Diese Staatsarbeit ist in zwei unterschiedliche Teile gegliedert. Nach der Einleitung vollzieht sich eine Aufarbeitung der verschiedenen Termini, die allgemein im Zusammenhang mit Problemen im Fach Mathematik bzw. beim Rechnen gebraucht werden. Ferner werden verschiedene Ansätze bzgl. einer Definition des Begriffs der „Rechenschwäche“ vorgestellt.
Im dritten Kapitel stellt der Verfasser drei Fallbeispiele aus seinem näheren Umfeld vor: Zwei der drei Schüler weisen eine positive Dyskalkuliediagnose durch anerkannte Psychologen auf, während das dritte (ungetestete) Kind aufgrund von Minderleistungen im Fach Mathematik diverse Symptome einer Rechenschwäche zeigt. Das dritte Kapitel hat damit zum Zweck, ein und dasselbe Phänomen in seiner Vielfalt zu veranschaulichen und ein Bewusstsein für die Gesamtproblematik „Rechenstörung“ zu vermitteln.
Das darauffolgende Kapitel 4 widmet sich den Einflussfaktoren, die eine Rechenstörung auslösen bzw. verstärken können, und es wird ein Literaturüberblick (Kap. 4.1) über ebendiese Faktoren und deren Wechselwirkungen gegeben.
In Kapitel 4.2 erfolgt eine systematische Einteilung dieser Faktoren in drei große Einflussfelder, und es werden fundierte Erkenntnisse, über die seit mehreren Jahrzehnten Einigkeit besteht, wie auch Ergebnisse aktuellerer Studien diskutiert und dokumentiert, die ggf. noch ausgiebiger erforscht werden müssten. In Kapitel 5 werden die Ergebnisse zusammengefasst und ausführlich bewertet.
Der zweite Teil dieser Arbeit (Kapitel 6) besteht aus einer Befragung zu dem Thema „Rechenstörungen verursachende Faktoren“, die unter Lehrkräften einer Recklinghäuser Gesamtschule im September 2013 durchgeführt wurde. In dem ersten Untersuchungsschritt werden mithilfe von Informationsgesprächen mögliche Faktoren herausgearbeitet, die eine Rechenstörung hervorrufen oder verstärken können, um den Kenntnisstand der Lehrerinnen und Lehrer bezüglich der aktuellen Fachliteratur festzustellen. In einem zweiten Schritt werden die genannten Einflussfaktoren hinsichtlich ihrer Wichtigkeit durch die Lehrer anhand eines weiteren Fragebogens bewertet und sortiert, um darüber aufzuklären, inwieweit
Einigkeit bezüglich der Bedeutung bestimmter Einflussfaktoren herrscht.
Es folgen im 7. Kapitel eine Darstellung und Bewertung der gesamten Resultate der Untersuchung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Die phänomenologischen Ansätze
