Vergütungssysteme in der Anlageberatung


Seminararbeit, 2014

34 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

A. Einleitung

B. Die Anlageberatung
I. Zielsystem der Anlageberatung
II. Interessenkonflikte in der Anlageberatung im Vergleich zum Kaufvertrag
III. Die Wohlverhaltensregeln des §§ 31 ff. WpHG
IV. Vorgaben der MaComp an die Vergütungssysteme in der Anlageberatung
V. Einfluss des Vergütungssystems auf das Verhalten des Anlageberaters

C. Rechtliche Ausgestaltung der Vergütungssysteme in der Anlageberatung
I. Die Provisionsvergütung als traditionelles Vertriebsmodell
II. Das neue Vertriebsmodell in Form der Honorarberatung

D. Das System aus Provisions- und Honorarberatung in der Anlageberatung

E. 6. Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A. Einleitung

Sucht man auslösende Gründe für die Finanzkrise 2007, so findet man diese in den stark gesunkenen Zinsen der Vorjahre und der darauffolgenden ausgeweiteten Kreditvergabe.[1] Im Rahmen der Niedrigzinspolitik der US-amerikanischen Zentralbank FED, wurde durch amerikanische Kreditinstitute die Kreditvergabe zur Immobilienfinanzierung stark ausgedehnt. In der Folge haben auch solche Kunden Kredite erhalten, deren regelmäßiges Einkommen objektiv zu gering war, um die von den Finanzierungsberatern empfohlenen Kredite dauerhaft zu bedienen. Es war damit zu rechnen, dass diese Niedrigzinsphase, welche im Jahre 2000 begann, in absehbarer Zeit ein Ende finden würde. Damit drohte bei steigendem Zinsniveau der Ausfall der Kreditforderungen. Die Kreditinstitute sicherten sich durch flexible Zinsbindung gegen künftige Verluste aus der Differenz des Zinsertrags der gewährten Kredite und dem allgemeinen Zinsniveau ab. So wurde das Risiko des Gesamtausfalls der Kreditverbindlichkeiten allerdings weiter verschärft. Um auch dieses Ausfallrisiko – aus Sicht des einzelnen Institutes – zu verringern, wurden die Kreditforderungen verbrieft und als Wertpapiere auf den internationalen Finanzmärkten verkauft. Mit dem Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus kam, was kommen musste: Erste Kredite konnten nicht mehr bedient werden, die Immobilienpreise sanken und gleichzeitig verloren die durch Hypotheken besicherten Immobilien an Wert. 2007 stand der Kollaps des Finanzsystems bevor und mündete in einer Vertrauenskrise deren Auswirkungen heute noch zu spüren sind.[2]

Fragt man sich nun, welche Akteure in erster Linie am Zustandekommen der Finanzkrise 2007 beteiligt waren, so lassen sich einerseits die Kreditempfänger und deren Finanzierungsberater und andererseits Anleger und deren Anlageberater abgrenzen. Ausschlaggebend für die Finanzkrise war die Tatsache, dass es möglich war den Kunden einerseits völlig ungeeignete Kredite und andererseits hochkomplexe Anlagen zu vermitteln. Dies hängt mit den Charakteristika der beiden Akteure zusammen: So sind einerseits die finanziellen Kenntnisse der allgemeinen Bevölkerung – also der Kunden – als eher gering einzuschätzen[3] und das Verhältnis des Anlage- bzw. Finanzierungsberaters zu seinem Arbeitgeber ist traditionell von einer starken Abhängigkeit gekennzeichnet. Die starke Abhängigkeit des Beraters ergibt

sich aus der traditionellen Vergütung auf Provisionsbasis. Tatsächlich lässt sich

feststellen, dass vor der Finanzkrise 2007 offenkundig nicht die Interessen des Kunden im Vordergrund standen, denn in der Regel wird ein Kunde kein Interesse an einem Kredit haben, dessen Zins- und Tilgungslast er bei geringfügig steigendem Zinsniveau – auf das er selbst keinen Einfluss besitzt – nicht mehr tragen kann. Ebenso wird er kein Interesse an einer Anlage haben, die auf diesem Modell basiert. Vielmehr wurde deren Unwissenheit genutzt, um sie als zentralen Pfeiler hochgradig komplexer Finanztransaktionen zu verwenden.

