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Kalokagathie bei Friedrich Schiller? Untersuchung der Schriften "Über Anmut und Würde" und "Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen"

Titre: Kalokagathie bei Friedrich Schiller? Untersuchung der Schriften "Über Anmut und Würde" und "Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen"

Thèse de Bachelor , 2013 , 39 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Fabian Gorris (Auteur)

Philologie Allemande - Divers
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Résumé Extrait Résumé des informations

"Wir propagieren kein Schönheitsideal. Jeder Mensch ist schön auf seine Art." (Heidi Klum)
Worauf die Jurorin der ästhetisch fragwürdigen TV-Sendung „Germany´s next Topmodel“ hier hinweist, bezieht sich auf den seelischen Wert des Menschen, durch den jeder auf eine bestimmte Weise „schön“ werden kann. Mit dieser philosophischen Betrachtungsweise des Menschen umschreibt Heidi Klum das antike Kalokagathie-Ideal, wenn auch nicht in seinem ganzen Facettenreichtum, so doch näherungsweise.
Die vorliegende Arbeit wird zunächst den Begriff „Kalokagathie“ beleuchten. Dabei werden sein Ursprung und seine Genese im Lauf der Geschichte betrachtet, bevor die verschiedenen Gebrauchsweisen des Menschheitsideals in klassischer Zeit skizziert werden. Hier wird auffallen, dass das Kalokagathie-Ideal mit verschiedenen Bedeutungsinhalten in Verbindung gebracht werden kann. So ist synchron zum sprachlichen, gesellschaftlichen und politischen Wandel der Zeit auch der Bedeutungsinhalt immer wieder in modifizierter Form aufgetreten, was gerade für die Untersuchung moderner Texte auf ein solches Ideal berücksichtigt werden muss. Mit der Analyse der Begriffsgeschichte geht auch die Betrachtung der Wiederbelebung des antiken Menschheitsideals in der Renaissance und durch klassizistische Autoren einher. Hier wird insbesondere auf den dritten Earl of Shaftesbury hingewiesen. Neben kurzen Abrissen über die moderne Kalokagathie-Forschung wird auch auf den Begriff der negativen Kalokagathie eingegangen.
Im Folgenden wird versucht eine Brücke zwischen der Antike und Friedrich Schiller zu errichten. Um ein Grundverständnis der Schriften Schillers Über Anmut und Würde sowie Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen herstellen und sein Werk in den Geist seiner Zeit einordnen zu können, folgt dem Abschnitt über die Kalokagathie zunächst die Skizzierung Schillers Rezeption der Antike. Neben dieser soll auch eine kurze Einweisung mit analytischen Elementen in seine Schriften für ein zielführendes Verständnis des Zusammenhangs zwischen diesen und dem Ideal der Kalokagathie sorgen. Hier dienten mir die Werkausgaben von Perfahl und Janz als Textvorlagen.
Im Bedeutungszentrum der Arbeit steht der Versuch des Nachweises des Kalokagathie-Ideals in den titelgebenden Werken, wobei auch auf Unterschiede zwischen dem antiken und dem Schillerschen Menschheitsideal hingewiesen wird. [...]

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kalokagathie

3. Schillers Rezeption der Antike

4. Über Anmut und Würde

4.1 Kalokagathie in Über Anmut und Würde?

5. Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen

5.1 Kalokagathie in Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen?

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das antike Ideal der Kalokagathie im Werk von Friedrich Schiller nachzuweisen und kritisch zu hinterfragen, wobei insbesondere die Schriften "Über Anmut und Würde" sowie "Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen" auf ihre Übereinstimmung mit dem antiken Menschheitsideal geprüft werden.

  • Begriffsgeschichte und Entwicklung der Kalokagathie von der Antike bis in die Moderne
  • Rezeption der griechischen Antike durch Friedrich Schiller und dessen Zeitgenossen
  • Analyse von Anmut und Würde als Ausdruck moralischer und geistiger Qualitäten
  • Verbindung von Schönheit, Spieltrieb und ästhetischer Erziehung im Schillerschen Staatsmodell
  • Kritische Untersuchung des Schillerschen Menschheitsideals hinsichtlich elitärer Tendenzen und Geschlechterrollen

Auszug aus dem Buch

4. Über Anmut und Würde

Diese Aufhebung der strikten Trennlinie von Sinnlichkeit und Vernunft bildet ein Leitmotiv der Abhandlung Über Anmut und Würde. Sie entstand in nur sechs Wochen, von Mai bis Juni 1793, was vermuten lässt, dass Schiller die behandelten moralphilosophischen und ästhetischen Fragen schon lange beschäftigten. Er greift darin eine Diskussion seiner Epoche über Ästhetik und Vernunft auf und orientiert sich dabei begrifflich an dem philosophischen System Immanuel Kants, welchem er allerdings teilweise widerspricht. In der Kritik der Urteilskraft legt dieser fest, dass den Ideen der Vernunft in der dinglichen Welt keine Anschauung gegeben werden kann.

Dem widerspricht Schiller jedoch. Die Funktion der Anschauungsgebung der Ideen der Vernunft in der physischen Welt erfüllt für Schiller die Schönheit. Damit stellt Schiller die Verbindung zwischen Materie und Metaphysik her, was noch für Kant undenkbar war. In dieser Übertragung ist deutlich eine Nähe zum Gedanken der Kalokagathie zu entdecken.