2.2 Diskrepanzdefinitionen
3. Vorstellung der drei Fallbeispiele
3.1 Bemerkung
3.2 Fallbeispiel I: Jana
3.2.1 Familiäre Situation, körperliche Entwicklung und schulisches Gesamtleistungsbild
3.2.2 Janas Leistungen im Fach Mathematik
3.2.3 Arbeits- und Sozialverhalten
3.2.4 Diesjähriger Wechsel an die Gesamtschule Suderwich
3.3 Fallbeispiel II: Katharina
3.3.1 Familiäre Situation, körperliche Entwicklung und schulisches Gesamtleistungsbild
3.3.2 Vorgeschichte
3.3.3 Katharinas Leistungen im Fach Mathematik vor Therapiebeginn
3.3.4 Therapieverlauf
3.3.5 Arbeits- und Sozialverhalten
3.3.6 Leistungen in anderen Fächern
3.3.7 Psychische Belastung oder die Frage: Ist Katharina noch motiviert?
3.4 Fallbeispiel Miguel
3.4.1 Vorbemerkung
3.4.2 Familiäre Situation, körperliche Entwicklung und schulisches Gesamtleistungsbild
3.4.3 Gegenwärtige und vorangegangene Klassensituation
3.4.4 Leistungen in anderen Fächern
3.4.5 Miguels Leistungen im Fach Mathematik
3.4.6 Arbeits- und Sozialverhalten
3.5 Nachbetrachtung
4. Einflussfaktoren für Rechenstörungen
4.1 Literaturüberblick
4.2 Erklärungen zu den einzelnen Einflussfeldern
4.2.1 Einflussfeld Kind
4.2.1.1 Kongenitale Einflüsse
4.2.1.2 Neuropsychologische Einflüsse
4.2.1.3 Psychische Einflüsse
4.2.2 Soziokulturelles und familiäres Einflussfeld
4.2.3 Schulisches Umfeld als Einflussfeld
5. Evaluation der Literaturrecherchen
6. Lehrerbefragungen zu den Einflussfaktoren für Rechenstörungen
6.1 Anlage und Ziel der Untersuchung
6.2 Durchführung der Untersuchung
6.2.1 Versuchspersonen
6.2.2 Erhebungsmethoden
6.3 Dokumentation und Auswertung der Daten
7. Darstellung und Ergebnisse der einzelnen Untersuchungsphasen
7.1 Vorbemerkung
7.2 Darstellung und Bewertung der Ergebnisse der Informationsgespräche
7.3 Darstellung und Bewertung der Ergebnisse des Fragebogens
7.4 Ergebnisse der beiden Untersuchungsschritte
8. Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Ursachen und Einflussfaktoren von Rechenstörungen bei Kindern, um Lehrkräften ein tieferes Verständnis für die Problematik zu vermitteln und Defizite in der aktuellen schulischen Unterstützung aufzudecken. Mittels Fallbeispielen und Lehrerbefragungen wird erforscht, wie unterschiedliche Faktoren wie das familiäre Umfeld, neuropsychologische Voraussetzungen und die schulische Situation das mathematische Lernen beeinflussen.
- Multikausale Erklärungsmodelle für Rechenstörungen
- Biografische Fallanalysen von betroffenen Schülern
- Analyse des Wissensstands von Mathematiklehrern
- Wissenschaftliche Aufarbeitung der Definitionsproblematik
- Empirische Befragung zu wahrgenommenen Einflussfaktoren
Auszug aus dem Buch
2. Begriffsklärung
„Mein Kind hat in der letzten Mathearbeit eine ‚5‘ geschrieben, also hat es Dyskalkulie!“ – dies stellt eine Haltung dar, die man immer häufiger bei Eltern bemerkt, die eine Rechenschwäche bzw. -störung bei ihrem Kind vermuten, wenn es schlechte Noten mit nach Hause bringt. Doch ob eine Rechenstörung überhaupt vorliegt und was eine solche eigentlich ist, wissen die wenigsten Eltern, und sogar die Experten sind sich über eine klare Definition dieses Themas uneins.
Was nun genau eine „Rechenstörung“ oder „Dyskalkulie“ ist, wird in der gegenwärtigen Forschung nicht eindeutig geklärt. Dabei gehen die Meinungen der Autoren – seien es Mathematikdidaktiker, Psychologen oder auch Ärzte – weit auseinander. Es existieren viele Sichtweisen zu diesem Thema, und in den unterschiedlichen Disziplinen werden die Begriffe auch differenziell gebraucht, sodass eine eindeutige Begriffsbestimmung nicht möglich ist.
Im Folgenden wird nun versucht, die allgemeinen Meinungen zum Thema „Rechenstörungen“ darzustellen.
Lorenz merkt zu diesem Thema an, dass das Vorhandensein einer „Rechenschwäche“ als Erscheinungsbild isolierter schulischer Minderleistung [...] unumstritten [ist], wohl hingegen das, was genauer darunter zu fassen sei“ (Lorenz 1991, S. 6). Dabei fällt auf, dass die einzelnen Begriffe Rechenstörung, mathematische Lernstörung, Dyskalkulie, Rechenschwäche, mathematische Schulleistungsschwäche, mathematische Lernschwäche etc. in diesem Sachverhalt zum Teil bedeutungsgleich, aber auch -verschieden verwandt werden. Lorenz/Radatz benennen allein ca. 40 verschiedene Ausdrücke, die in der wissenschaftlichen Fachliteratur zur Erklärung des Phänomens der Rechenstörung gebraucht werden (1993, S. 17).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Rechenstörungen ein, beleuchtet Prävalenzzahlen und verdeutlicht die weitreichenden negativen Auswirkungen auf das schulische und berufliche Leben der Betroffenen.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Vielfalt und Unschärfe rund um Begriffe wie Rechenstörung und Dyskalkulie und stellt verschiedene wissenschaftliche Definitionsansätze gegenüber.
