Mexiko wurde über 70 Jahre lang von einer Partei regiert, bis dann im Jahr 2000, pünktlich zum Millenniumswechsel, ein Machtwechsel stattfand. Knapp gewann die PAN die Wahl und ein Regierungswechsel vollzog sich zum ersten Mal in Mexikos 2000 jähriger Geschichte friedlich. Doch wie sich zeigen sollte, war die Frage danach, wohin sich das Land entwickeln sollte, damit noch nicht endgültig gelöst. In Mexiko wird der Präsident alle sechs Jahre gewählt und kann nicht wiedergewählt werden, was jede Wahl aufs Neue interessant macht. Im Jahre 2006 dann äußerte sich die Wahl in erstaunlicher Intensität. Während 2000 die Entscheidung der Wähler hauptsächlich für oder gegen die alte Regierung war, so stellte sich die Auswahl 2006 weitaus komplexer da als zuvor. Dies lag zum einen da dran, dass die ehemalige Regierungspartei sich im Vorfeld erholt hatte und damit potenziell noch immer eine Alternative bot. Allerdings, wie zu zeigen sein wird, verspielte der Kandidat der PRI bereits in der Vorwahl seine Chancen auf den Wahlsieg. 2006 stand es um Mexiko wirtschaftlich gesehen weit besser als je zuvor: 2005 betrug die Inflation gerade mal 3,3 %, den geringsten Wert seit 1969 und die Ratingagentur Standart and Poor gab dem Land den geringsten Risikowert in seiner Geschichte. Dies wurde der Regierungspartei PAN zugerechnet, was sich positiv für diese auswirkte. Dagegen hatte die dritte Partei PRD einen beliebten und charismatischen Kandidaten aufgestellt, der vor allem in der Hauptstadt durch seine erfolgreiche Amtszeit als Bürgermeister äußerst beliebt war. Die Wahl blieb bis zum allerletzten Moment spannend und endete mit folgendem Ergebnis: Felipe Calderón Hinojosa von der Regierungspartei PAN gewann mit 0,58% gegen den Oppositionsführer Andrés Manuel Lopéz Obrador von der PRD.Dies führte zu wochenlangen massiven Protesten, der PAN wurde Wahlbetrug vorgeworfen. Im Folgenden soll eine Analyse der Wahlvorgänge erfolgen. Hierfür wird zunächst ein Blick auf die Vorgeschichte des Landes geworfen, beginnend bei der mexikanischen Revolution. Dies ist notwendig, da die Ereignisse des Jahres 2006 nur im Zusammenhang mit der stark verzögerten Demokratisierung des Landes richtig einzuordnen sind. Anschließend werden die Ereignisse der Wahl 2006 genauer betrachtet und danach wird versucht, die Ereignisse mit dem Instrument der Konflikttheorie Dahrendorfs zu erfassen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.Mexiko und die Wahlen des Jahres 2006
1.1 Die Vorgeschichte
1.2 Der Konflikt um die Wahl des Jahres 2006
1.3 Der Wahlkampf
1.4 Die Proteste gegen die Wahl
2. Die Konflikttheorie von Ralf Dahrendorf
2.1 Grundlagen der Theorie
2.2 Konflikt als Klassenkampf
2.4 Die Konkretisierung der Theorie
2.5 Das Konzept der Lebenschancen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die Präsidentschaftswahl des Jahres 2006 in Mexiko unter Anwendung der Konflikttheorie nach Ralf Dahrendorf zu analysieren. Dabei wird untersucht, inwieweit diese soziologische Theorie geeignet ist, die politischen Ereignisse, die tieferen gesellschaftlichen Hintergründe und die auf die Wahl folgenden Proteste zu erklären und zu interpretieren.
- Historischer Kontext der mexikanischen Demokratisierung und Wahlgeschichte
- Analyse der Präsidentschaftswahl 2006 und der daraus resultierenden Proteste
- Einführung in die Grundannahmen der Konflikttheorie nach Ralf Dahrendorf
- Anwendung des Konzepts der Lebenschancen auf das mexikanische Wahlergebnis
- Diskussion über die Grenzen der Theorie bei der Anwendung auf empirische Realität
Auszug aus dem Buch
2.1 Grundlagen der Theorie
„Jede ,gesunde‘, selbstgewisse und dynamische Gesellschaft kennt und anerkennt Konflikte in ihrer Struktur; denn deren Leugnung hat ebenso schwerwiegende Folgen für die Gesellschaft wie die Verdrängung seelischer Konflikte für den Einzelnen: Nicht wer vom Konflikt spricht, sondern wer ihn zu verschweigen sucht, ist in Gefahr, durch ihn seine Sicherheit zu verlieren.“
Dieses Zitat spricht schon deutlich an, welche Grundeinstellung zu sozialen Konflikten Ralf Dahrendorf einnimmt: Sie sind wichtig und essenziell für die Gesellschaft, sie gehören dazu. Dies ist ein wichtiger und bestimmender Aspekt für das Verständnis seiner Theorie.
