Die Problematik das Männer auch Opfer von häuslicher Gewalt sein können, also von ihren Partnerinnen geschlagen werden, ist ein tabuisiertes Thema und ein unerforschtes Feld. Für die Opfer ist es immens mit Scham behaftet, sich zu erkennen zu geben. Von der
Gesellschaft ist es zumeist nicht nachvollziehbar und damit ist der Schritt in die Öffentlichkeit für die Opfer noch schwerer, da sie auf Unverständnis bis hin zu Spott treffen.
Es wird immer wieder angeführt, dass laut polizeilichen Kriminalstatistiken mehr Frauen als Männer Opfer von häuslicher Gewalt werden, aber ist dies wirklich so? Die Zahl der männlichen Opfer steigt von Jahr zu Jahr stetig an und die Dunkelziffer wird hoch eingeschätzt, da es immer noch keine ausreichende Lobby und kein Hilfsnetzwerk für männliche Opfer gibt und dies das Outing noch schwerer gestaltet.
Die Frauenbewegung hat zweifelsohne einen hohen Verdienst an der Aufklärungsarbeit von häuslicher Gewalt aber ist diese vielleicht zu einseitig geworden und wurde dadurch vielleicht zu sehr impliziert, das häusliche Gewalt männliche Gewalt ist? Es tauchen immer mehr kritische Stimmen auf und es wird geforscht ob häusliche Gewalt nicht eher eine menschliche Gewalt ist, die von beiden Geschlechtern ausgeübt und ausgehalten wird. Dies stößt vor allem in feministischen Kreisen auf viel Gegenwehr, doch ist dies nicht ein Paradox, dass man gerade aus dieser Richtung ein Alleinmonopol für die Frau auf den Opferstatus in der häuslichen Gewalt erhebt (vgl. Sticher-Gil 2003: 32f.)?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition häusliche Gewalt
3. Formen der Gewalt
4. Unterschiede bei der Ausübung der Gewalt
4.1 Pilotstudie „Gewalt gegen Männer“
5. Dunkelziffer in Bezug auf das Männerbild
6. Erklärungsansätze
6.1 Die Gewaltspirale
7. Feministische Sichtweise auf die Problematik
8. Implikationen für die Soziale Arbeit
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das gesellschaftlich tabuisierte Phänomen männlicher Opfer von häuslicher Gewalt und analysiert dabei die bestehenden Dynamiken, die Rolle des traditionellen Männerbildes sowie die aktuelle Situation der Hilfsangebote in Deutschland.
- Phänomenologische Betrachtung häuslicher Gewalt gegen Männer
- Einfluss des patriarchal geprägten Männerbildes auf die Dunkelziffer
- Analyse geschlechtsspezifischer Gewaltformen und Ursachen
- Diskurs zwischen feministischen Positionen und Maskulismus
- Bedarfsanalyse und Defizite in der sozialen Unterstützungsinfrastruktur
Auszug aus dem Buch
4. Unterschiede bei der Ausübung der Gewalt
Das auch Männer häusliche Gewalt erfahren löst zwar noch Unverständnis aus, ist aber nicht mehr so umstritten in der Forschung. Umstritten ist bei dieser Thematik die Qualität und Quantität im Vergleich zu weiblichen Opfern. Es finden sich zwar Männer die mal geohrfeigt aber deutlich weniger, die immer wieder und methodisch misshandelt wurden. Ob dies nur noch nicht öffentlich wurde oder wirklich weniger geschieht als bei weiblichen Opfern bleibt offen (vgl. Walter, Lenz, Puchert 2007: 140f.).
Es ist jedoch zu bemerken, dass physische Gewalt von Frauen meist weniger dramatische Folgen hat, da diese meist körperlich nicht so kräftig sind und auch weniger mit stumpfen Gegenständen schlagen als eher mit der Hand und/oder Faust. Außerdem liegt die Hemmschwelle bei Männern sehr hoch, physische Gewalt von der eigenen Partnerin zu melden. Scham und andere Gründe, spielen hierbei eine Rolle und sorgen dafür, dass die häusliche Gewalt durch Frauen weniger bekannt wird (vgl. Hirigoyen 2006: 102).
Frauen wenden eher psychische und Männer eher physische Gewalt an, um den Partner zu dominieren. Physische Gewalt wird eher reaktiv bei Frauen angewendet als geplant, also eher aus Notwehr oder Affekt. Frauen sind tendenziell manipulativ um ihren Partner zu dominieren. Sie drohen beispielsweise mit Selbstmord oder täuschen eine Schwangerschaft vor, um den Partner zu halten. Manche männliche Opfer von häuslicher Gewalt berichteten auch, dass sie erpresst wurden von der Partnerin in Form von Drohungen eine Falschaussage zu tätigen in Bezug auf die eigenen Kinder z.B. durch Anschuldigung des Mannes des Kindesmissbrauchs vor dem Jugendamt oder der Polizei. Aber auch von Verweiblichung und Beleidigung der eigenen Person auch in der Öffentlichkeit berichteten die Betroffenen (vgl. Hirigoyen 2006: 103).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das tabuisierte Thema häuslicher Gewalt gegen Männer ein und hinterfragt kritisch, ob Gewalt in Partnerschaften primär ein weibliches Opferphänomen ist.