Eben dieses Verhältnis zwischen Kunde und Anlage- bzw. Finanzierungsberater wird maßgeblich vom Vergütungssystem des Beraters beeinflusst. Da in Deutschland sowie in Europa die verbrieften Kredite aus den USA lediglich an Anleger verkauft wurden, sieht man hier vermehrt Handlungsbedarf in der Anlageberatung und weniger in der Finanzierungsberatung.[4] Dabei werden insbesondere zwei Formen der Ausgestaltung dieser Vergütungssysteme diskutiert: die traditionelle Provisionsvergütung einerseits und die Honorarvergütung andererseits. Ziel dieser Arbeit ist es, den rechtlichen Rahmen der Vergütungssysteme in der Anlageberatung aufzuzeigen und mithilfe betriebswirtschaftlicher Überlegungen abzuleiten, welche Folgen sich aus deren Anwendung ergeben könnten.

B. Die Anlageberatung

Die Anlageberatung basiert auf einem Beratungsvertrag der entsteht, wenn sich ein Kunde an eine Bank bzw. an eine zu dieser Dienstleistung geeignete Person oder Institution mit der Bitte um Beratung hinsichtlich von Anlagemöglichkeiten wendet und diese der Bitte des Kunden nachkommt.[5] Zunächst ist zu klären, welchen Zielen die Anlageberatung folgt. Dabei ist auf die Perspektive der beteiligten Akteure sowie auf eine übergeordnete Perspektive der Volkswirtschaft einzugehen. Darauf aufbauend sollen die Besonderheiten der Anlageberatung hinsichtlich vergleichbarer – aber eben nicht gleicher – Vertragsverhältnisse herausgearbeitet werden.

I. Zielsystem der Anlageberatung

Ein Individuum kann immer nur einen Teil seines Einkommens sparen. Zunächst hat das Individuum zu entscheiden, welches Maß an Liquidität es von seinen Er-sparnissen erwartet.[6] Demgegenüber steht die Verzinsung, die es für die Aufgabe seiner Liquidität erhält (Rendite). Regelmäßig wird die Verzinsung mit der Zunahme an Liquidität der Anlage sinken. Außerdem beachtet das Individuum die Unsicherheit, sein angelegtes Vermögen nicht oder nur zum Teil zurückzuerhalten und bestimmt, nach seiner individuellen Risikoneigung, welcher zusätzliche Zinsaufschlag das Risiko einer Anlage kompensiert. Unter diesen Bedingungen besteht für das Individuum als Sparer das Ziel, eine Anlage zu finden, die seine Präferenzen hinsichtlich des Risikos, der Liquidität und der Rendite optimal zu erfüllen vermag.

Auf der anderen Seite der Anlage steht eine Unternehmung, welche Kapital benötigt, um eine Investition durchzuführen bzw. um deren Geschäftsbetrieb zu finanzieren. Diese hat Interesse an einem vielmehr langfristigen Übergang der Anlage des Sparers. Die Unsicherheit der Unternehmung bestimmt sich nach der Einschätzung des gesamten Anlegerpublikums. Durch eine mangelnde Nachfrage der Unternehmung als Kapitalnehmer, muss diese höhere Zinsen bieten, um einen Kapitalgeber zu finden. Eine Unternehmung hat also das Ziel, einen Kapitalgeber zu finden, der möglichst geringe Zinsen verlangt und Kapital möglichst langfristig bereitstellt.

Gesamtwirtschaftlich besteht also das Ziel, den potenziellen Anleger in Form eines Sparers, mit der zu ihm passenden Anlage des passenden Unternehmens zusammenzuführen. Diese Aufgabe wird in unserer modernen Gesellschaft durch Finanzintermediäre wahrgenommen, welche verschiedenste Formen wie bspw. Geschäftsbanken, Investmentfonds aber auch Versicherungen annehmen können. Ihre primäre Aufgabe ist es, Informationsasymmetrien zwischen dem Debitor und der Unternehmung abzubauen und somit zu „vermitteln“.[7] Insbesondere vor dem Hintergrund zunehmend komplexer Finanzsysteme[8] und der damit einhergehenden Unübersichtlichkeit von Finanzinstrumenten rückt die „Vermittlungsfunktion“ von Finanzintermediären weiter in den Mittelpunkt.

