Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage nach der unterrichtlichen Thematisierung der Sorben (Wenden) in Schulbüchern unterschiedlicher Fächer: Deutsch, Politik, Geschichte und W-A-T(Wirtschaft-Arbeit-Technik) sowie der daraus resultierenden Frage nach der möglichen Umsetzung des Themas im Unterricht. Methodologisch wird bei dieser Arbeit hauptsächlich auf Techniken der Datenauswertung zurückgegriffen, da Schulbücher aus dem Land Brandenburg nach dieser Fragestellung analysiert und mit bisherigen Ergebnissen der Forschung verglichen werden. Die Vergleiche mit vorangegangener Forschung in dieser Arbeit beziehen sich hauptsächlich auf die von Neumann gemachten Untersuchungen von Schulbüchern des Zeitraums 1998 – 2006.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Erläuterung zum methodologischen Vorgehen
2. Begriffsbestimmung
3. Schulbuchanalyse Brandenburger Lehrbücher der Sek I
3.1 Deutsch
3.2 Geschichte
3.3 Politik
3.4 Wirtschaft-Arbeit-Technik
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Sorben (Wenden) als autochthone Minderheit in aktuellen Brandenburger Schulbüchern der Sekundarstufe I thematisiert werden, und analysiert, ob diese Darstellung den pädagogischen Anforderungen an ein modernes, interkulturelles Lernen gerecht wird.
- Analyse der inhaltlichen Darstellungsorbischer Identität und Kultur in Lehrwerken.
- Vergleich aktueller Schulbuchinhalte mit den Ergebnissen vorangegangener Studien.
- Bewertung der Umsetzung gesetzlicher Bildungsaufträge im Unterricht.
- Identifikation von Defiziten in der Vermittlung nationaler Minderheiten.
- Diskussion des Handlungsbedarfs bei der Lehrerbildung und Materialentwicklung.
Auszug aus dem Buch
III. Schulbuchanalyse Brandenburger Lehrbücher der Sekundarstufe I
Im brandenburgischen Schulgesetz heißt es: „Die Vermittlung von Kenntnissen und das Verstehen der sorbischen (wendischen) Identität, Kultur und Geschichte sind besondere Aufgaben der Schule.“ (§ 4). Im Rahmenlehrplan Brandenburgs für die Sekundarstufe I findet sich durchgehend für jedes Fach zumindest eine offizielle Bemühung diesen Anforderungen zu genügen indem es heißt „Zum besonderen Bildungsauftrag der brandenburgischen Schule gehören die Vermittlung von Kenntnissen über den historischen Hintergrund der Sorben (Wenden) sowie das Verstehen der sorbischen (wendischen) Kultur.“
Laut Rahmenlehrplanvorgabe bedeute dies eine Notwendigkeit Inhalte zum Thema sorbischer (wendischer) Sprache, Kultur, Identität und Geschichte im Unterricht aufzugreifen, um das Verständnis für Gemeinsamkeiten in der Herkunft und die Verschiedenheit der Tradition zu fördern. In den seit 2007/08 gültigen Lehrplänen für das Land Brandenburg, die in Orientierung an die Rahmenlehrpläne Berlins entstanden, wird aber neben diesem frommen Gedanken auf die Benennung von Unterschiedlichen beispielhaften Möglichkeiten zur Untermauerung dieser Vorgabe verzichtet, vielmehr finden sich für die Jahrgangsstufen 7/8 und 9/10 nur die Beschreibung erforderlicher Kompetenzen und Standards. Daraus ergibt sich ein zweischneidiges Schwert für die Lehrer/innen an Brandenburger Oberschulen: Einerseits entsteht die Freiheit der Vermittlung o.g. Inhalte auf unterschiedliche, individuelle Weise im Unterricht einzubringen, aber auch das Risiko, dass Inhalte mit sorbischer (wendischer) Thematik kaum oder gar keine Berücksichtigung im Unterricht finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Erläuterung zum methodologischen Vorgehen: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der unterrichtlichen Thematisierung der Sorben und Definition der methodischen Analyse von Schulbüchern.