3. Vorstellung der drei Fallbeispiele: Anhand dreier individueller Fallgeschichten wird die Heterogenität und Komplexität von Rechenstörungen in der schulischen Realität praxisnah veranschaulicht.
4. Einflussfaktoren für Rechenstörungen: Hier erfolgt eine systematische Einteilung der Ursachen in die drei Bereiche Kind, soziokulturelles/familiäres Umfeld und schulisches Umfeld, untermauert durch theoretische Modelle.
5. Evaluation der Literaturrecherchen: Dieses Kapitel bewertet die theoretischen Modelle kritisch und fasst die Erkenntnisse aus der Literaturrecherche zusammen.
6. Lehrerbefragungen zu den Einflussfaktoren für Rechenstörungen: Hier wird der empirische Teil der Arbeit beschrieben, bei dem Mathematiklehrkräfte einer Gesamtschule zu ihren persönlichen Annahmen über Ursachen von Rechenstörungen befragt wurden.
7. Darstellung und Ergebnisse der einzelnen Untersuchungsphasen: Die Ergebnisse der Informationsgespräche und Fragebögen werden ausgewertet, visualisiert und im Kontext der Fachliteratur kritisch diskutiert.
8. Resümee und Ausblick: Diese Zusammenfassung reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und formuliert Forderungen an die universitäre Lehrerausbildung sowie zukünftige Fortbildungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Rechenstörung, Dyskalkulie, Rechenschwäche, Einflussfaktoren, Mathematikunterricht, Lehrerausbildung, Lernstörung, Diagnoseverfahren, Schulisches Umfeld, Familiäre Bedingungen, Neuropsychologie, Förderdiagnostik, Lernmotivation, Schulleistung, Empirische Untersuchung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Ursachen und Einflussfaktoren, die zur Entstehung oder Verstärkung von Rechenstörungen bei Schülern führen können, sowohl aus theoretischer als auch aus empirischer Sicht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definitionsproblematik von Rechenstörungen, die theoretische Klassifikation von Einflussfaktoren (Kind, Umwelt, Schule) sowie die praktische Erhebung von Lehrermeinungen dazu.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie komplex die Entstehung einer Rechenstörung ist und inwiefern das Wissen von Lehrkräften über diese Einflussfaktoren mit dem aktuellen Forschungsstand übereinstimmt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine tiefgehende Literaturrecherche mit einer empirischen Untersuchung, die aus qualitativen Informationsgesprächen und einer quantitativen Fragebogenauswertung bei Mathematiklehrern besteht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Einflussfelder, die detaillierte Darstellung dreier konkreter Schülerfallbeispiele und die Auswertung der Lehrerbefragungen zur Einschätzung dieser Faktoren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dyskalkulie, Rechenstörung, Einflussfaktoren, multikausale Erklärungsmodelle und die Lehrerperspektive charakterisiert.
Warum wurden drei spezifische Fallbeispiele gewählt?
Die Fallbeispiele dienen dazu, die abstrakten theoretischen Ursachenmodelle an der realen Lebenswelt von betroffenen Kindern zu veranschaulichen und die Vielfalt der Symptomatiken aufzuzeigen.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Lehrkräfte?
Der Autor stellt fest, dass bei den befragten Lehrkräften große Wissenslücken bezüglich der Komplexität von Rechenstörungen bestehen und diese häufig dazu neigen, die Ursachen primär beim Kind selbst zu verorten.
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- Knut Kumpe (Autor), 2014, Literaturrecherchen und Lehrerbefragungen zu Einflussfeldern für Rechenstörungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275065