Lernen im Erwachsenenalter

Zum Begriff Lernen, Lerntheoretische Grundlagen, Lernstile


Hausarbeit, 2011
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Lernen
2.1 Zum Begriff des Lernens
2.2 Lerntheoretische Grundlagen
2.2.1 Behaviorismus
2.2.2 Kognitivismus
2.2.3 Konstruktivismus
2.3 Lernstile
2.4 Lernen im Erwachsenenalter
2.4.1 Zur Bedeutung des „lebenslangen Lernens“
2.4.2 Lernfähigkeit Erwachsener
2.4.3 Konsequenzen für die Lehre in der Erwachsenenbildung

3. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Insgesamt besteht unsere Bachelorarbeit aus sechs Kapiteln. Nach dieser Einleitung beginnen wir mit der theoretischen Auseinandersetzung des Themenkomplex Lernen. Neben der begrifflichen Klärung werden drei der revolutionärsten Lerntheorien vorgestellt: Die des Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus. Es folgt eine Darstellung von Lernstilen und - strategien. Um ein Verständnis für die Bedeutung des Lernens im Erwachsenenalter zu bekommen, werden im weiteren Verlauf unserer Arbeit das ‚lebenslange Lernen„, die Lernfähigkeit im Alter und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Lehre in der Erwachsenenbildung behandelt.

In dem dritten Kapitel „didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung“ steigen wir mit einer Definition der Begriffe Didaktik und Methodik ein. Angelehnt am zweiten Kapitel folgt eine Auseinandersetzung mit den behavioristischen, kognitivistischen und konstruktivistischen Lehrmodellen.

Aufbauend auf den bereits geklärten theoretischen Grundlagen beginnt der praktische Teil unserer Arbeit.

In Kapitel vier skizzieren wir unser methodisches Vorhaben, erläutern die dazu benötigte didaktische Theorie von Horst Siebert und stellen die ausgearbeiteten Bewertungsbögen vor.

Kern der Arbeit ist die didaktische Analyse und der Vergleich der Weiterbildungsveranstaltungen „Starke Eltern - Starke Kinder“ und „Internet für SeniorInnen“. In diesem fünften Kapitel gehen wir der Frage nach, inwieweit die Dozentinnen die 14 didaktische Prinzipien von Horst Siebert anwenden. Dabei greifen wir auf die vorherigen Kapitel zurück.

Im letzten Kapitel ziehen wir aus unseren Ergebnissen eine kritische Bilanz.

2 Lernen

2.1 Zum Begriff des Lernens

Bei der genaueren Betrachtung des Begriffs Lernen stellt man fest, dass sich hinter diesem Ausdruck verschiedene Facetten verbergen. Neben dem alltagsgebräuchlichen Verständnis, Lernen als Aneignung von Wissen, Fertigkeiten und Kenntnissen oder Einprägung ins Gedächtnis zu verstehen, (vgl. Dudenonline: abgerufen am 30.07.2011) existieren weitaus mehr Interpretationen. Wörtlich betrachtet, stammt Lernen aus der gotischen und indogermanischen Sprache. Die Bezeichnungen für „ich weiß“ (lais) und „gehen“ (lis) beschreiben in dem Zusammenhang den Wortstamm. „Die Herkunft des Wortes deutet bereits darauf hin, dass Lernen ein Prozess ist, bei dem man einen Weg zurücklegt und dabei zu Wissen gelangt“ (Mielke 2001, S.11).

Bedeutende Spekulationen über das Lernen lassen sich bereits seit Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.) in der Geschichte der Philosophie erkennen. Ebenso versuchten sich Sokrates (469 v. Chr. - 399 v. Chr.) und Platon (427 v. Chr. - 347 v.Chr.) der Philosophie des Lernens anzunehmen. Sokrates zum Beispiel bezeichnet Lernen genauer als eine Wiedererinnerung von Vergessenem. Laut seiner Überzeugung trägt ein ungeborenes Kind sein gesamtes Wissen in seiner Seele. Bei seiner Geburt vergisst es jedoch seine vollständigen Vorkenntnisse und muss versuchen sich im Laufe seines Lebens an sie Wiederzuerinnern. Dies bildet die Grundlage zu seiner Ansicht, dass ein Lernprozess im Inneren des Menschen stattfindet und lediglich der Lernanlass von außen einfließt. „Lernen wird als ein Prozess interpretiert, der nicht vom Wissen eines Lehrers zum Wissen eines Schülers führt, sondern an ein aktives Selbst- Hervorholen der Erkenntnis durch den Lernenden […] zurückgebunden ist.“ (Benner 2004, S. 175). Dem entgegen wirken unter anderem die Sophisten. Nach deren Überzeugung erlangt der Mensch jegliches Wissen von seiner Umwelt, indem er sich mit den Gedanken des Anderen auseinander setzt (vgl. Benner 2004, S. 622).

