimmten Themen abgefragt. Im zweiten Teil der Befra­gung bewerten die Teilnehmer die 210 Wörter auf einer Skala von „ange­nehm“ bis „unangenehm“, jedoch ohne Verbindung zu den zuvor abgefragten Konsumpräferen­zen. Ein Auszug eines solchen Fragebogens wird in Abbildung 2 auf der Seite A.3 dargestellt. Durch multiva­riate Analysetechniken entsteht ein zweidimensionaler Werteraum. Die horizontalen Achsen repräsentieren die Pole „Pflicht“ und „Lebensfreude“, die vertikalen „Sozialität“ und „Individuali­tät“ (vgl. Kalka/Allgayer 2007, S.75). Im letzten Schritt werden die Konsumenten, je nach Bewertung der Begriffe, in zehn verschiedene Typen auf 14 Werte­feldern des Zielgruppen­modells einge­teilt (vgl. Kalka/Allgayer 2007, S.76). Dies veranschaulicht die Abbil­dung 3 im Anhang auf Seite A.3. Die entsprechenden Charakteristiken der jeweiligen Wertetypen sind dem Anhang auf S. A.4 zu ent­nehmen.

Mithilfe des Semiometrie-Modells lassen sich Individuen anhand der Bewertung von 210 Begrif­fen differenziert charakterisieren. Darüber hinaus besitzt das Mo­dell hinsichtlich der Werteori­entie­rung eine hohe Trennschärfe (vgl. Kalka/Allgayer 2007, S. 76). Jedoch werden die ermittelten sozialwissenschaftli­chen Prägungen nicht eindeutig einer Zielgruppe zugeordnet, sondern ausschließ­lich in Wertefelder unterteilt. Zudem werden gesellschaftliche Trends sowie die Konsumpräferenzen und Lebensstile der Konsumenten nicht berücksich­tigt.

3. GfK Roper Consumer Styles

3.1 Gesellschaft für Konsumforschung

Im folgenden Kapitel wird das RCS-Modell der GfK vorgestellt. Die GfK wurde 1934 als Ver­ein mit Sitz in Berlin gegründet. Der Gründer Professor Wilhelm Vershofen erkannte, dass man das Verhalten der Konsumenten verstehen muss, um einen Markt analysieren zu können. Er war der Erste, der in Deutsch­land Verbraucherbefragungen im großen Stil durchführte, um mehr über das Konsumverhalten der Verbraucher zu erfahren (vgl. GfK Group1 2004, S. 22 ff.). Heute ist die GfK eines der größten Marktforschungsinstitute der Welt und mit über 11.000 Mitarbeitern in über 100 Ländern vertreten (vgl. GfK Group2 2012, www.gfk.com). Ihr Wirkungs­kreis umfasst nahezu alle Märkte und Branchen und bietet Individuell- sowie Komplett­lö­sungen für jede Station im Marketingkreis­lauf an (vgl. GfK Group3, 2012, S. 36). Seit Ende der 80er Jahre erforscht die GfK wie die Werteorientierungen, Kaufvorlieben und Lebens­stile der Verbraucher mit ihrem Kaufverhalten zusammenhängen. Bei der psychographi­schen Analyse werden persönliche Werteorientierungen, Freizeit und Lifestyle, soziale Netz­werke und deren Einfluss, Einkaufsverhalten und -entscheidungen, Jugendthemen, Medien und Werbung, Beauty, Technologien und das Internet untersucht (vgl. GfK Group3 2012, S. 13).

3.2 Entwicklung

Die Lebensstiltypologie RCS war vor dem Jahr 2007 unter dem Namen ESS (vgl. Euro Socio Styles) bekannt. Sie ist integraler Bestandteil der RRW (Roper Reports Worldwide), einer jähr­lich durchgeführten Studie der GfK, benannt nach dem US-Marktforscher Elmo Roper. Diese Studie enthält grundlegende Informationen über das weltweite Konsumverhalten und die Entschei­dungspro­zesse der Verbraucher (vgl. Geml/Lauer 2008, S. 118). Das RCS-Modell basiert auf den sozialpsychologischen Forschungsarbeiten von Bernard Cathelat und Shalom Schwartz, sowie auf der Selbstkongruenztheo­rie (IMUK 2012, S. 40), der "Annahme, dass die Übereinstim­mung von Ausprägungen der Konsumenten­persönlichkeit mit korres­pondierenden Persönlichkeitsmerkmalen einer Marke zur Wertschätzung derselben führt" (Mäder 2005, S. 26). Die Namens­änderung des Modells er­folgte hinsichtlich der fortschreiten­den Globalisie­rung (vgl. Geml/Lauer 2008, S. 118). Bis 2007 nutzte die GfK bei der ESS-Studie Grundlagenstudien von 15 westeuropäischen und 11 osteuro­päischen Ländern. Die bis dahin eigen­ständige RRW-Studie der GfK analy­sierte Lebensstilinformationen in 25 weiteren Ländern (vgl. IMUK 2012, S. 40). Durch Analy­sen der RRW konnte festgestellt werden, dass die Werte und Ziele der Konsumenten trotz globa­ler Unterschiede in der Lebens- und Marken­umwelt sehr ähnliche Grundmuster aufweisen. Diese lassen sich der Abbildung 4 auf der Seite A.5 entnehmen. Mentalitätsbe­dingte Unterschiede zwischen Ländern und Regionen, werden durch die Zielgrup­pengröße sichtbar. Nationale Besonder­heiten können durch differen­zierte Daten zur Werteorientierung der Bevölkerung in den einzelnen Ländern herausgearbeitet wer­den (vgl. Berndt/Altobelli/Sander 2010, S. 128).

Da sich Gesellschaften, Werte und Lebensstile durch äußere Einflussfaktoren in einem ständi­gen Wandel befinden, führt die GfK jährlich eine Verbraucher­analyse in 25 Kernländern sowie Zusatzländern durch. Diese Stichproben erfolgen anhand von 1000 – 1500 Interviews pro Land und sind national repräsen­tativ (vgl. GfK Group3 2012, S. 12).

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen der psychographischen Zielgruppensegmentierung
Untertitel
Dargestellt am Beispiel des GfK-Modells „Roper Consumer Styles“
Hochschule
Fachhochschule Westküste Heide  (Wirtschaftspsychologie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
33
Katalognummer
V274374
ISBN (eBook)
9783656669289
ISBN (Buch)
9783656669272
Dateigröße
1260 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
möglichkeiten, grenzen, zielgruppensegmentierung, dargestellt, beispiel, gfk-modells, roper, consumer, styles
Arbeit zitieren
Hanna Peichl (Autor), 2012, Möglichkeiten und Grenzen der psychographischen Zielgruppensegmentierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274374

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Möglichkeiten und Grenzen der psychographischen Zielgruppensegmentierung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden