Der deutsche Mittelstand ist der Wirtschaftsmotor des Landes. 99,6 % aller Unternehmen in Deutschland gehören ihm an. Dieser erwirtschaften 35,9 Prozent des gesamten Umsatzes. Die Wirtschaftskraft des Mittelstandes wird dadurch unterstrichen, dass 83,2 % der deutschen Auszubildenden in mittelständischen Unternehmen eingestellt sind sowie 79 % aller Beschäftigten in Deutschland dem Mittelstand angehören.
Trotz der genannten Zahlen sowie einer Steigerung des Umsatzvolumens und guter Auftragslage hat der deutsche Mittelstand zunehmend auch mit vielfältigen Proble-men zu kämpfen. Spannungsfelder ergeben sich vor allem in der Finanzierungssituation. Finanzierungsprobleme, eine unzureichende Finanzplanung sowie Schwierigkeiten im Finanzmanagement führen verbreitet zu Liquiditätsproblemen bis hin zu Insolvenzen im Mittelstand. Denn neben der Zurückhaltung der Geschäftsbanken in der traditionellen Vergabe von kurzfristigem Fremdkapital können die Formen der klassischen Mittelstandsfinanzierung, wie eben die Kreditvergabe und die Eigenfinanzierung, oft-mals nur begrenzt eingesetzt werden. Insbesondere die Basler Bankenregulierungen erschweren den Unternehmen den Zugang zu Krediten, vor allem auf Grund von Boni-tätsprüfungen und den davon abhängigen Kreditzinsen. Deshalb ist es für mittelständische Unternehmen notwendig nach alternativen Finanzierungsinstrumenten zu su-chen. Eine dieser alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, welche in den letzten Jahren zunehmend an Interesse des Mittelstandes gewinnt, ist das Factoring.
Gegenstand dieser Arbeit ist aufzuzeigen, wie im deutschen Mittelstand Factoring als alternative Finanzierungsform genutzt werden kann. Ferner werden die Potenziale und Auswirkungen von Factoring auf mittelständische Unternehmen untersucht sowie Entwicklungsmöglichkeiten des Mittelstandes unter Einsatz von Factoring aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Der deutsche Mittelstand
2.1 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland
2.2 Finanzierungformen im deutschen Mittelstand
3 Factoring
3.1 Definition von Factoring
3.2 Funktionen und Vorteile des Factorings
3.3 Arten von Factoring
4 Der Factoringmarkt in Deutschland
4.1 Die Factoringbranche
4.2 Der Einsatz von Factoring
5 Potenziale und Auswirkungen von Factoring in mittelständischen Unternehmen
5.1 Auswirkungen der Finanzierungsfunktion auf die Eigenkapitalquote und Rentabilität in der Bilanz von Unternehmen
5.2 Risikomanagement mit Hilfe der Delkrederefunktion
5.3 Potenziale durch Nutzung der Dienstleistungsfunktion
5.4 Kosten und Nutzen des Factorings
5.5 Grenzen der Einsetzbarkeit von Factoring
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einsatz von Factoring als alternatives Finanzierungsinstrument für den deutschen Mittelstand unter Berücksichtigung aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen und restriktiverer Kreditvergabepraktiken durch Banken.
- Wirtschaftliche Bedeutung und Finanzierungssituation des deutschen Mittelstandes
- Grundlagen, Funktionen und Arten des Factorings
- Analyse des deutschen Factoringmarktes
- Auswirkungen von Factoring auf Bilanzkennzahlen und Risikomanagement
- Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sowie Einsatzgrenzen des Instruments
Auszug aus dem Buch
3.2 Funktionen und Vorteile des Factorings
Factoring ist eine Kombination aus den drei Teilfunktionen Finanzierung, Versicherung und Dienstleistung.
Die Teilleistung Finanzierung beinhaltet die sofortige Bevorschussung der Forderungen von in der Regel 90 % des Rechnungsbetrages. Die restlichen 10 % des Rechnungsbetrages werden zur Sicherung gegen Zahlungsausfälle, Mangelrügen, Reklamationen und Retouren sowie sonstige nicht vorhersehbare Rechtsmängel auf einem Sperrkonto einbehalten. Durch die Bevorschussung erhält der Factoringkunde sofort Liquidität, ohne Eigenkapital einsetzen oder Fremdkapital aufnehmen zu müssen. Er wird in die Lage versetzt die kurzfristigen Verbindlichkeiten, v.a. gegenüber Lieferanten unter Abzug von Skonto, zu begleichen. Der Factoringkunde erlangt dadurch einen Wettbewerbsvorteil, da er bei Bedarf seinen Debitoren längere Zahlungsziele gewähren kann. Darüberhinaus kann der Factoringkunde seine Finanzplanung verlässlich und sicher durchführen.