Um seinen Begriff des gesellschaftlichen Konfliktes darzustellen, zieht Dahrendorf die „Consensus-Theorie der gesellschaftlichen Integration“ heran und stellt dieser eine „Zwangstheorie der gesellschaftlichen Integration“ gegenüber. Diese beiden Theorien sind gegensätzliche Erklärungsansätze für das was Parsons das „Hobbessche Problem der Ordnung“ nennt, was vereinfacht gesagt die Frage danach, ist was eine Gesellschaft letztendlich zusammenhält und zu einem stabilen Sozialsystem zusammengefasst.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung bettet die Präsidentschaftswahl 2006 in den historischen und ökonomischen Kontext Mexikos ein und führt in die Absicht ein, diese Ereignisse mithilfe der Konflikttheorie Dahrendorfs zu untersuchen.
1.Mexiko und die Wahlen des Jahres 2006: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Aufarbeitung der politischen Historie Mexikos, des spezifischen Wahlverlaufs 2006, der Kandidaten sowie der massiven Proteste nach der knappen Entscheidung.
2. Die Konflikttheorie von Ralf Dahrendorf: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Konflikttheorie erläutert, insbesondere der Fokus auf Herrschaftskonflikte, der Begriff des Klassenkampfes sowie das Konzept der Lebenschancen.
Fazit: Das Fazit resümiert die Eignung der Theorie für den untersuchten Fall, diskutiert die Grenzen des Erklärungsansatzes und weist auf die langfristigen Folgen der Ereignisse für die mexikanische Gesellschaft hin.
Schlüsselwörter
Mexiko, Präsidentschaftswahl 2006, Ralf Dahrendorf, Konflikttheorie, Klassenkampf, Lebenschancen, Demokratisierung, Wahlbetrug, Calderón, Lopez Obrador, Protestbewegung, politische Transition, Herrschaftskonflikt, Sozialstruktur, Wahlanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die mexikanische Präsidentschaftswahl des Jahres 2006 vor dem Hintergrund der soziologischen Konflikttheorie von Ralf Dahrendorf, um die komplexen politischen Spannungen des Landes besser zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der mexikanischen Demokratisierung, den Ablauf und die Skandale der Wahl 2006, die soziologische Theorie nach Dahrendorf und die Anwendung dieses Modells auf die empirische Realität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu prüfen, inwieweit Dahrendorfs Konflikttheorie als Instrument geeignet ist, um das Wahlergebnis von 2006 und die nachfolgenden Proteste analytisch zu durchdringen und die Grenzen dieser Theorie aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Aufarbeitung der historischen Ereignisse, die theoretisch durch die Konflikttheorie Dahrendorfs sowie das Konzept der Lebenschancen gerahmt und interpretiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung des mexikanischen politischen Kontextes seit der Revolution sowie in eine systematische Einführung und Anwendung der Konflikttheorie auf die Wahl und ihre gesellschaftlichen Folgen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mexiko, Wahl 2006, Konflikttheorie, Dahrendorf, Klassenkampf, Lebenschancen und Demokratisierung.
Warum spielt die mexikanische Revolution in der Analyse eine Rolle?
Die Revolution ist für die Autorin notwendig, um die stark verzögerte Demokratisierung und die tief verwurzelten politischen Strukturen Mexikos, die im Jahr 2006 in einem Konflikt kulminierten, richtig einordnen zu können.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Anwendbarkeit der Dahrendorf-Theorie?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Theorie eine sehr plausible Interpretation der Hintergründe liefert, jedoch an ihre Grenzen stößt, da die Realität komplexer ist als die in der Theorie vorgesehenen zwei Akteure.
- Citation du texte
- Henrike Höpker (Auteur), 2012, Die Anwendung der Konflikttheorie Dahrendorfs auf die Präsidentschaftswahl 2006 in Mexiko, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276333