2. Begriffsdefinition häusliche Gewalt: Dieses Kapitel definiert häusliche Gewalt als physische, psychische oder sexuelle Übergriffe innerhalb partnerschaftlicher oder familiärer Beziehungen unter Berücksichtigung verschiedener offizieller Definitionen.
3. Formen der Gewalt: Hier werden fünf zentrale Gewaltformen – physisch, psychisch, sexuell, ökonomisch und sozial-interaktiv – erläutert, die auch als Unterformen psychischer Gewalt agieren können.
4. Unterschiede bei der Ausübung der Gewalt: Das Kapitel analysiert geschlechtsspezifische Unterschiede, wobei der Fokus auf der höheren Hemmschwelle männlicher Opfer und den unterschiedlichen Motiven bei der Gewaltanwendung liegt.
4.1 Pilotstudie „Gewalt gegen Männer“: Diese Pilotstudie verdeutlicht anhand von Interviews, dass betroffene Männer im häuslichen Kontext häufiger psychische Gewalt erleben und die Dunkelziffer aufgrund von Scham sehr hoch ist.
5. Dunkelziffer in Bezug auf das Männerbild: Dieses Kapitel beschreibt, wie ein patriarchales Männerbild Wahrnehmungsblockaden erzeugt, die es Männern erschweren, die Opferrolle anzuerkennen und Hilfe zu suchen.
6. Erklärungsansätze: Hier werden Erklärungsmodelle zur Entstehung von Gewalt in Partnerschaften vorgestellt, die insbesondere die Aspekte Macht, Kontrolle und Rollenverteilung in den Vordergrund stellen.
6.1 Die Gewaltspirale: Dieses Kapitel erläutert das von der EBG adaptierte Phasenmodell häuslicher Gewalt, das von Spannungsaufbau über den Gewaltausbruch bis hin zur Latenzphase und Verantwortungsschiebung reicht.
7. Feministische Sichtweise auf die Problematik: Dieses Kapitel thematisiert die Spannungsfelder zwischen der Frauenbewegung und der Problematik männlicher Gewaltopfer, die oft als Angriff auf weibliche Opfererfahrungen verstanden wird.
8. Implikationen für die Soziale Arbeit: Diese Analyse der Hilfsangebote zeigt ein massives Ungleichgewicht in der sozialen Infrastruktur auf und fordert eine bessere Vernetzung sowie spezifische Qualifizierungen für männliche Gewaltopfer.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Kontroverse um die Opferthematik zusammen und plädiert für eine enttabuisierte, geschlechterübergreifende Unterstützung, um die aktuelle Lücke in der sozialen Arbeit zu schließen.
Schlüsselwörter
Häusliche Gewalt, Männliche Opfer, Partnerschaftsgewalt, Männerbild, Gewaltspirale, Soziale Arbeit, Dunkelziffer, Tabuisierung, Geschlechterrollen, Interventionsmodelle, Opferstatus, Hilfsnetzwerk, Psychische Gewalt, Feministische Sichtweise, Gewaltprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der tabuisierten Thematik, dass Männer ebenfalls Opfer häuslicher Gewalt durch ihre Partnerinnen werden können, und untersucht die damit verbundenen sozialen und psychologischen Barrieren.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition häuslicher Gewalt, die unterschiedlichen Formen von Gewalt, das patriarchale Männerbild als Hemmschwelle für Hilfesuchende sowie die aktuelle Situation der Beratungs- und Schutzangebote.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Gewalt kein rein weibliches Opferphänomen ist, die Gründe für die mangelnde öffentliche Anerkennung männlicher Opfer zu beleuchten und Handlungsempfehlungen für die Soziale Arbeit abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie die Auswertung empirischer Studien und Pilotprojekte zum Thema häusliche Gewalt und Opfersituationen.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Dynamik der Gewaltspirale, die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Gewaltanwendung und die Defizite im gegenwärtigen Hilfesystem für betroffene Männer.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Häusliche Gewalt“, „Männliche Opfer“, „Dunkelziffer“, „Männerbild“ und „Soziale Arbeit“ definiert.
Warum wird Männern als Gewaltopfern der Gang an die Öffentlichkeit so schwer gemacht?
Aufgrund eines patriarchal geprägten Männerbildes, das Stärke und Kontrolle verlangt, empfinden betroffene Männer die Opferrolle oft als unvereinbar mit ihrer Geschlechtsidentität, was zu massiver Scham und Verdrängung führt.
Welche konkreten Defizite bei Hilfsangeboten nennt der Autor für betroffene Männer?
Die Arbeit stellt fest, dass es im Vergleich zu den über 360 Frauenhäusern in Deutschland nur eine verschwindend geringe Anzahl an Unterkünften und spezialisierten Beratungsstellen für Männer gibt, die zudem kaum staatliche Förderung erhalten.
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- Helene Schumacher (Author), 2013, Männer als Opfer häuslicher Gewalt. Implikationen für die soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274693