Weiterhin überprüft die Factoringgesellschaft die Bonität der Abnehmer und übernimmt das 100 %-ige Ausfallrisiko im Rahmen der definierten Kreditlimiten (Delkrederschutz). Der Delkrederefall tritt ein, wenn nach Ablauf der Zahlungsfrist die Forderung vom Debitor nicht bezahlt werden kann. Bei Zahlungsunfähigkeit verlangt der Factor keinen Nachweis vom Debitor. Die Ausfälle der bis zu 90 % des Rechnungsbetrages, Zinsausfälle und mögliche Kosten für die Rechtsverfolgung trägt der Factor. Schlüssige Einwände, die eine Forderung des Debitors an den Factoringkunden rechtfertigen, müssen vom Factoringkunden getragen werden. Das Risiko des Zahlungsausfalls des Schuldners übernimmt der Factor von seinen Kunden gegen Gebühren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Mittelstandes als Wirtschaftsmotor Deutschlands und die daraus resultierende Problematik bei der klassischen Fremdkapitalbeschaffung.
2 Der deutsche Mittelstand: Dieses Kapitel definiert den Mittelstandsbegriff und analysiert dessen volkswirtschaftliche Bedeutung sowie die traditionellen Finanzierungsformen.
3 Factoring: Hier werden der Begriff Factoring sowie dessen zentrale Funktionen und verschiedene Ausprägungsformen detailliert definiert.
4 Der Factoringmarkt in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den aktuellen Stand, die Branchentrends und die Einsatzschwerpunkte von Factoring in Deutschland.
5 Potenziale und Auswirkungen von Factoring in mittelständischen Unternehmen: Hier werden die bilanziellen Auswirkungen, das Risikomanagement sowie Kosten und Nutzen und die Grenzen der Anwendbarkeit von Factoring intensiv untersucht.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Factoring aufgrund der steigenden Herausforderungen bei der Mittelstandsfinanzierung zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Schlüsselwörter
Factoring, Mittelstand, Unternehmensfinanzierung, Liquidität, Delkrederefunktion, Bilanzstruktur, Forderungsmanagement, Finanzmanagement, Basel III, Eigenkapitalquote, Risikoabsicherung, Zahlungsziele, Debitorenmanagement, Finanzierungsinstrument, Wirtschaftsmotor
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Herausforderungen, die Factoring als alternative Finanzierungsform für mittelständische Unternehmen in Deutschland bietet.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen den Status quo des Mittelstandes, die Grundlagen des Factorings, die Marktsituation in Deutschland sowie eine detaillierte Analyse der unternehmerischen Auswirkungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie mittelständische Betriebe Factoring nutzen können, um Finanzierungsprobleme zu lösen, ihre Bilanzstruktur zu verbessern und Risiken zu minimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung von Statistiken und einer exemplarischen Modellrechnung zur Verdeutlichung von Kosten und Nutzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen, den Marktüberblick und eine tiefergehende Untersuchung der Potenziale hinsichtlich Finanzierung, Risikomanagement und Dienstleistungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Factoring, Mittelstand, Finanzierung, Liquidität, Delkrederefunktion, Bilanzoptimierung und Forderungsmanagement.
Warum ist das Risikomanagement durch Factoring für den Mittelstand wichtig?
Durch die Delkrederefunktion übernimmt der Factor das Ausfallrisiko, was besonders bei hohen Forderungsverlusten die Stabilität und Liquidität des mittelständischen Unternehmens sichert.
Wann ist Factoring für ein Unternehmen nicht sinnvoll?
Es gibt Grenzen, etwa wenn Forderungen gegenüber Privatpersonen bestehen, Barzahlung üblich ist oder Leistungen nicht vollständig erbracht sind, was häufig in der Baubranche vorkommt.
Wie wirkt sich Factoring auf die Bilanz eines Unternehmens aus?
Factoring kann zu einer Bilanzverkürzung durch Tilgung von Verbindlichkeiten führen, was die Eigenkapitalquote verbessert und somit die Bonität im Bankenrating positiv beeinflussen kann.
- Citar trabajo
- Matthias Ackermann (Autor), 2014, Factoring im deutschen Mittelstand. Marktüberblick und Entwicklungspotenziale, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274807