2. Begriffsbestimmung: Historische Einordnung der Sorben (Wenden) als autochthone Minderheit und Beschreibung ihres verfassungsrechtlich geschützten Status.
3. Schulbuchanalyse Brandenburger Lehrbücher der Sek I: Detaillierte Untersuchung der Darstellung in verschiedenen Schulfächern unter Berücksichtigung aktueller Lehrpläne und vorangegangener Analysen.
3.1 Deutsch: Analyse der Behandlung der sorbischen Thematik in Deutschbüchern, wobei eine häufige Unerwähntheit des Themas festgestellt wird.
3.2 Geschichte: Untersuchung der historischen Aufarbeitung in Geschichtsbüchern, wobei ein Rückgang der inhaltlichen Tiefe im Vergleich zu älteren Ausgaben erkennbar ist.
3.3 Politik: Analyse der Darstellung politischer und kultureller Minderheitenrechte, wobei eine oft stereotype oder oberflächliche Behandlung kritisiert wird.
3.4 Wirtschaft-Arbeit-Technik: Beurteilung der Integration interkultureller Inhalte im Fachbereich W-A-T, in dem das Thema Sorben bisher keine Rolle spielt.
4. Fazit: Zusammenfassende Kritik der unzureichenden Thematisierung sowie Forderung nach besserer Vorbereitung und Materialbereitstellung für Lehrkräfte.
Schlüsselwörter
Sorben, Wenden, Schulbuchanalyse, Minderheiten, Brandenburg, Interkulturelles Lernen, Lehrplan, Identität, Kultur, Bildungsauftrag, Sekundarstufe I, Vermittlung, Autochthone Minderheiten, Unterrichtsmaterial, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie und in welcher Qualität die sorbische (wendische) Minderheit in aktuellen Schulbüchern des Landes Brandenburg dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die rechtliche Verankerung des sorbischen Erbes, die Umsetzung in den Rahmenlehrplänen sowie die konkrete didaktische Aufbereitung in den Fächern Deutsch, Geschichte, Politik und W-A-T.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob die im Schulgesetz verankerte Pflicht zur Vermittlung von Kenntnissen über die Sorben in der schulischen Praxis der Lehrwerke tatsächlich umgesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Schulbuchanalyse durchgeführt, die Daten aus aktuellen Lehrwerken auswertet und diese mit den Ergebnissen vorangegangener Untersuchungen, insbesondere denen von Neumann, vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine fachspezifische Analyse der Schulbücher, wobei kritisch beleuchtet wird, ob die Darstellung klischeehaft ist oder gar komplett auf die Thematik verzichtet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sorben/Wenden, Schulbuchanalyse, Minderheitenrechte, Brandenburger Lehrpläne und interkulturelle Didaktik.
Inwiefern hat sich die Darstellung seit 1999 verändert?
Die Analyse zeigt, dass in neueren Schulbüchern das Thema teilweise deutlich seltener oder vager behandelt wird als noch in früheren Ausgaben.
Welches Problem identifiziert die Autorin für Lehrkräfte?
Lehrkräfte stehen vor einem Mangel an qualitativ hochwertigem Material und sind oft nicht ausreichend didaktisch geschult, um das Thema selbstständig und fundiert im Unterricht zu vermitteln.
Was ist das "zweischneidige Schwert" der Rahmenlehrpläne?
Die Lehrpläne bieten zwar Freiheit bei der inhaltlichen Gestaltung, führen jedoch gleichzeitig dazu, dass aufgrund fehlender konkreter Vorgaben das Thema oft gänzlich aus dem Unterricht verschwindet.
Welche Empfehlung gibt die Arbeit abschließend?
Es wird die Durchführung fachübergreifender Fortbildungen für Lehrkräfte gefordert, um das notwendige Wissen und die Sicherheit für eine angemessene Thematisierung im Unterricht zu schaffen.
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- Seda Markhoff (Autor), 2007, Die Sorben und die Wenden aus der Sicht heutiger Schulbücher, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275818