Allgemein betrachtet, lässt sich erkennen, dass eine Einigkeit in der pädagogischen und philosophischen Geschichte lediglich aus der nie umstrittenen, existenziellen Bedeutung des Lernens für den Menschen besteht.

Bis zum heutigen Tag ist das Interesse am Ergründen des Lernens nicht abgeklungen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts begannen viele Wissenschaftler ihre Vermutungen empirisch zu belegen und es entstand das Zeitalter der Lernforschung.

2.2 Lerntheoretische Grundlagen

Die Anfänge der Lernforschung konzentrierten sich auf das Einüben neutraler Inhalte, wie dem Erlernen von sinnlosen Silben (vgl. Seel 2000, S. 18). Im Verlauf des 20. Jahrhunderts breitete sich das Feld der Lernpsychologie weiter aus. Neben dem Aneignen einfacher Bedeutungen, steht ebenso das Lernen von Verhaltensweisen im Vordergrund. Zu den richtungsweisenden Forschungsergebnissen zählen bis zum heutigen Tage, die des Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus.

2.2.1 Behaviorismus

Der Behaviorismus und die moderne Psychologie des Lernens basieren auf den Arbeiten von John Watson (1878 -1958). Gegenstände seiner Studien sind überwiegend die Vorhersage und Kontrolle des menschlichen Verhaltens. Auf Watsons Untersuchungen aufbauend definieren die Behavioristen den Begriff Lernen als einen Prozess. Dieser Verlauf basiert auf Erfahrungen und erfolgt in einer relativ konsistenten Änderung des Verhaltens oder des Verhaltenspotentials. Behavioristische Forschungsarbeiten stützen sich vordergründig auf beobachtbares Verhalten und auf die Frage, inwieweit die Umwelt auf das Lernen und Verhalten einwirkt (vgl. Zimbardo 2004, S. 244f).

Eine der Grundformen des Lernens ist die Klassische Konditionierung. Hierbei handelt es sich um die Gegebenheit, dass ein Reiz oder ein Ereignis das Auftreten eines anderen Reizes oder Ereignisses vorhersagt. Es beschreibt eine „Art des Lernens, bei der das Verhalten (konditionierte Reaktion) durch einen Stimulus (konditionierter Stimulus) hervorgerufen wird, der seine Wirkung durch eine Assoziation mit einem biologisch bedeutsamen Stimulus (unkonditionierter Stimulus) erlangte“ (Ebd., S. 246). Erste Untersuchungen in dem Bereich der Klassischen Konditionierung entstanden durch den russischen Psychologen Ivan Pawlow (1849 - 1936). Durch Experimente an Hunden fand Pawlow heraus, dass der Ursprung des klassischen Konditionierens Reflexe sind. „Ein Reflex ist eine ungelernte Reaktion - wie etwa Speichelfluss, Pupillenkontraktion, Kniesehnenreflex oder Lidschlagreflex -, die in natürlicher Weise durch spezifische Stimuli hervorgerufen wird, die für den Organismus biologisch relevant sind“ (Ebd., S. 247). Jeder Reiz, der ein natürliches Reflexverhalten auslöst, bezeichnet Pawlow als unkonditionierten Stimulus. Dieser besitzt ohne eine Form des Lernens Kontrolle über das Verhalten. Jene Reaktion, die dieser Reiz auslöst, nennt man unkonditionierte Reaktion. Pawlow fand heraus, dass durch die wiederholte Koppelung eines neutralen mit einem unkonditionierten Stimulus, dieser neutrale Stimulus zu einem konditionierten Stimulus wird. Pawlow verwendete als neutralen Reiz unter anderem ein Lichtsignal oder einen Ton. Einem konditionierten Reiz kann es gelingen, durch die selben Assoziationen wie bei dem unkonditionierten Stimulus, ein Verhalten ähnlich der unkonditionierten Reaktion zu erzeugen. Dieses resultierende Verhalten bezeichnet der Psychologe als eine konditionierte Reaktion (vgl. Mazur 2004, S. 95f). Grundsätzlich muss der konditionierte Reiz mehrfach mit einem unkonditionierten Reiz verknüpft werden, damit dieser eigenständig und dauerhaft eine konditionierte Reaktion hervorruft. „Wird der CS1 mit dem UCS2 systematisch gepaart, dann wird die CR3 mit steigender Häufigkeit ausgelöst, und man kann sagen, dass der Organismus eine konditionierte Reaktion erlernt hat“ (Zimbardo 2004, S. 249). Neben dem sich wiederholenden Koppeln der Reize, ist ebenso deren zeitliche Abfolge von enormer Bedeutung. Ein Lerneffekt ist wahrscheinlicher, wenn der unkonditionierte und der neutrale Reiz zeitlich eng aufeinanderfolgen (vgl. Baumgart 2001, S. 110). Ebenso wie die Konditionierung eines Stimulus, ist es wiederum möglich, konditionierte Assoziationen abzuschwächen bzw. zu löschen. Eine sich mehrfach wiederholende Abwesenheit des vorherigen Verstärkers oder eines unkonditionierten Stimulus hat eine solche Löschung der konditionierten Verknüpfung zur Folge. „CR sind also nicht notwendigerweise ein überdauernder Teil des Verhaltensrepertoires“ (Zimbardo 2004, S. 251). Eine Ausnahme in diesem Zusammenhang ist das plötzliche Wiederauftreten einer gelöschten konditionierten Reaktion nach einer längeren Ruhezeit. Dieses Verhalten bezeichnet Pawlow als Spontanremission (vgl. Zimbardo 2004, S. 251). Als weitere Auffälligkeit beschreibt Pawlow die Reizgeneralisierung. Unter diesem Begriff beschreibt der Psychologe die automatische Ausdehnung einer konditionierten Reaktion auf ähnliche Reize. „Nach einer klassischen Konditionierung mit einem CS lösen auch andere, ähnliche Stimuli konditionierte Reaktionen aus, obwohl diese anderen Stimuli nie mit dem US4 kombiniert wurden“ (Mazur 2004, S. 112). Um dem entgegenzuwirken, entstand das Verfahren der Reizdiskrimination. Hierbei lernt das Versuchsobjekt präzise, welche konkreten Signale die Darbietung des unkonditionierten Stimulus hervorsagen und welche nicht. Durch das Ausbleiben des unkonditionierten Reizes bei ähnlichen Stimuli, wird eine solche Differenzierung vom Subjekt erfasst. „Je ähnlicher die Reize sind, desto länger dauert die differentielle Konditionierung, sind die Reize gut unterscheidbar, lernt der Organismus schneller“ (Mielke 2001, S. 26).