Damit ihm diese Verbindung gelingt, führt Schiller die Anmut ein, die bei ihm oft mit „Grazie“ synonym gebraucht wird. Eine Orientierung an der Antike wird hier besonders deutlich, da sich Schiller für die Skizzierung der Anmut aus dem antiken Göttermythos bedient. Mit dem Bild der Schönheitsgöttin Venus, die durch ihren Gürtel zusätzlich zu ihrer Schönheit Anmut erhält, wird ganz in griechischer Tradition die Schönheit von der Anmut unterschieden. Die Venus kann den Gürtel, welcher symbolisch für die Anmut steht, abnehmen und verleihen, in Schillers Beispiel an die Himmelsgöttin Juno. Sie erhält dadurch Anmut, welche zu einer „beweglichen Schönheit“ wird. Damit ist zum einen gemeint, dass sie an einem Menschen erscheinen und wieder verschwinden kann. Also auch auf „das Minderschöne, ja selbst auf das Nichtschöne, übergehen“ kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in den antiken Begriff der Kalokagathie ein und skizziert das Vorhaben, eine Brücke zwischen diesem Ideal und den Werken Friedrich Schillers zu schlagen.

2. Die Kalokagathie: Dieses Kapitel erläutert die Genese und die verschiedenen Bedeutungsebenen des Begriffs Kalokagathie im Wandel der Geschichte von der Antike bis zur Neuzeit.

3. Schillers Rezeption der Antike: Hier wird Schillers Verhältnis zur griechischen Antike und die Einbettung seiner Arbeit in den damaligen philhellenischen Kontext dargelegt.

4. Über Anmut und Würde: Das Kapitel untersucht Schillers Abhandlung im Hinblick auf die Eintracht von Sinnlichkeit und Vernunft und stellt die Begriffe Anmut und Würde vor.

4.1 Kalokagathie in Über Anmut und Würde?: Eine kritische Prüfung, inwieweit das in Schillers Abhandlung formulierte Menschheitsideal mit dem antiken Kalokagathie-Gedanken korreliert.

5. Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen: Dieser Abschnitt thematisiert die Anwendung von Schillers Menschheitsideal auf seine Staatstheorie durch das Konzept des Spieltriebs.

5.1 Kalokagathie in Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen?: Eine Untersuchung darüber, ob der ästhetische Staat und die Rolle des Spiels in den Briefen eine Kalokagathie-Rezeption darstellen.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Schillers Ideal zwar Ähnlichkeiten zur Kalokagathie aufweist, jedoch nicht als direkte Rezeption gelten kann.

Schlüsselwörter

Friedrich Schiller, Kalokagathie, Anmut, Würde, Ästhetische Erziehung, Schöne Seele, Spieltrieb, Antike, Klassik, Kant, Menschheitsideal, Ethik, Vernunft, Sinnlichkeit, Staatstheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die philosophische Verknüpfung des antiken Menschheitsideals der Kalokagathie ("das Schöne und Gute") mit den ästhetischen Theorien von Friedrich Schiller.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Begriffe Anmut, Würde, die "schöne Seele", der Spieltrieb sowie das Verhältnis von Kunst und Politik in Schillers Schriften.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Forschungsfrage lautet, inwieweit Schillers Konzepte in den untersuchten Schriften als eine bewusste oder nähere Adaption des antiken Kalokagathie-Ideals verstanden werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer philologischen und ideengeschichtlichen Analyse, die den Rückgriff auf zeitgenössische sowie antike Quellen nutzt, um Schillers Gedankengebäude einzuordnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Abhandlung "Über Anmut und Würde" sowie der "Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen" unter Bezugnahme auf historische und aktuelle Forschungsergebnisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär durch die Begriffe Schillers Menschheitsideal, ästhetische Erziehung, Kalokagathie, Anmut und Würde definieren.

Warum hält Schiller Anmut für ein primär weibliches Ideal?

Schiller begründet dies in "Über Anmut und Würde" mit dem körperlichen Bau und der vermeintlichen seelischen Disposition der Frau, die Anmut als Ausdruck ihrer Tugend zur Geltung bringe.

Was unterscheidet den Notstaat vom ästhetischen Staat bei Schiller?

Während der Notstaat auf Zwang und Triebkontrolle basiert, ist der ästhetische Staat ein utopischer Modellentwurf, in dem Menschen durch Schönheit und Freiheit in einem harmonischen Miteinander leben.

Inwieweit lässt sich Schillers Menschheitsideal heute noch realisieren?

Schiller selbst erkennt, dass sein Ideal der "schönen Seele" kaum in der Realität erreichbar ist; die Arbeit ergänzt, dass moderne gesellschaftliche Strömungen eher einem sinnentleerten Schönheitsideal folgen.

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Résumé des informations

Titre
Kalokagathie bei Friedrich Schiller? Untersuchung der Schriften "Über Anmut und Würde" und "Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen"
Université
University of Münster  (Institut für Sportwissenschaften)
Cours
Sporthistorisches Kolloquium
Note
1,0
Auteur
Fabian Gorris (Auteur)
Année de publication
2013
Pages
39
N° de catalogue
V275670
ISBN (ebook)
9783656689959
ISBN (Livre)
9783656689997
Langue
allemand
mots-clé
Schiller Kalokagathie Ästhetik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Fabian Gorris (Auteur), 2013, Kalokagathie bei Friedrich Schiller? Untersuchung der Schriften "Über Anmut und Würde" und "Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275670
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Extrait de  39  pages
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