Regelmäßig wird diese Vermittlungsfunktion von Geschäftsbanken direkt wahrgenommen. D. h., sie nutzen die Einlagen ihrer Kunden, um diese in Form von Krediten an Unternehmungen zu transferieren. Eine am Kundenbedürfnis ausgerichtete Anlage ist auf diesem Wege nicht möglich. D. h., die erhöhte Risikobereitschaft eines Anlegers kann nicht mit einer vergleichsweise riskanten Unternehmung zusammengeführt werden. In der Folge erhält die riskante Unternehmung kein oder nur sehr teures Kapital und der risikofreudige Anleger vergleichsweise wenig Rendite. Um dies zu lösen, bietet sich die Anlageberatung an, welche die Bedürfnisse des Kunden erfasst und anhand derer eine individuelle Empfehlung für ein bestimmtes Finanzprodukt abgibt. Damit kommt der Anlageberatung die Aufgabe zu, mit dem Kunden eine passgenaue Anlage zu ermitteln und so gleichzeitig einer Unternehmung genau den richtigen Debitor zu liefern.

Wichtig für diese Vermittlungsfunktion (sowie für die Kapitalmärkte an sich) ist das Vertrauen der Anleger in die Integrität dieser Märkte. Ein mangelndes Vertrauen der Anleger drückt sich in steigenden Kapitalkosten für Unternehmen aus, die auf den Kapitalmärkten nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Maßnahmen des Anlegerschutzes sollen eben dieses Vertrauen schützen, um die Vermittlung von Kapitalangebot und -nachfrage sicherzustellen.[9] Insbesondere rückt der Anlegerschutz in Deutschland aufgrund der Finanzkrise 2007 weiter in den Mittelpunkt, da den Kunden von deutschen Banken verbrieften Finanzprodukte aus den USA verkauft wurden, die mit unmittelbaren Risiken versehen waren. Dabei ist davon auszugehen, dass diese Produkte lediglich aus Profitinteressen von Banken und Anlageberatern verkauft wurden, nicht aber im Interesse der Kunden.[10]

Bezogen auf die Anlageberatung kommt das (politische) Ziel der Vermögensbildung hinzu, welches im Rahmen der privaten (Alters-)Vorsorge immer wieder Eingang in die mediale Diskussion findet. Begründet wird dieses Ziel mit einer möglichst vielschichten Altersabsicherung.[11] Tatsächlich notwendig wird es aber vielmehr aufgrund der demografischen Entwicklung und den damit einhergehenden sinkenden Rentensätzen.[12] So ist davon auszugehen, dass es bei dem Vermögensbildungsziel weniger um die Erhöhung der Vermögenssumme an sich geht, als darum, grundsätzlich zu erreichen, dass die Bevölkerung ihr Einkommen bevorzugt spart, statt es zu konsumieren.

Im Grunde ist das Ziel des Anlegerschutzes eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für die Vermögensbildung. Eine zielgerichtete Vermögensbildung ohne den nötigen Anlegerschutz wird nicht möglich sein. Verlieren die Kunden ihr Vertrauen in die Anlageberatung – welches direkt durch den Anlegerschutz gewährleistet werden soll – werden sie die Vermögensbildung zumindest unter Ver-wendung von Beratern vermeiden. Wird allerdings der Anlegerschutz zu ausgiebig betrieben (bspw. durch eine umfängliche Haftung von Finanzintermediären) werden die für den Marktmechanismus nötigen Funktionen derart unattraktiv, dass sie nur unzureichend angeboten werden, was wiederum ähnliche Konsequenzen nach sich zieht, wie eine zu geringe Ausgestaltung des Anlegerschutzes.[13]

