Der zunehmende Alterungsprozess in Deutschland wird besonders bei den Hochbetagten (80 Jahre und älter) deutlich. Während im Jahr 2010 etwa 4,3 Millionen Hochbetagte in Deutschland lebten, werden es im Jahr 2050 über 10 Millionen sein. Die Altersgruppe der über 80-Jährigen hat gleichsam die höchste Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, wodurch die Nachfrage nach Pflegeleistungen in ähnlichem Maße zunehmen könnte.
Hierdurch wird in Zukunft auch der Einsatz von privatem Kapital nötig sein, um den Kapitalbedarf zur Bereitstellung des Pflegeangebots decken zu können. Die Zielsetzung dieser Seminararbeit ist es daher, Finanzierungsmodelle für Altenpflegeheime zu erarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung, Zielsetzung und Vorgehensweise
2. Grundbegriffe
3. Modell der Eigenfinanzierung einer eG und einer GmbH & Co. KG
3.1 Genossenschaft
3.2 GmbH & Co. KG
4. Modell der Fremdfinanzierung einer eG und einer GmbH & Co. KG
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Finanzierungsmöglichkeiten für Altenpflegeheime vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse und dem Vergleich von Eigen- und Fremdfinanzierungsmodellen in den Rechtsformen der eingetragenen Genossenschaft (eG) und der GmbH & Co. KG.
- Analyse der demografischen Entwicklung und deren Einfluss auf den Pflegebedarf
- Untersuchung der Rechtsform der Genossenschaft als Finanzierungsträger
- Untersuchung der GmbH & Co. KG als Finanzierungsträger
- Gegenüberstellung von Eigenfinanzierungsmöglichkeiten
- Erläuterung von Fremdfinanzierungsinstrumenten (Kreditmarktfinanzierung)
- Vergleichende Schlussbetrachtung der Rechtsformen
Auszug aus dem Buch
3.1 Genossenschaft
Eine Genossenschaft ist ein wirtschaftlicher Verein von nicht geschlossener Mitgliederzahl, d.h. freier und wechselnder Anzahl von Genossen. Der Zweck ist "... den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturelle Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern...". Diese Zwecksetzung implementiert die Selbsthilfe der Mitglieder durch gegenseitige Förderung als ureigenes Ziel der Genossenschaft. In der Generalversammlung hat jeder Genosse unabhängig von der Höhe des Kapitalanteils nur eine Stimme, sodass alle Mitglieder gleichberechtigt sind.
Seit geraumer Zeit gibt es viele Neugründungen in der Rechtsform der Genossenschaft, die die ökonomischen und sozialen Interessen verschiedener Mitglieder zu einer Gesamtinteressenslage vereinen. Ein Beispiel hierfür sind sogenannte "Sozialgenossenschaften", welche etwa kooperative Wohnprojekte initiieren und somit gesellschaftliche Aufgaben der Gesundheitsfürsorge und Pflege übernehmen. Der Fokus dieser Seminararbeit liegt auf der Darstellung der "Seniorengenossenschaft", die das Ziel hat ältere Menschen mit geeignetem Wohnraum und Pflegeleistungen zu versorgen.
Ein Beispiel für eine Genossenschaft mit diesen Zielen ist die Vereinigte Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft eG (VHW). Sie vermietet Wohnraum ausschließlich an ihre Mitglieder, die durch den Erwerb von Geschäftsanteilen ein Dauernutzungsrecht innehaben. Ein Mitglied der Genossenschaft hat die Pflicht Geschäftsanteile zu erwerben und fristgemäße Zahlungen auf diese Anteile zu leisten, sodass der Genossenschaft die nötigen Eigenmittel zur Erfüllung der Aufgaben zur Verfügung stehen. Jedes Mitglied verpflichtet sich 25 Geschäftsanteile zu übernehmen, wobei ein Anteil 52 Euro beträgt. Sobald ein Mitglied Leistungen der Genossenschaft beansprucht, z.B. Wohnraum im Altenpflegeheim übernimmt, muss es weitere Anteile übernehmen. Die Anzahl der zu erwerbenden Anteile richten sich hierbei insbesondere nach Lage, Größe, Zuschnitt, Ausstattung und Nutzung der übernommenen Räume. Bei Wahl des Angebots der stationären Pflege werden die Bedürftigen individuell und kompetent in Einzel- bzw. Doppelzimmern oder Pflegeappartements gepflegt. Des Weiteren finden Feste und Veranstaltungen statt, um den Pflegebedürftigen die Kontaktaufnahme zu Anderen zu ermöglichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung, Zielsetzung und Vorgehensweise: Dieses Kapitel thematisiert den demografischen Wandel und den daraus resultierenden Anstieg der Pflegebedürftigkeit, um die Notwendigkeit neuer Finanzierungsmodelle für Pflegeheime aufzuzeigen.