Neben Ivan Pawlow gelang es unter anderem Burrhus F. Skinner (1904 - 1990) einschneidende Forschungsergebnisse vorzuweisen, welche die Entwicklung der Lernpsychologie besonders prägten. Skinner entwickelte Methoden des Operanten Konditionierens, um Verhalten experimentell zu untersuchen. Der Begriff Operante Konditionierung (oder auch instrumentelle Konditionierung genannt) beschreibt eine spezielle Form des Lernens. Im Gegensatz zur Klassischen Konditionierung werden operante Reaktionen nicht durch individuelle Reize hervorgerufen. Forschungsgegenstand demgegenüber ist die Manipulation von Konsequenzen eines bestimmten Verhaltens. Der Psychologe versucht somit den Effekt der Konsequenzen auf das Folgeverhalten des Organismus abzuschätzen. Eine Auftretenswahrscheinlichkeit von bestimmten Verhaltensweisen in der Zukunft „kann durch eine Manipulation der Effekte, die sie auf die Umwelt haben, erhöht oder gesenkt werden“ (Zimbardo 2004, S. 263). Skinner untersuchte die Bedeutung einer zuverlässigen Beziehung zwischen einem Verhalten und der darauf folgenden Auswirkung. Gegenstand seiner Forschungen waren Tiere wie u.a. Ratten oder Tauben. Der Psychologe fand heraus, dass die Wahrscheinlichkeit eines Verhaltens steigt, sobald nachfolgend ein angenehmer Reiz entsteht. Diese Beobachtung beschreibt er als Positive Verstärkung. Ebenso erhöht sich das Auftreten einer Handlungsweise, wenn auf diese das Entfallen eines aversiven Reizes folgt (Negative Verstärkung) (vgl. Leonhard 1978, S. 40).

[...]


1 CS= konditionierter Stimulus

2 UCS= unkonditionierter Stimulus

3 CR= konditionierte Reaktion

4 US= unkonditionierter Stimulus

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Lernen im Erwachsenenalter
Untertitel
Zum Begriff Lernen, Lerntheoretische Grundlagen, Lernstile
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Erwachsenenbildung)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V275546
ISBN (eBook)
9783656682561
ISBN (Buch)
9783656682530
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernen, Lernen Erwachsenenalter, Erwachsene, Lerntheorie, Lerntheoretische Grundlage, Lerntheorien, Lernstile, Definition Lernen, Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus, lebenslanges Lernen, Erwachsenenbildung, Lernerfolg, Erwachsenenalter, Lernfähigkeit
Arbeit zitieren
Master of Arts Caroline Siwiecki (Autor), 2011, Lernen im Erwachsenenalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275546

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