II. Interessenkonflikte in der Anlageberatung im Vergleich zum Kaufvertrag

Aus der Art der Tätigkeit bei der Anlageberatung ergeben sich wichtige Unterschiede zu anderen privatrechtlichen Verhältnissen. Kennzeichnend für ein grundsätzliches Missverständnis ist folgender Vergleich zwischen einem Teppichhändler und einem Anlageberater. Dabei wird argumentiert, dass die Regelungen für Anlageberatungsverträge (bspw. die Vermeidung bzw. Offenlegung von Interessenkonflikten nach § 31 Abs. 1 Nr. 2 WpHG) bei einfachen Kaufverträgen (wie bspw. dem Teppichkaufvertrag) nicht gelten. Allerdings hat der Beratungsvertrag eine andere rechtsdogmatische Stellung, als der einfache Kaufvertrag. Bei dem Teppichkaufvertrag geht es um zwei offenkundig gegensätzliche Interessen. Der eine möchte den Teppich möglichst günstig kaufen, während der andere den Teppich möglichst teuer verkaufen möchte. Dieser Interessengegensatz ist für den Kunden ganz offensichtlich und beide haben ein legitimes Interesse, „den anderen über den Tisch zu ziehen“. Beim Anlageberatungsvertrag hingegen nutzt der Kunde die Expertise des Anlageberaters, da er sie selbst nicht besitzt. Er tritt nicht direkt in Kontakt mit dem „Hersteller“ oder Emittenten der jeweiligen Finanzprodukte, bei dem er von ihm entgegenstehenden Interessen ausgehen müsste. Damit ergibt sich die Pflicht für den Berater, die fremden Interessen des Kunden zu wahren. Eine Beratung in überwiegendem Eigeninteresse des Anlageberaters kann bereits an dieser Stelle als unzulässig identifiziert werden.[14]

[...]


[1] So Neugebäumer, Wirtschaftsdienst 2008, S. 732 (735).

[2] So insgesamt Neugebäumer, Wirtschaftsdienst 2008, S. 732 (735 ff.).

[3] Franke/Funke/Gebken/Johanning, WHU-Arbeitspapier 2011, S. 25.

[4] Diese strikte Trennung scheint nicht sinnvoll, da nicht ersichtlich ist weshalb die Anlageberatung für Konflikte bei der Wahrung der Kundeninteressen anfälliger sein sollte als die Finanzierungsberatung. Zur Diskussion eines Gleichlaufs beider Beratungsformen Rosenblum/Kaiser, in BB 2014, Heft Nr. 11, S. 585 (585ff.); Im Ergebnis ähnlich auch Krüger, in NJW 2013, S. 1845 (1849).

[5] Vgl. MüKoBGB/ Emmerich, § 311 BGB, Rn. 115.

[6] Keynes, Allgemeine Theorie, S. 141 bezeichnet dies als Liquiditätspräferenz.

[7] So insgesamt Hasch/Börsch-Supran , in Springers Handbuch der Volkswirtschaftslehre, S. 270.

[8] So auch Haldane, BIS Review 2009, S. 4, welcher die Komplexität des Zusammenspiels des Finanzmarktes mit dem des Regenswaldes vergleicht.

[9] Vgl. Fuchs, Fuchs WpHG, § 31 Rn. 45.

[10] Franke/Funke/Gebken/Johanning, WHU-Arbeitspapier 2011, S. 7.

[11] Siehe Dt. BReg, Koalitionsvertrag, S. 72.

[12] So Börsch-Supran, Perspektiven der privaten Altersvorsorge, S. 45 (45), anderer Meinung: Marschallek, in ZfS 2004, S. 285 (286).

[13] Vgl. Franke/Funke/Gebken/Johanning, WHU-Arbeitspapier 2011, S. 8.

[14] So insgesamt Reiter/Methner, in WM 2013, S. 2053 (2055).

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Vergütungssysteme in der Anlageberatung
Hochschule
Universität Hohenheim  (Institut für Rechts- und Sozialwissenschaften (550))
Veranstaltung
Proseminar Kapitalmarktrecht
Note
1,00
Autor
Jahr
2014
Seiten
34
Katalognummer
V275630
ISBN (eBook)
9783656685210
ISBN (Buch)
9783656685173
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergütung, Vergütungssysteme, Anlage, Anlageberatung, Beratung, BT 8, BT8, MaComp, BaFin, Anreiz, Honorarberatung, Provisionsberatung, Honorar, Provision, Anlagevermittlung, Wertpapierdienstleitungsunternehmen, Emittent, Finanzprodukt, Wohlverhaltensregeln, § 31 WpHG, WpHG
Arbeit zitieren
B.Sc. der Wirtschaftswissenschaften Mark Mayer (Autor), 2014, Vergütungssysteme in der Anlageberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275630

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