2. Grundbegriffe: Hier werden zentrale Definitionen wie Altenpflegeheim, Trägerschaft und der betriebswirtschaftliche Finanzierungsbegriff erläutert.
3. Modell der Eigenfinanzierung einer eG und einer GmbH & Co. KG: Das Kapitel analysiert, wie Genossenschaften und GmbH & Co. KGs als Träger von Pflegeheimen durch Beteiligungsmodelle Eigenkapital beschaffen.
3.1 Genossenschaft: Es wird die Struktur der Genossenschaft und deren Finanzierung durch Geschäftsguthaben der Mitglieder detailliert beschrieben.
3.2 GmbH & Co. KG: Dieses Kapitel erläutert die Besonderheiten der GmbH & Co. KG und die Möglichkeiten der Beteiligungsfinanzierung durch Kommanditisten.
4. Modell der Fremdfinanzierung einer eG und einer GmbH & Co. KG: Hier liegt der Schwerpunkt auf der Kreditmarktfinanzierung, bilateralen Kreditverträgen und Instrumenten zur Zinssicherung.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Unterschiede der beiden Rechtsformen hinsichtlich Mitbestimmung, Finanzierungsvorteilen und Prüfungsanforderungen zusammen.
Schlüsselwörter
Altenpflegeheim, Finanzierungsmodelle, Genossenschaft, GmbH & Co. KG, Eigenfinanzierung, Fremdfinanzierung, demografischer Wandel, Pflegebedürftigkeit, Beteiligungsfinanzierung, Kreditmarktfinanzierung, Kommanditist, Genossenschaftsgesetz, Investitionskredit, Trägerschaft, Zinssicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Erarbeitung und Analyse verschiedener Finanzierungsmodelle für Altenpflegeheime, um dem steigenden Bedarf durch den demografischen Wandel gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Eigenkapitalbeschaffung und die Fremdkapitalaufnahme in den Rechtsformen der eingetragenen Genossenschaft (eG) sowie der GmbH & Co. KG.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten und Vorteile der Finanzierung von Pflegeeinrichtungen in den gewählten Rechtsformen aufzuzeigen und diese miteinander zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer praktischen Fallbeispielbetrachtung von Genossenschaften und GmbH & Co. KGs, ergänzt durch ein Experten-Interview.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Eigenfinanzierungsformen (Geschäftsguthaben vs. Kommanditanteile) und Fremdfinanzierungsinstrumenten (Bankkredite und Zinssicherung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Altenpflegeheim, Genossenschaft, GmbH & Co. KG, Eigenfinanzierung, Fremdfinanzierung und demografischer Wandel.
Warum ist die Wahl der Rechtsform für die Finanzierung wichtig?
Unterschiedliche Rechtsformen bieten verschiedene Möglichkeiten der Mitbestimmung, steuerliche Vorteile und unterschiedliche Flexibilität bei der Kapitalbeschaffung und Prüfung des Jahresabschlusses.
Wie unterscheidet sich die Prüfung bei Genossenschaften und der GmbH & Co. KG?
Während die GmbH & Co. KG oft wie eine Kapitalgesellschaft geprüft wird, unterliegt die Genossenschaft einer speziellen, ganzheitlichen Geschäftsführungsprüfung durch Prüfungsverbände.
Welche Rolle spielen Zinsswaps in diesem Kontext?
Zinsswaps werden von Genossenschaften eingesetzt, um sich für zukünftige Darlehen langfristig ein attraktives Zinsniveau zu sichern und das Zinsänderungsrisiko zu minimieren.
Warum sind Altenpflegeheime für Finanzinvestoren zunehmend interessant?
Da die öffentliche Hand ihre Mittel reduziert, entsteht eine Marktlücke, die privates Kapital und Investoren anzieht, um den wachsenden Bedarf an Pflegeplätzen zu decken.
- Arbeit zitieren
- Johannes Steger (Autor:in), 2014, Erarbeitung möglicher Finanzierungsmodelle für Altenpflegeheime, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275127